Verstörend

ARD-Sonntagabendkrimi Polizeiruf 110 mit Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels und einem Fall für Verschwörungstheoretiker, der unaufgeklärt bleibt. Was will der BR uns damit sagen?
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Wo Menschen sind, da menschelt es. Und wo der Münchner 110-Kommissar von Meuffels seine Notruf-Nummern abdreht, meuffelt es halt. Hauptkommissar Rex mit dem Hundeblick, diesmal unter der Regie von Hermine Huntgeburth. Wie lustig. Die merkwürdig geprügelt wirkende Mimik und Körpersprache des Hauptdarstellers, für die ein echter Sheriff vermutlich zum Polizeipsychologen, zum Personality-Training oder in Kur geschickt würde, erklärt sich einfach daraus, dass da, wo Meuffels drauf steht, Matthias Brandt drin ist. Der wirkt immer irgendwie unangenehm berührt, ja geradezu angepisst, so als würden ihm die alltäglichen Sozialkontakte Übelkeit und körperliche Qualen bereiten. Matthias-Passion: O Haupt(kommissar) voll Blut und Wunden...

Wenn man nach dem Pinkeln mit dem frischen Bier zurückkehrt, fragt man sich beim (mühelosen) Einfädeln in den gleichwohl spannungsgeladenen Handlungsablauf zudem bisweilen, wo denn auf einmal der Willy Brandt herkommt. Oder? So im Halbprofil von schräg hinten? Na? Egal. "Die Personen und die Handlung des Films sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein..." genetisch.

Aber Willy ist ja nicht Matthias und Matthias ist also jetzt der Hanns und von blauem Geblüt. Das passt zu Blaulicht und blauer Uniform. "Sumpfgebiete" ist als Titel äußerst zeitgemäß und Charlotte Roche wird hoffentlich nicht Klage gem. § 23 UrhG einreichen, geht es in Sumpfgebieten doch mindestens so unanständig feucht zu wie man in Feuchtgebieten anständig versumpfen kann. Und so mancher Frosch von "ganz oben", der namentlich nicht genannt und erst recht nicht zu einer beabsichtigten Trockenlegung befragt werden möchte, wahrt sein Gesicht inklusive Inkognito mit brachialen Mitteln. Und genau da beginnt das historische und politische Déja-vu. Geschichten, die das Leben schrieb. Wenn das der "Bi-Kini" Ludwig II noch erlebt hätte. Dessen Ableben war ja mal minimum so mysteriös wie das der armen Frau Wendt, deren brisante Steuer-CD von Seiner Erlaucht Hauptkommissar Meuffels erst postum hinter dem billigen Wandschmuck einer psychiatrischen Klinik aufgespürt wird.

Ebendort lässt man die Überbringer schlechter Nachrichten, die z.B. die regierenden CSU- oder CDU-Oligarchen und ihre Entourage in ein schlechtes Licht setzen könnten, je nach landestypischer Folklore gern einmal längere Zeit verschwinden, nachdem zweifelhafte Gutachter sie zu gemeingefährlichen Querulanten erklärt haben. Wenn's ganz schlecht läuft, müssen sie anschließend noch im "Harder-Tower" zu Knastlohn-Bedingungen Luxus-Modellautos zusammenbasteln. Oder werden eben - klabatsch! - von einem dicken SUV mit Zentralstern (gibt's als Zubehör auch beleuchtet) tot gefahren. "Wie schön leuchtet mir der Mercedes- resp. Sheriffstern!" Und wie schnell geht derlei ungeschickte Produktplazierung doch den Bach runter.

KHK Baron von Meuffels, mit dessen Aufstieg in den höheren Dienst aufgrund der beschriebenen Persönlichkeitsdefizite (= Mangel an Führungsqualitäten) in nächster Zeit wohl nicht zu rechnen sein wird, bleibt dank seiner Ausstattung mit den präkognitiven Fähigkeiten eines deutschen Schäferhundes das feucht-tödliche Schicksal anderer Verschwörungsopfer indessen erspart. Er entkommt - wie weiland das Schneewittchen - der pharma-k.o.-logischen Mindcontrol einer zutiefst verstrickten Psychiaterin vom Typus böse Stiefmutter sowie diversen An-, Tief- und Faustschlägen undurchsichtiger Kollegen aus dem mittleren, gehobenen und höheren Polizeivollzugsdienst, die brav alles mitmachen, da sie eine Familie zu ernähren haben.

Wer sie verpasst hat, kann sich die ganze - durchaus sehenswerte - Folge nachträglich via ARD-Mediathek reinziehen. Für Hunde(blick)-Allergiker wird sogar eine Hörfassung angeboten. Und als Gimmick gibt's nachfolgende Leserkommentare, deren Verfassern die traumatisierende Wirkung ihrer Sonntagabend- beschäftigung noch deutlich anzumerken ist:

  1. "Wo sind die letzten 10 Min Da fehlen 10 min, nämlich die Szene, bei der die Liste bei der (Bild)Zeitung landet, denn der [Meuffels] hat 100% die falsche CD zerstört, alle korrupten + der Chef angeklagt werden..."
  2. "Völlig unrealistischer Humbug - lachhaft! Misstraut dem korrupten Staatsapparat und seinem Chef - völlig zu Recht und trifft sich dann ausgerechnet mit diesem Opportunisten im Olympiapark (wieso eigentlich?? Kann er nicht allein zur Staatsanwaltschaft gehen? Muss dieser Bazi-Amigo ihm dabei Händchen halten?) und geht mit der Original CD allein dahin?! Welcher Kommissar wäre so bescheuert? Selbst jeder Straßenidiot hätte erstmal das Fluchtauto stehen lassen, dann z.B. in 'nem Internet-Café ein paar Kopien gemacht und diese bei engen Freunden und einem Notar hinterlegt zur eigenen Sicherheit und damit eben nichts unter den Teppich gekehrt werden kann..."
16:14 01.12.2016
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