15. August - Tag der Fehler

CoLyrik-Mara Branda Anstatt Mariä Himmelfahrt den Tag der Fehler feiern?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Tag der Fehler

Heute ist der 15. August. An diesem Tag feiern Christen, überwiegend Katholiken Mariä Himmelfahrt. In Deutschland gibt es jedes Jahr aufs Neue deswegen ganz unterschiedliche Reaktionen. Die einen freuen sich über einen freien Tag, die anderen arbeiten. Die einen nennen es total ungerecht, die anderen finden es prima, auch wenn sie keine Christen sind. Dann gibt es noch jene, die in solchen Partnerschaften leben, die am 15. August grundsätzlich frustriert sind. Ein Partner kann ausschlafen, der andere muss arbeiten. Es kommt dann darauf an, wo man wohnt und arbeitet. Das Saarland ist das einzige Bundesland, das noch an diesem christlichen Feiertag festhält. In Bayern haben nur jene Arbeitnehmer frei, die in Gemeinden und Städten leben, deren Anteil der katholischen Bevölkerung überwiegt. Für alle anderen ArbeitnehmerInnen heißt es bundesweit: es ist ein ganz normaler Werktag. Wer frei haben will, muss Urlaub nehmen oder umziehen.

Man könnte diesen Tag im Saarland und in Teilen von Bayern auch ganz abschaffen und ihn offiziell durch einen anderen Feiertag ersetzen. Dann bliebe immer noch die Möglichkeit, dass ihn Katholiken trotzdem für ihre Marienverehrung nutzen. Sie könnten je nach Ausprägung der Frömmigkeit an Messen, Prozessionen und Kräuterbüschelweihen teilnehmen, so auch mit voller Hingabe Marienlieder singen.

Seit vielen Jahren wird in den USA am 15. August der Tag der Fehler gefeiert. Natürlich ist es dort kein gesetzlicher Feiertag, aber ein kurioser Gedenktag. In diesem Zusammenhang denke ich spontan an Trump. Es war ein Fehler ihn zum Präsidenten zu wählen, aber dies ist ein ganz anderes Thema. Weltweit würden mir als Journalistin spontan viele Fehler einfallen. Wäre der 15. August ein globaler Gedenktag an dem man sämtliche Fehler feiern könnte, wäre dies vielleicht kaum zu ertragen. Es käme zur unmenschlichen Reizüberflutung und viele würden tot umfallen. So könnte man natürlich auch die Weltbevölkerung jedes Jahr ein bisschen reduzieren. Alle wären Opfer eines natürlichen Todes. Allerdings nur ein Wehrmutstropfen, wenn man dabei an zukünftige Naturkatastrophen durch den nicht mehr aufzuhaltenden Klimawandel denkt.

Denken wir nationaler, hausgemachter, gehen wir ans Eingemachte und u.a. an die Gurken und Pflaumen in unserer Gesellschaft.

Diesen Tag der Fehler könnte man auch in Deutschland entsetzlich gut gesetzlich nutzen, um einen Ersatzfeiertag zu ermöglichen und diesen bundesweit gesetzlich regeln. In allen 16 Bundesländern werden tagtäglich Fehler gemacht. Da macht so ein Gedenktag durchaus Sinn. Gerade auch Politiker könnten am Tag der Fehler eine fünfzehnminütige Schweigeminute einlegen, um im gedanklichen Zeitraffer über ihre Fehler nachzudenken.

Man müsste ein Volksbegehren anstreben, eine Petition veranlassen, auf die Straße gehen, um für den Tag der Fehler zu demonstrieren.

Manche Fehler könnte man dann am Tag der Fehler sehr humorvoll feiern, andere ironisch, sarkastisch bejubeln. Es könnte durchaus sein, dass viele Menschen in Deutschland dann stundenlang heulen und eine individuell angepasste 24-Stunden-Depression ausleben würden. Andere wären euphorisch, hätten sie doch alles richtig gemacht, jeden einzelnen Fehler auf Kosten anderer verwirklicht.

Es wird in Zukunft immer gute Gründe geben, um den Tag der Fehler zu feiern und dies in jedem einzelnen Bundesland der BRD. Wir sind nicht nur das Land der Denker, der Tüftler, sondern auch der kleinen und großen, der leichten und schwerwiegenden Fehler.

15. August 2019, © Mara Branda

Kurzbiografie

Mara Branda (Jahrgang 1965) arbeitete bis 2005 als Journalistin für die Zeitschrift Schonfrist. Danach agierte sie beim Politikjournal Kaltgestellt als Chefredakteurin. Seit 2017 ist sie bei der Verlagsgruppe Rübe und Birne als Geschäftsführerin tätig.

17:07 15.08.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Corina Wagner

Wer das Wort Alphabet buchstabieren kann, ist noch kein/e Autor/in. (C.W.)
Corina Wagner

Kommentare 4