Coza

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RE: Vom Reihenhaus in den Dschungel | 08.11.2012 | 22:36

Ich hoffe, der Blutdruck hat sich inzwischen wieder beruhigt.

Eigentlich habe ich bisher gar nichts geschrieben, sondern nur T.N. zitiert. Und auch das ist nur ein Plagiat von anderswo.

Es hat ja niemand behauptet, dass die Farc eine mildtätige gemeinnützige Organisation ist, die vielleicht noch Spendenquittungen verteilt. Und man darf nicht vergessen, dass sich T.N. in ihren Tagebüchern, die seinerzeit unfreiwillig an die Öffentlichkeit gelangten, gegen einige der Auswüchse innerhalb dieser "Organisation" geäussert hat.

Ich versuche, jetzt doch einen gewissen Unterschied zu machen zwischen dieser Farc, die von ihren proklamierten Idealen im Laufe der Jahrzehnte abgekommen ist, und der Person T.N., die anscheinend noch immer ihren Idealen nachhängt und jetzt möglicherweise als das soziale Gewissen der Farc präsentiert wird. Mit Sicherheit war es nicht ihr primäres Ziel, einer Organisation beizutreten, die von Entführungen, Erpressungen etc. lebt, sondern etwas zu tun gegen die schreiende soziale Ungerechtigkeit, die sie in diesem Land vorfand. Und die war schon da, bevor T.N. ins Land kam. Bekanntermassen ist Kolumbien als Staat auch nicht gerade ein Musterbeispiel an Demokratie bzw. mit den europäischen Standards vergleichbar.

Und, es gibt bisher keinen Nachweis darüber (auch, wenn es Haftbefehle aus Kolumbien und aus Amerika gibt), dass T.N. selbst wirklich an der einen oder anderen Tat beteiligt war. Hier vertrete ich die liberale Auffassung, dass jeder für seine Taten selbst verantwortlich ist und jeweils die konkrete Person bestraft werden muss und nicht alle, die in einem entsprechenden "Verein" sind. Verantwortung tragen die, die Untaten befehlen, und die, die Untaten ausführen. Als "Dolmetscher" ist man nicht automatisch Mörder und auch Norwegen ist kein verbrecherischer Staat, weil es sein Territorium für längst überfällige Friedensverhandlungen zur Verfügung gestellt hat und dabei sogar für die Unantastbarkeit möglicher Verbrecher sorgte.

Ich denke, es ist jetzt für beide Seiten in Kolumbien wichtig, einen Weg aus der jahrzehntelangen Krise zu finden mit der Chance, eben funktionierende Strukturen aufzubauen, die nicht gleich wieder zerstört werden. Und wenn man gleichzeitig noch etwas für die Lebensqualität der dort lebenden Menschen tut (nicht als soziale Verteilung, sondern als Chance, durch Arbeit ein vernünftiges Leben zu führen), dann sinken auch die Chancen, dass die Massen sich von solchen Gruppierungen angezogen fühlen und diese unterstützen.

Eine Verhandlungslösung wäre dafür auf alle Fälle besser als eine Fortsetzung der Auseinandersetzungen.

RE: Vom Reihenhaus in den Dschungel | 08.11.2012 | 19:45

Tanja Nijmeijer Anfang 2012:

„Möglicherweise ist das Abschlachten von Millionen von Indígenas in den Händen der Europäer, der systematische Raub von Land aus eben diesen gleichen und, noch aktueller, der Krieg des Nordens gegen die südamerikanischen Völker nicht genügend für meinen Eintritt?
Ich gestehe mir zu, dass die Hingabe mit nur einem Leben zu unbedeutsam ist, aber es ist das einzige was ich dem kolumbianischen Volk anbieten kann, einem misshandelten Volk, einem getöteten Volk und einem ausgebeuteten Volk durch `unsere Völker´, den Regierungen der sogenannten Ersten Welt. Eine Ausbeutung die nie aufgehört hat; seit der spanischen Eroberung bis zur brutalen Unterdrückung von heute durch die regierende Klasse in Kolumbien, die im blinden Gehorsam den Befehlen des Nordens gehorcht.
Eine Regierung, durch ihre Paramilitärs beschützt, die Gewerkschafter, Journalisten, Professoren und Studierende ermordet, nur weil sie eine kritische Meinung zur Gesellschaft haben und ihre Rechte fordern.
Eine Regierung, die Bauern umbringt oder vertreibt, nur weil sie auf jenem Land leben, dass für die agro-industriellen Großprojekte wie der afrikanischen Ölpalme oder dem Kautschuk, oder für den Bergbau und Erdölforderung gebraucht wird.“

und weiter:

„Die Holländer und Europa im Allgemeinen waren immer stolz auf unsere Toleranz gegenüber anderen Kulturen, anderen Sichtweisen und die Welt zu kennen. Aber ich denke, dass manchmal die Grenze zwischen Toleranz und Desinteresse verschwimmt. Deshalb will ich einen Aufruf an die Intoleranz machen. Wir, Völker die die ersten liberalen Revolutionen in der Welt verwirklichten, Völker die die sogenannte Sozialdemokratie erschaffen haben und immer weiter kämpfen, heute zum Beispiel gegen die Globalisierung, dürfen nicht tolerant gegenüber einem wirtschaftlichen System sein, welches unseren Planeten und die Menschen die auf ihm leben in Riesenschritten zerstört. Eine andere Welt ist möglich …”