Was tut Deutschland und Europa in Afrika

Lampedusa in Hamburg Kommentar zum Beitrag von Jochen Petrick (Lampedusa) noch einmal als eigener Beitrag eingestellt: Deutschland und Europa sind vor allem auch in Afrika gefragt
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Foto: "Lampedusa in Hamburg", dritte Mittwochs-Demo

Liebe dFC,

ich hatte hier bereits in zwei Beiträgen darauf hingewiesen, dass das Flüchtlingsproblem, vor allem der Afrikaner, in ihren Ursprungsländern angegangen werden muss:

1. Ministerium für Zukunftsfragen und

2. Kein Verzicht auf Flucht.

Dieses Thema hat in der dFC bereits eine gebührende Resonanz gefunden, was man von unserer offiziellen Politik absolut nicht sagen kann. Es ist schlicht menschenverachtend, was die gesamte Weltgemeinschaft in 50 Jahren, seit der Unabhängigkeit der meisten afrikanischen Länder, an Solidarität gegenüber Afrika hat vermissen lassen. Das heutige Flüchtlingsdrama ist dem Egoismus und dem kapitalistischen System in den entwickelten Ländern geschuldet. Das Drama wird sich in den nächsten 20 Jahren zu einer Überlebensfrage des europäischen Kontinents auswachsen. Wenn Afrika in 10 bis 15 Jahren die Bevölkerungs-Milliarde erreicht haben wird, wird nicht nur Lampedusa geentert, sondern der gesamte Kontinent und damit auch Deutschland.

Jochen Petrick hatte einen Beitrag "Lampedusa in Hamburg" eingestellt, zu dem ich Kommentare abgab, die ich an dieser Stellte noch einmal, wegen ihrer Wichtigkeit, wie ich meine, wiederhole.

1. Und staatlicherseits ist vor allem von der Bundesregierung (im Verbund mit der EU) zu fordern, eine umfassende Afrika-Initiative in die Wege zu leiten, wie ich hier in der dFC gefordert habe. Eine einseitige europäische Festungsanlage aufzubauen "hilft" nur kurzfristig und verstösst gegen Menschenrechte.

2. Aber noch wichtiger sind berufsbildende Einrichtungen verbunden mit Kreditsystemen. Dazu internationale, multikulturelle Universitäten, in denen sich die Jugend der Welt näherkommt und die Voraussetzungen eines friedliches Miteinander diskutiert und womöglich umsetzt. Menschen überall auf der Welt haben das Grund-Recht, in ihrer Heimat würdig leben zu können.

3. Lieber Jochen,

IMF und Weltbank haben über Jahrzehnte sogenannte "adjustment"-Programme gefahren. Die hatten zum hauptsächlichen Inhalt: Transport-, Telekom-Infrastrukturen, um die Länder für den Export von Rohstoffen zu trimmen und damit für Rückzahlungen zu sorgen. Ähnlich ging die EU vor. Jetzt wird mehr Geld an Weltbank und Afrikanische Entwicklungsbank (Regionale Filiale der Weltbank) zurückgezahlt als neues zur Verfügung gestellt wird. Die Infrastruktur-Kredite wurden flankiert von sogenannten "social investment-programmes", kleine, zerstückelte Investitionsausgaben für Tausende von kleinen Gemeinden. Hier ein Brunnen, dort ein Fussballfeld, woanders zwei Klassenräume. Jeder Präsident konnte sich so seine Wiederwahl oder "dictatorship" sichern. Der negative Effekt dieser Kleinstinvestitionen (im Schnitt 20.000 US$) für die Betroffenen ist, dass sie bei einem einmaligen Geschenk, das vom Himmel fällt, anschliessend noch frustrierter sind als vorher, da die Illusion eines besseren Lebens ganz schnell vergeht. Verbesserung auf lange Sicht geht nur über Investitionen in "human, social and natural capital" in einem holistischen Ansatz. Der gelingt kostengünstig und anhaltend dann am besten, wenn Fertigkeiten gelehrt werden, die die Ausnutzung und Weiterverarbeitung von lokalen Rohstoffen anbetrifft. Wird gleichzeitig eine Kerngruppe von "leadern" in den wichtigsten Entwicklungsbereichen ausgebildet, die mit Eigeninitiative die drängendsten Probleme selbst lösen können, dann wird das Ganze gar nicht so teuer. Das Training von lokalen "leadern", Junge, Alte, produktive Generation (20 bis 30 pro Gemeinde) ist schon ausreichend, um überall die Hoffnung auf selbstverantwortete Entwicklung aufzunehmen. Im Zentrum einer solchen Region sollten dann diese berufsbildenden Einrichtungen stehen, mit den entsprechenden Werkstätten und kompetenten "Meistern". Dort können dann auch die Älteren immer wieder Fortbildungskurse machen. Angegliederte Internate helfen, Jugendlichen aus entfernten Gegenden das Studium zu ermöglichen. Diese Zentren sind gleichzeitig interkulturelle, interethnische Begegnungsstätten mit entsprechenden kulturellen und sportlichen Aktivitäten für die Region. Die Jugend aber auch die übrige Bevölkerung braucht an Wochenenden genauso das Vergnügen wie bei uns.

Ein solcher ganzheitlicher Entwicklungsansatz wurde nie versucht. In ganz wenigen Fällen gibt es Beispiele von Kirchen, die ermutigend sind, vor allem auch, weil die Pfaffen das als Lebensaufgabe verstehen und für Kontinuität sorgen. Der Nachteil davon ist allerdings die Gehirnwäsche mit der Bibel. Und jetzt kommt immer mehr die Gehirnwäsche mit dem Koran ins Spiel.

LG, CE

PS: Wie ich bereits betonte, wenn die Lebensbedingungen in den Heimatländern nicht annähernd Freiheit (lohnenswerte Optionen für die Zukunft) anbieten können, wird massenhafte Flucht aus Afrika wie ein Tsunami über Europa hereinbrechen.

Zum Schluss:

Appel an die neue Bundesregierung

Nehmt endlich das Flüchtlingsproblem als das wahr, was es ist: Eine Überlebensfrage für Deutschland und Europa!

Findet im Zusammenwirken mit der EU rasch eine menschenwürdige Lösung für die Flüchtlinge auf unserem Kontinent!

Initiiert eine europäische "Afrika-Initiative", die das Flüchtlingsproblem in den Ursprungsländern angeht und dort die Afrikaner wirksam darin unterstützt, eine nachhaltige Entwicklung ingangzusetzen, die für kommende Generationen eine Zukunftsperspektive mit umfassenden Freiheitsrechten sicherstellt!

Statt Weiterso, Umdenken und solidarisches Handeln!

Entwicklungszusammenarbeit bedeutet Menschlichkeit und Liebe zum Leben des Nächsten, nicht Kapitalverwertung zugunsten von Deutschland und Europa!

Liebe Grüsse aus Panama, CE

06:59 23.10.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Costa Esmeralda

35 Jahre Entwicklungsberater, Lateinamerika, Afrika, Balkan. Veröff. u.a. "Abschied von Bissau" und "Reise über das Meer".
Costa Esmeralda

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