Briefe meines Lieblingsprinzen

Black spider memos Prince Charles schreibt Briefe, wie sonst nur von Rau, dem Bruder Johannes aus Wuppertal bekannt, mit letzter Tinte. Einige alte, darf "The Guardian" nun veröffentlichen.
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Briefe meines Lieblingsprinzen
Briefauschnitt an den Umweltministers Elliot Morley von Prince Charles

Foto: AFP/Dan Kitwood/Getty Images

(Fortsetzung der eigentlich nicht fortgesetzten Serie zum irgendwie linken Royalismus. Eine Glosse zum Vatertag)

Dieser ehrenhaft unernste Text setzt fort, was sich ein heimlicher, linker Royalist so ausdenkt, wenn er in einer, ein wenig kitschigen, Fernstenliebe befangen ist. Den ersten Teil gab es vor Zeiten hier: „Mäßigung, britisch - It started with a kiss“ ( https://www.youtube.com/watch?v=L3pf7o-9OOk).

Wie es die Umstände des Lebens leider mit sich bringen, ruht Erol Brown, MBE, Singer-Songwriter der Hot Chocolates, seit dem sechsten Mai dieses Jahres, hoffentlich in ewigem Frieden. Er hat es sich verdient, obwohl er, wenigstens für mich, in der falschen Partei war.

Ob er dadurch ein noch festerer Anhänger der britischen Monarchie wurde, ist, angesichts der gesetzlich verordneten, strikten politischen Neutralität des britischen Königshauses, nicht einfach zu ergründen.

Schließlich könnte, -rein hypothetisch-, auch eine ausgegrabene oder nachgewachsene rote Gefahr aus Cambridge, ein gut erzogener Maulwurf oder ein zutiefst humanistischer, wirklich gebildeter und charismatischer linker Oxfordian, auch das ist heute eher unwahrscheinlich, auf dem Wege der Mehrheitswahl, mit ungefähr 37 Prozent der abgegebenen Stimmen, eines Tages seine Regierungserklärung durch einen Windsor verlesen lassen. - Deren Dynastie ist gesichert und derzeit nicht selbstgefährdend bedroht.

Wie selbstverständlich, führen die sieben Koinzidenzen* oder zehn Sephiroth**, die grundsätzlich jedes Thema und jede Person, mit jedem anderen Thema und jeder anderen Personen des Universums verknüpfen, auch wieder zu Prince Charles.

Ich gebe es ungern öffentlich zu, ich kenne länger schon, nur diesen einen, realen Lieblingsprinzen, neben meinen anderen, nicht mehr weltlichen Heiligenfiguren, den beiden Commie- Ältchen Mohr und General***, meiner heiligen Edelprinzessin des real nicht existierenden Sozialismus, Rosa Luxemburg, dem Che und unserem allerbesten Utopisten, Rudi Dutschke, aus Nuthe- Urstromtal.

Niemals lockte mich der Typ von der überall schleichend beworbenen Prinzenrolle, deren krachelig- pappigen Inhalt ich schon als Kind nicht mochte, schmeckt doch dieses Fabrikgebäck einfach nur süß, nur sehr bedingt nach gutem Kakao und klebt fies am Gaumenzäpfchen und zwischen den ersten, zweiten und dritten Zähnen. Zudem wäre es völlig stillos, einer Markenfigur, statt einer Person, als Fan verbunden zu sein. - Zum Goldbärchen nocheinmal!

Little Red Rooster, Rolling Stones, Wille Dixon, Howlin' Wolf, gespielt von den Stones ,1964, https://www.youtube.com/watch?v=OfJVeHKVcE8 .

Nein, auch der Little red rooster, der Rolling Stone des britischen Empire, Harry, „Lucky“ Prince Windsor, der gerne einmal nackt badet und handfeste Parties liebt, bisher aber nicht erkennbar an Pfeifferschem Drüsenfieber litt, fand meine bedenklich unkritische Verehrung nicht. - Der war zwar gerade dabei, wie mir gut unterrichtete Quellen zutrugen, die Herzen der Neuseeländer zu erobern, indem er deren ganz spezielles Army- Training per Dienstpflicht mitmachte und den Haka der Maori tanzte und wird schon länger von Australiern geschätzt, weil die einfach Blueys**** mögen, aber ihm fehlt noch ein Thema für Prinzen.

Nein, nein, auch der Prince, der singt und Liedchen schreibt, konnte es nie sein, wiewohl auch ihm dieses hoffnunglos altmodische Pop-Sein mittlerweile anhängt. Ich drehe mich auch nicht um, in einer dauerhaften Anhänglichkeit an das Gespenst jeder Tollität, Prinz Karneval, aus dem ollen Dreigestirn zu Köln. - Das wäre zu wechselhaft, von Jahr zu Jahr.

Mein heimlicher Favorit unter allen Seitenfüllern der Popular, Gutter and Tabloid press, bleibt unverbrüchlich Charles. Er ist schon ewig Prinz im königlichen Wartestand und seine Mutter unangefochten auf dem Thron. Queen „Lillebet“ ist dazu fest entschlossen, bis zum äußersten weiterzuregieren. Sie hat eben eine natürliche Abneigung gegen neumodische, päpstliche Gepflogenheiten.

Der Guardian, Partnerzeitung meines kleinen Leib- und Magenblättchens, der Freitag, Englands vorletzte kritische Tageszeitung in den finsteren Zeiten von Tony Blair bis David Cameron, erkämpfte nun ein notwendiges, altehrwürdiges Gewohnheitsrecht der guten Presse, gegen widerständige Konservative, ebenso ruppige New Labours des dritten Irrwegs und den Generalkronanwalt: Er veröffentlichte einige wenige jener ernsten Briefe des britischen Thronfolgers an die wechselnden Regierungsmitglieder ihrer königlichen Majestät.

The Guardian, >>Publication of the Prince Charles 'black spider' letters: live<<. Sehr unterhaltsam und lehrreich, besonders am Vatertag:

http://www.theguardian.com/uk-news/live/2015/may/13/publication-of-the-prince-charles-black-spider-letters-live

In Wahrheit, es muss einmal gesagt sein, sind alle maßgeblichen Politiker der letzten Jahrzehnte auf den britischen Inseln und in den wichtigsten Demokratien unserer Wertegemeinschaft, gegen die Pressefreiheit, die sie an Sonntagen beschwören. Es sei denn, sie können sie selbst nutzen und manipulieren, mit Hilfe eines finanzstarken Verlegers oder mittels einiger U-Boote in den Medien. Häufig allerdings, ist die Presse schon freiwillig unfrei und grundlos wohlwollend. - Warum das so ist, passt nicht in eine Glosse.

Als Deutscher, der es mittlerweile gewohnt ist, dass Wahrheiten und Wahrhaftigkeiten regierungsamtlich vertuscht, geschwärzt und gekaudert***** werden müssen, handelt es sich um radioaktiven Müll in der Asse oder um Aufklärung, nach innen und außen, durch Dienste, die man nicht kennen soll, fragt man sich natürlich, was diese Briefe, die wegen ihrer tintenschwarzen Handschrift Black spider Memos genannt werden, so gefürchtet sein lässt, dass sie besser geheim bleiben sollten, als die mittlerweile an jeder Ecke längst ausgerufenen Aktivitäten der Geheimdienste ihrer Majestät, gegen Feinde, Gegner, Freunde und Partner.

Inhaltlich gibt es nicht einen Grund, warum die Denkschriften und Anschreiben des adeligsten Umweltaktivisten Großbritanniens, eines Bodenkundigen erster Klasse, eines unverdrossenen Aquarellisten und Kämpfers für das Schöne, Gute und Wahre, eines unermüdlichen Streiters für die Milch glücklicher Kühe, eines geradezu idealistischen Städtebaumeisters und Ruinenkundigen, eines wahrhaftigen Freundes der letzten ursprünglichen Kulturlandschaften Europas (Siebenbürgen), Verschlusssache bleiben müssten.

Der Prince of Wales hat sich nichts zu Schulden kommen lassen, sondern zeigt in seiner Korrespondenz nur eines: Er ist ein recht intelligenter Mensch, der noch Prinzipien kennt und pflegt. Bei Themen, die wirklich was zählen, die er „nach bestem Wissen und Gewissen“ für richtig und wichtig hält, legt er nicht etwa die Hände in den Schoß, sondern bleibt lange und unermüdlich am Ball. Wenn es sein muss, ein ganzes Leben lang und mit einer Energie wie am ersten und besten Tag seines Engagements. Seine eigenhändigen Letters of last resort dienen nicht dem endgültigen Ende aller Tage, wie es zu den Dienstpflichten jedes britischen Premiers gehört, einen letzten, handschriftlichen Befehl für den Doomsday in den Tresoren seiner tauchenden Vergeltungwaffen zu hinterlegen, sondern richten sich recht eigentlich an den Interessen der Nachgeborenen aus. Das schätze ich.

Keine Sorge, als Linker werde ich nicht gleich zum Royalisten, und nicht alle Anliegen und Ansichten Prinz Windsors teile ich. Aber ein solcher Königlicher ist mir tausendmal lieber, als die flatterhafte Wechselhaftigkeit so mancher politischer Schlange, von denen es mittlerweile wieder zu viele in der Realpolitik Europas gibt.

Was hat mein Prinz nicht alles ertragen müssen? Was wurde nicht bereits alles von und zu ihm veröffentlicht?

Von schlüpfrig- feuchten Träumen bis zum ohrenlastigen Aussehen, vom mangelnden modischen Geschmack, bis zur fehlenden Modernität, dazu noch von einem Haufen anderer Unwichtigkeiten, wurde intensiv und ausführlich berichtet. Seine Telefongespräche, wie die seiner Liebsten, hörten dubiose Landsleute ab und publizierten es prompt. Seine familiären und nichtfamiliären Verhältnisse besprach man zu jeder Tea time der Damenkränzchen dieses geschundenen Globus und bei jedem Pausenkaffee während der Arbeit. Mit den britischen, deutschen und sonstigen, europäischen Klatschgeschichten diesbezüglich, könnte man wohl einen Stapel beschriebenen, abgeholzten Waldes bis zum Mond aufrichten und ganz allein ein zweites Murdoch- Presseimperium finanzieren.

Dennoch wissen sicherlich mindestens die Hälfte der Deutschen nicht, wo sie Wales auf einer unbeschrifteten Karte suchen sollten. Aber über den Prinzen glauben viele, besonders die bessere Hälfte der Menschheit, gut Bescheid zu wissen.

Nein, auf meinen Charles lasse ich nichts kommen! Sogar ein paar Steuerprobleme und wirtschaftliche Ungreimtheiten, lächerlich, im Vergleich zu jenen Dingen, die sich bei uns Fußballpaten, Rüstungs- und Großkonzerne und die systemrelevanten Großbanken Europas, reihum leisten; lächerlich, im Vergleich zu den Schuftigkeiten, von deren Knastwürdigkeit sich ein Bernie Ecclestone, der King der Formel Eins, jüngst freikaufen konnte, verzeihe ich dem Thronfolger vorsorglich.

Bevor ich es vergesse: Ich lasse mir natürlich auch nicht verbieten, die Familie Kate und William, Charlotte und George, Cambridge, nach allem was ich so lese und höre, einfach nur knorke zu finden. Ich brauche dafür nicht eine Seite der Sun, des Daily Mirror, der Bunten, der Gala, der BILD. Mir können Brisant und Leute heute- TV, der Stern, so wie er ist, und der Focus dazu, völlig gestohlen bleiben.

Das alles, trägt mir nämlich der milde Frühlingswind vom Nachbartisch zu, an diesem ruhigen Vatertag.

Christoph Leusch

*Sieben Koinzidenzen, kosmisch- kosmologisch- mythisches Zahlmaß für das Auftreten unabhängiger, beobachtbarer bedeutsamer Ereignisse und Konstellationen, in leider sehr wechselnden Zeitmaßen. Die Sieben Säulen der Weisheit, wenn Sie wissen was ich meine.

**Zehn Sephiroth, kabbalistisch, talmudisch, aus dem Tanach, die Wurzeln und zugleich Hauptäste vom Baum des Lebens, der alles mit allem, Leben und Tod, die Welt und das Unaussprechliche, miteinander verbindet.

***Mohr & General, ist Marx & Engels

****Blueys, Rothaarige (sl.)

*****gekaudert, tatsächlich existentes, deutsches Wort. Bedeutung: Nuscheln, undeutlich sprechen, aber dies auch mit Absicht tun, plappern, hochnäseln und Sachen verunklaren. Mir passt es hier.

Ergänzung, 16.05.2015:

Was uns >>Black spider<<, unter anderem, so zu sagen hat, dazu selbstständig verfasst und nicht von Redenschreibenden vorgelegt und mit welchen Absichten, ihm zur Ehre, uns von Nutzen, steht z.B. hier:

"A speech by HRH The Prince of Wales to the Future for Food Conference, Georgetown University, Washington DC, Published on 4th May 2011":

http://www.princeofwales.gov.uk/media/speeches/speech-hrh-the-prince-of-wales-the-future-food-conference-georgetown-university

Wer sich den Vortrag lieber anhören und ansehen möchte, der schaue hier:

http://www.washingtonpost.com/posttv/national/the-prince-of-wales-on-the-future-of-food-and-agriculture/2011/05/05/AFZYJO0F_video.html

Die außergewöhnliche Rede hat dort Eindruck gemacht, auch bei Leuten, die sich sonst durch nichts beeindrucken lassen und sicher nicht die Positionen des Prinzen teilen. - Eine kleine Suchanfrage im Web, belegt das in Millisekunden.

Es ist beileibe nicht die einzige, bemerkenswert nachhaltige Rede des britischen Thronfolgers. Außer Reden zu halten, macht er auch konkret was. Nachhaltig!

Christoph Leusch

18:01 14.05.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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