„Gruppe 42“ - Ein neuer Piratenflügel?

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die Erklärung der Gruppe 42, eines neuen Flügels der Piratenpartei ist eine kleine Sensation.

gruppe42.net/erklaerung/

Aber eine nachvollziehbare.

Die Prämisse ist einfach: Die Piratenpartei hat ein ernsthaftes Problem: die schnell wachsende Mitgliederanzahl. Sicher, Wähler sind immer gut, aber auch nur dann, wenn sie aus den richtigen Bewegungsgründen wählen gehen. Dem gegenüber stehen ideologische Irrläufer, die sich langfristig nur negativ auswirken werden. Hinzu kommt noch die Problematik der Unterwanderung durch politische Trojaner und neuerdings auch durch den dunklen Verfassungsschutz. Wer denkt, die Piraten sind von der Freiheit betrunkene Flower-Power-kids, die sich mit jedem anfreunden können, der irrt.

Die Notwendigkeit einer Disziplin und ihr Versagen

Die Piratenpartei ist neben der CDU, SPD, FDP, Die Grünen, Die Linke die sechste Partei. Auch wenn diese Aufstellung ein klarer Beweis für die Existenz von demokratischen Strukturen in Deutschland ist (z.B. im Vergleich zu der US-amerikanischen Plutokratie), so ist sie auch mit einer Bürde belastet: wenn man sich schon neben fünf anderen zur Wahl aufstellt, dann muss man sich auch von den anderen fünf irgendwie unterscheiden können. Im Klartext: Wieso sollte sich ein Wähler für eine sechste Alternative entscheiden, wenn er keinen Unterschied zu den anderen fünf erkennt? Die Bewältigung dieser Bürde erreicht man durch ein eingeständiges und souveränes Parteiprofil, ergo braucht auch die Piratenpartei ein eigenes Profil. Und das erreicht weder durch zwanghafte Annäherungsversuche, noch durch sinnlose Priorisierung von Themen der Anderen.

Es geht also um eigene Kernthemen. Und die Notwendigkeit, diese auch nach außen zeigen zu können. Und der Zweck davon ist nicht nur auf Werbung von Wählern und Mitgliedern beschränkt, nein, es soll auch dazu anregen, sich mit bestimmten Kernpunkten der Partei auseinanderzusetzen.

Unabhängig von den Inhalten dieser Themen, müssen diese strukturiert werden. Die Aufrechterhaltung und Wahrung dieser Strukturen gehört zu den Aufgaben der Vorstände einer Partei. An ihnen haftet diese Verantwortung naturgemäß stärker als auf einem Wähler oder Mitläufer-Mitglied. Diese Disziplin ist überlebensnotwendig.

„Freiheit ist Alles!“ – „Alles ist Nichts!“ Eine Relativierung von Inhalten in diese Richtung wäre fatal. So erzeugt man kein Profil, so löst man sich philosophisch auf…

The answer to life, universe and everything…

Natürlich kann man der Bezeichnung “Gruppe 42” keine Ironie absprechen. Gleichzeitig ist es auch ein klarer Hinweis auf inhaltliche Aspekte, diese werden durch die Erklärung nur noch verstärkt. Interessant dabei ist die Tatsache, dass anscheinend ein Teil der digitalen Elite der Piratenpartei mittlerweile ihre eigene Ecke sucht. Angesichts des immer breiter werdenden Spektrums der Piratenpartei ist eine stärkere Fokussierung auf die spezifischen Probleme des Informationszeitalters nur zu begrüßen. Ein Artikel von Sascha Lobo www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,815155,00.html reflektiert die Notwendigkeit dieser Fokussierung an dem Beispiel von Diskussionen über ACTA. Und dafür muss man eben eine bestimmte Stellung einnehmen. Willkommen beim Widerstand….

tl:dr

Freiheit hin oder her, Piraten haben nun mal auch ihre Kernthemen.

21:24 18.02.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

d353rt

Alea iacta est
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare 2