Schlagzeile „Eine Zumutung für die Truppe“

Wagners Randnotiz Es ist immer gut, wenn man einen historischen Blick riskiert.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Zwei Saarländer unterhalten sich über AKK, ihre ehemalige Ministerpräsidentin:

Unn ?

Jo. Unn selbst?

Ei jo, s‘muss.

Laaf aweil net fort. Es AKK soll ä Zumutung fier die Truppe sinn, hann ich geles!

Da kamman halt nix mache, sitzt uffem Schleudersitz.

Doch. Sie had awwer schwer ebbes uffem Kaschde .

Hä?

Mach aweil jo kenn so Zores. Es schaad iwwerhaupt nix, wenn das Amt ä Saarlännerin iwwernimmt.

Komm geh fort.

Ich saahn aweil besser nix.

Genau so oder so ähnlich kann dieser Dialog abgelaufen sein. Man unterhielt sich im Saarland über Annegret Kramp-Karrenbauer.

Eigentlich müsste man nun einen Aufruf an Drehbuchautoren starten. Sie müssten nicht unbedingt saarländische Dialoge einbauen. Vielleicht doch, damit es authentischer wird.

Was nun in den letzen Tagen passierte, könnte zu einem großartigen Film werden. Sommer 2019. Drei deutsche Frauen machen das Unmögliche wahr. Zeitweise bricht in Hinterzimmern das pure Chaos aus. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in der EU schütteln einige Menschen die Köpfe. Andere stampfen hinter verschlossenen Türen wie zornige Kleinkinder mit den Füßen auf, andere schweigen und beobachten nur. Politiker begreifen teilweise ihre heile, schön ausgemalte Welt nicht mehr. So manche Karriereleiter wird brüchig und das ein oder andere Ego bekommt einen Knacks weg. Die Abkürzungen AM, UvdL und AKK sind die deutsche Antwort auf viele Fragen. Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer sind für manche eine echte Gefahr, denn sie sind klug. Powerfrauen aus der CDU, die genau wissen, was sie wollen, wenn andere noch nicht ausgeschlafen sind und Däumchen drehen. Respekt!

Ursula von der Leyen wird nach vielen kritischen Worten EU-Kommissionspräsidentin. Ihr Mut zahlt sich aus. Sie setzt zuvor alles auf eine Karte und kündigt ihren Job als Verteidigungsministerin. In den Medien kann man darüber viel lesen, warum und wieso sie so stark kritisiert wurde. Fakt ist nun, dass sie die erste Frau überhaupt in diesem Amt ist. Wilde Spekulationen beginnen noch vor der Wahl zur EU-Kommissionspräsidentin. Sollte sie tatsächlich gewählt werden, wer soll ihren Job im Verteidigungsministerium übernehmen? So mancher Politiker hätte Kanzlerin Merkel ziemlich intensiv in die Augen gestarrt, um sie zu hypnotisieren, damit er ihre Gedanken lesen kann. Die Kanzlerin überraschte mit ihrer Entscheidung, denn jene Person, die sie letztendlich nannte, stand überhaupt nicht auf der Liste für das Amt im Verteidigungsministerium. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer löst Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin ab. Wow! Oder auch für Kritiker: Oweia! Schon die zweite Frau in diesem Amt, wirkt schon irgendwie auf einige Menschen ein bisschen unverschämt, gehört doch die Bundeswehr zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Laut Medien fielen bereits sehr kritische Worte aus anderen Parteien, wie zum Beispiel, dass die Entscheidung für die 56-jährige Saarländerin Kramp-Karrenbauer „eine Zumutung für die Truppe und für unsere Nato-Partner“ sei.

Trommelwirbel und Fanfaren!

Es ist immer gut, wenn man einen historischen Blick riskiert.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, CDU, war von 2013-2019 im Amt.

Bislang waren 16 Männer in Deutschland ab 1955 Verteidigungsminister:

Thomas de Maizière, CDU, 2011-2013,

Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, CSU, 2009-2011

Franz Josef Jung, CDU, 2005-2009

Peter Struck, SPD, 2002-2005

Rudolf Scharping, SPD, 1998-2002

Volker Rühe, CDU, 1992-1998

Gerhard Stoltenberg, CDU, 1989-1992

Rupert Scholz, CDU, 1988-1989

Manfred Wörner, CDU, 1982-1988

Hans Apel, SPD, 1978-1982

Georg Leber, SPD, 1972-1978

Helmut Schmidt, SPD, 1969-1972

Gerhard Schröder, CDU, 1966-1969

Kai-Uwe von Hassel, CDU, 1963-1966

Franz-Josef Strauß, CSU, 1956-1962

Theodor Blank, CDU, 1955-1956

Man kann darüber stundenlang debattieren, ob jene 16 Männer, Politiker, ihr Amt als Verteidigungsminister besser ausübten, als es nun Ursula von der Leyen tat. Sie hatte keine einfache Zeit, um sich zu profilieren und doch übte sie ihr Amt relativ lange aus, verließ es freiwillig. Es wird sich im Laufe der nächsten Wochen und Monate herauskristallisieren, ob es eine Fehlentscheidung war, dass nun Kramp-Karrenbauer dieses Amt ausfüllt. Sie ist nun als Bundesministerin der Verteidigung Mitglied der Bunderegierung, aber auch höchste Vorgesetzte aller Soldatinnen und Soldaten. Sie hat die Befehls- und Kommandogewalt über die Streitkräfte im Frieden.

Meiner Ansicht nach wird sie es meistern, wenn nicht, dann ist schnell „zabbeduschder“ (Schluss) im Verteidigungsministerium.

Alleh dann, Merci

Corina Wagner, 17.Juli 2019

.

Vita Kramp-Karrenbauer: https://www.kramp-karrenbauer.de/artikel/lebenslauf

Quellen:

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kritik-an-akk-nach-ernennung-zur-verteidigungsministerin-16288708.html

https://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/start

https://www.bmvg.de/de

https://www.bmvg.de/de/ministerium/geschichte-des-verteidigungsministeriums/ehemalige-verteidigungsminister

19:07 17.07.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Corina Wagner

Wer das Wort Alphabet buchstabieren kann, ist noch kein/e Autor/in. (C.W.)
Corina Wagner

Kommentare 10