Mobile Lebenswelten

Verkehr & Mobilität Das Autofahren bereitet nicht nur Freude. Es behindert auch andere Menschen in ihrer Freiheit und mindert deren Lebensqualität.
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Teil 3 der Serie „Umweltgutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen 2012“

Für die einen bedeutet das Auto Unabhängigkeit. Andere sehen es als notwendig an. Kinder wiederum werden in ihrer Freiheit zu spielen eingeschränkt. Infrastrukturen, welche auf das Auto ausgerichtet sind, erschweren die Mobilität der Wagenlosen mangels Alternativen. Das geht aus dem aktuellen Umweltgutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU)[1] hervor. Darüber hinaus belaste der Autoverkehr die Lebensqualität der Menschen in den Ballungsgebieten„in unzumutbarer Weise “. Luftschadstoffe, Unfallrisiken und Lärmstörungen seien hier vor allem genannt. Daher müsse der Verkehr reduziert und umweltverträglicher gestaltet werden.

Der Fußgänger-, Fahrrad- und öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) benötige im Vergleich zum PKW-Verkehr ungefähr fünf bis zehn Mal weniger Fläche. Deshalb bewirke gerade Letzterer eine Einschränkung der Bewegungsmöglichkeiten von beispielsweise älteren Menschen. Kinder würden sich aufgrund dessen vermehrt im Haus aufhalten. Dies könne einer der Gründe für die Zunahme von Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen und motorischen Mängeln bei ihnen sein.

Feinstäube können Atemwegs- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen bewirken, schreiben die Autoren des Gutachtens. Vorwiegend stammten sie vom Ruß, insbesondere dem Dieselruß, dem Reifenabrieb und dem aufgewirbelten Staub des Straßenverkehrs. Hinzu kämen die klimawirksamen Treibhausgasemissionen. Chronische, hohe Lärmbelastungen von Personen- und Lastkraftwagen erhöhen laut SRU ebenso das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sozial schwächer gestellte Menschen seien häufiger von Luftschadstoffen und Lärmbelastungen betroffen.

Angesicht der aufgeführten Punkte empfiehlt der Sachverständigenrat, den ÖPNV sowie den Fahrrad- und Fußgängerverkehr zu fördern. Ihr Anteil am Verkehrsaufkommen solle um 20 Prozent erhöht werden bis 2025; langfristig auf 70 bis 80 Prozent. Dazu müsse der ÖPNV staatlich finanziert werden. Ferner sei eine fuß- und radfahrerfreundliche Infrastruktur notwendig. Motorisierte Fahrzeuge müssten in den Innenstädten mit einer Regelgeschwindigkeit von 30 km/h auskommen. Im Gegengenzug solle die Förderung umweltschädigender Maßnahmen geändert werden, wie der ermäßigte Steuersatz auf Diesel und Dienstwagen. Zudem rät der SRU den Autoverkehr möglichst emissionsarm zu gestalten. Dies erfordere auch eine schrittweise Weiterentwicklung der Umweltzonen. Ergänzend merken die Autoren an, dass jene Ratschläge möglichst unter Beachtung der Mobilitätsbedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer umgesetzt werden sollen.

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Eine Grafik zum Personenaufkommen und weitere Infos finden Sie hier.

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[1] Der Sachverständigenrat für Umweltfragen, kurz SRU, ist eine Expertengruppe, die die Bundesregierung in umweltwissenschaftlichen Fragen beraten soll. Alle vier Jahre erstellt die Gruppe ein Gutachten. Hinzu kommen Sondergutachten zu speziellen Themen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ernennt unter Zustimmung der Bundesregierung die Ratsmitglieder für jeweils vier Jahre. Berufen werden Professorinnen und Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen. (SRU 2008)

14:07 27.06.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

cyberling

Wissenschaft kompakt. Themen: Energie, Ernährung, Klima,Medizin, Psychologie, Tiere,Umwelt & Wirtschaft.Zuvor veröffentlicht auf Wissenschaft&Schreie.
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cyberling

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