Sonnenstürme stören deutschen Sommerschlaf

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Böse Sonne - Schrecken zu Frühstück, Mittagstisch und Abendbrot

Der "der Freitag" bringt folgenden Link als Leseempfehlung:

www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/08/kommt-heute-nacht-der-sonnentsunami.php

Der Autor, Florian Freistetter, kämpft tapfer gegen die wieder einmal ausgebrochene Sonnenaktivitätshysterie. Er verkündet, wissenschaftlich auf der sicheren Seite, Beruhigendes. Unsere liebe, einzig derzeit bekannte, belebte Welt wird nicht so schnell einem natürlichen Hitze-, Kälte- oder Strahlentod entgegen eilen. - Das steht außer Frage! Dafür müssen wir weiter selbst sorgen.

Aber viel schwerer lassen sich davon der Boulevard und manche Tageszeitungsmedien im Sommerloch überzeugen, weil „Katastrophenszenarien“ deren Auflage besser verkaufen. Herr Freistetter zeigt auch, es gibt immer genug Leute, die sich damit ihre Webseiten füllen und leider den Unsinn schneller verbreiten, als er je widerlegt werden könnte.

Wie es um die Aktivität der Sonne in jenem kurzen elfjährigen Zyklus, um ihre Minima und Maxima steht, das lese man hier: solarscience.msfc.nasa.gov/SunspotCycle.shtml .

Entscheidend bei der Beurteilung der solaren Aktivität, so stellt sich heraus, ist nicht nur die Zahl der Sonnenflecken, sondern besonders die Aktivität des, nicht auf die Wäremstrahlung reduzierten, elektromagnetischen Strahlungsspektrums unseres Muttersterns. Diese Strahlung gelangt als „Sonnenwind“ zur weiteren Erdatmosphäre und gerät mit ihr in ein Wechselspiel.- U.a. entsteht so das Polarlicht.

Derzeit befinden wir uns physikalisch-astronomisch nur wenige Monate nach dem absoluten Minimum der Fleckenaktivität und dem schließlichen Ende des berüchtigten 11-Jahres-Zyklus Nummer 23, 2009/2010, bei dem sich zuletzt fast keine Flecken mehr nachweisen ließen (Spezielle physikalische Methoden erlaubten jedoch, die Wiederkehr der Flecken mit Zyklus 24, an elektromagnetischen Aktivitätsmustern vorher zu ahnen!). Langsam berappelt sich die gelbe Energiekugel und tut das, was sie urdenklich lange schon macht und auch weiter tun wird.

Einige verrückte Klimaforschungskritiker glaubten noch zu Beginn dieses Jahres, der neue Aktivitätszyklus 24 hatte sich ein wenig verspätet, wir befänden uns auf dem Weg in ein neues Zeitalter anhaltend verminderter Sonnenaktivität, ähnlich dem des Maunder-Minimums (nach seinen Entdeckern im 19.Jh. benannt) Mitte bis Ende des 17. Jahrhunderts. Das produzierte einst, so die allgemein geteilte Überzeugung, lange Serien von kalten Wintern, aber eben auch einige warme Ausreißer (www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2010/pressemitteilung20100413/ ). Aus diesem Grunde behaupten die Kolporteure, indem sie weg ließen was an der fachlichen Expertise beim Argument stören könnte, es gebe keine ernst zu nehmende, menschengemachte Klimaerwärmung, bzw., deren Effekte seien unverhältnismäßig klein, verglichen mit der Wirkung der solaren kosmischen Kräfte und deren angenommener aktueller Tendenz.

Es gab auch sachliche Berichte, wie den von Wolfgang Silvanus aus der Berliner Zeitung, >>„Kommt eine neue Kaltzeit?“- Klimaforscher sind uneins über den Einfluss der Sonne, deren Aktivität ungewöhnlich niedrig ist ( www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0211/wissenschaft/0003/index.html ) <<.

Viel wirkmächtiger sind jedoch solche dunkelstrahlenden Statements aus der BILD und von Bild.de: >> „Erleben wir die nächste Eiszeit?“<<, vom 04.05.2010, >>Ein überlanger, frostiger Winter und jetzt der kalte, verregnete Mai-Anfang. Wissenschaftler sind sich sicher: Daran sind Sonnenflecken schuld. ( www.bild.de/BILD/news/2010/05/04/sonnenflecken-klimaexperte-dominik-jung/erleben-wir-jetzt-die-naechste-kleine-eiszeit.html ) <<.

Immer wieder werden Ergebnisse russischer Forscher in der Presse breit getreten, warum wohl, die davon sprechen, sie könnten mit einiger Sicherheit prognostizieren, irgendwann um 2055 müsse die Menschheit mit einer neuen Eiszeit kämpfen. Wie diese Prognose zustande kommt ist ebenso rätselhaft, wie die wissenschafliche Anmaßung, die darin steckte, hätten die genannten Forscher wirklich so krude Ansichten. In Wahrheit sprechen sie selbst davon, dass die menschlichen Einwirkungen mehr Effekte erzielen, als die kurzen und langen Zyklen der Sonnenaktivität.

Selbst die NASA oder die NOAA, bzw. das deutsche Max Planck-Institut, können keine sehr präzisen Voraussagen machen, wie z.B. ein kurzer, 11-jähriger Sonnenzyklus ausfällt, bevor er nicht seinen Peak, seinen Höhepunkt erreicht hat. Aber die Schlagzeilen wissen es besser und bestätigen damit das Volk nur in seiner wurstigen "Que sera, sera" – Haltung. Wenn es die Sonne, zu dumm, ist, dann machen wir weiter wie bisher. Wenn der Ozean sich selbst reinigt, dann hinein mit dem was bei uns abfällt. Das ist aber immer schon eher typisch für Langzeitjunkies am Konsumtropf, als für aufgeklärte Zeitgenossen.

Der SPIEGEL wusste schon 1974, die neue Eiszeit wird kommen (www.spiegel.de/spiegel/print/d-41667249.html ), was im Prinzip immer irgendwie stimmt, denn derzeit leben wir in einer Warmzeit. Schon damals waren es die mysteriösen Russen, die alles wussten und die nahe, wie fernere Zukunft kannten.

Brüder zur Sonne

Wer der Sonne und ihrer Aktivität beinnahe täglich nahe sein möchte, der gehe zu diesem Link und stelle ihn bei sich ein: sohowww.nascom.nasa.gov/home.html . Die Geschwindigkeit des momentanen solaren Windes (km/s) und die Teilchenzahl/Kubikzentimeter werden direkt angegeben. In der Eigenwerbung der NASA gilt SOHO (Solar and heliospheric observatory) als kosmische Wetterstation. Gefahrlos kann man so die Sonne im Reality- TV/WWW betrachten, und man kann, über den folgenden Link und seine Hinweise: sohowww.nascom.nasa.gov/data/data.html , in menschengerechter Echtzeit am solaren Geschehen teilhaben. Wenn Sie planen einen Satelliten geostationär zu plazieren, wenn Sie ihr bestehendes Netz schützen wollen, dann hilft es, die Erkenntnisse der NASA oder anderer Kenner der solaren Strahlung zu nutzen. Es schützt vor Verlusten an Daten und Geld.

Wer wissen will, wie genau der Sonne der Puls gefühlt wird, dem sei die folgende Seite der NOAA (=National Oceanic and Atmospheric Administration, der Vereinigten Staaten, unter der Kontrolle des Finanzministers (sic!)) : www.n3kl.org/sun/noaa.html , wärmstens empfohlen. Sogar eine Sturmwarnung für das elekromagnetische Feld gibt es dort derzeit ! - Also, liebe Webgemeinde, Star gazer and Sleepwalker, strengt euch an und produziert keinen elektromagnetischen Schrott für die menschlichen Synapsen.

Liebe Grüße

Christoph Leusch

(Foto: hydra arts/Flickr)

19:28 04.08.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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