Hungerbekämpfung durch Kleinbauern

Welternährung Was tun gegen den Hunger? Nur die Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion ist es jedenfalls nicht, sagen Forscher
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Fast eine Milliarde Menschen hungern weltweit. Mehr als zwei Milliarden sind unterernährt. Die bloße Steigerung der Nahrungsmittelproduktion ist jedoch nicht die Lösung. Zu diesem Ergebnis gelangen Forscher aus Deutschland und den USA in einer Abhandlung. Veröffentlicht wurde sie in dem wissenschaftlichen Fachjournal Biological Conservation. Der Grundpfeiler der Hungerbekämpfung sei die nachhaltige, kleinbäuerliche Landwirtschaft in den Entwicklungsländern. Die weitere Intensivierung der herkömmlichen Landwirtschaft in den Industriestaaten sei der falsche Weg. Theoretisch würden die globalen Erträge ausreichen, um die Welternährung zu gewährleisten. Jedoch hätten die Hungernden keinen Zugang dazu.

Als Beispiele hierfür führen sie den Ausbau der Energiepflanzen zur Herstellung von Biokraftstoffen an. In der Folge stünden sie in direkter Konkurrenz zu Lebensmitteln, was die Preise in die Höhe treibe. Ebenso sei es mit Nahrungsmittelspekulationen. Ferner könne das Land Grabbing die Situation der Armen verschlechtern.

Hinzu komme, dass global ein Drittel bis die Hälfte aller Nahrungsmittel verderbe. Zusätzlich werde eine erhebliche Menge für die Herstellung tierischer Produkte verwendet. Das sei unergiebig, da für eine Kalorie Fleisch durchschnittlich sieben Kalorien pflanzliche Futtermittel gebraucht würden. Auf diese Weise werde 30 bis 50 Prozent der weltweiten Getreideernte verfüttert.

Weiterhin verursache die industrialisierte Landwirtschaft enorme Umweltschäden. So sei sie global für circa ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Zudem würden immense Mengen Stickstoff, welcher als Düngung dient, freigesetzt. Die derartig hohen Mengen verschlechtern die Luft- und Wasserqualität. Des weiteren schade es der menschlichen Gesundheit. Allein in der Europäischen Union koste dies jährlich 70 bis 320 Milliarden Euro. Darüber hinaus schädige die intensive Landwirtschaft in der Regel die biologische Vielfalt. Der Verlust jener Artenvielfalt könne einen vermehrten Pestizideinsatz zufolge haben. Außerdem sei ungefähr ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelversorgung auf die kostenlose Dienstleistung tierischer Bestäuber angewiesen. Auch erhalte die biologische Vielfalt die Bodenfruchtbarkeit.

80 Prozent der hungernden Menschen leben in den Entwicklungsländern, schreiben die Autoren der Arbeit. Derzeitig gibt es etwa sieben Milliarden Erdenbürger. In den nächsten Jahrzehnten solle die Zahl auf neun Milliarden anwachsen. Daher sei eine nachhaltige, ökologisch und sozial ausgerichtete Landwirtschaft notwendig, um den Hunger lokal zu bekämpfen.

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18:34 07.07.2012
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Geschrieben von

cyberling

Wissenschaft kompakt. Themen: Energie, Ernährung, Klima,Medizin, Psychologie, Tiere,Umwelt & Wirtschaft.Zuvor veröffentlicht auf Wissenschaft&Schreie.
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