MRSA-Ansteckungsgefahr auch für Nichtbauern

Viehhaltung Leben Sie in der Nähe landwirtschaftlicher Viehbestände? Falls ja, könnte damit das Risiko steigen, dass Sie sich mit MRSA anstecken
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
MRSA-Ansteckungsgefahr auch für Nichtbauern

Foto: Fethi Belaid/ AFP/ Getty Images

MRSA ist ein Keim, der gegen nahezu alle Antibiotika unempfindlich ist. Einer aktuellen Studie zufolge bewirke eine Verdopplung der Bestandsdichte eine Steigerung der Wahrscheinlichkeit, viehhaltungsbedingte MRSA-Bakterien in sich zu tragen um etwa 24 bis 77 Prozent – je nach Tierart. Damit könne das Risiko einer möglichen Erkrankung steigen. Betroffen seien Menschen, die in einer Gemeinde oder einem Stadtbezirk mit einer hohen Viehdichte wohnen, ebenso wie die Landwirte selber. Die Arbeit erschien in der November-Ausgabe des wissenschaftlichen Fachblatts Emerging Infectious Diseases.

Verdopple man die Dichte der Kälberbestände, steige die Chance um 24,1 Prozent gegenüber Trägern anderer, nicht mit der Tierhaltung in Verbindung gebrachter MRSA-Formen. Bei Rindern seien es 24,7, bei Schweinen 76,9 Prozent. Die Viehdichte steht dabei für die Anzahl von Tieren pro Hektar Land einer Gemeinde oder eines Stadtbezirks. Obwohl die Daten der Wissenschaftler nicht anzeigen, ob jemand tatsächlich an dem MRSA-Erreger erkrankt ist, erhöhe sich dennoch das Risiko einer möglichen Infektion.

MRSA, die Kurzform für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, kann eine Reihe von Erkrankungen beim Menschen hervorrufen. Angefangen von kleinen bis hin zu lebensbedrohlichen Entzündungen der Haut, des Blutkreislaufes, der Atem- und Harnwege sowie von Wunden nach einer Operation. Da die meisten Antibiotika bei MRSA nicht anschlagen, gestaltet sich die Behandlung der verschiedenen Erkrankungen als schwer.

Früher wurden MRSA-Infektionen vor allem in Krankenhäusern und anderen Institutionen des Gesundheitswesens erworben. Seit ungefähr einem Jahrzehnt allerdings geschehe ein Großteil der Ansteckungen in den meisten Ländern in der Gesellschaft außerhalb jener Einrichtungen. In den Niederlanden beispielsweise gingen heutzutage mehr als 40 Prozent aller MRSA-Fälle auf die mit der Viehhaltung einhergehende Form zurück, kurz LA-MRSA. Auch in Fleisch konnte MRSA bereits nachgewiesen werden.

Mehr als 170.000 Menschen steckten sich 2007 in der Europäischen Union mit MRSA an, plus Norwegen und Island, schreiben die Forscher. In den USA seien es zwei Jahre zuvor geschätzte 94.000 gewesen. Über 18.000 Amerikaner würden an den Folgen der MRSA-Infektion sterben. Das führe zu erheblichen Mehrkosten zulasten der jeweiligen Gesundheitssysteme.

Für ihre Arbeit verglichen die Wissenschaftler vorhandene Daten von niederländischen Trägern viehhaltungsassoziierter und anderer MRSA mit den Statistiken der landesweiten Viehbestands- und Bevölkerungsdichten. Ferner wurden die Lage des Wohnorts und bekannte Informationen bezüglich möglicher individueller Risikofaktoren berücksichtigt. Zum Beispiel, ob jemand einen direkten oder indirekten Kontakt zu Tieren hat. Insgesamt verwendeten sie Daten von 87 Personen, wobei 27 Patienten mit LA-MRSA waren. Die restlichen 60 gehörten zu zwei Kontrollgruppen. In einer Studie aus dem vergangenen Jahr kämen Forscher zu ähnlichen Ergebnissen. 2010 wiederum sah eine andere Forschergruppe keinen Risikofaktor in einer hohen Viehbestandsdichte, fügen die Autoren der aktuellen Arbeit an.

Auch wenn die Studie in den Niederlanden angesiedelt war, herrschen in anderen Ländern ähnliche Bedingungen. Zwar sei die Schweineproduktion da von maßgeblicher landwirtschaftlicher Bedeutung. Aber die Bestandsdichte und Größenverhältnisse seien in den USA vergleichsweise größer. Dort gäbe es circa 75.000 Betriebe mit Schweinen, von denen etwa elf Prozent mehr als 2.000 Tiere besäßen. Demgegenüber seien es in den Niederlanden rund 14.500 Höfe, von denen knapp sieben Prozent mehr als 2.000 Schweine hätten. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 32.000 derartige Betriebe. Sieben Prozent davon halten mehr als 2.000 Tiere.

---------------

Das könnte Sie interessieren:

- CO2-Anstieg – Pflanzenwachstum – bessere Ernten?

- Rothirsche: Mehr Angst vor Menschen als vor Wölfen

- Autismus durch Luftverschmutzung?

- Polarkreise: wachsende und schmelzende Eismassen?

- Nanopartikel gefährlicher als gedacht

00:40 18.12.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

cyberling

Wissenschaft kompakt. Themen: Energie, Ernährung, Klima,Medizin, Psychologie, Tiere,Umwelt & Wirtschaft.Zuvor veröffentlicht auf Wissenschaft&Schreie.
Schreiber 0 Leser 2
cyberling

Kommentare