Community-Redaktion
27.01.2016 | 15:23 39

Deutschland auf dem Weg nach rechts?

Programmhinweis Am heutigen Mittwoch ist Jakob Augstein zu Gast in der Talkrunde bei Maischberger zum Thema: Tabupartei AfD – Deutschland auf dem Weg nach rechts?

Deutschland auf dem Weg nach rechts?

Foto: Nigel Treblin/AFP/Getty Images

Liebe Community, liebe Leserinnen und Leser,

am heutigen Mittwoch ist Jakob Augstein zu Gast in der Talkrunde bei Maischberger zum Thema: Tabupartei AfD – Deutschland auf dem Weg nach rechts?

"Die AfD ist drauf und dran, die politische Topographie Deutschlands umzupflügen", kommentiert aktuell die "Welt am Sonntag". Noch im vergangenen Sommer war die AfD auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit und dümpelte in Umfragen unter der Fünfprozentgrenze. Jetzt ist sie laut Demoskopen zur bundesweit drittstärksten politischen Kraft aufgestiegen. Ist das nur ein Strohfeuer oder wird die AfD sich dauerhaft als politische Kraft etablieren? Und wie sollten andere Parteien mit den Rechtspopulisten umgehen – einfach ignorieren oder mit ihnen streiten und ihnen damit ein Forum geben?

Das diskutiert Sandra Maischberger am Mittwoch, den 27.1.2016 um 22.45 Uhr im Ersten mit folgenden Gästen: 

Frauke Petry, AfD (Parteivorsitzende)
Ralf Stegner, SPD (Stellv. Parteivorsitzender)
Hans-Olaf Henkel, Alfa (Europa-Abgeordneter)
Roger Köppel (Schweizer Journalist und Politiker)
Jakob Augstein (Verleger und Chefredakteur)
Reinhard Schlinkert (Infratest dimap)

Kommentare (39)

schna´sel 27.01.2016 | 16:51

"Die AfD wird dauerhaft bleiben, denn sie ist eine logische Konsequenz aus der Modernisierung der CDU", sagt der Herausgeber der Wochenzeitung "Freitag". "Angela Merkel hat die CDU in allen Bereichen modernisiert die Ausländerfrage war die letzte Bastion des deutschen Konservativismus und auch diese wurde nun geschleift."

Das ist sicher richtig. Soweit ich weiß, ist es aber keinesfalls so, dass die AfD nur ehemalige CDU Wähler anspricht. Und was mich an dieser Aussage auch stört, unter der Das Erste schlagwortartig die Position Augsteins zusammenfasst, ist die Beschränkung auf die rein passive Rolle, die dieser in dem Zusammenhang allen liberalen Kräften und Parteien zuweist. Ich glaube, wenn man den Erfolg der AfD lediglich an der Modernisierung der CDU festmacht, drückt man sich davor, sich bewusst zu machen was alle anderen politisch aktiven Kräfte dazu beigetragen haben, dass es so gekommen ist. Nicht nur in Deutschland, aber speziell in den letzten Jahren. Und in dem Zusammenhang frage ich mich auch: "Was meint eigentlich modern?" Die Alternativlosigkeit, die sich in der Politik ausdrückt, die diejenigen machen, die die CDU nicht verlassen haben. Ist Julia Klöckner modern? Oder die Politik die Sigmar Gabriel verkörpert? Unterstellt diese Behauptung nicht, dass die AfD nichts weiter ist, als ein Sammelbecken für politisch Gestrige, während sich die Modernisierten, also auch die Regierung, CDU/CSU, SPD auf der Höhe der Zeit befinden? Kann man das wirklich behaupten, wenn man sich das Gezerre anschaut, das die sich und der Öffentlichkeit gerade mal wieder abliefern? Wird das den Ursachen für den Erfolg der AfD gerecht? Und was ist mit der Opposition? Ist die auch nicht modern? Oder wehalb hat man das Gefühl, dass es sie gar nicht wirklich gibt? Ich werde mir die Debatte anschauen, bin aber mehr als skeptisch, ob das zu meiner persönlichen Wahrheitsfindung beiträgt.

Richard Zietz 27.01.2016 | 16:56

Ich lasse mich ja immer gern von der Realität eines Besseren belehren. Leider jedoch habe ich bereits im Vorfeld ein ziemliches Scheißgefühl – in Hinblick darauf, dass der gute Herr Augstein auch hier wieder für die stramm neokonservative Linie der öffentlich-rechtlichen Talkrunden instrumentalisiert wird.

Mit Verlaub: die angekündigte Besetzung ist ein Witz! Höcke als Rockstar hat noch gefehlt; ansonsten hat Maischberger gleich drei (!!) rechtspopulistische Hochkaräter in ihre Runde eingeladen: Petry, Henkel und Köppel. Auch die Fragestellung ist mal wieder Propagandamedien vom Feinsten: Wo bitte sehr ist die AfD ein Thema, das »tabuisiert« wird, über das man nicht reden kann oder darf? Ein »Tabu«, dass da zu brechen wäre, sieht wohl nur Frau Maischberger

Immerhin hat die Runde – das muß man selbst als MSM-Feind fairerweise vermerken – einen waschechten SPDler mit am Set, kam schon länger nicht mehr vor. Die letzten Talks von Will und Plasberg waren – von der CDU einmal abgesehen – parteifreie Räume in einem Ausmaß, dass einem Karl Eduard von Schnitzler dagegen als Erfinder des Pluralismus vorkommt. Insgesamt stellt sich mir die Frage, ob man bei diesen säuberlich choreografierten CDU-Propagandaveranstaltungen noch gute Miene zum bösen Spiel machen und sich da reinsetzen soll.

Aber Herr Augstein wird sicher seine guten Gründe haben. Ich persönlich hielte einen Rausschmiß von Maischberger, Illner, Will und Plasberg bei ihren Sendern als ein Zeichen demokratischer Besserung – nicht die Teilnahme an diesen hochmanipulativen »Gesprächsrunden«.

denkzone8 27.01.2016 | 17:00

die politische topographie hat doch wohl bk merkel umgepflügt, wenn das schiefe bild bemüht wird.

zu den gladiatoren:

ralf stegner, notorische senf-spritze und gewissens-wurm der gabriel-spd.

hans-olaf h., unschuldiger förderer der afd.

eidgenosse köppel, der gegen f-aufnahme praktische gründe ins feld führt.

der um-frager schlinkert, der zaghafte, dampf-mäuler und listige bei umfragen gewichten muß.

und der zu allen überraschungen fähige JA.

die sich fast immer überschätzende maischberger hat sich wieder zu-viele eingeladen, denn:

frauke petry könnte den laden schon allein schmeissen. oder?

Richard Zietz 27.01.2016 | 17:15

Ich schlage für den nächsten Maischberger-Talk folgende Besetzung vor:

Julia Klöckner (CDU, MdL und Fraktionsvorsitzende im Landtag Rheinland-Pfalz)

Matthias Matussek (freier Journalist und Autor)

Alexander Gauland (AfD, MdL und Fraktionsvorsitzender im Landtag Brandenburg)

Arnulf Baring (Historiker)

Wolfgang Clement (parteilos; Kuratoriumsvorsitzender der Initiative Soziale Marktwirtschaft)

Udo Pastörs (NPD; Mdl im Landtag Mecklenburg-Vorpommern)

Special Guest: Beate Zschäpe (z. Zt. JVA München; via Direktschaltung)

Thema: Was soll nur aus Deutschland werden?

Helmut Eckert 27.01.2016 | 17:48

Eine Talkrunde mit Frau Petry? Ihre Meinung ist die einzige richtige Wahrheit auf dieser Welt ist... so sieht es jedenfalls Frau Petry. Sich mit ihr in ein Disput einzulassen, ist so sinnlos wie eine Seifenblase knackig zu braten! Diese Frau ist von sich und ihrer "Heilsleere "(das h ist völlig fehl am Platz) so überzeugt, dass jedes Streitgespräch mit ihr verlorene Zeit ist.

janto ban 27.01.2016 | 17:52

Die AfD profitiert massiv davon, dass es im Moment so aussieht, als sei bei der Regierungschefin, die zufällig auch CDU-Vorsitzende ist, eine irgendwie uneinschränkbare Flüchtlingsliebe ausgebrochen. Das sieht aber auch wirklich nur so aus. Tatsächlich ist Merkels Agieren, dieses Vortasten hin zu immer radikaleren Maßnahmen per Try 'n' Error, zum ersten Mal, seit sie ihre Politik für alternativlos erklärt hat, tatsächlich alternativlos. Auf die sog. Alternativen der AfD kann nur hereinfallen, wem der Weltkrieg noch nicht nah genug an D herangerückt ist und/oder wem die EU noch nicht kaputt genug ist. Das kann Augstein so verlesen, wenn er will..

miauxx 27.01.2016 | 19:11

Ohne Roger Köppel geht's nicht, oder? Selbst wenn man wie ich nur sporadisch in Talkshows reinschaut, muss man den Eindruck gewinnen, der Köppel ist hauptberuflicher Talkshowgast - in D, sozusagen Fremdarbeiter mal von der anderen Seite des Bodensees. Dieser Erklärer, was D doch endlich mal alles so toll wie die Schweiz machen sollte, ist unerträglich. Ach, was red' ich - ich schau's mir eh' nicht an ...

balsamico 27.01.2016 | 19:32

Die AfD wird dauerhaft bleiben, denn sie ist eine logische Konsequenz aus der Modernisierung der CDU", sagt der Herausgeber der Wochenzeitung "Freitag".

Eher nicht. Deutschland hat rechts von CDU/CSU einen schwarzbraunen Bodensatz von so ungefähr 15%. Die NPD hatte zu ihren Glanzzeiten in BW fast 10%. Zitat aus WIKIPEDIA:

"Bei der baden-württembergischen Landtagswahl am 28. April 1968 gelang es der NPD, mit 9,8 Prozent in den Landtag einzuziehen, was für die Partei das bislang erfolgreichste Ergebnis bei einer überregionalen Wahl in der Bundesrepublik war. Die Angaben zur Mitgliederzahl jener Zeit schwanken. Bis zum Jahr 1969 stiegen die Mitgliederzahlen rasant, gingen in den darauffolgenden Jahren aber wieder zurück. Die meisten Angaben gehen von 28.000 Anhängern im Jahr 1969 aus, einige Quellen berichten von bis zu 50.000 Mitgliedern 1969."

Danach zerlegte sich die NPD sukzessive selbst. Das Problem dieser Parteien sind sie selbst. Das wird auch der AfD so gehen. Den Anfang hat sie ja schon gemacht. Diese Parteien werden durch Zulauf von rechts nicht stärker sondern schwächer. Je mehr Dumpfbacken sich dort sammeln, desto mehr geht es mit ihnen den Bach runter. Gottlob.

SuzieQ 27.01.2016 | 19:44

Danach zerlegte sich die NPD sukzessive selbst. Das Problem dieser Parteien sind sie selbst. Das wird auch der AfD so gehen. Den Anfang hat sie ja schon gemacht. Diese Parteien werden durch Zulauf von rechts nicht stärker sondern schwächer. Je mehr Dumpfbacken sich dort sammeln, desto mehr geht es mit ihnen den Bach runter. Gottlob.

Genau so. Die Aushängeschilder der AfD werden gar nicht umhin können, sich selbst zu demaskieren, allein schon der Eitelkeit geschuldet.

Helmut Eckert 27.01.2016 | 20:52

Durch meine vielen Kontakte in die Neuen Bundesländer wird mir die Stimmungslage der dortigen Bewohner übermittelt. Zu viele der dortigen Bürger sympathisieren mit der AfD. Besonders bei den älteren Jahrgängen über 50 ist diese „neue Wahrheit“ zu einem Glaubensbekenntnis mutiert. Sie können der Demokratie nicht viel abgewinnen. Dabei schwärmen sie von der heilen Welt in der DDR und glorifizieren das damalige Zusammengehörigkeitsgefühl, das es in Wirklichkeit nie in der DDR gegeben hat. Schon damals waren die Fremden „Fremde“ und bleiben es für immer. Sie verachteten die sie, vor allen Dingen die mit anderer Hautfarbe, asiatischer Herkunft und selbst die Sachsen waren in weiten Teilen der Republik nicht willkommen. Ich beobachtete frühere DDR Bürger bei ihren Reisen ins Ausland. Kaum aus dem Bus, bildeten sie eine enge Menschengruppe und mieden den Umgang mit den dortigen Menschen. In ihrer Gruppe fühlten sie sich geborgen und die lautesten unter ihnen begannen sofort, in der Anonymität ihrer Landsleute alles Negative in den Vordergrund zu stellen. Dann freuten sie sich, wenn die große Mehrzahl ihnen Beifall zollte. Abgrenzen, Abwerten, Ablehnen und ihre Lebensweise als die ewige Wahrheit zu verkünden. Meine Beobachtungen der Reisegruppen aus dem Osten. Positive Ausnahmen gibt es, wenn auch selten von mir zu erfahren.

40 Jahre DDR und SED Lügenmärchen prägte eine Gesellschaft nachhaltig. Da ist es doch so einfach, den früheren Klassenfeind und deren Presse nun der unentwegten Lügen zu bezichtigen. 40 Jahre waren alle Fremden, mit Ausnahme der wenigen sozialistischen Patrioten, Menschen vor deren Heimtücke und kriminellen Absichten sich jeder aufrechte DDR Bürger schützen und verteidigen musste. Es wimmelte ja so von Sabogenten, Agenten, Saboteure, imperialistische Kriegstreibern, Bonner Ultras und Vaterlandsverrätern im Neuen Deutschland und somit in der DDR. Die Baumärkte bieten genügend Schutzzäune, Maschendraht, Sichtblenden und Mauersteine an. Igelt euch ein und genießt eure Welt der Kleinbürger und Angsthasen. Zeigt euch weiter mutig in der Masse der Dummen und Verblödeten, der Hetzer und im Kreise der braunen Gesellen. Übrigens: die SED unterschied sich ideologisch nicht viel von denen die sie so angeblich hassten. Daher bezeichne ich diese „ Roten Genossen“ auch als rotlackierte Faschisten. Gleiches zu Gleichen gesellt sich zu gerne!

Joachim Petrick 27.01.2016 | 23:03

Die AfD ist als Leerverkäufer unserer Demokratie und Zuvilgesellschaft mit ungedeckten Schecks unterwegs und springt auf jedes Thema, Problem, das von den Medien zur Sau gemacht, durchs Dorf rast mit wildem Geheul auf:

"Scheiße im Trompetenrohr kommt zu Glück nur selten vor",

Was für Momente hohe Grade an Unterhaltungswert verbürgt, der allerdings kurz darauf wie Butter oder Schnee in der Sonne dahinschmilzt.

Wenn dann am Pay- Back- Zahltag, die ungedeckten Schecks der AfD zur Vorfinanzierung des Leerkaufs unserer Demokratie durch ihre Gläubiger fällig gestellt werden, wird dann ein Heulen & Zähnaklappern im Namen der AfD zur ersten Bürgerpflicht?

"Habt Erbarmen mit den armen Reichen im Lande!"

ist die AfD in Wahrheit die Nachhut uneingestanden schlechten Gewissens bundesdeutscher Demokratie, von links bis rechts ab durch die Mitte, das sich immer noch nicht in eine buntgemischte Konsensgesellschaft einfinden, geschweige denn auf diese einlassen will?

Stattdessen setzt die AfD, ohne Sinnen noch Trachten nach Bündnissen, auf schrille Polarisierung gesellschaftlicher Debatten mit dem Ziel, diese zum Entsetzen aller Beteiligten, selbst ihrer Anhänger, wie teilnehmenden Beobachter am Rande in alle Winde zu verscheuchen

AfD, Leerverkäufer der Demokratie

Es ist mir, als walten dunkle Mächte des "Hexenhammers" in Sachsen und andernorts darob hierzulande, die CDU wird bei Wahlen zu Lande, zu Wasser, in der demoskopisch medial aufgeladen heißen Luft zwar nicht wirklich weniger, aber immer regierungsämer und ärmer beim rasanten Abfahrtslauf ins "Nirgendwo".

Dabei ist es das "Stillgestanden" der Großen Koalition, der vorbeijagenden Trophäenjäger SPD/CDU/CSU gleichermaßen so rasend erscheinen lässt.

Ist es der heiße Wind der Medien, Demoskopen. der uns ganz besonders die CDU/CSU im unaufhaltsamen Lauf der AfD zum Wahlerfolg im März 2016 in drei Bundesländern so rasend erscheinen lässt, den Stillstand nicht zu sehen?

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/afd-leerverkaeufer-unserer-demokratie
JOACHIM PETRICK 27.01.2016 | 22:53
AfD, Leerverkäufer unserer Demokratie?
Landtagswahlen 2016 Ist es der heiße Wind der Medien, der die CDU/CSU im unaufhaltsamen Lauf der AfD zum Wahlerfolg im März 2016 so rasend erscheinen lässt, den Stillstand nicht zu sehen?

Joachim Petrick 27.01.2016 | 23:42

Hans Olaf Henkel identifizieert junge Männer unter den Flüchtlingen unwidersprochen bei Maischberger als Feiglinge, die ihre Frauen, Kinder verlassen, nur ihren wirtschaftlichen Vorteil in Deutschland suchen , ohne auch nur zu erwähnen, dass es die jungen Männer sind, die, gleich welcher Kriegspartei, als Kanonenfutter für den Syrienkrieg u. a. Kriege zwangsrekrutiert werden

denkzone8 28.01.2016 | 00:00

der schweizer wirft JA blindheit im f-debakel vor.dieser betont das afd-splitting in rechts-extreme straßen-partei und lächelnde petry.

fehlende europäische solidarität oder merkel-isolation.

thema: rechts-ruck geht zurück auf das f-thema.

stegner unterfüttert sein humanes engagement mit ökonomischen hinweisen zur grenzen-losen freizügigkeit.

wer wählt afd und warum: bereicherung durch f: fraglich, integration: nicht machbar, kultur-wandel: un-erwünscht. sie ist eine ein-themen-partei.

ausländer-kriminalität als miß-stand zu beschweigen? stigmatisierung der schweizer basis-demokratie?

maischberger unter gesprächs-fluten.sie liebt das.

henkel sieht regions-zugehörigkeit als reaktion auf globalisierungs/europa-zentralismus.

JA weist hin auf export-prioritäten, globalisierungs-notwendigkeiten.

schna´sel 28.01.2016 | 01:24

Horrorvorstellung. Ich fand auch nicht, dass es gelungen ist, Frauke Petry das Wasser abzugraben. Auf mich hat der Stegner gewirkt wie ein aufgebrachter Schülersprecher, der Präsenz zeigen wollte und wirklich nicht sehr souverän wirkte, weil er der Petry dauernd zornig ins Wort gefallen ist. Alle durften mehr oder weniger ausreden und auch abschweifen, wenn sie das Wort hatten, zumindest am Anfang. Sobald aber die Petry sprach ging bei allen das Licht aus, das Messer in der Tasche klappte auf, und das kollektive Geschrei ging los. Hans Olaf wirkte auf mich wie aus einer völlig anderen Zeit abgeholt. Dass der das überhaupt noch mitmacht. Ich würde mir ja an seiner Stelle eine dicke Scheibe von unsrem Heino abschneiden und wenn mein Verein schon so einen lustigen Namen hat auch mit Fliegerjacke von Alpha Industries auftreten. Schwarze Sonnenbrille und Nieten kämen auch nicht schlecht. Die ganze Veranstaltung hatte jedanfalls was von Realsatire fand ich. Nichts was bei mir mir den Eindruck hinterlassen hätte, dass sich da erwachsene Menschen sachlich und kompetent um die Lösung ernst zu nehmender Probleme kümmern können. Ich beneide keinen der Beteiligten um seinen Job und glaube leider, dass diese Sendung symptomatisch war für das Potential, das unsrer Gesellschaft für die Konfliktlösung der dort verhandelten Inhalte zur Verfügung steht.

schna´sel 28.01.2016 | 19:25

"Stegner ist doch immer so.

Einmal Leiche - immer Leiche?

Wer Petry entzaubern will, der muss schon bezaubernder sein, als ein ewiger Schülersprecher. Und mit der Meinung, dass die Petry durch das aufgebrauste Verhalten der anderen Teilnehmer in den Augen des Publikums eher doch wieder zum Opfer gemacht worden ist bin ich ja, so wie's aussieht auch nicht mehr alleine. Solange solche Debatten so verlaufen, dass Petry und viele andere, mit denen man ja eigentlich nicht reden will real und konkret eine Sonderbehandlung erfahren, ist man weit, weit davon entfernt der AfD keine Sonderrolle mehr zusprechen zu können. Was weniger mit dem zu tun hat, was deren Vorsitzende oder Vertreter an Eigenschaften präsentieren ("aalglatt" im Fall Petry, laut Spiegel heute), als mit eigenen Defiziten. Die nicht nur etwas, sondern so viel Hysterie produzieren, dass man gar nicht in der Lage ist, angemessen auf das zu reagieren. was z.B. "hoch intelligente Frauen" (Augstein gestern), wie Petry äußern, wenn sie Lösungen vorschlagen sollen. Weil die Erregung, von der man ergriffen ist komplett verhindert, dem, was sie eigentlich sagen soll in Ruhe zuzuhören. Das war zumindest gestern Abend der Fall, nicht nur nach meinem Dafürhalten.

Richard Zietz 29.01.2016 | 03:53

Anstatt Punkte zu verteilen bezüglich der schaupielerischen Einzelleistung der Auftretenden ähnlich wie beim »Tatort« sollte man sich vielleicht mal die Frage stellen, ob die ganze Konstellation angemessen ist.

Ich rede hier nicht von der üblichen Manipulation seitens der Öffentlich-Rechtlichen. (Ich persönlich halte sie für gegeben.) Selbst wenn man ein staatstragend-mainstreamhaftes Format voraussetzt, war diese Sendung gleich in zweierlei Hinsicht unangemessen konzipiert und in ihrer Anlage Schützenhilfe für die Rechtspopulisten.

1. Das eingeladene politische Spektrum (3 x AfD, davon 1 x mit Henkel »AfD light«, 2 aus dem linksliberalen Spektrum) entspricht nicht einmal näherungsweise dem politischen Positionsspektrum, wie es aktuell existiert. Diese (m. E. bewußte und seitens der Talk-Redaktionen gewollte) Einseitigkeit zugunsten bürgerlich-konservativer (und seit Neuerem auch rechtspopulistischer) Positionen kommt zwar auch bei anderen politischen Themen (Griechenland, Sozialpolitik, Ukraine-Konflikt usw.) zum Tragen. Im konkreten Fall war sie jedoch vollends absurd – da man mit dem Brandstifter, über den man diskutieren wollte, gleich das Gros der Sendung besetzt hat.

2. Dass es nicht angeht, eine Sendung mit der Fragestellung »Soll man mit denen reden?« mit Exponent(inn)en eben jener Richtung zu besetzen, wo die Sinnhaftigkeit von Gesprächen erst mal geklärt werden soll, ist eigentlich allersimpelste Mathematik. Nichtsdesototrotz hat Maischberger genau dies getan. Schlimmer noch: Sie hat nicht nur einen Teilnehmer aus diesem Spektrum eingeladen (für das unter meinungspluralistischen Gesichtspunkten einige Gründe gesprochen hätten). Sie hat die Runde tonangebend mit diesen Leuten besetzt. Läßt man die katastrophale demokratische Signalwirkung außer Acht, kann man zwar sagen: Kann man machen. Allerdings führt das dann – mit Verlaub, liebe Mitlesende – zu einer absurden Konstellation. Was bei diesem Talk die Ur-Sünde war – die ein Medienprofi wie Jakob Augstein ruhig auch mal hätte zur Sprache bringen dürfen.

3. Man kann gegen die getätigte Argumentationsführung natürlich einwenden: Ganz so schlimm war es nicht. Olaf Henkel etwa wurde als AfD-Gegner nicht nur platziert, sondern mit markigen Anti-AfD-Formulierungen (»Ich habe mitgeholfen, ein Monster zu erschaffen») geteasert. Meines Erachtens zählt dieses Argument nicht. Zum einen vertrat Henkel im Talk zahlreiche Topoi der Rechtspopulisten, etwa zur Obergrenze für Flüchtlinge. Auch die Attributierung der Merkel-Regierung als »weit nach links gerückt« ist keine typische Mitte-Positionierung, sondern politische Farbenlehre nach Art des stark nach rechts gerückten Teil des Konservatismus.

Fazit: Das Problem sind nicht diese und jene Argumente, die in dieser Runde getätigt wurden, die schauspielerische Leistung von dem oder von der oder das allgemeine Lautstärke-Pegel. Das Problem ist die christdemokratisch-konservative Grundausrichtung der vier großen meinungsbildenden Talks. Da dies ein strukturelles Problem ist, wäre die richtige Forderung in meinen Augen die, eine Kampagne aufzugleisen mit dem Ziel, die Talks von Maischberger, Will, Plasberg und Illner abzusetzen und an ihrer Stelle Formate zu etablieren, die der Grundanforderung eines demokatischen Pluralismus besser gerecht werden.

Moorleiche 29.01.2016 | 08:33

Hallo Schna'sel.

Solange solche Debatten so verlaufen, dass Petry und viele andere, mit denen man ja eigentlich nicht reden will real und konkret eine Sonderbehandlung erfahren, ist man weit, weit davon entfernt der AfD keine Sonderrolle mehr zusprechen zu können.“

Ja, aber wir sind scheinbar über das Ziel einig. Keine Sonderrolle.

Die nicht nur etwas, sondern so viel Hysterie produzieren, dass man gar nicht in der Lage ist, angemessen auf das zu reagieren.“

Sag ich doch. Man sollte sie nicht zu ihrem Thema befragen, sondern zum Tagesgeschäft. Und Antworten verlangen. Maischberger hat das gut gemacht.

schna´sel 29.01.2016 | 11:35

"Da dies ein strukturelles Problem ist, wäre die richtige Forderung in meinen Augen die, eine Kampagne aufzugleisen mit dem Ziel, die Talks von Maischberger, Will, Plasberg und Illner abzusetzen und an ihrer Stelle Formate zu etablieren, die der Grundanforderung eines demokatischen Pluralismus besser gerecht werden."

Hört sich gut an. Ungefähr so realistisch, wie die Forderung, den Rundfunkrat durch einen Revolutionsrat zu ersetzen...

Was den realen gesellschaftlichen Hintergrund, die Konzeption und die Durchführung dieser Sendung betrifft bin ich im Übrigen ganz auf der Seite Ihrer Analyse.

schna´sel 29.01.2016 | 12:02

"Sag ich doch. Man sollte sie nicht zu ihrem Thema befragen, sondern zum Tagesgeschäft. Und Antworten verlangen."

Sagen Sie nicht. Sie sagten, man solle Petry nach Lösungen fragen. Und Problemlösungen im Sinne des Tagesgeschäfts sind "deren Thema". Darüber hinaus ist der Beitrag, den Sie an dieser Stelle abliefern das genaue Gegenteil dessen, worauf Sie sich mit dem, aus meiner Antwort zitierten Satz beziehen. In dem Zitat ging es um die Hysterie der Talkrunde bzw. der ganzen etablierten liberalen Kritik. Und diese produziert nicht, wie Sie behaupteten ein wenig, sondern so viel Erregung, dass sie, egal auf welche Antworten seitens der AfD, nicht angemessen reagieren kann. Mit einer Fragestellung, so wie Sie sie in Ihrer letzten Antwort ins Spiel bringen, hat das zunächst einmal wenig zu tun. Ihr Satz: "Sag ich doch." ist reine Rhetorik, die auf nichts anderes abzielt, als darauf, Ihre Behauptung zu wiederholen, Maischberger habe ihre Sache gut gemacht. Ihre Meineung dürfen Sie äußern oder für sich behalten, das ist mir in dem Fall wurscht. Aber darüber hinaus kenne ich diesen, Ihren Stil aus einer früheren Debatte. Und deshalb sage ich Ihnen jetzt, an dieser Stelle auch zum zweiten Mal, dass ich mich nicht darauf einlassen werde, mich weiter von Ihnen in Ihre Debattenrhetorik verwickeln zu lassen. Machen Sie das mit Leuten, denen das Spaß macht. Ich halte es unfruchtbar.