da5id

it worker, cyberpunk radical
Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Über Begriffsdrachen | 10.11.2012 | 17:23

wie reaktionär ist das denn? allen wissenschaften wird zugestanden, eine wissenschaftliche sprache – ihre eigene begriffssprache – zu entwickeln. bei medizinern oder juristen etwa wundert sich niemand darüber, dass die fachsprache außerhalb des elfenbeinturms kaum verständlich ist.

wenn feministinnen ebenfalls begriffe bilden, um diskussionen zusammenzufassen, dann ist das eine "marotte", gar "hilflos, faul und dumm". anschließend wird dann noch darüber lamentiert, wie etabliert der feminismus an den universitäten sei. so etwas ist keine kritik, sondern reaktionäres austoben des ressentiments. in der springerpresse hätte ich nichts anderes erwartet; in einer wochenzeitung mit linkem anpruch sollte es eigentlich genügend redaktionelle kompetenz geben, so einen unsinn nicht auch noch abzudrucken. aber wenn ich mir die kommentare so anschaue, gilt es in der zu dieser zeitung gehörenden community als ebenso schick, sich auf die seite des antifeministischen mainstreams zu stellen.

wem es zu mühsam scheint, butler und foucault zu lesen, kann es ja sein lassen. denen, die das mit vergnügen tun, vorzuwerfen, sie seien dumm und faul, sieht nach einem schlecht kaschierten minderwertigkeitskomplex aus.

RE: Wahlkuscheln statt Wahlkampf, Episode 2: Alle wollen mehr Polizei | 16.09.2009 | 20:23

Danke für die Gelegenheit zur Klarstellung: Nichts liegt mir ferner, als die Täter zu entschuldigen. Die Schuldfrage wird das Gericht zu klären haben. Es geht mir allein um das allgemeine sozialpolitische Szenario, innerhalb dessen sich die Tat ereignete. Sich für den sozialen Hintergrund der Tat zu interessieren, schließt überhaupt nicht aus, davon auszugehen, dass es sich um "mörderische Wut aus niedrigen Beweggründen" handelte. Es geht auch nicht darum, Verständnis für diese Wut aufzubringen. Es geht mir allein darum, den sozialpolitischen Zusammenhang zwischen Dequalifizierung und Verelendung auf der einen Seite und der Verrohung im öffentlichen Raum auf der anderen Seite aufzuzeigen.

RE: Karatschi, mon amour | 23.08.2009 | 11:39

Danke für die beruhigende Momentaufnahme des alltäglichen Lebens in einer pakistanischen Großstadt. Die These, dass die Westmedien in Pakistan vor allem das Katastrophische suchen und dabei die normale Lebensrealität der westorientierten Zivilgesellschaft in den Städten weitgehend ausblenden, hat ihre Plausibilität. Die Frage ist nur, wie die Entwicklung weitergeht, wenn die pakistanische Gesellschaft immer weiter in den Afghanistankrieg hineingezogen wird. Bis in die 80er Jahre hinein galt der Irak als das Land mit der am meisten westorientierten städtischen Bevölkerung im Nahen Osten. Nach drei Kriegen und über fünf Jahren Westbesatzung ist nicht mehr viel davon übrig. Hoffentlich bleibt der pakistanischen Zivilgesellschaft ein ähnliches Schicksal erspart.

RE: Mit Killerschach gegen die Totschlagargumente | 23.08.2009 | 00:43

@JoachimZ: Das ist exakt die Argumentation der Piratenpartei (die ich ebenfalls unterstütze). Ebenso wie das, was Sie zu von der Leyens Websperre schreiben.
"pubertäre politische Albernheit"?

RE: Wann ist eine Frau eine Frau? | 22.08.2009 | 21:57

Orthodox und fundamentalistisch ist möglicherweise eine linke Wochenzeitung, die kaum Frauen schreiben lässt; und wenn, dann ist es eine Übersetzung aus dem Guardian, in der eine feministische Position, wenn sie denn schon erwähnt werden muss, als orthodox und fundamentalistisch abgewertet wird. Eigentlich ist es unnötig, darauf hinzuweisen, dass die Dekonstruktion des biologischen Geschlechts ab Anfang der 90er Jahre eine neue Position in der feministischen Debatte aufgemacht hat, die sicherlich umstritten war und ist, und der vieles vorgeworfen wurde, ausser ausgerechnet das: orthodox und fundamentalistisch zu sein. Der Vorschlag, Geschlecht vor allem als performance zu denken, hat neue Forschungsstrategien und Debatten hervorgebracht und ist fast 20 Jahre später aus postcolonial, gender, poplinken und anderen studies gar nicht mehr wegzudenken.
Notwendig sind solche Hinweise offensichtlich nur dann, wenn man sich in Kreisen bewegt, die denjenigen, die an althergebrachten Gewissheiten zu rütteln wagen, gerne das vorwerfen, was die eigene Denkweise kennzeichnet, nämlich orthodox und fundamentalistisch zu sein.

RE: Narziss minus Goldmund | 24.05.2009 | 04:38

> Jetzt hat Eminem ironische Distanz gelernt und verbindet seine Selbstbezogenheit mit Humor und Romantik

ist das zu glauben? der gott dr filmkritik, georg seeßlen, macht so einen fehler. hat er shady nie gesehen? als wäre nicht rionie über das umferld in dem er sich bewegt und selbstironie die atmisphäre in der emimen erst atmen kann.

RE: Wappnet euch doch bitte besser | 19.05.2009 | 15:47

das bringt gut auf den punkt, was ich am freitag nicht mag. mit grosser paternalistischer geste wird den netzaktivistInnen die sachliche kompetenz abgesprochen; bei näherem hinsehen stellt sich heraus, dass die kritik selbst nur aus schnell angelesenem halbwissen besteht. die erwähnte twitter-szene hat längst wikis gebaut, die zum argumentationstraining für die öffentliche anhörung im petitionsausschuss auf sehr viel informierterem niveau taugen. aber das kann und will man wohl nicht wahrnehmen, wenn man die szene von vornherein als oberflächlich abqualifiziert, weil man die eigenen kulturellen vorbehalte gegen das neue medium twitter bestätigt sehen möchte.
da frage ich mich, ob der freitag den neuen web-auftritt mit sehr gutem web2.0-ausbau (incl. twitter!) nur aus rein taktischen gründen gestartet hat.