Reagans Traum, Neu-Rechte & Napoleon-Trump II

Weißer Trumpismus Der Jubelschrei eines neuen US-Rechten liefert, was Trump ist, verkörpert und von ihm erwartet wird
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Reagans Traum, die Neo-Rechte und Napoleon-Trump- II

Southern Poverty Law Center – Gegen den Extremismus ankämpfen

Das Southern Poverty Law Center (SPLC, Montgomery/ Alabama) dokumentiert seit Jahren das Anwachsen des rechten Radikalismus in den Vereingten Staaten und leistet, was bei uns die Amadeu Antonio Stiftung übernommen hat. Darüber hinaus, unterstützt die NGO Betroffene bei Behörden, in Schulen und an Universitäten, und sie geht gegen Diskriminierungen juristisch vor.

Alte rechte Organisationen wie der Ku-Klux Klan, die den Wahlgewinn Trumps euphorisch feierten, hatten sich seit der Jahrtausendwende erneut etabliert. SPLC zählt derzeit 190 Klan-Gruppen und zeigt darüber hinaus in einer Hate map (Landkarte des Hasses) weitere rechte und rechtsextremistische, antisemitische, antimuslimische, Anti-LGBT und Anti-Immigranten Gruppen in den USA. Zu den wichtigstens Organisationen gibt es Hintergrundinformationen und es werden die jeweiligen Führungsfiguren – fast ausschließlich Männer – vorgestellt. Zur Charakerisierung, dienen Zitate aus Reden, Essays, Büchern und Medienbeiträgen der genannten Organisationen, Freikirchen, Verlage und Webmedien.

Unter den 892 Gruppierungen die SPLC derzeit erfasst, haben neben dem Ku-Klux Klan noch eine Vielzahl anderer Gruppen Bedeutung, etwa: Alternative Right (sog. Alt-Right), ein Anzahl Anti-Immigranten Gruppen, die sich oft offiziell klingende Namen geben, American Border Patrol, National Coalition for Immigration Refom (ehemals CCIR), Californians for Population Stabilization, US Border Guard, Americans for legal Immigration, American Immigration Control Foundation/Americans for Immigration Control, oder aber Slogans anführen, die ihr populistisches Anliegen vorstellen, Pro English, Americans Have Had Enough. Auch die Anti-LGBT-Gruppen haben sich vermehrt. Darunter sind im ganzen Land erstaunlich viele freie Kirchengemeinden.

Immer wieder führen die Namen der Organisationen völlig in die Irre, denn z.B. der Liberty Council plant das glatte Gegenteil davon, Freiheiten zu verteidigen, außer die eigene; im Gegenteil sprechen sie diese anderen ab und entwerten ihr Leben, um sie von der US-Gesellschaft auszuschließen und ihre Grundrechte einzuschränken.

Richard B. Spencer (NPI) erklärt Napoleon-Trump, seinen Helden

Die Wahl Trumps löst bei allen diesen Gruppen große Erwartungen aus und Richard B. Spencer, Kopf des National Policy Institute, schrieb auf „Radix“, wenige Tage vor der Wahl, Trump sei „The Napoleon of the Current Year“, „Der Napoleon des Jahres“.

Spencer, bestens ausgebildet wie sein neuer Hero Trump, dazu relativ jung unter allen diesen alten Männern, gewährt uns tiefe Einblicke in die Seele der weißen, männlichen Mittelschicht und ihrer halbherzigen, keineswegs erdrutschartigen Motivation, Trump zu wählen und ihn nun zu verehren. Sie werden ihm folgen, selbst wenn es weh tut und dabei ökonomisch nichts herauskommt. Die wirklich Armen der US-Gesellschaft sind, wie auch schon vor Barack Obama, gar nicht bis zur Wahlurne vorgedrungen.

<<(…) Donald Trump, of course, does not challenge the oligarchic nature of American politics and elite rule. In a way, Trump’s “self-funded” campaign has made a mockery of the democratic process. (...)>>

„Natürlich greift Donald Trump die oligarchische Natur der Amerikanischen Politik und der Eliteregeln nicht an. In einer Hinsicht, hat Trumps „selbstgesponserte“ Kampagne einen Gag aus dem demokratischen Prozess gemacht.“

<<(…) Trump – the phenomenon, not just the man – has been a very long time coming. For something has been rotten in the state of America for a very long time.

And Trump haters are right about one thing: the phenomenon can only be understood as an expression of White Americans’ growing awareness of their demographic displacement . . . the erosion of their security, power, and influence . . . and the cutting off of their future. (...)>>

„Trump, das Phänomen, nicht nur die Person, hatte sich lange angekündigt, weil einiges in den USA verfault, schon seit langer Zeit.

Und Trump-Hasser haben in einer Sache Recht: Das Phänomen kann nur verstanden werden, als ein Ausdruck des wachsenden Bewusstseins der Weißen Amerikaner, von ihrer demografischen Verdrängung... der Zersetzung ihrer Sicherheit, ihrer Macht und ihres Einflusses... und der Beschneidung ihrer Zukunft.“

Trump, der personifizierte Systemwiderspruch aus dem System

<<(...)Trump was the most powerful potential challenge to the status quo in my lifetime – the most powerful potential challenge to “The System,” and by that I don’t just mean the government. I mean the entire corporate and economic structure . . . the media, entertainment, and culture industries . . . hegemonic discourse . . . the way we talk and think and breathe and dream.

Perhaps the most dominating component of “The System” is not its bombs or bureaucrats or police or taxes but its Narrative and Paradigm.(...)>>

„Trump war die stärkste mögliche Herausforderung für den Status quo in meiner Lebenszeit – die stärkstmögliche Herausforderung des Systems, und damit meine ich nicht nur die Regierung. Ich meine die gesamte institutionelle und ökonomische Struktur... die Medien, die Unterhaltung und die Kulturindustrie... die beherrschenden Diskurse... die Art wie wir reden und denken, und atmen, und träumen.

Vielleicht sind die beherrschende Komponenten des Systems nicht Bomben oder Bürokraten, oder die Polizei, oder die Steuern, sondern seine Erzählungen und Glaubenssätze.“

<<(...) The Contradiction of The System – the figure that brings about its breakdown—must be part of The System. He must be something vain, sometime absurd . . . a gambling and real-estate tycoon . . . and star of a “reality show.” He must be something real and unreal at the same time. (…)(…) For Trump isn’t just part of The System; he’s an undisputed maestro of the vulgar and stupid.(...)>>

„Das Gegenteil des Systems, die Person, die dessen Zusammenbruch mit sich bringt, muss Teil des Systems sein. Er muss irgendwas eitel Aufgeblasenes, irgendwann Absurdes sein... ein Spielhallen und Baulöwe… ein Star einer „Reality Show“. Er muss irgendetwas Reales und Irreales zugleich sein. So ist Trump nicht nur ein Teil des Systems; er ist ein unbestrittener Meister des Vulgären und Einfältigen.“

Trump, der erste populistische Oligarch der USA

<<(...)The Republican and Democratic parties are tools of the American oligarchy, of Super Pacs and the donor class. Trump, on the other hand, led a populist movement not in spite of the fact that he’s an oligarch but because of it. Trump has, indeed turned oligarchy into a kind of populism.(...)>>

„Die Republikanische und die Demokratische Partei sind Werkzeuge der Amerikanischen Oligarchie, der SuperPacs (spezielle Form der Wahlkampffinanzierung durch die Wirtschaft; m.Einf.) und der Sponsoren. Auf der anderen Seite, führt Trump eine populistische Bewegung, nicht trotz der Tatsache, dass er ein Oligarch ist, sondern weil er einer ist. Trump hat Oligarchie in eine Art Populismus verwandelt.“

<<(...)“Public relations” – and postmodern “image production” – is, as Baudrillard observed, all about signs without references . . . words without meaning . . . sound and fury signifying nothing . . . bullshit within bullshit.

But Trump’s genius is to embed truth within his vulgar and stupid bullshit: deep truths, sometimes hard or harsh truths . . . dangerous truths.

One can see this, first and foremost, in his slogan “Make America Great Again” – the most memorable one-liner of the year.(...)>>

„“Public Relations“ und postmoderne “Image- Produktion“ gehen, wie Baudrillard feststellte, über Zeichen ohne Referenzen... Worte ohne Inhalt... Schall und Rauch, nichts bedeutend... Bullshit im Bullshit.

Aber Trumps Genie besteht darin, die Wahrheit in seinen vulgären und dummen Bullshit einzubetten: Tiefe Wahrheiten, manchmal harte oder harsche Wahrheiten... gefährliche Wahrheiten.

Man kann das zuallerst und vor allem an seinem Slogan “Mach Amerika wieder groß“, diesem am besten zu behaltenden Einzeiler des Jahres, sehen.“

Trumpismus

<<Trump’s Wall, on the other hand – along with his demand to cease Muslim immigration – becomes something else entirely: it becomes existential . . . a declaration of difference . . . a symbol of our will to survive.

Trump, whether he knows it or not, is announcing the return of Grand Politics . . . politics on the greatest scale . . . politics as the struggle between races and civilizations.

And Trump’s so-called “Bromance” with Vladimir Putin is just as radical as The Wall, perhaps even more so.

(...)Trump and Putin – this is the image of two of the three great blocks of the White Race – North America and Russia – finally reaching an understanding. It is a cancellation of the the 20th century. A sign of hope that Europeans can finally stop fighting each other, and losing the whole world in the process.

TRUMP – the name itself – is a true lie – something combining bullshit and greatness, something stupid and primal.

(...)TRUMP represents that golden longing for success . . . for power . . . for winning . . . and for indulging in just enough decadence, sex, and arrogance. TRUMP represents that will to power . . . to be great . . . and to be something more than a man.>>

„Trumps Mauer (die Mauer zu Mexiko; m.Einf.) einerseits, zusammen mit seiner Forderung die Einwanderung von Muslimen zu beenden, entwickelt sich zu etwas ganz anderem: Es wird existenziell... eine Erklärung der Differenz... ein Symbol unseres Willens zu überleben.

Trump, ob er es weiß oder nicht, kündigt die Rückkehr der Großen Politik... der Politik im größten Maßstab... Politik als Kampf zwischen Rassen und Zivilisationen an.

Und Trumps sogenannte “Bromance“(„Freundesliebe“; m.Einf.) mit Vladimr Putin ist so radikal wie die Mauer, vielleicht sogar noch mehr.

... Trump und Putin, das ist ein Bild für zwei der drei großen Blöcke der Weißen Rasse, Nordamerika und Russland, die am Ende eine Verständigung erreichen. Es ist die Absetzung des 20. Jahrhunderts. Ein Zeichen der Hoffnung, das Europäer (gemeint sind Nordamerikaner, Russen und Europäer; m.Einf.) am Ende ihren Kampf gegeneinander stoppen können, um in diesem Prozess nicht die ganze Welt zu verlieren.

TRUMP, selbst der Name, ist eine wahre Lüge. Etwas, das Bullshit und Größe kombiniert, etwas Dummes und Grundlegendes.

... TRUMP verkörpert die goldene Strebsamkeit nach Erfolg... nach Macht... nach Gewinnen... und frönt gerade ausreichend Dekadenz, Sex und Arroganz. TRUMP verkörpert den Willen zur Macht... wichtig zu sein... und etwas mehr zu sein, als nur ein Mann.“

<<But for us, and the world, the Trump phenomenon is much bigger than the man. He is a vehicle, unwittingly, bringing forth ideas and emotions that are terrifying to The System.

In turn, we project on him our hopes and dreams. We Photoshop Trump, not as a casino magnate, but as what he could or should be – as a Roman . . . an imperial general . . . or great conqueror in some Dune-like archeo-future.>>

„Aber für uns und die Welt, ist das Phänomen Trump viel größer als der Mann. Er ist ein Medium – ohne Witz –, das Ideen und Gefühle hervorbringt, die das System das Fürchten lehrt.

Umgekehrt richten wir unsere Hoffnungen und Träume auf ihn. Wir photoshoppen Trump nicht als Casino- Magnaten, aber als das, was er sein könnte und sollte, als ein Römer... ein General des Imperiums... oder großer Eroberer in einer Dune- artigen (Wüstenplanet, m. Einf.) Altzukunft.

<<TRUMP has become a killing word. And Trump, maybe despite himself, has become the Napoleon of the Current Year.>>

„TRUMP wurde ein tödliches Wort. Und Trump, vielleicht trotz seiner selbst, wurde der Napoleon des laufenden Jahres.“

Ich hoffe, dieser etwas ausführliche Einblick in die tiefe Seele der Rechten in den USA und ihre ganz spezielle Affenliebe zu Donald Trump schafft Bewusstsein und kennzeichnet auch ein wenig die wortwörtliche Vertrautheit so mancher verwirrten, deutschen Seele in Wort und Schrift, die sich unter anderem in sozialen Foren auslebt; wie die Fußballfans nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Erhellender als größte Fans kann kaum jemand Auskunft geben.

Christoph Leusch

-Zur Ergänzung, möchte ich noch auf einen sehr gut geschriebenen Artikel des eher ruhig- sachlichen, dafür aber klug beobachtenden, SZ- Journalisten und US-Reporters Johannes Kuhn (New Orleans) verweisen: "Trump und der Traum vom weißen Amerika"

-Vielen Dank an die redigierende Moderation/Redaktion des dF, die einen sperrigen Text deutlich verbesserte und die Links einfügte, die ich mir, in Eile, einfach ersparte. - Na, ein klein wenig tat ich es auch, um nicht auf einen Haufen weiterer bizarrer Ideen zu verweisen, die sich diese rechten Vordenker so einfallen lassen. Ganz wichtig, ist der Link zur wirklich informativen Hate map des Southern poverty law center (SPLC).

Christoph Leusch

01:29 22.11.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Columbus

Profil nicht mehr nötig. Alles Gute, der dFC und dem dF.
Columbus

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