Nur Lena riecht den Männerbraten

Tatort Ulrike Folkerts bleibt die ARD-Beauftragte für versäumtes Coming-Out und verkorkste Männerbünde. Nach zwei Jahrzehnten als Kommissarin hätte sie neue Themen verdient!

Spätestens als ein SEK-Mann sagt: „Mann, wir sind die guten Jungs, schon vergessen?“, wissen wir: Das stinkt zum Himmel. Ein Mord in den eigenen Reihen der Spezialeinheit, der einem Junkie angehängt werden soll. Das ist nach bewährtem Strickmuster eingefädelt, die Verstrickungen glaubhaft, die falschen Fährten, die Blockaden bei der Ermittlung, alles nachvollziehbar. Immerhin: der Tatort hat eine Betriebstemperatur, die okay ist, für Brote streichen und Chips holen bleibt nicht viel Zeit. Unsere Lena lässt nicht locker bei ihrer internen Ermittlung. Mit Korpsgeist und Männerbünden braucht man ihr nicht zu kommen. Das ist eine Lena Odenthal wie wir sie kennen. Leider zu gut kennen.

Der moralische Grundkurs des Tatort geht diesmal über falsche Freundschaften, ungute Treueschwüre und schlimmen Korpsgeist unter Männern. Aber warum ist gerade sie, Lena Odenthal, die immerfort Zuständige für stumpfe Männerbünde? Warum muss gerade sie den Fall nicht ausgelebter Homosexualität im SEK-Team aufdecken? Hat nicht zufällig 'was mit der sexuellen Orientierung der darstellenden Schauspielerin zu tun? (Wir wissen: Ulrike Folkerts macht’s ja besser, steht nicht nur zu ihrer lesbischen Beziehung, sondern hat sogar mit ihrer Freundin ein Buch geschrieben, Titel: Glück gefunden.) Unsere Lena spürt in dem SEK-Team (Teamleiter Renner: „Frau Odenthal, wir sind die Guten.“) aber noch schlimmere Verwerfungen auf, einen gedeckten Mord zum Beispiel. Zum Schluss zieht die SEK-Einheit blöder Weise noch auf eigene Faust los, um den vermeintlichen Kollegenmörder zu stellen.

Sie ist die Gute

Haben denn Tatort-Autoren keine Ideen mehr? Ja, ja, ist ja schon gut, die Spezialeinheiten von Polizei und Bundeswehr eignen sich für Drehbuchschreiber einfach gut als Folie: bestimmt oft schlimme Männervereine, die ein Eigenleben entwickeln, nach selbst erfundenen Regeln leben, nichts nach außen dringen lassen. Die draufgängerische, maskuline Lena Odenthal durchschlägt also den kranken Männerbund. Offenbar kann nur sie es aufnehmen mit der Männerwelt, nur sie kann den Braten riechen, für den ihre männlichen Kollegen keine Nase haben. Die Lena, die sich nichts sagen lässt von einem Polizeipräsidenten, der seine Truppe schützt. Das ist alles erwartbar. – Zugegeben, wir mögen sie so, die Ulrike, äh, die Lena, ist ja egal, wie sie auch heißt, ist eh die gleiche.

Ein bisschen Verletzlichkeit bei der maskulinen Kommissarin schadet auch diesmal nicht, ist ja auch ein bewährter Trick, um Spannung zu erzeugen. Diesmal: Herzflattern nach einem Stromschlag. Solche Tricks kennen wir. Sie beißt die Zähne zusammen und macht weiter, bis sie zum Schluss fast noch zusammenbricht, kurz bevor sie den Mörder stellen kann. Das hätte man sich auch sparen können. Sie schafft es natürlich, und wir mögen sie trotzdem. Sie ist die Gute. Aber ohne ihn, den Kopper, hätte die Ludwigshafener Truppe nicht halb so viel Unterhaltungswert. Und Frau Odenthal wünschen wir, dass sie nicht noch weitere zwei Jahrzehnte die Beauftragte für sexuelle Orientierung und verkorkste Männervereine bleiben muss.


Was Kopper und Odenthal nicht herausgefunden haben: Was Kammerflimmern wirklich ist
Total nervig: Der Junkie, der es nicht schafft, sich umzubringen
Ziemlich vorhersehbarer Ermittlungsvorschlag: „Er hat seinem Kumpel das Handy geklaut. Vielleicht telefoniert er damit und wir können ihn orten.“

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Geschrieben von

Connie Uschtrin

Redakteurin Politik

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