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RE: Bernhard in Weimar | 10.04.2010 | 13:39

Guten Morgen Herr Angele,
geehrte Frau Meyer,

als regelmäßiger Weimar-Besucher waren meine Frau und ich zufällig in der gleichen Aufführung. Ich hoffe, dass ich Ihr vertrauliches tête à tête trotzdem stören darf.

Wir saßen nicht in der ersten Reihe und waren begeistert. Wenn man die Besonderheiten Bernhard's (Weltanklage schlechthin und maßlose Übertreibung) zu Rate zieht, dann sind die Stilmittel des Schreiens geradezu naheliegend und das Nacktstellen ebenso.

Wenn ich den Text lesen will, dann lese ich den Text, dieses Stück immer und immer wieder. Wenn ich ins Theater gehe, dann liebe ich die Inszenierungen und die Lautmalereien drum herum. Die dafür genutzten kreativen Mittel waren für uns in der Summe nicht gewohnheitsmäßig, sondern dem Wesen Bernhards in seiner Projektion in unsere Jetztzeit schillernd adäquat.

Menschliche Kommunikation im Irrenanstalt-Look, wem läge diese Assoziation nicht nahe? Stühle, aus denen wichtige Mikrofone ragen, die Reduktion der Plapperer auf dieses durchdringende Symbol - großartig, sie nackt und bloß stellend!

Wir jedenfalls waren begeistert und möchten Ihnen vorbehaltslos gratulieren, Frau Meyer. Auch wir wurden sehr gastfreundlich behandelt.

RE: Eine Idee, deren Zeit gekommen ist | 06.04.2010 | 19:33

Vielen Dank, Jayne, für diesen Hintergrundbericht. Das BGE wird viel schneller als wir alle glauben relevant auch bei uns.

Es geht darum (aus dem Interview)
"Was für mich das Interessanteste war, sie haben ihre Würde zurückbekommen."

Ich war vor Jahren bei einem Vortrag bei Prof. Werner, der sagte: "Stellen Sie sich vor, Sie hätten jeden Montat so viel Geld, dass sie tun könnten, was Ihnen liegt, was ihnen Spaß bringt."

Genau darum geht es m.E. heute: Menschen müssen ihre Kreativität, ihre Entdeckungslust einbringen und nicht ihre Scheuklappenangst bzw. die Tatsache, dass sie um einen Arbeitsplatz winseln müssen. Hier liegen die wirklichen Reserven für zukünftiges (auch inneres) Wachstum aller.

RE: Uschi Obermaier - "High Times" | 05.04.2010 | 23:24

Hallo Magda,

ich kann nicht sagen, ob CG alleine PC in den Tod getrieben hat, habe mich zu wenig damit beschäftigt. Soeben ist aber ein Briefwechsel erschienen zwischen Paul Celan und der Familie Demus, die wohl den Schluss zulässt, dass ihn diese Plagiatsvorwürfe sehr getroffen haben. Wollte das noch lesen.

"Wonnen der Gewöhnlichkeit" - tja, ich denke, dass das Gehirn bzw. die Phantasie das wesentliche erotische Organ ist - offensichtlich hat das TM nicht gewusst und dieses haltloseste aller Vorurteile nachgeplappert.

RE: Uschi Obermaier - "High Times" | 05.04.2010 | 15:39

Es war die Witwe von Goll und sie hat Paul Celan mehr oder weniger in den Tod getrieben?

RE: Uschi Obermaier - "High Times" | 05.04.2010 | 14:00

Liebe Magda,

ich habe das natürlich nicht persönlich gemeint, sondern bezogen auf Uschi. Uschi hat in ihrem Buch keinen erhellenden Satz über Liebe, Erotik Sex geschrieben, während dies in Nacktbadestrand eine über 80-jährige Dame erfrischend klar umsetzt.

Auch dies weist auf ein großen Unterschied in den beiden Biografien Obermaier-Langhans hin. Wenn ich alles, was ich über dieses Thema gelesen habe, zusammenfassen würde, dann könnte ich sagen, dass RL dies perfekt formuliert. Aber ich möchte Sie jetzt in ihrem RL-Lesevergnügen (und das wird es, er ist das Gegenteil von langweilig) nicht vorbeeinflussen.

RE: Uschi Obermaier - "High Times" | 04.04.2010 | 23:57

"Ich bin erst einmal hochbeglückt, dass hier noch ein paar irdische Fragen behandelt werden und nicht immer nur religiöse Sachen."

Stimmt völlig, Magda!

Bin auf Ihr vergleichendes Urteil gespannt, wenn sie den Langen Hans gelesen haben.

Das Spannende an Obermaier war für mich im Grunde nur, dass Sie ein weiblicher Macho war, die ebenso (ein Eigenschaftswort Ihrer Wahl einfügen) gelebt hat wie viele ihrer männlichen Pendants das getan haben. Vielleicht sehe ich das aber falsch.

Zum irdischen Vergnügen sei noch das Buch "Nacktbadestrand" empfohlen, in dem eine wilde 82-jährige von ihrem ersten Orgasmus berichtet: mit 79! Sie meint, dass Männer über 50 nichts mehr taugen, ihre "nachholende" Liebe gilt der darunter liegenden, männlichen Zielgruppe.

RE: Uschi Obermaier - "High Times" | 04.04.2010 | 19:16

Ich habe beide Bücher gelesen und (von Langhans: "Ich bin's die ersten 68 Jahre") und komme zu einem sehr differenzierten Urteil der beiden, in dem UO äußerst schwach auf der Brust erscheint.

Männliche Anteile bei Obermaier: das stimmt wohl, Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Ja, triviale Natur, einfach nur leben, wie eine Maurerin, die dem nächsten Pop Idol hinterherpfeift kurvt.

Ich denke, dass Rainer Langhans (er lebt heute immerhin mit 5 Frauen) ihr auch heute noch den Zugang zur echten Körperlichkeit zeigen könnte. Vermutlich wird sie das aber erst mit 85 erreichen. Bis dorthin wünsche ich ihr viel Vergnügen.

Es würde mich interessieren, zu welchem Urteil Sie kommen, wenn Sie RL's Buch gelesen haben. Dabei dürfen Sie die Passagen über Gurus ruhig abziehen. Sie sind nicht relevant imho.

RE: Uschi Obermaier - "High Times" | 04.04.2010 | 15:33

Hallo Magda,

schöne Umschreibung von Uschi Obermaier. Leben volle Kanne!

Wenn man allerdings liest, dass sie Rainer Langhans langweilig fand, so müsste man die Memoiren von ihrem berühmten Kommune-Liebhaber lesen. Dort habe ich dann ein ernüchterndes Bild von Uschi vorgefunden. Eine Frau, die m.E. keine Verbindung zu Erotik oder Liebe hatte, sondern nur zum platten Eroberungs-Sex. Ich wünsche ihr, dass sie im Alter den Zugang zu wirklicher Sexualität findet.

RE: Wozu noch Journalismus. Beitrag zu einer Serie | 25.03.2010 | 22:13

Lieber Herr Augstein,

die schiefe Ebene des Journalismus haben Sie perfekt zusammengefasst. Er/sie ist zu einem Pressesprecher mutiert, dessen Netzwerke sanft eingebettet sind in eine Hängematte aus Politik, Beamtentum, Konzernmacht, Parteiengeflecht, Forschung, Universität und Verlagen. Er sitzt am liebsten im Café Einstein, umgeben von Politikern, Ministerialdirigenten, Sekretärinnen und redet von denen da draußen, den Affen im Zoo, denen man Futter geben muss.

Christian Friedrich Daniel Schubart saß dereinst Jahre auf dem Hohenasperg ein, weil er dem König nicht nach dem Mund reden wollte. Von ihm stammen diese Worte: "Unter allen kriechenden Kreaturen des Erdbodens ist der Zeitungsschreiber der kriechendste. Wie er da mit kindischer Bewunderung den Pomp der Großen anstaunt! Wie er in pedantischer Ehrfurcht, wie weiland Magister Sebaldus Nothanker, nach dem Schlafrockzipfel eines ausgetrockneten Hofmarschalls schnappt und ihn demütig küsst."

Am liebsten schnappt sich der Journalist noch ärmere Kriecher und Versager, z.B. die notleidenden Autoren. Ich komme in Ihre Zeitung, nachdem ich etwas über Sie, Herr Augstein, gelesen habe, und lese einen flammenden Aufruf zu Buch-Verrissen. Ich kritisiere das, bemängele den Ton, der dort angeschlagen wird, die stümmelnden Versuche des Gespräches Ihres Journalisten und werde bedroht: ein Herr sagt mir, ich würde bei der nächsten Auffälligkeit 1 Woche Hausverbot bekommen.

Dies ist die typische Durch-Fall des deutschen Journalisten. Statt froh zu sein, kritisiert zu werden, verrissen gar, droht man. Man droht mit Redeverbot, mit Meinungsausschluss. Man tritt nach unten, statt nach oben endlich Kraft und Mumm zu entwickeln.

Ich fordere einen Verriss der deutschen Politik, der deutschen Wirtschaft und ihrer Akteure, eine klare transparente Sprache und kein Geschwurbel. So wie das Karl Popper formuliert hat: "Wer's nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er es klar sagen kann." Journalisten sollen sich nach Popper nicht als orakelnde Philosophen aufspielen, sondern übersetzen. Sie sollen komplizierte Sachverhalte einfach übersetzen, so dass der Leser selber denken kann, sie sollen so schreiben, dass hier möglichst viele Menschen einsteigen und mitreden.

Journalismus morgen ist nur noch eine Einladung zum Gespräch. Je mehr hier mitreden, umso erfolgreicher wird ihre Zeitung/Blog/Plattform. Je schneller Journalisten vom bedeutungsschwangeren orakelnden Berg heruntersteigen und zugeben, dass sie nicht mehr wissen als der Leser, umso besser.

Der Leser durchschaut heute auch, woher ab und zu-geschrieben wurde. Ab- und zuschreiben ist nicht mehr notwendig. Zitate, Auszüge, Zusammenstellungen, Analysen - es muss nur zentrierter, klarer, zusammenfassender, verständlicher geschrieben werden. Dann beginnen neue Horizonte des Journalismus. Wenn dieser begreift, dass er ein Wissensstimulator ist und kein Meinungsmacher. Der normale Blogger ist hier auf dem leichteren Weg, weil er keine Netzwerke hat oder elitäre soziale Einbildungen abwerfen müsste.

Blogging ist aber nur ein kurzer Schritt des Wunderns darüber, dass man endlich etwas sagen, sich mitteilen darf - und nicht nur Journalisten. Wir alle sind Journalisten! Sehr schnell merkt aber der Blogger, dass er damit kein Geld verdienen kann. Also redet er, erwirbt Wissen und beginnt zu arbeiten, gemeinschaftlich, kooperativ und genossenschaftlich zusammen. Ja, so läuft das Netz 3.0 - aber alle Journalisten plappern immer noch mit den Bloggern um die Wette - um den Pokal des plappernden Nichts.

Schön, dass Sie die Netzimplikationen angesprochen haben. Sie gilt es für alle zu schürfen, zu verdeutlichen: partnerschaftlich, fair offen, kooperativ.
Im permanenten Gespräch. Ich würde mir wünschen, dass Sie dies leben, Herr Augstein, und wünsche Ihnen dafür viel Glück - und vor allem die richtigen Mitarbeiter bzw. Kooperationspartner.

Übrigens sage ich wenig Neues. Es wurde bereits 2001 geschrieben und kann hier nachgelesen werden: www.cluetrain.de

Wenn Ihre Zeitung das zu leben lernt und versteht, dann hat sie eine kleine Chance weiter zu bestehen, imho.

RE: Starke Beißhemmung | 24.03.2010 | 14:55

"...setzt es eine gelbe Karte."

Meinen Sie, das sei ein angemessener Ton? Oder einer aus grauer Vorzeit?

Wo habe ich mich im Ton vergriffen? Konkret. Die Situationen sind immer konkret. Nicht pauschal und drohEnd.