Massenhaft umsatteln

Kein Scherz Abwrackprämie mit Sinn: Eine wirklich ökologische Umweltprämie soll es jetzt für verbrauchte Fahrräder geben. Wer sein altes Bike abgibt und ein neues kauft, erhält Bares

Belohnt wird, wer sich jetzt einen schicken Neuwagen in den Carport stellt. Die Abwrackprämie für Altautos erfreut sich so großem Zuspruch, dass der Server des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wegen Überlastung ständig ausfällt. Bereits eine halbe Million Anträge auf die sogenannte Umweltprämie sind bereits gestellt worden. Dabei steht der ökologische Nutzen der Umweltprämie für Altautos schon länger in der Kritik, weil bislang niemand erklärt hat, was eine Subvention des Autofahrens mit Umweltpolitik zu tun hat.

Während die Autokäufer triumphieren, müssen viele Fahrradfahrer, die nun bei den ersten Sonnenstrahlen ihren Drahtesel aus dem Keller holen, erstmal schrauben, pumpen und Ersatzteile auswechseln. Wer sein Fahrrad täglich benutzt, kennt den hohen Verschleiß und wird vielleicht auch mit einem neuen Modell liebäugeln. Und sich fragen, ob ein Umweltbonus für den Neukauf eines Fahrrads nicht die ehrlichere Ökoprämie wäre. Fahrrad- und Umweltverbände werben schon länger für diese wahrhaftere Form der Umweltprämie: Bares für ein neues Fahrrad.

Umso mehr werden sich Biker gefreut haben, die gestern die Website des BUND besucht haben. Der meldete nämlich, die Bundesregierung habe überraschend Umweltprämien für Alt-Fahrräder beschlossen. Alle, die ihr altes Fahrrad abwracken und sich ein neues kaufen, erhalten "eine Prämie in Höhe von 250 Euro“, hieß es. Es gab schon schlechtere Verschickungen in den April. Das BAFA stand allerdings zu diesem Zeitpunkt für Rückfragen wegen Überlastung nicht zur Verfügung.

Kein Aprilscherz ist eine ähnlich lautende Meldung für die Stadt Mannheim: Die Stadt führt vom 1. Mai an eine Abwrackprämie für Fahrräder ein. "Fahrradfahren ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz", sagte Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD). 50 Euro zahlt die Stadt den Mannheimern, die ihr altes Vehikel verschrotten und den Kaufbeleg für ein neues Fahrrad vorlegen. Voraussetzung: Das Rad ist im Fachhandel gekauft. Die Mannheimer Abwrackprämie wird zunächst nur an die ersten 100 Käufer eines neuen Drahtesels gezahlt – eine Verlängerung ist nach Angaben der Stadt aber nicht ausgeschlossen.

Auch wenn die 50 Euro kein riesiger Betrag sind: Mannheim ist mit seiner Umweltprämie ganz vorne. Die Bundesregierung wäre gut beraten, dem Beispiel zu folgen und den Neukauf eines Fahrrads zu belohnen. Sie würde damit nicht nur die Konjunktur ankurbeln, sondern beweisen, dass sie es ernst meint mit dem Klimaschutz.

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Geschrieben von

Connie Uschtrin

Redakteurin Politik
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