Sind die Grünen eine linke Partei?

Fragebogen Der neue Freitag feiert Jubiläum. Und mit ihm die Freitag Community, die nie um Meinungen verlegen war. Wir haben gefragt, Columbus hat geantwortet
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Sind die Grünen eine linke Partei?

Halten Sie die Grünen für eine linke Partei?

Nein. Die Grünen sind heute eine linksliberal-zentristische Partei, die sich anschickt, einen großen Teil der ominösen Mitte als Wähler zu gewinnen, um die es in Deutschland immer schon ging. Die Grundstimmung dieser breiten Mitte ist eher konservativ und von den wachsenden, älteren Jahrgängen, sowie immer noch hauptsächlich von Männern geprägt. Frauen, Jüngere, zahlreiche Minderheiten und besser Gebildete aus der großen Mitte finden leichter zu Grün.

Kannten Sie den alten Freitag (vor 2009)?

Ja.

Welchen finden Sie besser – den neuen oder den alten?

Der "neue" Freitag passt zur neuen Zeit, auch wenn er weniger in Artikellängen und Details verliebt ist. Das Layout des "neuen" Print-Freitag und des Online-Freitag ist top. Ich weiß nicht, ob das allein reicht?

Schaffen wir das?

Ich habe mehr Zweifel. Warum? Die Veränderungen in der Herausgeberschaft (erst erklärt man HerausgeberInnen für obsolet, dann holt man einen, der zwar zu ein paar eingegrenzten Themen einen Namen hat und sich als Eigenmarke mit Sohn präsentiert), in der Chefredaktion (Füller), in dem Anspruch, eine Zeitung mit starker Online-Beteiligung zu sein (Augstein ja, Augstein nein), die nun teilweise schon wieder revidiert wurden, zeigen Wankelmut und zugleich auch Überforderung, bezogen auf die Mediengröße, das erträglich Leistbare für die Redakteure. Ich würde mich, bezüglich der Finanzierung, nach einer/einem zusätzlichen PhilanthropIn umsehen.

Welche_n Blogger_in/Autor_in lesen Sie am liebsten?

Autoren im Freitag: Nachdenkliches und Längeres von Gastautoren, die sich zu Themenkomplexen auskennen. Z.B. Wirtschaftswissenschaftler, Sozialwissenschaftler, Schriftsteller, Künstler. Maxi Leinkauf führt und schreibt gute Interviews, die den Interviewten Raum geben, sowie deren Persönlichkeit und Ansichten (generell oder zu einem Thema) wiederspiegeln. Romy Straßenburg berichtet konsequent und gut aus Frankreich. Mladen Gladić schreibt anspruchsvolle und diskussionswürdige Beiträge zum politischen und kulturellen Feuilleton. Michael Jäger liefert viele längere,sorgfältig argumentierende Denkanstöße – und manches Mal auch zu viel davon. Ulrike Baureithel beherrscht ihre Themen. Christine Käppeler fiel mir als kompetente Analystin der (bildenden) Kunstszene auf. Sebastian Puschner versteht es, einen anderen Blick auf Wirtschaftsthemen, die hochpolitisch werden, zu entwickeln. Ich mag hier keine negative Kritik gegen AutorInnen des Freitag (Red. und Gäste) anführen. Hochachtung vor Jan Jasper Kosok! Er muss Nerven wie Drahtseile besitzen, wahrt Gelassenheit und Verbindlichkeit, schreibt – bei seltenen Gelegenheiten – klug und ruhig zu seinen Themen.

Blogger aus der Freitag Community: Mein Interesse hat nachgelassen. Zu viele Meinungen sind erwartbar geworden. Die Mühe, auch längere, argumentierende Blog- Artikel zu verfassen, ohne gleich die eigene, völlig überzeugte Meinung in den Vordergrund zu rücken, hat nachgelassen. Die Fähigkeit der Community, solche längeren Blogs anzunehmen, zu ertragen, ebenfalls. Daher stammt auch meine Zurückhaltung bei der Abfassung eigener Blogs. Jamal Tuschick schreibt einzigartig verdichtet, in fast jedem Satz metaphorische Elemente und Sprachbilder. Davon vielleicht zu viel, was dann der Rezension von Kulturereignissen und Büchern eher schadet. JRs China Blog liefert zu seinen Lieblingsthemen gute Überblicke.

Welche_n Blogger_in/Autor_in würden Sie auf freitag.de gerne (noch häufiger) lesen?

Zu (natur-)wissenschaftlichen, medizinischen oder technischen Themen, die heute schnell sozial relevant werden, fehlen, so denke ich, häufig die Ansprechpartner. Da besteht auch bei den Autoren des Freitag ein Mangel. Und in der Community schreibt niemand dazu. Ein medizinisch angehauchter Blog/Videoblog ist zu einseitig (hauptsächlich gegen die insgesamt unbedeutende Alternativmedizin) und abschweifend (was sonst so wöchentlich durch die TV- und Pressekanäle wabert), ahmt zu sehr den leisesprechenden- und bedeutsam wirkenden Sprachstil der Dieter Nuhr TV-Comedy nach.

Wie sind Sie auf die Community aufmerksam geworden?

Durch den Neustart des Freitag mit Augstein und über die Zeit-Community.

Und wann haben Sie sich auf Freitag.de angemeldet?

Wohl früh, 2009?

Haben Sie davor schon geschrieben?

Bei Zeit Online, als dort noch Johannes Kuhn die Gemeinde betreute. Der ist heute ein Spitzen-Auslandskorrespondent der SZ in den USA.

Augstein oder Blome?

Immer noch Augstein. Vorliebe aber unwichtig, weil das Format sich selbst verkümmert hat.

Wer ist Ihr Community-Blome – wer regt Sie am meisten auf?

Die Aufregung hält sich in Grenzen. Derzeit aber: Zack, Beobachter, Flegel, Meine Meinung (alle konstant aggressiv oder mikroaggressiv), Benjamin-Immanuel Hoff (schreibt beständig, als müsse er auf der Wartburg eine nationale Rede halten), manchmal Richard Zietz und Gunnar Jeschke (schreiben zu sehr von sich selbst überzeugt).

Vermissen Sie die „Zwei aus der Poststelle“?

Unbedingt! Die beiden hatten Esprit.

Wenn Jakob Augstein „Journalist und Gärtner“ ist, sind Sie ...

Kommunitarismus oder Kosmopolitismus?

Es geht nur mit beiden Ausrichtungen.

Worüber haben Sie sich beim Freitag am meisten geärgert?

Siehe oben, Herausgeber-Abschaffung, dann Einführung einer, in meinen Augen, unpassenden "Marke" als Herausgeber, Chefredadktion (Füller) – und die Haltung zur Community.

Und worüber am meisten gefreut?

Kluge Gestaltung. Enorme Produktivität, trotz kleiner Redaktion.

Sind Sie Abonnent_in? Oder waren es einmal?

War es lange. Kündigte, als einzig mögliche Leser-Reaktion auf die oben beklagten Veränderungen.

Lesen Sie die „Zeit“?

Ja.

Oder die „taz“?

Manches Mal.

Lieber auf Papier oder im Netz?

Lieber Papier.

Was mögen Sie lieber, lange oder kurze Texte?

Lange.

Wie lange müssen wir noch auf die Überwindung des Kapitalismus warten?

Vermutlich noch lange Zeit. Nie blühte der Kapitalismus prächtiger als in den letzten 20 Jahren. Das geschah so, trotz der Finanzwirtschaftskrise 2008-2009!

Was ist ihr Lieblings-Totschlagargument?

Kenne keines.

Und welche Gretchenfrage stellen Sie gerne?

Zur Zeit: Was würdest Du/würden Sie tun, um Deine/Ihre Vorschläge umzusetzen? Wie weit würden Sie/würdest Du dafür gehen? Die Frage an alle selbstsicheren "Endlöser".

Wen würden Sie gerne mal trollen?

Niemanden.

Was kann die Community besser als die Redaktion?

Nichts! Aber zu manchen Sachthemen könnten Blogger mindestens ähnliche Qualität liefern oder überhaupt etwas, wenn man sie einlädt und sich einlässt.

Mein peinlichster Mausrutscher war ...

Fragezeichen. Peinlichster Ausrutscher jedoch jüngst: Falsche Zuordnung und Einschätzung eines Freitag-Bloggers und Kommentaristen, in einem unübersichtlichen Blog-Thread. Habe mich entschuldigt.

Wie sind Sie auf Ihren Nickname gekommen?

Einfach einen alten Spitznamen aus der Penne übernommen. Frage war schon einmal Weihnachtsfrage. War Sie nicht?

Und was ist für Sie das vollkommene Glück?

Liebe.

Wer sonst noch geantwortet hat?

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06:00 07.02.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Columbus

Profil nicht mehr nötig.Alles Gute, der dFC und dem dF.
Columbus

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