Merry Christmas, Mr. President

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Merry Christmas, Mr. President

I

Eigentlich wollte ich mich heute Abend einmal so richtig rächen und die ganze Verdummungsabteilung bei der Südeutschen Politikredaktion, -es gibt nur noch eine prantlnde Ausnahme und einen Thesenschmied, der zumindest das ewig zirkuläre, ephemere des Medialen jüngst noch heftig geiselte- , so richtig nieder schreiben.

Ich wollte auch den gefühlt Sechzig, ewig austauschbaren Talkgästen und den Experten auf allen Kanälen, an allen Mikrophonen, auf jedem faserhaltigen Blatt Papier entgegen schreiben, so nicht und so nicht, und so auch nicht! - Allein, das ist alles nebbich und verpinkelt an Robinien die eigentlich nicht hin gehören, die aber davon unberührt, nicht eingehen, sondern klein halten, was sonst noch wachsen könnte. - Pseudoakazien sind es, aus ehemaligen Sklavenkolonien, und duften daher nicht halb so gut wie die Echten.

II

Dafür erfasste mich Schwermut, -ist es Strafe für meinen Hochmut-, angesichts des schwarzen Mannes im weißen Haus. Der nun sein strahlend weißes Gebiss her zeigen muss, für die Politik des White meat, der konservativen Wahlsieger und derer mit dem starken Willen zur Macht, die er nur noch als Schatten an langen dünnen Stäbchen in den Händen hält.

Dafür dürfen in seinem Land, fast ist es eine Phänokopie dunkelster Politik aus dem Land der Staatsfeinde Number One, wieder mediale Steckbriefe ausgefertigt werden: Dead or alive, Hauptsache stumm, von den dümmsten Puten der Nation, die nicht einmal zu Thanksgiving noch munden, weil Stockkonservatismus das Fleisch am Geist so zäh wie Sattelleder werden lässt. - Straußmägen bräuchte es dafür, zur Verdauung.

Und ich sehe die Sklavenketten an den schlanken Beinen und das graue Haar des Präsidenten, und das eher durch Höflichkeit und Diplomatie erwirkte freundliche Gesicht, an diesem Schlacks im blauen Anzug.

Galeere denke ich; im Blut, denke ich; in der Geschichte steht es, meine ich. Da lernt man den Mut zum wahren Neuanfang am Ende doch noch unterdrücken und sich fleißig wenden. Was sind schon verbliebene zwei Jahre?

Gebückt, und nur gewollt beschwingt, tritt er vor die Presse. Das Lächeln ist jetzt immer auch ein wenig die reine Verlegenheit, so, wie beim Vorgänger im Amt am Ende. Der wusste da noch nicht einmal mehr, wohin mit angstschwitzigen Händen. - Er weiß, das sehe ich, man schätzt ihn derzeit weniger, als jenen Lügenbold und Kriegsantreiber. Das Gedächtnis schrumpft und wird ganz stumpf. So schnell kann ´s gehen.

Die Banken und die Börsen freuen sich. Denn alle Schulden nahm er auf das Volk und es zahlt nun, wie die ganze Welt, noch obendrein kräftig an Zins und Tilgung, für neue, ausgereichte Schulden.

Nichts geht voran und sogar das Völkerrecht gilt nun nichts mehr. So ist es entschieden für den Nahen Osten. Die Starken nehmen sich, was ihnen gehört und bauen und bauen, vom Westen bis nach dem Osten.

Auf Truppenbesuch im Sindbadland sagt ein Verteidigungsminister: Ja, er freue sich, dass Ruhe wieder einkehre in den digitalen Räumen, so wie sein Flugzeug, aus dem All zurück, uns schnell belehrt, auch da ist alles klar und bestens kontrolliert.

Ein schwarzer Tag im Dezember, so empfand ich ´s heute, ein Trauerspiel, und mir wurd´ übel. Zum Glück stehen hier, im schneegrauen Land, genügend grünpunktige Kübel. - Adveniat muss warten.

Christoph Leusch

01:22 09.12.2010
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