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- Worthändler, Tatenplaner, Ideenhändler, Drucksachenjunkie - Mann, Vater, Politiker, Künstler, Journalist
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RE: Utopie trifft Politik | 27.09.2014 | 16:59

Die Rolle der Gerwerkschaften im Text kann ich nicht nachvollziehen, sehe ich anders: Gewerkschaften existieren doch durch die Mitgliedsbeiträge ihrer Mitglieder - und profitieren somit von einfachen, geregelten Strukturen, notwendigem Verbesserungs- und Verhandlungsdruck und einheitlichen zu befriedigenden Interessen ihrer Mitglieder. Ökonomisch, sozial und gesellschaftlich gestärkte, befreite und individualisierte Arbeitnehmer können für sie nur Ziel sein, so lange das nicht erreicht ist. Für Institutionen des kollektiven Kämpfens (!) kann doch 1. fehlender Zwang zur Arbeit, 2. fehlende Not zur Verbesserung und 3. die Individualisierung von Arbeitsverhältnissen nicht lukrativ sein?! Gewerkschaften basieren und argumentieren auf der Grundlage nachfrageorientierter Wachstumsmodelle - das ist der Überbau. Und sie kämpfen um die Verbesserung von kollektiv als nicht ausreichend empfundenen Bedinungen. - Sind die Arbeitnehmer "bedingungslos" gestärkt, befreit und individualisiert, wäre (oder schiene jedenfalls) eine früher wichtige Aufgabe der Gewerkschaften schlicht erledigt. Deshalb tun sie sich auch heute schon realpolitisch schwer mit individuellen Arbeitszeitmodellen, individueller Lebensarbeitszeit, individueller Arbeit - aus Furcht, dass ihnen da sowohl die Klientel als auch die schematischen, verallgemeinerbaren Argumente entgleiten. Oder?

RE: Dieser Mut ist absolut männlich? | 13.12.2013 | 01:09

.... ist ja alles richtig, was Sie schreiben. Hat aber nix mit dieser Kampagne zu tun - die will doch nicht mehr und nicht weniger, als ihre Leser (nicht Sie und nicht mich offenkundig) aufmerksam machen, worauf sie aufmerksam gemacht werden, worüber sie mal kurz nachdenken oder -fühlen sollten (selbst in Ihrer Lesart). - Wie schon gesagt: Wer generell was gegen PR, Boulevard, Kampagnen, Inszenierung, Symbole hat, mag das kritisieren. Ihre Erwartungen und Ansprüche sind ja für sich interessant, richtig und relevant - aber das sind doch nicht im Ernst Ansprüche an das Lifestyle-Magazin und seine Leser? GQ hat glaube ich nicht behauptet, dass sie da Politik machen, Gesetze schreiben, Sexualaufklärung oder Angsttherapie betreiben, oder?

RE: Dieser Mut ist absolut männlich? | 12.12.2013 | 19:54

Dummer Vergleich!

1. geht es gar nicht darum, "Menschen, die homosexuell sind, zu helfen"

2. Sowohl die Aktivität des Küssens als auch deren Bild und Komunikation setzen - ganz offenkundig - Emotionen, Gedanken und Disput frei.

3. gibt es einen Unterschied zwischen dem Vorgang, sich (aus welchem Grund auch immer mit wem auch immer - aber: als erwachsene Individuen) zu küssen und dem Versuch, sich mit Farbe im Gesicht als irgendwer anderes auszugeben oder gar zu "fühlen". Das hat von den Küssenden keiner behauptet.

Wie auch der Autor bemerken Sie leider die recht genau gearbeiteten irritierenden Momente und auch die textlichen Ironien der Kampagne nicht, weil Sie reflexhaft ablehnend reagieren.

RE: Dieser Mut ist absolut männlich? | 12.12.2013 | 16:03

Schlauer Blog. Aber wen spricht der an? Natürlich "rettet das Kind mit vollem Magen in Köln kein Kind in Kampala." Und natürlich ist eine Überwindung von diskriminierender "Standardisierung" wichtiger als "Toleranz" gegenüber "Opfern". Binsenweisheiten. Aber wen soll denn eine Kampagne von CQ ansprechen - logischerweise doch deren Leser, oder nicht? Und denen muss man vermutlich bei der "Überwindung der Standardisierung" doch noch ein wenig helfen - sonst waren sie vermutlich njcht alle CQ-Leser. Insofern ist das auch schon wieder billiges (auch "standardisiertes") Bashing. Das Wording von "Opfern" und "Outing" kommt vom Autor, nicht aus der Kampagne. Die sagt doch nur (ganz anti-standardisierend) "jeder kann jeden knutschen und soll's tun, wenns Spaß macht". Und wer damit ein Problem spürt, soll darüber mal nachdenken. Wie ein Kind über Kinder,die Hunger haben: Erziehung, Bildung funktioniert über Bilder und über Empathie - nicht über Besserwisserei. Gerade die hungernde-Kinder-Anekdote zeigt, was der Autor nicht kapiert: Eltern erziehen ihre Kinder doch nicht mit "afrikanischem Hunger" zum Essen (aus Angst, dass sie verhungern, oder was?) - sondern sie erziehen sie beim Thema Essen zu einer Haltung gegenüber Menschen, die kein Essen haben. Wo ist da ein Problem? Warum sollte CQ dialektische Gutmenschen-Diskurse führen oder soziologische Genderdebatten , wenn sie doch mit ihren Mitteln ihre Leser erreichen und Ziel und Aussage die richtigen sind? Wer grundsätzlich Boulevard schlecht findet, verkennt, dass die Form auch absolut ehrenwerte Haltungen und Signale transportieren kann und muss.

RE: Die Zumutungen des Actressen-Interviews | 21.03.2013 | 16:25

Ist ja hochinteressant, was bei geneigte ARD-Konsumenten heutzutage schon als "rastete vollkommen aus" einer- oder "Versuch, auf jemanden einzugehen" bewertet wird:

Wenn jemandem was "peinlich" ist und er/sie das sagt, ist das ein "Ausraster"? Oder wenn jemand unsicher wird und hysterisch lachen muss? Oder wenn jemand bei einer Todesmitteilung fast weinen muss? Wenn das unangemessene, unerträgliche, unduldbare, kritisierenswerte "Ausraster" sind, muss man schon in einer sehr stillen Gegend leben und fernsehen.

Wenn jemand seine 17 vorbereiteten Fragen von 1-17 durchzieht, ohne zu antizipieren und zu reagieren, "versucht" er, auf jemanden "einzugehen"? Also dem Arzt (oder Installateur oder "Freund" oder Journalisten) möchte ich nicht begegnen, der so viel von mir mitkriegt und die so gewonnenen Erkenntnisse dann verarbeitet. - Wenn jemand auf "mag ich nicht" reagiert mit "also ich hätte es gemocht" regiert, geht er auf ersteren ein? Von dem möchte ich kein Geschenk, schon gar keine "Überraschung" und auch keine "Freundlichkeiten" anderer Art ... weil: Ich hab keine Chance, dem zu entkommen.

Das ist PC auf Quatschniveau - wozu 45 Minuten "freundliches" (grinsendes) Nichts-Meinen, Nichts-Wollen, Nichts-Sagen, Nichts-Fühlen? Sorry, begreife ich nicht. So ungestört kann ich mit Blümchen auf meiner Fensterbank oder vielleicht noch mit einem kleinen Haustier meine Zeit verbringen - aber dafür brauch ich doch keine Schauspielerinnen und Journalisten, kein Fernsehen, keine Gespräche und auch keine Zeitung!?

RE: Die Zumutungen des Actressen-Interviews | 20.03.2013 | 13:27

Ein Gespräch ist ein Gespräch ist ein Gespräch wäre ein Gespräch. Das ist bei DAS! aber nicht gefragt. Mich erstaunen vor allem die vielen verächtlichen Meinungen und Postings, dass jemand, der für 45 Minuten zu einem Gespräch oder "Gespräch" oder meinetwegen auch nur Interview geladen ist, dann nicht auch ein Gespräch verlangen oder führen darf - und nicht nur ein Actressen"interview", wobei auch "Interview" eine arg euphemistische Genreverzerrung für das Promo-Chauvi-Produkt-Geblubbse ist, was hier gewünscht war. Aufgebauscht hat das Ganze dann nachträglich dieser Herr Plumpaquatsch, der offenkundig ausweislich seiner Einlassungen auf facebook, twitter und per BILD irgendwie gekränkt, beleidigt, enttäuscht war und das nu doch wieder nich für sich behalten wollte. Auchn Gefühl, immerhin.

RE: Wohnt drüben in Wolfenbüttel | 17.12.2012 | 21:31

Nu ja, man kann den Jauch natürlich lobhudeln dafür, dass man da die "Meinung" haben kann, "dass der Tatort dicht an der Realität dran war" - oder die "Meinung", dass der das nicht so war. Und das Tolle ist ja: Beides stimmt. Weil der Tatort halt Fiktion ist - gebaute Dialoge, gebaute Bilder, schöne Farben; Kunst halt. Nix gegen Kunst. Aber Realität ist anders. Der Plot kann natürlich schon wieder näher dran gewesen sein als die bunten Bilder vons Janze. Und schon ham alle Recht mit Wahrheit, Realität und Wichtigkeit, keine Frage.
Man kann den Jauch aber auch so lesen im ARD-Gesamtkontext, dass weg von der AWD-Hannover-Berlin-Reality die Exit-Strategie á la Degeto-Loveaffair durch noch einen weiteren Nebelkerzenausstieg á la "lasst uns über Zwangsprostitution einig sein und talken" abgesichter werden sollte. Hat er denn wenigstens betroffen geguckt, alle zu Wort kommen lassen und keine(r) hat geschrien? Dann ist doch alles in Ordnung. Wo kämen wir da hin, live (!) über Maschmeyer & Co zu streiten (!)? Das wär ja was gewesen!

RE: Politik für alle | 18.11.2012 | 00:07

Word, Uwe Theel, Sie sagen es!

Ja, Frau Hensel: "Ich hab Raab mal eingeschaltet und war einfach sehr überrascht, was da passierte. Dass es mich interessierte, dass ich es lebendiger fand als die anderen." ... das eben ist das Komische an Ihrem Artikel (und seiner absurd prominenten Platzierung): Sie "haben mal eingeschaltet" und "dass viele Leute am nächsten Tag darüber sprachen"hat Sie gefreut, "das fand ich Anlass genug zu schreiben" - journalistisch macht mich das stutzen, abonnierend macht mich das sauer, lesend hilft mir das nicht weiter; genau damit habe ich mein Problem mit Ihrem Artikel, genau das finde ich von einer (ehemaligen?) Tazschnoddrigkeit, die mich nervt. Zumal dieser Anlass und der daraus folgende Inhalt für mich dann eher ein Blogging-Anlass sind. Mir fehlt schlicht die These, die Erkenntnis, die Analyse. Sie schreiben nur: Da war was, fands interessant, kommt bald wieder, dann vielleicht besser, schöne Grüße.

Wo haben Sie denn die "vielen Leute" am Tag danach über Politik (oder Raab?) sprechend erlebt? Bei Ihnen in der Redaktion? Während einer Milieustudie im Raab-Fan-Bereich oder in der so genannten und angeblichen TV-Unterschichten-Schicht, im Reich der zu bekehrenden Politikverdrossenen?

Dass es Sie spontan "interessierte" steht für einen Effekt bei den Politikverdrossenen unserer Tage? Hm. Interessant, fürwahr, wenns so ist. - Ich habe auch "mal eingeschaltet" und hatte sogar eine Erwartungshaltung: Ich hatte auf Raab gesetzt, gehofft, wenn Sie so wollen - mich jedenfalls für die Sendung interessiert, ich fand seine Vorweg-Interviews anregend und schlau. Und ich fand dann, dass die Sendung NICHTS von diesen geweckten Erwartungen, artikulierten Ansprüchen, nichts von dem von Ihnen zitierten (oder vermuteten?) "Plan Raabs" eingelöst hat: Die war weder dramaturgisch spannend noch irgendwie dynamisch - und selbst Ihr weniges konkretes Lob kann ich nicht nachvollziehen. Wie hier schon vielfach gesagt: Bedenkliches Frauenbild, bedenkliches Rollenklischee "der Politiker", keine Dramaturgie oder Dramatik, keine Emotionalität, eher wenig Witz oder Situationskomik, Limbourg als Dynamik-Zerstörer.

Mal im Ernst: Sie unterstellen irgendwelchen Durchschnitts-pro7-Genießern Politikverdrossenheit - o.k.; aber wäre die nicht genau so (oder ich behaupte: besser) angenuspert worden, indem man einfach mal Plasberg oder Maischberger auf pro7 gesendet hätte? Der Cultureclash wäre mindestens der selbe gewesen! Ich behaupte sogar: diese und auch Lanz, Beckmann, Stuckrad-Barre, Kuttner etc. erreichen tagtäglich mehr Interesse für Politik als (für) Raab ;-) . Ihre Gäste sind jedenfalls weitaus weniger politikverdrießlichmachend, weitaus jünger zuweilen, immer besser genderquotiert und ihre Formate oft überraschender und manchmal sogar überrumpelnder.

Und dass die ach so politikverdrossene Jugend (oder wer, um wen gehts hier?) des eitlen Plasbergs neueste Brille plötzlich hip findet (oder dann doch wegen bestimmter Gäste Maischberger guckt), das ist Stand heute erst einmal genau so wahrscheinlich wie dass Raabs Talk-"Plan" und -Tat sich in der von Ihnen erhofften Richtung entwickelt, was er ja noch müsste. Da sind wir uns einig: Der Plan klang, klingt nicht schlecht.

Dass aber die angebliche oder tatsächliche Zielgruppe selbst aus dem Panel ausgeblendet blieb, dass man sich freiwillig auf Politiker beschränkt, das dürfte Politikverdrossenheit sträflich fördern, fürchte ich.

RE: Politik für alle | 15.11.2012 | 22:53

Hää? Ich hab eine andere Sendung gesehen ...

"Er hält Politik nicht länger für eine Sache von kundigen, meist älteren, meist männlichen Journalisten und Bundestagsabgeordneten." - daher sprachen da, bis auf die Frau ausm Volk, auch ausschließlich männliche Parlamentsangehörige über fünfzig!

"nicht immer automatisch der größte Populist im Saal gewinnt, sondern der mit den besten Argumenten"? - daher Kubicki?

Was ist denn daran "flapsig, spontan, leicht und sehr unspießig", dass ein Moderator alle 5,6 Minuten zu seinem Komoderator nennt, um sich von dem 1. Lob zu holen, 2. ein Auto zu verlosen, 3. SMS-Gebühren einzuheimsen und 4. inhaltsfreie Balkendiagramme zu bestaunen? Unspießige Balkendiagramme, leichter Komoderator, flapsige Balkendiagramme und ein leichtes Auto? Hab ich irgendwie verpasst - oder gilt "Herr Fuchs, wer hat die Gans gestohlen" in Medienkreisen heute wirklich schon als "spontan, leicht und sehr (!) unspießig"? Rätselhaft.

"Epochenwechsel (...) dann können praktisch alle überall über Politik reden"? Dank Raab? Herrn Fuchs? Dem sehr unspießigen Herrn Limbourg? Häää?

Wenn sich "Reden und Schreiben über Politik vielerorts zu einer Tätigkeit entwickelt, die man nur beherrscht, wenn man eine Geheimsprache versteht. Besser noch: Wenn man sie selber spricht", hat Jana Hensel daran ihren gehörigen Anteil. So zum Beispiel: "Nicht zuletzt durch diese floskelhafte Sprache, die kein Mensch im Alltag benutzen würde, ist die Politik zu einem Paralleluniversum geworden. (...) Und die Finanz- und Eurokrise hat dieses Gebaren bis auf die Knochen entblößt. (...) Dagegen gilt es zu kämpfen. Und direkt, unverstellt und klar ganz im Sinne des Lesers, Zuschauers oder, noch wichtiger, Wählers zu reden, zu argumentieren, zu schreiben. (...) Denn jenen, die nicht verstanden werden, droht die Entfremdung, die Abspaltung. (...) die Wahl war nicht frei von Überraschungen: (...) Wer hätte vorher schon mit so einem Ergebnis gerechnet? (...) Stefan Raab wird also in den nächsten Sendungen beweisen müssen, dass (...) nicht immer automatisch der größte Populist im Saal gewinnt, sondern der mit den besten Argumenten ..." Pffffft. Ja. Eben. So what? Er hat nicht bewiesen, er wird beweisen müssen. Was zu beweisen war. Oder auch nicht.

Einstweilen hat er genau das nicht geschafft, was er wollte und sollte: Eine B-Besetzung älterer politischer Herren aus den Parlamenten hat das gesagt, was ihre Häuptling aus der A-Liga sonst bei ARD&ZDF aufführen, meistens unterhaltsamer, fast immer nicht unbedingt kompetenter aber talentierter ge- und befragt. Null Emotion, null Erkenntnis, null Alltag, nullkommasechs Witz.

Man kann ja an Lanz und Beckmann Anbiederei kritisieren - aber was hat Raab in seiner Kumpelei und Grinserei da substantiell anderes gemacht? Und mit "flapsiger" Sprache kann man mehr machen als Raab: Gucke Kuttners "Bambule", gucke Beisenherz' "German Angst", gucke Lanz, gucke Stuckradt-Barre, gucke Roche, gucke Kino!

RE: Politik für alle | 15.11.2012 | 22:28

Genau so sieht es aus. Der Text raunt - überwiegend im von ihm kritisierten Politsprech - über einen Erfolg, der darin bestand "anders" zu sein; wie, wozu, für wen: Keine Ahnung!
Das klingt eher danach, dass man mit 4,5 Tagen Verspätung nach der Sendung mal "was anderes" als alle anderen schreiben wollte - gaaaanz alte taz-Schule: Freitag/Hensel lobt pro7/Raad - whooow !! Ja, genau das war das Niveau der Show: "Hui, sind wir unangepasst" - bloß wer hat danach gefragt? Leute reden, bloggen, kommentieren, posten,meinen, schreiben über Politik, alle - und die sollen alle auf Raab gewartet haben, um das nun noch etwas freier, kürzer, klarer zu tun? Mit so einer Erwartungshaltung nur ganz knapp über null ist natürlich leicht Begeistertsein.