Netzschau IV: Japan

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../../../datenbank/freitag/2011/10/blogentry-redirect-20832/teaser_imageJapan wurde am Freitag von einem schweren Erdbeben erschüttert. Unmittelbar danach prallte ein riesiger Tsunami auf die Insel. Eine Netzschau


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Dies ist Teil IV der Netzschau. Weiter geht es hier.

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Auf ZEIT Online findet sich eine sehr umfassende Zusammenstellung von Fragen und Antworten zum aktuellen Stand der Dinge.

US Geological Survey aktualisiert ständig die Liste der in Japan aufgetretenen Beben. Es ist übrigens nicht sicher, ob es überhaupt einen Zusammenhang gibt zwischen dem starken Erdbeben am heutigen Dienstag und dem am Freitag:

A spokesman for Japan's meteorological agency says he does not know if there is a link between the strong earthquakes on Tuesday - including one of 6.0 magnitude - and Friday's massive 9.0-magnitude tremor. He says the epicentres were quite far apart. via BBC

http://28.media.tumblr.com/tumblr_li1a1fEBH01qi050vo1_500.png

Während wir zurecht tief erschüttert sind über die Katastrophe, gibt es wie immer auch Menschen, die diese Haltung nicht mit uns teilen – das Internet spült sie und ihre Äußerungen, ihre haltlosen Beweggründe an die Oberfläche.
Nicht um diese Menschen zu feiern, sondern um sie zu demontieren, wurden bereits zwei tumblr-Blogs erstellt:

>> ignorantandonline
>> karmajapan

Die popkulturelle Herangehensweise macht auch vor Unglücken nicht halt. Während Zusammenschnitte von alten Godzillafilme mit der aktuellen Katastrophe (bereits auf YouTube zu finden) höchst unangemessen erscheinen, kann man sich der Katastrophe auch dezenter, beispielsweise mittels einer Klangumsetzung, nähern:




Earthquakes off the east coast of Honshu, Japan - Friday March 11, 2011 by Micah Frank

Der New Yorker Musiker und Soundprogrammierer Micah Frank betreibt seit längerem das Klangprojekt »Tectonic«, das Musik aus seismischen Aktivitäten generiert. Mittels Echtzeit-Daten von Erdstößen werden Klänge synthesiziert, entsteht Musik aus den sonischen Wellen von Erdbeben. Über das Wochenende veröffentlichte Frank eine Serie von Klängen, die das Beben vor der japanischen Hauptinsel Honshū vom vergangenen Freitag abbilden sollen. Dafür verwendet der an der New School in Jazz und zeitgenössischer Musik ausgebildete Amerikaner ein System aus Max/MSP, Ableton Live, Google Earth und die grafische Signalflusssprache ›Kyma‹ der Symbolic Sound Corporation, diese werden in Klangsyntheseparameter übersetzt. Am Ende steht nun eine sechsminütige Auswahl klanglicher Abbildungen von rund 20 Erdstoß-Aufnahmen vor Honshū. via Spex



Frankreich, das sich hinter den USA und vor Japan auf Platz 2 der Atomenergie produzierenden Ländern befindet, hält weiterhin an dieser Technologie fest.

France signaled it would not pull the plug on its flagship nuclear industry, one of the country's key exports. French President Nicolas Sarkozy reportedly praised the safety of the French nuclear technology during a meeting with leaders of its UMP center-right ruling party. via Reuters


Ein Artikel im Guardian fasst noch einmal die Ereignisse der letzten Stunden zusammen.

Wie viel Strahlung ist eigentlich gefährlich?

Alle sieben bis Ende 1980 in Betrieb genommenen deutschen Atomkraftwerke werden vorübergehend vom Netz genommen. Dies teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin mit. Davon betroffen sind: Brunsbüttel, Unterweser, Biblis A und B, Isar I, Philippsburg I und Neckarwestheim I. via Die Welt

Auch in Reaktor 4 des Kraftwerks Fukushima wird die Lage nun kritisch. Zwar war dieser während des Bebens nicht am Netz und enthält lediglich abgebrannte Brennstäbe. Jedoch seien "einige fremde Objekte" in den Reaktor gefallen und hätten einen Brand ausgelöst, so Staatsminister Yukio Edano. Möglicherweise Teile, die aufgrund der Explosion herabfielen. Zwei Löcher sollen dabei in die Außenhülle des Gebäudes gerissen worden sein, meldet Reuters. Zwar ist der Brand mittlerweile gelöscht, jedoch gibt es Probleme, das Abklingbecken zu kühlen. Das Wasser darin koche und verdampfe, twittert die Japan Times unter Berufung auf die Agentur Kyodo. Dadurch sinke der Wasserspiegel – was die Probleme noch verschärfen dürfte. Dass das Wasser kocht, bedeutet, dass die Kühlpumpen nicht mehr arbeiten.

TEPCO, die Betreiberfirma des Kraftwerks Fukushima, hat inzwischen eine Grafik veröffentlicht, die die Strahlung am Haupttor der Anlage Fukushima Daiichi abbildet. Um 9 Uhr Ortszeit stieg diese demnach auf 12.000 Mikrosievert pro Stunde oder 12 Millisievert pro Stunde an und fiel nach ungefähr drei Stunden wieder auf 2000 Mikrosievert. Dieser Anstieg fällt zeitlich mit dem Brand in Reaktor 4 zusammen, was dafür spricht, dass bei der Explosion Löcher in das Gebäude gerissen wurden und radioaktiver Dampf entwich.

Der New Yorker hat eine Sammlung von Videos der Katastrophe zusammengestellt.

Das ZDF hat ein kurzes Animationsvideo produziert, das erläutert, was genau eigentlich bei einer Kernschmelze vor sich geht und welche Art von Strahlung den Körper wie schädigt. via Netzpolitik

In einer knappen Ansprache rief Premierminister Kan um 3 Uhr deutscher Zeit das japanische Volk auf, trotz der sehr ernsten Lage ruhig und besonnen zu bleiben. Menschen, die zwischen 20 und 30 Kilometer vom AKW Fukushima-1 entfernt wohnen, sollten ab sofort in ihren Häusern bleiben, um sich zu schützen. Anschließend fasste Regierungssprecher Edano die Situation in Fukushima I zusammen: In den Reaktoren 1, 2 und 3 ist es zu Explosionen gekommen. Im Reaktor 4 brennt es. Reaktor 4 war zwar zum Zeitpunkt des Erdbebens nicht in Betrieb, jedoch befinden sich im Reaktorgebäude ausgebrannte Brennstäbe, die weiterhin Wärme abgeben. Reaktorgebäude 4 sei zudem durch die Explosion benachbarter Reaktoren beschädigt worden. Man gehe davon aus, dass die radioaktiven Emissionen aus Reaktor 4 stammen. Edano berichtete, in der Nähe des Reaktors 3 seien sehr hohe Strahlenbelastungen von bis zu 400 Millisievert (Milli, nicht Micro) pro Stunde gemessen worden. Von den etwa 800 Mitarbeitern vor Ort seien 50 in der Anlage zurückgeblieben, um weiterhin Meerwasser zur Kühlung in die Reaktoren 1, 2 und 3 zu pumpen. via Phoenix

Die Kollegen von ZEIT Online haben sich die Mühe gemacht, ein Liste von lesenwerten Twitter-Accounts aus und zu Japan zusammenzustellen.

In der Nacht hat es erneut eine Explosion im Atomkraftwerk Fukushima gegeben, wie ein Sprecher des AKW-Betreibers TEPCO mitteilte. Auch am Druckbehälter soll es womöglich Schäden gegeben haben. Zudem soll die Strahlung den zulässigen Grenzwert überschritten haben, meldet die Agentur Kyodo. Es ist jedoch unklar, ob Dampf oder flüssiges Wasser ausgetreten sei, berichtete der Sender NHK. Anders als bei den ersten beiden Explosionen am Samstag und Montag in den Reaktoren 1 und 3 sei diesmal nicht nur das äußere Reaktorgebäude, sondern auch der innere Druckbehälter des Reaktors beschädigt worden. Teile der Anlage wurden evakuiert. Etwa 50 Mitarbeiter sind im AKW verblieben, um unter anderem um die Kühlung der Reaktoren aufrecht zu erhalten. Nach Angaben von Meteorologen herrschte zum Zeitpunkt der Explosion Nordwind. Dies würde bedeuten, dass radioaktive Teilchen auch nach Süden in Richtung Tokyo gelangen könnten. Die japanische Hauptstadt liegt 260 Kilometer südwestlich von Fukushima I. Mit rund 35 Millionen Einwohnern ist Tokyo eine der größten Metropolregionen der Welt. via Reuters

10:57 15.03.2011
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