Schmerzhafte deutsche Identitätsfindung

Wer sind wir? Deutschland ist Heimat aller Religionen und Weltanschauungen der Welt. Kein schwebender Mephisto länger über Berlin!
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Fotos: Mephisto über Wittenberg (E. Delacroix), Merkel, Ackermann, Untertan (H.Mann)

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Die letzten Monate und Wochen machen wieder einmal deutlich, wie schwer der Schatten des Hitler-Faschismus weiterhin auf Deutschland lastet. Wenn selbst das politische Berlin sich bemüßigt fühlt, sich Religionen der Welt anzubiedern, sie seien doch Teil eines geläuterten laizistischen Staates, dann muss etwas faul sein im Staate Deutschland. Haben wir Deutschen immer noch nicht das Selbstverständnis unseres 1949 mit Gründung der Bundesrepublik neu definierten Staatswesens erreicht und redlich in die Praxis umgesetzt? Müssen wir bei jeder Gelegenheit betonen, andere als christliche Religionen und Weltanschauungen ebenso wie diese auf deutschem Boden und in der Welt allgemein zu achten? Müssen wir zu Kreuze kriechen, um in der Weltgemeinschaft angesehen zu werden und insbesondere unsere Exportindustrie nicht zu gefährden?

Dieses Herumdrucksen unserer politischen Elite mit öffentlichen Bekenntnissen und Mahnwachen in Stunden wiedererstarkendem rechten, nationalistischen Gedankenguts ist unwürdig und zeugt von der allgemeinen Identitätskrise unserer Nation bis hinein in die politische und wirtschaftliche deutsche Oligarchie. Es zeugt aber auch von dem „schlechten Gewissen“ der Herrschenden der Bundestagsparteien-Diktatur, dass sie das Verfassungsversprechen des GG seit 1949 sträflich missachtet haben. Was ist aus den allumfassenden Menschenrechten geworden, die Freiheit und Frieden im Innen und nach Außen sichern sollten? Allzu wenig! Eine schmierige, dreiste und gierige Seilschaften-Republik hat sich etabliert, die sich sozial, demokratisch und pluralistisch nennt, und deren kapitalistische Machtverhältnisse nicht angetastet werden dürfen!

Irgendwann musste die Büchse der Pandora aufbrechen aufgrund von nach wie vor bestehenden und in jüngster Zeit verstärkenden Ausgrenzungen von sozialen Habenichtsen, von Religionen und Weltanschauungen, die nicht im Mainstream schwimmen. Der globale Kapitalismus erlaubt auch dem deutschen Kapital längst nicht mehr, alle Menschen auf deutschem Boden materiell zu korrumpieren und ruhig zu stellen. Das führt dann zu erniedrigendem Verhalten nicht nur von deutschen Niedrigverdienern sondern auch von Immigranten, die sich nur dann anerkannt wissen und fühlen, wenn sie einer deutschen Herrschaftsseilschaft angehören. Folglich: Nichts wie rein in CDU/CSU/SPD, FPD (Kann man derzeit getrost und mit Recht vergessen, hoffentlich für immer!), Grüne und Linke, aber auch in christliche Kirchen und in Gewerkschaften. Wie viele buckelnde Politiker mit ausländischen Wurzeln haben wir inzwischen, die genau wissen, sie können erst reüssieren, wenn sie sich in eine herrschende deutsche Seilschaft einklinken? Wie viele ostdeutsche Schwestern und Brüder mussten sich zum Zeitpunkt der Wende in westdeutsche BT-Parteien einschmeicheln, um als neugeborene Demokraten von den kapitalistischen Früchten naschen zu dürfen. Es ist nicht der menschliche Wert an sich von Deutschen und von Einwanderern der zählt, es ist die schleimige Assimilation und menschenunwürdige Unterordnung unter die Herrschaft der BT-Parteien-Diktatur, die Menschen zu „guten“ und „anständigen“ deutschen Bürgern werden lässt. Was für ein verkommener Staat sind wir geworden?

Sollen jetzt jeden Montagabend diese „anständigen“, zum Mainstream gehörenden und/oder konvertierten Deutschen mit den sich mit dem BT-Parteien-Deutschland nicht mehr identifizierenden Deutschen (Pegida) einen Wettkampf leisten, bei dem das Offizielle Berlin den Schiedsrichter macht und den „Anständigen“ die Daumen drückt, damit sie den „Unanständigen“ die Harke zeigen und zahlenmäßig überwiegen? Und die Mainstreammedien sind zum Zählen und Beifall klatschen angehalten?

Caramba, „Gute Nacht Marie“! Auf in die Zweite Weimarer Republik!

Besinnen wir uns lieber auf das 1949 gegebene Verfassungsversprechen einer laizistischen offenen Gesellschaft, die den „Einen Menschen“, ungeachtet der Religion, Weltanschauung, sozialer und kultureller Herkunft auf deutschem Boden willkommen heißt und sich allen Teilungs- und Herrschaftsbestrebungen mit Verve widersetzt. Wir sollten Schluss machen mit jeglicher Art von Ausgrenzung und damit beginnen, den Abbau von Herrschaft in Angriff zu nehmen, auch wenn es nur in kleinen Schritten, dafür aber stetig, erfolgt.

Wenn Mahnwache, dann zur Besinnung auf den Ursprung unserer Staatsgründung in 1949 und zur Besinnung auf die längst fällige Abschaffung der Berliner Bundestagsparteien-Diktatur!

Deutschland ist Heimat aller Religionen und Weltanschauungen der Welt, die das Grundgesetz als Basis eines menschwürdigen Miteinanders auf deutschem Boden anerkennen.

Hin zu Frieden, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanismus!

LG, CE

21:11 14.01.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Costa Esmeralda

35 Jahre Entwicklungsberater, Lateinamerika, Afrika, Balkan. Veröff. u.a. "Abschied von Bissau" und "Die kranke deutsche Demokratie".
Costa Esmeralda

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