RE: Wer ist rechts vom Bürger? | 12.09.2019 | 14:07

Danke! Endlich kann ich das, was bisher beim Erwähnen von Bürgerlichkeit nur ein Gefühl äußersten Unwohlseins auslöste, nun in Worte fassen: Spießigkeit, Nationalismus, Opportunismus, Schleimigkeit und Feigheit. Das trifft die Sache gut...

Trotzdem vielleicht noch die Anmerkung, dass Viele den Begriff Bürger oft eher neutral verwenden, im Sinne von Staatsbürger, Einwohner und manchmal allgemein sogar Menschen. Meine Beobachtung ist allerdings, sobal man noch die Silbe "-lich" anhängt und das Wort zum Adjektiv macht, wird fast immer das oben Beschriebene gemeint (bürgerliche Partei/Politik/Werte/blablabla).

Zum Thema an sich wurde ansonsten im Artikel schon alles gesagt. Mit dem Sinn, in dem die CDU sich als bürgerlich versteht, sind die Werte and Ansichten einer AFD vollständig kompatibel. Hier geht es wirklich nur noch um Nuancen und gewisse Akzente.

RE: So isser, der Süddeutsche | 03.09.2019 | 11:48

Tolles Zitat von Wagenknecht. Aber immer wenn jemand die immer absurder werdende Ungleichverteilung von Vermögen und Macht anspricht, dann tönt es sofort aus konservativen und wirtschaftsliberalen Lagern: Neiddebatte! Und genug Menschen, die eigentlich allemal von einer Umverteilung von oben nach unten profitieren würden, stimmen trotzdem diesen Parteien zu und wählen sie wieder und wieder.

Ich weiß nicht, ob ich jemals verstehen werde, warum so wenig Menschen mal ihren Verstand gebrauchen und das System in dem wir leben als das bezeichnet, was es ist: Ungerecht.

Die ganze AFD / Ostdeutschland Debatte ist doch nur vorgeschoben. Klar, es wird immer Leute mit extremen rechten Vorstellungen geben, aber ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass wenn jeder ein angemessenes Auskommen hätte, am gesellschaftlichen Leben und Reichtum teilnehmen kann und keiner um seine Existensgrundlage fürchten muss, DANN hätte rechtes Gedankengut kaum eine Chance nennenswert Anhänger zu finden. Insofern bin ich mir sicher, dass Jeder für populistische Ideologien offen sein kann, wenn seine Lebensumstände nur prekär genug sind, in welcher Himmelsrichtung er oder sie auch immer wohnt. Im Moment ist es einfach so, dass die Situation im Osten einfach noch angespannter ist, gäbe es im Westen einen wirtschaftlichen Abschwung und eine weitere Verschärfung der neoliberalen Politik, dann würde die AFD eben hier auch mehr Zulauf bekommen...

RE: Wo Anderssein gefährlich ist | 26.08.2019 | 09:57

Danke für den Artikel. In meiner lokalen Blase in NRW ist die Lage zwar noch nicht derart verschärft, aber die Tendenz ist erkennbar. Und es bestätigt, was ich schon lange befürchtet habe: Humanistische Werte und Weltoffenheit sind keine Errungenschaften, die sobald erreicht, für immer in Beton gegossen sind, sondern müssen jeden Tag mit äußerster Vehemenz verteidigt werden. Ich wünschte es wäre anders und man könnte sich mal auf den Erfolgen ausruhen, aber Pustekuchen... ich habe größten Respekt für Menschen, die sich in Vereinen angagieren und tagtäglich dafür eintreten und kämpfen. Ich versuche meinen kleinen Beitrag zu leisten, indem ich mit Menschen offen rede und sie auch versuche von der Irrigkeit ihrer Homo-, Trans- oder Fremdenfeindlichkeit zu überzeugen, aber ich habe das Gefühl, dass es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist und das macht mir Sorgen und bisweilen Angst. Habe leider kein Patentrezept, um mit der Situation umzugehen, was kann man auch tun gegen einen gesellschaftsfähig gewordenen Verlust von Empathie?

RE: Jung und depressiv | 12.08.2019 | 17:05

Meine Gegenrechnung sollte ja nur verdeutlichen, dass das Arbeispensum eines Studenten an das eines normalen Arbeitnehmer herankommt. Mit dem Unterschied, dass man für diese Arbeit nicht bezahlt wird, daher dann Bafög (=> Schulden nach dem Studium und Einstellung der Zahlungen wenn man nicht in der teilweise völlig illusorischen Regelstudienzeit bleibt => Stress) oder nebenher noch einen Nebenjob zur Finanzierung des Studiums (sofern man nicht noch zu Hause wohnen kann muss ja von irgendwas die Wohnung und Verpflegung finanziert werden => Stress), ups dann ist man ja sogar über der Wochenarbeitszeit eines normalen Arbeitnehmers (außer dieser hat auch mehrere Jobs...).

Wer dann noch eine depressive Tendenz hat oder psychisch einfach nicht so gefestigt ist und nicht gerade Eltern hat, die einen kräftig finanziell unterstützen... tja, ist kein Zuckerschlecken. Gut, dass der Artikel das auch mal so klar sagt. Studenten haben kein chilliges Leben, wenn es einfach "nur" stressig ist, dann läuft es schon gut, im schlimmsten Fall winken Burnout und co.

RE: Jung und depressiv | 12.08.2019 | 16:19

Leider falsch gerechnet. Vorlesungen für 10 CP Fächer sind zwei mal die Woche, also 2 * 90 Minuten * 5 Vorlesungen macht schon 15 Stunden alleine dafür, die Präsenzübungen dauern in der Tat 90 Minuten (3 mal die Woche macht dann 4,5 Stunden), aber die Hausübungen haben Sie unter den Tisch fallen lassen und die haben es richtig in sich! Da gehen gut und gerne mal 5 Stunden PRO ÜBUNGSZETTEL ins Land, also pro Woche locker 15 Stunden. Praktikum hatte ich immer nur blockweise, aber die 5 Stunden pro Woche kommen wohl hin, wenn man es während der Vorlesungszeit hat.

Macht insgesamt: 15+4,5+15+5 = 39,5 Stunden pro Woche, da ist dann die Vorlesungsvor- und -nachbereitung noch nicht mit drin (idealerweise sollten ja die Übungen den Stoff der Vorlesung nachbereiten, aber tatsächlich gehen die Übungen oft an der Vorlesung vorbei, sodass man das nochmal separat wiederholen muss und die Übungszettel dementsprechend schwierig sind / zeitaufwändig, weil vieles eigenständig erarbeitet werden muss und nicht einfach die Formel aus der VL angewendet wird)

Damit ist man schon nah an der "echten" Arbeit dran. Meine Ausführungen bezogen sich übrigens auf mein Bachelor- und Masterstudium in Physik, denke das ist vom Anspruch und Aufwand recht gut mit Meteorologie vergleichbar. Weiß jetzt nicht, wie es sich zB mit Gesellschaftswissenschaften verhält, kann sein, dass das Studium tatsächlich lascher ist (behaupten die Naturwissenschaftler jedenfalls gerne^^), aber davon würde ich jetzt erst mal nicht ausgehen.

RE: Reich wird, wer reich ist | 29.07.2019 | 13:30

Studien wie solche sind insofern wichtig, weil es darum geht Dinge wie sie tatsächlich sind und nicht, wie sie sich anfühlen. "Gefühlt" ist das, was da zu Tage gefördert wird nichts Neues, viele von uns hatten das Gefühl, dass die bestehenden Machtstrukturen die Reichen immer reicher macht, aber wer Politik nur nach Gefühl macht ist einfach unseriös (-> Trump).

Solche Studien kann man anzweifeln, Gegenstudien in Auftrag geben oder über die Ergebnisse diskutieren, aber man kann sie nicht so leicht wegreden, als wenn irgendwo jemand einfach sagt "Hmm mein Bauchgefühl sagt mir hier stimmt was nicht in Deuschtland, ich glaube hier geht es ungerecht zu, aber ich weiß nicht genau warum und wieso das so ist".

Also alles in allem, eine gute Sache und nicht zu vernachlässigen. Natürlich müssen die Menschen (bzw. die Wähler) jetzt auch Konsequenzen ziehen und endlich mal anfangen Parteien zu wählen, die tatsächlich versuchen etwas an dem Status Quo zu ändern.

RE: Auf zu neuen Welten | 29.07.2019 | 07:42

Danke für den Hinweis, der Fehler mit dem Erdtrabanten als Planet ist mir auch aufgefallen, aber ich konnte den Originalartikel nicht finden, um es zu überprüfen.

RE: Auf zu neuen Welten | 27.07.2019 | 09:23

Ich bin ganz sicher kein konservativer Mensch und alles andere als rückwärtsgewandt. Keine Ahnung, was du da für einen Zusammenhang zwischen Raumfahrt und Konservatismus konstruierst.

Ich erkenne natürlich an, dass es profunde Probleme auf unserem Planeten gibt, die man angehen muss und die konsequenter Weise dazu führen, dass sich unsere Gesellschaft verändern muss. Aber ich bin auch dafür, dass die Weltraumforschung vorangetrieben wird, nicht aus Prestigegründen oder Dominanzgehabe, sondern aus wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Gründen.

Und jetzt komm mir nicht mit dem Unsinn "wir müssen unsere Kräfte erst bündeln, um das Problem der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit/Kinderarmut/Klimawandel/[bitte persönliches Lieblingsproblem einsetzen] zu lösen". Das funktioniert nicht, hat noch nie funktioniert und wenn man es durchsetzen würde, würde es großen Schaden anrichten, weil es nun mal so ist, dass viele wichtige Entdeckungen nicht zielgerichtet waren, sondern auf Forschung einiger Wissenschaftler basieren, die völlig an zu ihrer Zeit aktuellen Problemen vorbei geforscht haben. Beispiel James Clerk Maxwell, der versucht hat die obskuren Experimente mit Drähten und Strömen seiner Kollegen in einer Theorie des Elektromagnetismus zusammenzufassen. Rückblickend von heute ist der Nutzen dieser Grundlagenforschung überwältigend (ich würde sonst wohl nicht 150 Jahre später einen Computer verwenden können), aber damals war das nicht unbedingt ersichtlich. Die Lehre daraus ist: Man weiß nie welche wundervollen Neuerungen Grundlagenforschung mit sich bringt (dazu gehört auch die Erforschung des Kosmos) und welche Probleme dadurch gelöst werden können, die heute noch nicht abzusehen sind.

RE: Auf zu neuen Welten | 26.07.2019 | 23:07

Sorry, aber das ist doch alles sehr schwurbelig und unzusammenhängend, was du so von dir gibst.

RE: Auf zu neuen Welten | 26.07.2019 | 23:04

Tja mit der konkreten Umsetzung ist natürlich so eine Sache... DASS es funktionieren kann sieht man an China, die die Ein-Kind-Politik ja bis vor kurzer Zeit sehr konsequent durchgesetzt haben durch ein Sanktions- und Belohnungssystem. Ob so ein Vorgehen moralisch und demokratisch zu legitimieren ist steht auf einem anderen Blatt, ich habe da auch kein Patentrezept, außer meine Hoffnungen weiter in eine fortschreitende Aufklärung der Menschen zu setzen (soll heißen, sie begreifen selber, dass es langfristig nicht sinnvoll ist 10 Kinder in die Welt zu setzen).

Und bzgl. dem Aussterben der Menschheit: Arten sterben so oder so aus, auch ohne, dass sie besonders darauf hinarbeiten so wie wir, das heißt selbst wenn es für uns gut läuft und wir den Planeten nicht zerstören oder uns wegbomben, können wir als Art trotzdem aussterben. Damit das nicht passiert muss man tatsächlich aktive Gegenmaßnahmen treffen, aber bisher hat das auf der Erde noch keine Spezies gemacht und im Moment halte ich die akuten Probleme und Konflikte auch für kritischer für unser Überleben. Wenn die Menschheit es schafft in ein paar Hundert Jahren einen utopischen Gesellschaftszustand ohne nennenswerte Konflikte und akzeptablem Resourcenverbrauch zu erreichen, dann kann man anfangen langfristig zu planen. Es fällt mir irgendwie schwer mir vorzustellen, dass sich der Zustand, in dem unsere Welt zur Zeit ist, noch weitere Jahrhunderte so dahinschleppt, aber vllt mangelt es mir einfach nur an Fantasie^^