Gut geklaut, Girls

Urheberrecht Der Inhalt der HBO-Serie GIRLS wird überall besprochen, doch die Verpackung fand bisher keinen kritischen Betrachter. Das Logo der Serie verletzt ungestraft Urheberrechte

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Gut geklaut, Girls

Bild: HBO

Betrachter. Das Logo der Serie verletzt nämlich ungestraft Urheberrechte -- und es scheint niemanden zu interessieren.

Zurzeit kann man ihr einfach nicht entgehen. Sie fällt auf. Sie ist auf eine unkonventionelle Art elegant. Sie ist retro-modern. Ihr Name ist Neutraface, und sie ist eine Schritart. Um ihr aus dem Weg zu gehen, müsste man zuhause bleiben. Um sich an ihr satt zu sehen, genügt ein Besuch im Kino -- dort ist sie nämlich sehr oft anzutreffen, aktuelles prominentes Beispiel ist Hannah Arendt. Auf der Website des renommierten Magazins The New Yorker springen sofort die in ihr gesetzten, markanten Überschriften ins Auge. Und auch am heimischen Fernseher, wenn die neuste Folge der mittlerweile sehr bekannten HBO-Serie GIRLS läuft, brennt sich die Font Neutraface in die Netzhaut. Denn GIRLS, fast im Alleingang von Lena Dunham realisiert und von Judd Apatow produziert, verzichtet bewusst auf ein Intro. Stattdessen füllt den Bildschirm zu Beginn:

Fünf Buchstaben, drei Sekunden, harter Schnitt, die Episode beginnt. Die wohlbekannte Font löst sich wieder von der Netzhaut, lässt aber die Gedanken nicht los, denn, hach!, ist sie nicht wunderschön, diese serifenlose Neutra... Was? Wie? Moment mal. Das ist gar nicht Neutraface? Das kann gar nicht sein. Auf der Seite von House Industries, für die der Designer Christian Schwartz diese Schriftart gestaltete, kann man das doch sofort nachprüfen. So nämlich:

Wie wollen die Kreativen der in Los Angeles ansässigen Produktionsgesellschaft Grand-Jeté ihre Aussage rechtfertigen, sie hätten die GIRLS-Schriftart speziell für die Serie entwickelt? Und wie kann es sein, dass die erfahrenen Creative Directors (hier allen voran Howard Nourmand) eine so populäre und allgegenwärtige Schriftart wie die Neutraface nicht nur zu kopieren versuchten, sondern auch mit Nachdruck behaupten, sie mit Input von Lena Dunham eigenständig kreiert zu haben? Dass Laien auf den ersten Blick nicht unterscheiden könnten zwischen Helvetica und Arial oder Cooper Black und Souvenir -- geschenkt. Aber Profis?

Etwas lächerlich wirken die Schnappschüsse vom "Entwicklungsprozess" der Font, die man auf der Website von Grand-Jeté findet:

Kennt jemand andere Beispiele dieser Art oder weiß, wie es sich bei Typefaces mit dem Copyright verhält?

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Geschrieben von

D. Walasek

Vor sich hin dilettierender Schreiberling. Oder zumindest das, was auch immer man drunter verstehen mag, wenn man nicht drüber steht.
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D. Walasek

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