Die Opposition des Iran: Opfer von Fake News

Freie Presse? BBC und Spiegel – Wenn der Journalismus zum Sprachrohr der iranischen Mullahs wird
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut, für das Millionen Menschen in Europa im Kampf gegen Diktaturen aller Art ihr Leben gelassen haben. Ein ausgewogener Journalismus, der auf Fakten basiert und komplexe Sachverhalte von allen Seiten her neutral beleuchtet, ist eines der Kennzeichen eines freien Journalismus.

Im Iran herrscht Diktatur. Die dortigen Journalisten werden für kleinste kritische Publikationen verhaftet, mit Berufsverboten belegt und sogar zum Tode verurteilt. Daher schaut das iranische Volk besonders auf die freie Presse in Europa und was diese von der Diktatur im Iran hält.

Die Hauptopposition zum Mullahregime sind die Volksmojahedin Iran (MEK/PMOI), die sowohl im Iran als auch im Exil für einen demokratischen Iran werben. Maryam Rajavi, die Präsidentin des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI, die MEK ist Teil davon), hat in ihrem 10-Punkte-Plan für einen freien Iran nach der Mullahdiktatur auch die Presse- und Meinungsfreiheit mit aufgenommen.

Eingebetteter Medieninhalt

Der europäische Bürger ist in der Regel nicht besonders gut über all das informiert. Der Iran ist weit weg und die Verbrechen des klerikalen Regimes sind in einer Welt des Schutzes der Menschenwürde schwer vorstellbar.

Doch am meisten interessiert die Menschen, wie man nun diesem menschenverachtenden Regime in Teheran begegnen kann. Eine Option wäre ein Sturz durch das iranische Volk und seinen Widerstand in Form der Volksmojahedin Iran und dem Nationalen Widerstandsrat Iran, der ein eigenes Exilparlament besitzt, um im Fall der Revolution eine Übergangsregierung zu leiten, bis freie Wahlen im Iran die neue Regierung bilden.

Immer wieder tauchen aber Berichte und Artikel auf, welche die Mojahedin diffamieren und damit den Gedanken verbreiten, dass es keine Alternative zum Mullahregime gibt. Solche Artikel fanden sich zum Beispiel in DER SPIEGEL in Deutschland und nun auch im BBC wieder. Der BBC hat sogar in der Wiederholung seiner Sendung vom 7. November 2019 noch einmal die Schmähungen gegen MEK verstärkt.

Die Vorwürfe „Die Bewohner von Ashraf 3 haben keinen Zugang zum Internet“, „Die Bewohner haben keine Bewegungsfreiheit“, „Die Gruppe ist eine radikale marxistisch-islamische Gruppe“, „Es findet sexuelle Unterdrückung statt“ sowie der Terrorismusvorwurf treffen nicht zu und sind äußerst abscheulich. Das war das Oberste Gericht in Gorßbritannien (POAC), das die MEK von Terror-Vorwurf befreite und diesen Vorwurf als „pervers“ bezeichnete. Die genauen Informationen und Klarstellungen der MEK zum Fall BBC finden sich auf der Webseite des NWRI und sie belegen eindeutig, dass alle Aussagen des Berichtes nicht der Wahrheit entsprechen und klare „Fake News“ sind.

Vor allem die Stätte Ashraf 3 in Albanien, wohin Tausende Mitglieder der Mojahedin vor mordenden Söldnergruppen im Irak flohen, steht im Fokus dieser Artikel. Die Mojahedin mussten aus dem Irak aus dem unbewaffneten und friedlichen Ashraf 1 und 2 fliehen, weil sie von 2009 an trotz Anerkennung als UN Flüchtlinge mehrere Terroranschläge durch Söldnermilizen der Mullahs und Teilen irakischer Sicherheitskräfte mit über 100 Toten erleiden mussten..

Solche Berichte haben immer zwei Kernthemen:

  1. Es berichten sogenannte „Aussteiger“ der MEK über angebliche Greueltaten in der MEK
  2. Es werden weitere wilde Spekulationen über den Umgang der MEK Bewohner miteinander in Ashraf 3 aufgestellt.

Söldner und Botschaftsangehörige des iranischen Regimes wollten 2018 einen Anschlag auf das Neujahrsfest der MEK in Albanien verüben. Ein Laster mit Bomben wurde kurz vorher entdeckt. Zuvor waren Agenten des MOIS (Ministerium für Geheimdienste und Sicherheit im Iran) beim Fotografieren der Anlage verhaftet worden. Sie gaben sich als Journalisten aus. Nach den Ermittlungen wurden zwei leitende iranische Botschafter aus Albanien ausgewiesen und ein breites Netz an Agenten in Albanien ausgehoben, das bis in die Türkei hinein reichte. All das ist von albanischen Sicherheitsbehörden offiziell bestätigt worden.

Doch anstatt sich der BBC auf diesen ungeheuerlichen Vorfall sowie auf andere Vorfälle in 2018 gegen die iranische Opposition stürzt, wird wieder einmal die alte Leier über eine Oppositionsgruppe herunter gebetet, die schon mehrfach als „Fake News“ sowie als vom MOIS gesteuert entlarvt wurde.

Dieser Bericht ähnelt stark dem Bericht des SPIEGELS vom 16. Februar 2019. Der NWRI klagte damals auf Unterlassung dieses Berichtes und gewann. Die Aussagen des Artikels dürfen nun unter Androhung von Strafzahlungen und gar Haftstrafen nicht mehr verbreitet werden.

Eingebetteter Medieninhalt

Das klerikale Regime in Teheran hat folgende Probleme. Es hat sich mit einem immer mehr rebellierendem Volk, internationaler Isolation, Sanktionen und einer Wirtschaft am Boden auseinander zu setzen. Die MEK ist seit den Protesten Ende 2017 mit ihren Widerstandseinheiten stets präsent und sie organisiert vermehrt verschiedene Protestaktionen. Das haben sogar mehrere Vertreter des Regimes bestätigt.

Die klerikale Diktatur im Iran weiß auf all dies keine andere Antwort mehr, als die Opposition über Terroranschläge und Desinformationskampagnen zu behindern. Die Mullahs haben immer noch viel Geld in der Hand und leider ist Journalismus nun auch einmal käuflich geworden. Dass er jedoch so käuflich ist, dass er große Sender und Zeitungen dazu bringen kann, ihre journalistische Sorgfaltspflicht bei einem solch sensiblen Thema derart zu mißachten, macht jedem Demokraten in Europa Angst.

Die Volksmojahedin Iran haben für ihren friedlichen Widerstand einen harten Preis gezahlt. 120.000 Anhänger wurden von den Mullahs und der Geheimpolizei des Schah ermordet. 1988 starben bei einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit 30.000 Anhänger innerhalb weniger Monate durch außergerichtliche „Todeskomitees“. Es war auch ein Preis für die Pressefreiheit im Iran. Dass die „freie Presse“ nun mit offensichtlichen und klar belegbaren „Fake News“ diesen Menschen ins Gesicht schlägt und ihren Mördern damit einen Dienst erweist, ist einfach nur unerträglich.

Es ist an der Zeit, dass der Journalismus wieder zu dem zurück kehrt, was er einst sein sollte. Und wenn dies der Fall ist, dann werden auch die Leser und Zuhörer des BBC und des SPIEGEL wieder schnell erkennen, wer das wahre Opfer und wer der wahre Täter im Iran ist und dass es sehr wohl eine Alternative zu den islamistischen Fundamentalisten im Iran gibt.

17:18 16.11.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Javad Dabiran

NWRI-Deutschlandsprecher - Iran- und Nahost-Experte.
Schreiber 0 Leser 10
Javad Dabiran

Kommentare