Cosmo

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RE: So wünscht man sich Politiker | 24.04.2020 | 19:02

Norbert Blüm ist m. E. der Beweis dafür, dass das Gerede vom Linksruck der Union völliger Blödsinn ist. Die CDU hatte früher durchaus einen brauchbaren Sozialflügel, der für einen starken Sozialstaat eingetreten ist und der dem nackten Kapitalismus mit seiner alles auf den Marktgedanken reduzierenden Logik zu einem gewissen Grad kritisch gegenüberstand (wenn auch aus anderen Gründen als die Linke). Derartiges kann ich heute nicht mal mehr in Ansätzen erkennen, wirtschafts- und sozialpolitisch ist die CDU inzwischen zu 100% neoliberal.

Sozialpolitisch stand Herr Blüm zum Ende seines Lebens nicht nur weit links von der CDU, sondern auch der SPD. Scholz, Heil, Steinmeier, Steinbrück, Gabriel, Schulz etc. sind von der Notwendigkeit eines leistungsfähigen Sozialstaats (inklusive einer auskömmlichen Rente nach einem langen Arbeitsleben) nicht ansatzweise so überzeugt wie es Norbert Blüm immer war.

Mir war der Mann immer außerordentlich sympathisch, sein Tod ist sicher ein großer Verlust für unsere zunehmend gespaltene Gesellschaft.

RE: Die Ruhrpott-Rebellin | 23.04.2020 | 20:42

Mehr Kurzarbeitergeld ist ein populäres Thema, bei dem die SPD ruhig auf Konfrontation hätte gehen können. Dass sie das immer noch nicht fertig bringt, ist erstaunlich und zeigt, dass sie mit den 15-18% in den Umfragen sehr gut leben kann.

Dem neuen Führungsduo hätte ich offen gesagt mehr zugetraut. Man vernimmt ausschließlich etwas von den Altbekannten (Scholz, Heil), während die Spitze der Partei quasi nicht wahrnehmbar ist. So wird das nichts mit dem neuen Profil.

RE: Der Möchtegern-Spalter | 11.04.2020 | 18:09

Insgesamt unterscheiden sich NPD und AfD natürlich schon erheblich. Die NPD ist in Gänze eine neonazistische Partei, die AfD nur partiell. Und der ganze Habitus ist einfach ein anderer. Deshalb kann die AfD im Gegensatz zur NPD auch beim Wähler punkten. Mir geht es nicht um eine Verharmlosung der AfD, aber die Realität sollte man schon noch sehen.

RE: Der Möchtegern-Spalter | 11.04.2020 | 16:57

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob Meuthens Vorschlag aus Sicht der AfD tatsächlich so wenig Sinn gemacht hat. Es ist ja vermutlich nicht falsch, dass sich viele Rechtskonservative vom Höcke-Flügel, und viele klassisch Rechtsextreme bzw. viele klassisch rechte Protestwähler vom rechtskonservativ-bürgerlichen Flügel abgestoßen fühlen. Eine Spaltung in Meuthens Sinne hätte das Wählerpotential somit durchaus steigern können.

Das Risiko wäre natürlich gewesen, dass eine Höcke-Kalbitz-Partei massenhaft geistig und moralisch völlig verwahrloste Gestalten angezogen hätte und somit zu so etwas wie einer NPD 2.0 geworden wäre (mit entsprechendem 'Erfolg' beim Wähler).

RE: Mikroben werden uns retten | 08.04.2020 | 21:29

Wäre fantastisch, wenn sich die Dinge so entwickeln würden, wie hier dargestellt wird. Damit wäre eine Welt, in der wenigstens die existentiellen Bedürfnisse eines jeden Einzelnen gedeckt sind, möglicherweise sehr schnell erreichbar.

RE: Alle oder keiner | 08.04.2020 | 20:48

"Das gilt vor allem für die arroganten, ignoranten und dekadenten Deutschen. Die fleißigen, ordentlichen und "anständigen" Deutschen reden immer nur davon, dass sie die sogenannten "Zahlmeister "der EU wären. Das ist an Scheinheiligkeit und Opportunismus einfach nicht zu überbieten (...)"

Das ist auch insofern an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten, als dass die meisten Politiker aller Parteien und weite Teile der (linken) Mitte der Gesellschaft sich selbst als überzeugte Super-Europäer sehen und dies auch permanent betonen. Ist mal handfeste Solidarität gefragt, wird es schnell still bzw. kommt viel zu oft der 'hässliche Deutsche' hervor. Erinnert sei an den unglaublich hämischen und boshaften Umgang mit Herrn Tsipras und seiner Regierung, der ja verständlicherweise eine Abmilderung der harten Sparauflagen für sein Land forderte. Anstatt sich permanent in der eigenen, vermeintlichen moralischen Überlegenheit zu suhlen, sollten sich weite Teile der Gesellschaft besser mal die Frage stellen, was ihnen ihre angeblich so tiefen Überzeugungen tatsächlich wert sind.

Meiner persönlichen Meinung nach sind die Kosten und Risiken, die für Deutschland mit Corona-/Euro-Bonds verbunden wären, absolut überschaubar. Ist man dieser Meinung nicht, sollte man konsequenterweise die Abschaffung des Euro fordern. Denn dass Länder wie Italien oder Spanien, die die Krise von 2008 bis heute nicht im Ansatz ausgestanden haben, weitere 10 Jahre und in noch schlimmerer Form vor sich hin siechen, wird nicht ohne Verwerfungen funktionieren. Investitionen in erheblichem Umfang sind erforderlich, sonst ist das aktuelle Konstrukt aus EU und Euro sehr schnell Geschichte.

RE: Über Leben oder Tod entscheiden | 13.03.2020 | 00:51

Klar, darum geht's ja. Ärzte müssen innerhalb kurzer Zeit Entscheidungen über Leben und Tod treffen, ohne lange 'Labereien'. Es wäre gesünder für den Arzt, diese Entscheidung gewissermaßen nicht alleine, sondern auf Basis von Richtlinien treffen zu müssen. Denken Sie nicht?

Die Diskussion darüber mag unangenehm sein, wegducken ist aber möglicherweise keine verantwortungsvolle Option.

RE: Über Leben oder Tod entscheiden | 12.03.2020 | 23:07

Diskutiert werden sollten solche Aspekte auf jeden Fall, und auch rechtzeitig verbindliche Vorgaben getroffen werden. Den Ärzten und Pflegern derlei Entscheidungen zuzumuten, sollte tunlichst vermieden werden.

Natürlich zeigt der Neoliberalismus, eine durch und durch sozialdarwinistische Ideologie, die die Existenz eines Gemeinwesens und Zusammenhalts jenseits von Familiengrenzen negiert, hier sein hässliches Gesicht. Sind die Institutionen, die die Wahrung der Interessen und das Überleben von Schwächeren gewährleisten, kaputtgespart oder nicht mehr existent, kommt es zwangsläufig zu einer 'natürlichen Selektion' und zur Preisgabe jeglichen Humanismus.

Italien, das sich seit vielen Jahren in einem Zustand von Siechtum, Arbeitslosigkeit und Sparmaßnahmen befindet, hat natürlich Kapazitäten und Ressourcen geschliffen, die die aktuelle Krise beherrschbarer gemacht hätten. In Deutschland ist es im Grundsatz nicht anders, wenn auch der Umfang ein anderer sein mag.

Vormachen sollte man sich nichts: jahrzehntelange Versäumnisse wird man nicht innerhalb von Wochen oder Monaten wettmachen können. Insofern stehen uns in sehr naher Zukunft möglicherweise sehr unangenehme Entscheidungen bevor. Zumal insbesondere die Politik in Deutschland jegliches Handeln vermeidet. Selbst läppischste Maßnahmen werden einfach nicht getroffen. Priorität scheint das Retten von Menschenleben jedenfalls nicht zu haben.

RE: „Das ist der Pakt mit dem Faschismus“ | 05.02.2020 | 20:37

Wer erwartet hat, dass die Abgrenzung der sog. bürgerlichen Parteien nach Rechtsaußen lange hält, war sehr naiv. Diese Parteien haben eben nicht das geringste aus der (ihrer) Geschichte gelernt, denn dies würde auch eine ernsthafte und kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit erfordern. Diese fordern CDU und FDP aber vor allem von anderen, insbesondere natürlich der PDS/Linkspartei ein.

Herr Kemmerich wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in sehr naher Zukunft zurücktreten müssen, und dürfte danach politisch erledigt sein. Das ist aber nur ein schwacher Trost, da sich natürlich in absehbarer Zeit ein neuer Kemmerich finden wird. Und der kann die Sache dann möglicherweise bereits durchziehen.

RE: Rassismus geht viral | 05.02.2020 | 20:24

Wenn man so einen Artikel liest, fragt man sich wirklich, wie grenzenlos verblödet ein Teil dieser Gesellschaft ist. Auch die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit scheint Teil dieser Verblödung zu sein. Mich würde glatt interessieren, wie z.B. in Frankreich mit dem Virus umgegangen wird, ob da etwas mehr Rationalität herrscht.