Cosmo

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RE: Zurück zum Klassenstandpunkt | 11.04.2019 | 22:08

Natürlich ein hochgradig überflüssiger Artikel, weil sich Poschardt weigert, eine linke Perspektive einzunehmen. 'Leistungs- und Chancengerechtigkeit' in den Mittelpunkt zu stellen wird seit fast 20 Jahren von allen Parteien von FDP bis SPD gepredigt. Und seitdem sind die Reichen reicher, die Armen ärmer geworden. Das ist eine objektive Tatsache, die man prinzipiell natürlich befürworten kann, die aber aus linker Perspektive zwangsläufig abzulehnen ist. Zumal dem Malocher Mitte 40 Chancengerechtigkeit auch nicht mehr viel nutzt. Aus dem wird nämlich kein gutverdienender Akademiker mehr, der muss hoffen, dass das ihm zugestandene Stück des gesellschaftlichen Reichtums endlich wieder größer wird.

Dass alle drei linken Parteien inzwischen mehr oder weniger einer 'links geschminkten Bourgeoisie' nachlaufen, ist aber sicher nicht falsch. Die Grünen können sich das leisten, weil sie von Anfang an eine mehr oder weniger bürgerliche Partei waren. SPD und Linke nehmen sich damit aber letztlich ihre Existenzberechtigung.

RE: Die Zukunft ist offen | 13.03.2019 | 22:40

"Ansonsten wird mir das Nichtwählen langsam geradezu aufgedrängt."

Das geht mir genauso, und es ist wirklich tragisch. Leute wie Riexinger/Kipping zu wählen (und damit auch zu stärken) bringe ich nicht über mich. Nahles Scholz und Maas sind für mich auch absolut unwählbar. Und die Grünen sind einfach keine Partei für mich.

Eine Kevin-Kühnert-SPD wäre vielleicht eben so noch wählbar. Mal gucken. Bei der nächsten BTW werde ich aber definitiv zuhause bleiben.

RE: Die Zukunft ist offen | 13.03.2019 | 21:56

Ach naja, was soll's. Verändern wird sich die Partei durch weitere Kleinkriege sicher nicht.

Meiner Meinung nach soll man die Parteiführung jetzt mal machen lassen. Entweder sie fahren den Karren gegen die Wand (wovon ich schwer ausgehe), oder es gibt in der Gesellschaft tatsächlich das Bedürfnis nach einem müden Abklatsch der Grünen (was man als Demokrat dann zu akzeptieren hat). Man wird sehen.

RE: Die Zukunft ist offen | 13.03.2019 | 20:54

Die Qualität eines Menschen ist in erster Linie danach zu beurteilen, wie er mit seinen Mitmenschen umgeht. Politische Positionen, ob sie jetzt in der Theorie viel oder weniger Solidarität beinhalten, sagen über den, der sie vertritt, in aller Regel nicht sehr viel aus. So gesehen ist es dann gar nicht so widersprüchlich, dass sich diejenigen, die ständig von Solidarität reden, permanent unsolidarisch verhalten.

"Nur sehen einige linke Marx' Werk als Bibel, nicht umsonst wird dauernd daraus zitiert ohne einmal Bezug auf die aktuellen "Kleinigkeiten" des Lebens zu nehmen."

Viele Linke haben einen Hang zu Abstraktionen und theoretischen Konstrukten, die unglaublich ernst genommen werden. 'Die Arbeiterklasse', 'die Flüchtlinge als revolutionäres Subjekt', 'der Kapitalismus, der an seinen Widersprüchen zugrunde gehen wird' etc. Die Realität und diese Konstrukte passen selten zusammen, was aber nicht dazu führt, dass eigene Positionen wirklich hinterfragt werden. Eher beginnt man diejenigen, die den eigenen Vorstellungen und Erwartungen nicht gerecht geworden sind, zu hassen. Darin liegt m.M.n. die tiefe Ablehnung begründet, die sehr viele Linke Arbeitern und Arbeitslosen heute gegenüber empfinden.

RE: Erwachsen werden | 12.03.2019 | 23:42

Der Artikel zeichnet ein äußerst naives Bild einer sich langsam aber stetig entwickelnden Linken. Was er ignoriert: die Linke mag in einem gewissen Umfang neue Milieus und Schichten erschlossen haben, hat bei anderen Milieus/Schichten dafür beträchtlich verloren. In der Summe kann man allenfalls von einer Stagnation sprechen.

Der Weg, den die Linke vor einigen Jahren eingeschlagen hat, führt nach meiner Überzeugung ins Nirgendwo. Pro-europäische (was hier so viel heißt wie der EU weitgehend unkritisch gegenüber stehende) Parteien gibt es von FDP bis SPD viele, ein Alleinstellungsmerkmal ist das sicher nicht. Mediale Pluspunkte mag man damit sammeln können, davon allein kann man sich in einer Demokratie aber nichts kaufen. Der EU-kritische Teil der Bevölkerung wird dafür leichtfertig aufgegeben.

Ich persönlich werde aus der Partei nicht mehr schlau. Was kriege ich, wenn ich Linke wähle? Vor allem: kriege ich am Ende tatsächlich mehr soziale Gerechtigkeit? Ich glaube es nicht mehr. Und ich habe zunehmend den Eindruck, dass das für die führenden Köpfe der Partei keine Rolle mehr spielt.

Die Linke hat bei sehr vielen Menschen leichtfertig Vertrauen verspielt und nachhaltig verloren, damit übrigens auch den Aufstieg der AfD begünstigt. Ob die Partei das die Existenz kostet, wird man sehen. Sehr viel näher am Abgrund als der Autor glaubt ist sie aber definitiv.

RE: Zwangsprostitution tötet auch in Deutschland | 12.03.2019 | 23:24

Ist mir schleierhaft, wie so eine Kreatur wie der Zuhälter mit 8 Jahren davon kommen konnte. Lebenslänglich wäre definitiv angebracht.

Der Artikel greift ein Thema auf, das in der öffentlichen Wahrnehmung nach meiner Meinung viel zu kurz kommt. Eine üblere Form der Ausbeutung als die sexuelle ist nicht denkbar. Dass der Staat diese Form der Ausbeutung weitgehend tatenlos geschehen lässt, ist ein Skandal, der jeden Tag neue Opfer fordert, die verletzt und nachhaltig traumatisiert, manchmal auch getötet werden.

Ein Verbot der Prostitution ist sicher keine Lösung, aber der Staat hat hier mit ganzer Härte sexuelle Ausbeutung zu verhindern.

RE: Die Zukunft ist offen | 12.03.2019 | 21:48

Dass Sahra Wagenknecht in der Linkspartei keine Zukunft mehr hat, ist schon lange klar. Unschön ist, dass Herr Riexinger sein Ziel erreicht hat. Erfreulich ist, dass Leute wie er jetzt selber zeigen müssen, was sie können. Überflüssig ist die Partei inzwischen ohnehin, ihr Untergang wäre mehr als verschmerzbar. Und unwahrscheinlich ist dieser nicht.

Dass die deutsche Linksaußenpartei ihre Zukunft darin sieht, einer bürgerlichen Besserverdiener-Partei Stimmen abzujagen, deren Wählerschaft (laut bpb) nur noch in gesellschaftspolitischen, nicht aber in sozialen Fragen links steht, ist bezeichnend. Denn die heutigen Grünen-Wähler sind bei den Grünen in der Regel sehr gut aufgehoben, spiegelt die Partei doch ziemlich gut ihre Sicht auf die Welt, ihre Prioritäten und Interessen wider. Das ist keineswegs abwertend gemeint, nur eine Tatsache. Es ist nicht im Ansatz erkennbar, wie die Linkspartei da im nennenswerten Umfang punkten soll.

Andererseits hat sich die Partei rhethorisch und teilweise auch inhaltlich von ihrer 'natürlichen' Klientel aggressiv abgewandt. Mit sozialpolitischen Forderungen, die naturgemäß der inhaltliche Kern einer linken Partei sind, kann man aber nun mal in erster Linie bei jenen punkten, die mit ihrer wirtschaftlichen Situation (zurecht) nicht zufrieden sind bzw. die von der Verwirklichung dieser Forderungen in besonderem Maße profitieren würden. Wenn eine linke Partei diese Menschen nicht erreicht, ist ihr Niedergang wenigstens mittelfristig so sicher wie das Amen in der Kirche.

Stagnieren tut die Partei bereits. Die Zahl der Mitglieder ist 2018 wieder gesunken (wenn auch 'nur' leicht). In den Umfragen steht sie bescheiden da. RRG in Thüringen ist mit ziemlicher Sicherheit Geschichte, die Partei bringt dort das Kunststück fertig, massiv zu verlieren, obwohl sie den Ministerpräsidenten stellt. In Berlin, wo die Linke sich schon als zukünftige erste Kraft gewähnt hat, liegt sie inzwischen deutlich hinter den Grünen. In Sachsen wird sie abgeschlagen hinter der AfD landen. Im Westen wie gehabt: in den Flächenländern kommt man bestenfalls eben so über 5%.

RE: Würde, Chancen, Anerkennung | 03.12.2018 | 23:20

Den Begriff 'bunt' lese ich in letzter Zeit deutlich zu oft. Es ist ein richtig dumpfbackiger Wohlfühlbegriff, der einfach nur nervt.

Der SPD traue ich eine Herangehensweise, die Arbeitslosen positiv begegnet, sie aufbaut, statt zu demütigen und ihnen Druck zu machen, nicht mehr zu. Am Ende würde allenfalls wieder eine halbgare Verbesserung bei rum kommen, die vielleicht etwas besser ist als nichts, aber niemanden wirklich glücklich macht (siehe Mindestlohn).

Ich denke auch noch an die Pläne von der Nahles von vor einigen Jahren, die ernsthaft arbeitslosen Alleinerziehenden für jeden Tag, die das Kind beim Vater verbringt, die Stütze kürzen wollte. Um dem Staat wie viel Geld einzusparen? 10 Millionen? Auch wenn es nicht umgesetzt wurde, allein der Gedanke kann nur einem sadistischen Hirn entsprungen sein. Ich sehe da ein massives Glaubwürdigkeitsproblem.

Alles in allem ist es aber sicher zu begrüßen, dass Hartz IV inzwischen von allen linken Parteien diskutiert wird. Sollte sich tatsächlich die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass es nicht Aufgabe linker Politik sein kann, die Ärmsten zu schikanieren, wäre natürlich was gewonnen. Die Erkenntnis kommt halt reichlich spät, mit ziemlicher Sicherheit sogar zu spät. Und ohne eine entsprechende personelle Erneuerung bleiben derartige Vorschläge zutiefst unglaubwürdig. Einer Nahles- und Scholz-SPD glaube ich nichts.

RE: Der Bruch | 01.12.2018 | 13:14

So ist es. Eine EU, die im Wesentlichen nur einer recht schmalen Schicht nutzt (den Reichen und der gehobenen, liberal-bürgerlichen Mittelschicht) hat keine Zukunft. Und das ist nur natürlich.

Dass nennenswerte EU-Kritik inzwischen i.W. den Rechten überlassen wird, führt im Übrigen nur dazu, dass diese Rechten eine blühende Zukunft vor sich haben.. Und dass die EU im Zweifelsfall nicht reformiert, sondern von wildgewordenen Nationalisten zerschlagen wird.

Was die in der Regel unglaublich geistlosen und selbstgefälligen EU-Apologeten in Deutschland besonders auszeichnet, ist eine unfassbare Ignoranz gegenüber der sozialen Lage in Süd- und Osteuropa. Diese Leute werden in nicht allzu ferner Zukunft aber ihr blaues Wunder erleben. Bei der nächsten Finanzkrise stehen sowohl der Euro als auch die EU massiv auf der Kippe.

RE: Keine Randnotiz | 28.11.2018 | 20:20

"Eine Parteigründung wäre m.E. erst sinnvoll, wenn offensichtlich wird, dass "Aufstehen" an die Grenzen ihrer Einflussmöglichkeiten stößt und eigene parlamentarische Vertreter braucht. Die Glaubwürdigkeit sollte mit unvermittelbaren Schnellschüssen nicht aufs Spiel gesetzt werden. Bisher hieß es, es werde keine Partei gegründet."

Schnellschüsse sind sicher keine gute Idee, die aktuelle Legislatur ist auch noch recht jung, sodass eine Parteigründung keine übermäßige Eile hat. Als Bewegung wird 'Aufstehen' nach meinem Eindruck aber wohl nicht übermäßig viel erreichen können. Und das ist nicht als Kritik an den Initiatoren zu verstehen. Es ist einfach wahnsinnig schwierig, eine gesellschaftliche Dynamik zu erzeugen.

Neben der SPD ist aber auch die Linkspartei in einer schweren Krise. Vielleicht schlägt sich das (noch) nicht sehr wesentlich in Wahlergebnissen nieder (auch wenn die realistisch betrachtet äußerst mäßig sind, angesichts der dramatischen Verluste der SPD). Der Verlust an programmatischer und analytischer Substanz ist aber offensichtlich, und macht die Partei für sehr viele Menschen komplett unwählbar (die nachdenkseiten haben das die Tage in zwei Artikeln sehr gut beschrieben, siehe hier und hier). Die Wahrscheinlichkeit ist m. E. hoch, dass die Partei ebenso wie die SPD in einigen Jahren in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist. Insofern sollte man sich lieber früh als spät wenigstens gedanklich mit einer Parteigründung beschäftigen.

Meine Wenigkeit würde sich übrigens ins Lager der Nichtwähler verabschieden, wenn sich nichts tut. Weder die SPD noch die Linkspartei sind für mich auch nur im Ansatz wählbar. Wenigstens nach meinem Empfinden gäbe es also mehr als genug Platz für eine neue Partei.