Gefährdung und Schutz

Meere Vom Rühren in der großen, weiten Organismen-Suppe.
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Gefährdung und Schutz

Foto: STR/ AFP/ Getty Images

Teil 5 der Serie „Umweltgutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen 2012“

Landwirtschaft, Fischerei, Schifffahrt, Rohstoffabbau, landbasierte Industrien und Tourismus. Sie alle belasten die Meere – vor allem erstere drei. Das geht aus dem aktuellen Umweltgutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU)[1] hervor. In der Nord- und Ostsee seien jene Belastungen ursächlich für den Rückgang der Arten. Außerdem würden sich Schadstoffe am Ende der Nahrungskette anreichern, die auch auf unseren Tellern landen.

Besonders durch die Landwirtschaft gelange ein Zuviel an Nährstoffen in die Meere. Dies habe in der Ostsee zu zahlreichen sauerstofffreien Zonen in Meeresbodennähe geführt. Nahezu kein Leben sei dort mehr möglich. Hingegen würde die Nordsee vorwiegend durch umweltschädliche Praktiken der Fischereiwirtschaft beeinträchtigt: Schleppnetze, die über den Meeresgrund gezogen werden und dort Schäden anrichten. Ferner sei der hohe Beifang problematisch. Als Folge jener Praktiken sei die Anzahl empfindlicher, bodennaher Lebewesen in der südlichen Nordsee erheblich zurückgegangen. Betroffen seien zum Beispiel Rochen und Weichkorallen.

Auf das Konto der Seeschifffahrt gingen Treibhausgas- , Luftschadstoff- und Lärmemissionen. Hinzu komme die illegale sowie betriebsbedingte Einleitung von Ölrückständen in die Meere, schreiben die Autoren des Umweltgutachtens. Weiterhin sorge die Seeschifffahrt für die Ausbreitung gebietsfremder Arten. Müll und Anstriche, die unter Wasser die Anlagerung von Tieren und Pflanzen am Schiff verhindern sollen, gelangen ebenfalls in die Meere. Lokal können Tankerunfälle eine Gefährdung darstellen.

Öl, Gas, Kies und Sand: Auch der Rohstoffabbau setze den Meeren zu. Durch die Industrien an Land würden Schadstoffe über die Atmosphäre zur Belastung beitragen. Zudem würden Medikamente und Plastikmüll vermehrt in die Meere geschwemmt. In der Ostsee gäbe es darüber hinaus chemische Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg. So würden im Laufe der Zeit Arsenverbindungen freigesetzt. Obendrein sorge der Klimawandel für die Erwärmung und Versauerung der Meere. In der Nordsee sei die mittlere Temperatur innerhalb der vergangenen 50 Jahre stetig gestiegen. Vermutlich damit einhergehend, wanderten wärmeliebende Arten ein und kälteliebende nach Norden.

Meere haben vielfältige Funktionen. Sie dienen als Transportwege, der Energieproduktion, der Erholung, als Quelle für Nahrungsmittel, Baustoffe, fossile Brennstoffe und Arzneimittel sowie Senke für Schad- und Nährstoffe. Daher sei zukünftig mit einem steigenden Nutzungsdruck auf die Meere zu rechnen, beispielsweise durch die Schifffahrt oder Offshore-Windenergie.

Schon heute erfolge mehr als 90 Prozent des weltweit Handels auf dem Seeweg. In der Europäischen Union werde 40 Prozent des Binnen- und 90 Prozent des Außenhandels per Seeschifffahrt transportiert.

Der Schutz der Meere gestalte sich als schwierig, da den verschiedenen Nutzungen unterschiedliche rechtliche Regelungen und Politiken zugrunde lägen. Deshalb müsse der Meeresschutz in betreffende Politikbereiche integriert werden. Ferner könne die ehrgeizige Umsetzung bereits bestehender Maßnahmen wie die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) der Europäischen Union zielführend sein. Bedeutend sei auch die Umgestaltung der Gemeinsamen Fischereipolitik und der Gemeinsamen Agrarpolitik. Auch über die Schaffung eines Meeresbundesamtes solle nachgedacht werden. Auf internationaler Ebene müssten Umweltstandards vorangebracht werden. Zudem könnte die Einrichtung von Meeresschutzgebieten mit einem möglichst hohen Schutzstatus und Zonen ohne jegliche Nutzung hilfreich sein.

Die anderen Teile der Serie lesen Sie hier. Die Themen:

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[1] Der Sachverständigenrat für Umweltfragen, kurz SRU, ist eine Expertengruppe, die die Bundesregierung in umweltwissenschaftlichen Fragen beraten soll. Alle vier Jahre erstellt die Gruppe ein Gutachten. Hinzu kommen Sondergutachten zu speziellen Themen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ernennt unter Zustimmung der Bundesregierung die Ratsmitglieder für jeweils vier Jahre. Berufen werden Professorinnen und Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen. (SRU 2008)

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17:25 12.11.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

cyberling

Wissenschaft kompakt. Themen: Energie, Ernährung, Klima,Medizin, Psychologie, Tiere,Umwelt & Wirtschaft.Zuvor veröffentlicht auf Wissenschaft&Schreie.
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