Heute hau'n wir auf die Pauke ...

CoLyrik_Gefährliches Ausgangssperre, Tag 1 im April
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Gestern war der erste April. Viele Menschen kommen auf die schrägsten Ideen, um während der Ausgangssperre soziale Kontakte zu halten. Ich nahm gestern eine ca. 15 minütige Sprachnachricht auf und sendete sie über WhatsApp an Freunde und Verwandte. Die Resonanz war prima. ;-)

Mit den ersten Worten eines alten Schlagers begann ich singend die Sprachnachricht und was dann geschah, kann mun nachlesen.


Heute hau‘n wir auf die Pauke …

Heute ist der erste April 2020. Mal ganz ehrlich, wer hat denn heute schon Covid 19 in den April geschickt? Ich nicht, schrieb lieber ein Gedicht.

Ausgangssperre, Tag 1 im April

Der April,

der April, der macht,

was er will …

… oder auch nicht.

Manchen Menschen

steht der April wirklich gut zu Gesicht,

so finde ich und grüße Dich!

Ausgangssperre, Tag 1 im April,

sie ist für manche

bereits schon zu viel.

Wir, Du, auch ich sind an für sich

nicht allzu unglücklich,

nur ein bisschen melancholisch,

weniger euphorisch als sonst

am ersten April.

Das Jammern auf hohem Niveau

ist für Viele von uns nun vorbei.

Fastenzeit ist sowieso angesagt.

Auf der Verzichtsliste

stehen Worte wie Schluss mit jedem Schokokuss.

aber auch

kein unnötiger Kauf von Toilettenpapier

nur wegen dem Habtik-Genuss.

Anstatt drei Blättchen auf der Hand,

gibt’s nur noch eins,

immerhin besser als keins.

Man gewöhnt sich an alles,

auch beim Frühstücken.

Anstatt frische Bäckerbrötchen

und Croissants zu essen,

gibt’s nun

so eine Art Haferbrei

und manchmal auch ein Ei.

Ausgangsperre, Tag 1 im April,

sie ist für manche schon zu viel.

.

.

Ich esse morgens keinen Haferschleim, aber Brot in jedem Zustand, außer mit Schimmelsporen.

Wer bislang noch nicht abergläubisch war, wird es spätestens jetzt in der Corona-Krise.

Heute früh stand ich vor dem Kaffeautomat in meiner Küche und drückte wie jeden Morgen auf die Tassenfunktion: Mein Kaffee. Tassengröße und Kaffeestärke habe ich selbst programmiert. Kaum hatte ich den Knopf gedrückt, erschien auf dem Display die Anzeige: sehr starker Kaffee. Ich trinke aber nur normale Kaffeestärke. Hm. War es ein Zeichen Gottes, dass ich heute mehr Koffein benötige? Wenn ja, warum?.

Zu Zeiten wie der jetzigen Ausgangssperre und Home Office befinden sich mehrere Personen in meinem Haushalt, die um diese Uhrzeit normalerweise nicht mehr zu Hause sind. Jetzt bin ich Gefahren ausgesetzt, die mir vorher nicht bewusst waren. Die eigene Familie treibt bereits am frühen Morgen Deinen, ähm, meinen Blutdruck in die Höhe, wenn Du nicht auf Zack und hellwach bist. Ich war aber sowas von hellwach in jenem Moment vor dem Kaffeautomat. Auch wenn ich das Gesöff nicht getrunken habe, ging mein Blutdruck schnell in die Höhe. Wer hat die Kaffeemaschine manipuliert? Keiner war’s. Der liebe Gott auch nicht, so vermute ich. War es doch Schicksal? Aberglaube hat im Moment Hochkonjunktur.

Es gibt inzwischen Deutsche bei denen steht neuerdings immer links das selbst hergestellte Desinfektionsmittel aus Gin, Ingwer und Knoblauch auf dem Waschbeckenrand. Die konnten es nicht aushalten, da andere Desinfektionsmittel hamsterten oder sogar in Betrieben oder öffentlichen Toilettenanlagen klauten. Es war schon immer so – in Krisen zeigt der Mensch zu was er fähig ist.

Bei uns steht nichts zum Hände desinfizieren, außer jeweils einem Flüssigseifenspender auf dem Waschbecken im Bad und Gäste-WC. Ob wir ohne Desinfektionsmittel überleben werden, wird der eine oder andere vielleicht erleben. Wir waschen uns die Hände nach den Richtlinien für Hygienevorschriften. Jeder hat nun sein eigenes Händehandtuch. Mehr geht nicht. Ich habe kein Versuchslabor im Keller, um selbst Desinfektionsmittel herstellen. Ihr? In solch schwierigen Zeiten, einem Tag wie heute, wo wieder so viele Menschen auf der Welt sterben werden, kann man auch mal Tacheles reden. Manche von Euch sehen so aus, als haben sie ein Versuchslabor für was auch immer im heimischen Keller. So, jetzt ist es raus.

Immer rechts neben der Toilette findet man das Klopapier, so wie immer, sollte man meinen. Rechts nur wegen dem braunen Kack, wenn ihr versteht, was ich meine, quasi wie im Museum, wenn man die Erinnerung wach hält. Es gibt natürlich auch die Nachdenkseiten im Regal über dem Gäste-WC.

Wären da nicht die ein oder anderen lieben Menschen mit dem Hamstereinkaufssyndrom, die Deutschen, die inzwischen eine ausgeprägte Toilettenpapiersucht entwickelt haben …

... hm, so wäre alles gut. Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache. Im Durchschnitt verbraucht jeder Deutsche pro Jahr 46 Rollen Toilettenpapier.

Das ist Fakt. 46 Rollen Klopapier für jeden Hintern, das muss man sich mal genau durch den Kopf gehen lassen. Fangt mal an zu Grübeln, ob ihr zum Durchschnitt der Bevölkerung gehört.

Interessant ist, so finde ich auch, wie unterschiedlich die Bedürfnisse, Ängste der Menschen weltweit während der Corona-Krise sind. Die Amerikaner zum Beispiel horten Waffen, die Franzosen Rotwein und die Niederländer hamsterten offenbar Marihuana. Ok oder Hä?

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln ist in Deutschland gesichert, habe ich schon mehrmals gelesen und dies ist heute auch kein Aprilscherz. Prima.

Wer nicht an Corona stirbt, muss nach der Krise wohlmöglich in Behandlung, in Therapie. Die Ausgangssperre macht nicht nur Psychopaten kirre. Da sitzt mittlerweile so mancher Klopapierfetischist in der Ecke seines Badezimmers und rupft Blatt für Blatt von der Rolle, so als hätte er ein Gänseblümchen in der Hand.

„Ich lieb Dich, ich lieb Dich nicht, ich lieb Dich, ich lieb Dich nicht…

… und ja, Du mich auch …

… nicht und viele andere Menschen nicht, die ewig kein Toilettenpapier kaufen konnten. In den vergangenen Wochen musste so mancher Mensch, wegen den Egoisten oder auch Paniktypen nach seiner Notdurft mit Küchenrollenpapier oder alten Socken die Kanalisation verstopfen. Socken sind nun mal kuscheliger als Zeitungspapier oder Küchenrollenpapier, kann ich zwar irgendwie nachvollziehen. Wer will schon Druckerschwärze am Hintern haben oder den abgedruckten Kopf von so manchem Politiker wie z.B. den von Trump. Bäh.

Die Ratten lassen grüßen, aber auch die Pest, nicht nur aus den Geschichtsbüchern, wenn bundesweit die Kanalisationen defekt sind.

Heute hau ich auf die Pauke…

Es ist an der Zeit Tacheles zu reden.

Wer bislang hier in Deutschland Vorurteile hegte und pflegte, wird eines besseren belehrt. Nix Ali , Mehmet, Rana oder Sema klauen Waren, horten wie Doofe, sondern Kevin, Chantall, Thomas und Andrea bedienen sich ohne dafür zu bezahlen oder kaufen Unmengen von Lebensmitteln anderen vor der Nase weg, was natürlich dem rechten Flügel, ähm dem rechten Arm in der AfD nicht gefallen wird. Wenn Kevin und Chantall mit Nachnamen Meier heißen und ihr Stammbaum durch und durch deutsch ist, dann kann man damit nicht glänzen.

Wäre cool, wenn die von der AfD keine Menschen in Krankenhäusern besuchen, um ihr Image aufzupolieren. Sie müssen auch keinen Mundschutz nähen, um besser in der Bevölkerung anzukommen. Selbst genähte Burkas in der Farbe Blau würden es auch tun, um sich zu profilieren. Optimal wäre es, wenn sie diese Vollverschleierung mit Mundschutzanteil nicht für Altersheime spenden, sondern dass diese vom rechten Flügel, ähm lahmgelegter Arm der AfD dann voller Stolz getragen würden. Dann könnte man sie beim Einkaufen besser erkennen, wäre absolut praktisch, wenn man noch einen Slogan aufnähen könnte:

Abstand für Denkende!

Wenn die dann von mir Abstand halten könnten…

Leute, wenn wir die Corona-Krise überleben, dann seht zu, dass Menschen wie Björn Höcke nicht in unserem Land bestimmen, wo es lang geht. Seht nach Ungarn zu Orban, was er nun während der Krise getan hat, um seine Macht weiterhin auszubauen. Demokratie sieht anders aus.

Ob ihr selbst oder andere heute in den April schickt, weiß ich im Moment nicht. Eins ist sicher: Für Trump ist jeder Tag, der erste April, so kann man meinen. Er twittert auch in der schwersten Krise, die die Welt seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt hat, heiter weiter, Tag für Tag Fake News.

Dazu fällt mir noch ein, dass es in bestimmten Ländern Menschen gibt, die an Lungenkrankheiten gestorben sind und nicht an Covid 19. Seltsam, aber so lauten die Pressemitteilungen.

Wer vor der Ausgangssperre noch schlank war, wird vielleicht adipös. Wer nie trank, greift eventuell jetzt zur Flasche und andere werden einfach unseriös. Das Ganze macht ganz bestimmt den ein oder die andere ziemlich nervös. Hauptsache ist, dass alle irgendwie die kommenden Monate gut überstehen. Schützt Menschenleben, haltet euch an die Vorschriften, geht auf Abstand. Versprüht Humor anstatt zu Weinen und depressiv zu werden. Galgenhumor ist der Schönste, denkt daran.

Man kann auf vieles im Leben verzichten, aber nicht auf Solidarität und Anstand.

Der erste April 2020 kann, muss aber nicht witzig und humorvoll sein.

Vorhin habe ich gelesen: Verbraucher können ab heute Kredite stunden; Mieter sind ab heute besser geschützt. Das war bestimmt kein April-Scherz. „Trump stimmt USA“ auf „harte Wochen“ ein, war zwar kein April Scherz, aber ich entdeckte auch wieder alltägliche Fake Newes, denn Trump behauptet, dass die Lage unter Kontrolle sei. Das glaube ich nicht. Schaut nach Italien und Spanien. Keiner hätte geahnt, dass so viele Menschen sterben würden. Bereits jetzt kann man schon nachlesen, dass die USA am schwersten von der Pandemie betroffen ist. Trump hat vor vielen Wochen nicht auf die Meinung, Ratschläge von Experten gehört. Bei jedem Covid 19 Toten, den es nun in Amerika geben wird, kann man hinterfragen, ob Trump mit seinem eigenwilligen Handeln Schuld trägt. Inzwischen ist nachgewiesen, dass es in den USA doppelt so viele Ansteckungen mit dem Erreger gibt, als in China.
Durch Gleichgültigkeit wurde die „Büchse der Pandorra“ geöffnet. Wenn Trump wieder zum Präsidenten gewählt wird, dann? Dann fresse ich keinen Besen. Nein. Ich wette nicht.

Leute denkt in den kommenden Tagen immer daran, dass jeden Tag weltweit wegen der Pandemie Menschen sterben, die trauerende Angehörige hinterlassen und man nie sicher sein kann, dass man auch sterben könnte, wenn man daran erkrankt. Wir Deutsche lieben nicht nur das Horten von Toilettenpapier, sondern auch unser Auto. Für Millionen Autofahrer in Deutschland gibt es nun eine echte Herausforderung. Der anstehende Wechsel von Winter- auf Sommerreifen wird dieses Jahr so manchem das Autofahrer-Herz brechen. Ich rate zur Gelassenheit, gegebenenfalls Globulis, diese winzigen Kügelchen mit Placeboeffekt, gegen Aggression einzunehmen oder Baldriantee zu trinken. Lavendel im Mundschutz könnte eventuell auch die Sinne beruhigen. Mein Tipp: Lächeln.

Unsere Verantwortlichen in Deutschland machen einen guten Job. Wir Deutschen sind dafür bekannt, dass wir lieber meckern und stänkern. Loben tut gut, wenn nicht jetzt, wann dann! Überall wurde in den vergangenen Jahren in vielen Ländern im Gesundheitswesen eingespart, auch bei uns. Diese politisch gewollte Taktik rächt sich nun. Trotz alledem haben wir noch Glück.

Bleibt bitte alle halbwegs gesund und munter, seid mit Euren Gedanken nicht allzu pessimistisch, denn das wäre fatal für alle. Die Solidarität, Mut und Kreativität werden Faktoren sein, die das Überstehen der Krise ermöglichen. Egoismus ist fehl am Platz. Denn jeder weiß, auch Ellebogen-Menschen können sterben, müssen aber nicht. Wenn ihr noch Kinder zeugen könnt und wollt, dann tut es, denn die Dummen sterben nie aus. Jetzt könnt ihr dagegen steuern, das wäre ein Vorteil für die nächsten Generationen. :-)

Ich wünsche Euch alle genügend gute Selbstgespräche, Nudeln, Tomaten in Dosen, Toilettenpapier, Schokolade, Alkohol, Mohnkekse, Kondome und virtuelle Kontakte.

Tschüssi
Eure Mara Branda

20:55 02.04.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Corina Wagner

Wer das Wort Alphabet buchstabieren kann, ist noch kein/e Autor/in. (C.W.)
Corina Wagner

Kommentare 8