Schwubbeldirubbeldiwupp

CoLyrik-Seltsames Aus der Reihe: "nicht normal"
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Schwubbeldirubbeldiwupp

Aus der Reihe: "nicht normal"

Schwubbeldirubbeldiwupp. Jetzt ist es passiert. Oweia. Die Geheimakte Seepferdchen ist in die falschen Hände geraten. Eigentlich wollte ich nur wie alle anderen Langweiler ganz lapidar zum Vatertag gratulieren. Nur nicht auffallen. Jetzt kommt alles ans Licht. Morgen steht es bestimmt im Internet. Schwubbeldirubbeldiwupp! Ende, aus, vorbei. Ich gehe unter und tauche wieder auf, samt Akte. Mann oder Frau? Immer Frau, manchmal im falschen Körper. Und ja. Ich wurde geklont, so könnte man vermuten. Ich bin mehrmals gestorben und immer wieder wurde ich aufs Neue geboren. Das Ganze geht schon seit Jahrhunderten so. Erschreckend. Schwubbeldirubbeldiwupp! Lebendig, mucksmäuschentot und dann wieder Schwubbeldirubbeldiwupp lebendig. Irre. Nur die Haarfarbe änderte sich im Laufe der Zeit, auch meine Figur. Cleverer wurde ich auch, so vermute ich stark. Bis ins Jahr 1465 kann ich mich erinnern. Da war der 5. Mai auch ein Donnerstag und Silvester fiel auf einen Samstag. Mein Hippocampus hat ganz schön viel zu tun. Und ich möchte heute absolut nicht verraten, was ich an jenem Tag tat. Um ein bisschen Licht ins Dunkle zu bringen, nur so viel: Ein freundlicher Henker begrüßte mich jedenfalls nicht gegen Mittag mit seinem brillant gewetzten Henkersbeil, irgendwo da draußen auf dem Markplatz im Wonnemonat Mai. Nein. Ich starb auch nicht an den Folgen der Pest. Es war wahrlich kein Tag wie jeder andere in meinen bis heute durchlebten Epochen. Geboren, gelebt, gestorben und wieder erschienen im Körper einer neuen Person, aber immer mit dem gleichen Hippocampus. Wäre ja gerne mal geschrumpft und selbst in mich hineingeklettert. Mit einer kleinen modernen Taschenlampe in der Hand, um vom linken Ohr aus nach innen in mein Gehirn zu laufen. Zugern würde ich meine eigenen Nervenzellen betrachten, die gebündelt wie ein Seepferdchen aussehen. Ich schweife ab.

Wenn ihr genau wüsstet, dass ihr schon mehrmals in verschiedenen Epochen gelebt habt, wolltet ihr dann Details in einer Datenbank abrufen, die ganz vorne hinter der Stirn in eurem Frontalhirn sitzt. Könnt ihr euch das vorstellen, damit leben zu wollen? Ein Megazentrum Gedächtnis quasi. Vielleicht bin ich ein Phänomen, vielleicht auch wirklich nicht vorhanden, von Geisterhand gelenkt. Mein Langzeitgedächtnis ist super gut entwickelt und ich kann zwar nicht bis in die Steinzeit alle Daten abrufen, aber bis zum Mittelalter. Schwubbeldirubbeldiwupp. Wow. Jetzt ist es in diesem Moment schon wieder passiert. Daten, Szenen aus dem Jahr 1589 erscheinen im Zeitraffer vor meinem geistigen Auge. Mein Langzeitgedächtnis funktioniert prima hinter meiner Stirn, gut versteckt hinter einer gefärbten Pony-Frisur. Schwubbeldirubbeldiwupp. Nur ein Gedanke und schon spüre ich den Scheiterhaufen von damals… Irre, stimmt’s?

:-)

© CoLyrik, Mai 2016

15:29 05.05.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Corina Wagner

Wer das Wort Alphabet buchstabieren kann, ist noch kein/e Autor/in. (C.W.)
Corina Wagner

Kommentare 7