Young Leaders - Rekrutierung vs Weiterbildung

Young Leaders veranstaltelt mehrmals jährlich diverse Seminare für engagierte Jugendliche. Doch böse Stimmen stempeln Young Leaders als Rekrutierung ab. Was ist da dran?
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Die Anmeldungen für die 51. Young Leaders Akademie sind wieder im Umlauf und auch diesmal werden sich wieder hunderte Jugendliche um einen Platz bemühen. Viele junge engagierte Menschen würden gerne einmal an Young Leaders teilnehmen. Doch dieses heißbegehrte Seminar stand in den letzten Jahren immer wieder in der Kritik, genau diese jungen Menschen rekrutieren zu wollen. Wie viel Wahrheit steckt in diesen Vorwürfen?

Zuerst einmal muss einem bewusst sein, dass die Young Leaders GmbH, welche die Seminare veranstaltet, eine vom Bundesverteidigungsministerium geführte Firma ist, welche bis zum Jahr 2011 „verdeckt“ handelte. Sie veranstaltete den Jugend - Presse - Kongress und die Young - Leaders – Akademie mit Schwerpunkten wie Menschenwürde oder –rechten, thematisierte vor allem Ethik, Politik und Wirtschaft. Diese Leitgedanken wurden immer geschickt mit Inhalten der Bundeswehr verknüpft –ein Interview mit dem Oberfeldmarschall hier, ein Vortrag über das Kämpfen der Bundeswehr für Menschenwürde da. Heute sieht solch ein Seminar nicht anders aus – nur der Initiator des Ganzen ist auf der Anmeldung gekennzeichnet.

Muss man sich nun Sorgen machen, bei Young Leaders von der Bundeswehr rekrutiert zu werden?

Um diese Frage beantworten zu können, muss man einmal an einem Young Leaders Seminar teilgenommen haben. Ich selbst war beim 146. Jugend Presse Kongress im November 2015 dabei. Mir wurde schon zuvor viel Positives über das Seminar berichtet und so war ich voller Vorfreude, als ich in München ankam. Tatsächlich ebbte mein positives Gefühl nicht ab – denn schon kurz nach dem Eintreffen in München, stieß ich auf weitere Young Leaders Teilnehmer. Wie mir aufgefallen ist, gehört das schnelle Kontakteknüpfen quasi einfach zu Young Leaders dazu. Meine neuen Bekanntschaften und ich machten uns direkt auf dem Weg zum Abendessen und verabredeten uns auch gleich für ein gemeinsames Frühstück am nächsten Tag.

Übermüdet, aber gut gelaunt, ging es von der ersten Stärkung am Morgen direkt zu unserer ersten Vollversammlung in das Audimax. Jeder wurde einer Gruppe zugewiesen, in der er sich die nächsten Tage intensiv mit dem Journalismus auseinandersetzen sollte. Man teilte jeder unserer Gruppen einen Profijournalisten zu, welcher uns begleiten und weiterbilden sollte.

So weit so gut. Noch keine Anzeichen einer Gehirnwäsche der Bundeswehr.

Nach einem ersten Auseinandersetzen mit journalistischen Darstellungsformen und Grundlagen, dem Einüben unserer neuen Kenntnisse und dem Verteilen einiger Aufgaben – Interviews führen, Artikel verfassen – ging es jedoch in den „militärisch“ geprägten Teil über.

Unsere Aufmerksamkeit galt zunächst der Action – Live Vorführung der Sanitätsakademie der Bundeswehr. In Echtzeit bekamen wir zu sehen, wie der Einsatz eines Sanitäters in einem Kriegsgebiet abläuft und aussieht. Uns wurde klar, wie wichtig die Sanitäter für die Sicherheit unserer Soldaten im Einsatz sind. Nachdem wir nun dem Thema Sanitätsdienst bei der Bundeswehr offener gegenüberstanden, erläuterte uns Frau Generalstaabsarzt Franke die Möglichkeiten einer medizinischen Karriere bei der Bundeswehr. Der letzte bundeswehr-orientierte Programmpunkt war die Medienbörse. In dieser Börse konnte man sich bei Bundeswehrmitgliedern über die Karrieremöglichkeiten beim „Bund“ informieren. Hier fing unsere journalistische Arbeit erst richtig an. Man interviewte anwesende Bundeswehrmitglieder, dreht Kurz-Reportagen und verfasste Zeitungsartikel. Es gab keinen Schüler, der nicht in seiner journalistischen Arbeit aufging und um die leitende Hand seines betreuenden Profi-Journalisten dankbar war.

Doch nach getaner journalistischer Arbeit hatten wir auch die Möglichkeit, uns mit Stellvertretern der verschiedenen Abteilungen über Vor- und Nachteile einer Karriere bei der Bundeswehr offen zu unterhalten. So erfuhren wir nicht nur von den positiven Aspekten, sondern auch von traumatischen Verlusten von Kollegen im Krieg, von verpassten Kindergeburtstagen und Weihnachtsfesten, von zerbombten Gegenden mit nur einer Handvoll Überlebenden. Man schärfte uns ein, dass der Beitritt zur Bundeswehr sehr gut überlegt sein muss, und dass diese Karriere nicht für jedermann der richtige Schritt ist.

Was ist nun der Fazit ?

Vor allem die Offenheit und Ehrlichkeit der Bundeswehrmitglieder in der Medienbörse zeigten mir, und allen anderen auch, dass Young Leaders kein Rekrutierungsversuch ist. Sondern die einzigartige Chance, mit Jugendlichen aus ganz Deutschland in Kontakt zu kommen, neue Kontakte zu knüpfen, sich mit Profijournalisten auszutauschen und von ihnen zu lernen – und vielleicht sogar einen Praktikumsplatz bei einer renommierten Zeitung zu ergattern.

Ich kann Young Leaders nur weiterempfehlen – denn nicht nur die einzigartigen Erfahrungen machen eine Teilnahme lohnenswert, sondern auch die neu geknüpften Kontakte und Freundschaften.

12:25 28.03.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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