Gründung einer Garifuna-Uni (2)

Fahrt zur Moskitia Wie kann Ausgrenzung von Minderheiten begegnet werden? Wie kann eine "Universität" zur Community-Entwicklung und zum Frieden beitragen?
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Foto: Hermann Gebauer (9. März 2015), „Willkommen beim Hotel und Cafeteria …“, winzige Pulperia auf dem Weg in die Moskitia

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Um sechs Uhr morgens am 9. 3. war Aufbruch von La Ceiba aus in die etwa 180 km entfernte Moskitia. J. und M. von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit GIZ waren aus der Hauptstadt Honduras‘, Tegucigalpa, mit einem VW-Pickup angereist. Sie nahmen mich, Daniel, meinen chilenischen Kollegen, und Jeffry von ODECO mit auf die Reise zur Moskitia, wo wir drei Garifuna-Gemeinden besuchen wollten. Die Absicht der deutschen GIZ-Experten war, den Organisationsgrad der Garifuna für zukünftige Projekte kennenzulernen. Daniel, Jeffry und ich waren hauptsächlich interessiert, Anhaltspunkte für eine Universitätsgründung im ländlichen Raum, komplementär zur Uni im urbanen Zentrum La Ceiba, zu finden.

Etwa 100 km ging die Fahrt in Richtung Moskitia flott voran. Die malerische Straße im Abstand von durchschnittlich 10 km zur Karibik, wo ein Garifuna-Dorf das andere ablöst, prahlt mit der tropisch satten und ganzjährig grünen Vegetation sowie mit einer bewaldeten Bergkette zu Rechten. Kleine „fincas“ von armen Ladino-Landarbeitern und Garifunas liegen zwischen den ausladenden Ländereien der „latifundiarios“, genutzt zu Rinderzucht und ganz besonders zu von der Weltbank gesponserten Palmölwäldern zwecks Biodiesel-Herstellung.

Die letzten 80 km waren „mörderisch“, davon 60 km auf einer Schotterstraße, die etliche Regenzeiten ohne Reparatur hinter sich haben musste, und die für Mensch und Vehikel eine rechte Qual bedeutete. Auf mehr als der Hälfte dieser Strecke lag links und rechts gepflegter Palmenwald, Besitz eines der reichsten „turcos“ des Landes (Einwanderer der noch während des ottomanischen Reiches mit türkischem Pass ausgewanderten Familien aus dem Nahen Osten und derzeit die Nationale Oligarchie des Agrar-, Industrie- und Finanzkapital bildend). F. dachte nicht im Traum daran, seine lukrative Dieselölproduktion durch einen Eigenbeitrag zur Straßenreparatur zu belasten. So schleichen seine Lastwagen notgedrungen im Schildkrötentempo über die Piste, jederzeit bereit, der Schlagseite nachzugeben.

Uns schmerzte nach der Hälfte des Weges der Rücken, und wir machten vor der „Welcome-Hotel-Cafeteria“ (siehe obiges Foto) einigermaßen erleichtert eine Pinkelpause. Leider musste ich meine Lust auf einen Capuccino auf bessere Zeiten verschieben.

Die letzten 20 km bis nach Tocamacho, dem ersten Garifunadorf in der Moskitia, waren der reinste Hammer. Dabei muss man wissen, dass die Grenzregion Moskitia zwischen Honduras und Nicaragua geteilt wird und von Honduras aus „eigentlich“ über keinerlei Straßenverbindung verfügt. Lediglich gibt es See- und Flug-Verbindung für zivilen, Militär- und Narco-Verkehr (letzterer allerdings nur des Nachts und klammheimlich). Wichtig ist das „eigentlich“, denn es ist jeweils ein besonderes Abenteuer und eine Herausforderung erster Güte, längs des Sandstrandes an der Karibik mit Vierradantrieb individuelle Glücksmomente zu erfahren, oder im Sand und Meer auf der Strecke zu bleiben. Die Isolation der honduranischen Moskitia ist der Hauptgrund für fehlende Entwicklung der dort lebenden autochthonen Völker, Garifunas wie Indigene (Miskitos, Tawahka und Pech) und für das Anlegen von ständig wechselnden Unterschlupfen der Narcos mit ihrem blutigen Kokainhandel.

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Foto: H.Gebauer (9.3.2015), Lagunen-Überquerung auf Holzfloss

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Foto: H. Gebauer (9.3.2015), Auto-Spurensuche am Karibikstrand in Richtung Tocamacho, der ersten Garifuna-Siedlung in der Moskitia

Ende der zweiten Folge (die dritte folgt hoffentlich sogleich, soweit die Zeit es erlaubt)

05:40 18.03.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Costa Esmeralda

35 Jahre Entwicklungsberater, Lateinamerika, Afrika, Balkan. Veröff. u.a. "Abschied von Bissau" und "Die kranke deutsche Demokratie".
Costa Esmeralda

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