Iran: Korruption und Bürgerproteste

Korrupter "Gottesstaat" Die Regierung von Hassan Rohani ist verwickelt - Tausende Iraner demonstrieren gegen massive Korruption im Iran – 120.000 Iraner verlieren ihre Ersparnisse
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Wer denkt, korrupte und skrupellose Hegdefonds und private Anlegerfirmen würden nur in Deutschland, Europa und den USA Anleger mit dubiosen Methoden Menschen um ihre Ersparnisse bringen, der täuscht sich. Auch im fernen Iran sind jetzt mehrere Tausend Menschen in Maschhad und anderen Städten des Iran auf die Straße gegangen, weil ein vom Staat unterstützter privater Kapitalanleger Hunderttausende Bürger um ihre Einlagen, Renten und Pensionen betrogen hat.
Die Fondgesellschaft Padideh Shandiz investierte seit 2009 in verschiedene Bauprojekte, Restaurants und in Tourismusprojekte. Sogar der Fußballverein Mes Sarcheshmeh wurde von der Gruppe aufgekauft und in Padideh Khorasan Football Club umbenannt, der in die Iranische Profiliga aufstieg.
Der Preis der Anlage stieg in wenigen Jahren von 2000 Rial auf 10.000 Rial und viele Iraner legten dort ihre gesamten Ersparnisse an. Es gab bereits im Januar 2015 Untersuchungen wegen Betruges, aber diese wurden eingestellt, doch nun ermittelt die Staatsanwaltschaft erneut, schloß mehrere Büros des Unternehmens. Es wird unter anderem wegen Investitionen in nicht vorhandene Bauprojekte ermittelt.
Das Problem an dem massiven Betrug der 2009 von dem Privatmann Mohsen Pahlevan Moghada gegründeten Anlagefirma (es soll sich um einen Schaden in Höhe von 34.3 Millionen Dollar handeln) ist seine intensive Verbindung zu den Regierungen von Mahmoud Ahmadinejad und Hassan Rohani. 120.000 Iraner hatten Anteile an dem Unternehmen und sie geben nun auch dem iranischen Regime die Schuld an der Misere.
Und diese Bedenken sind nicht von der Hand zu weisen. Pahlevan ist ein Mitglied der islamischen Revolutionsgarden, welche zusammen mit den Stiftungen des religiösen Führers Ali Khamenei mehr als die Hälfte der iranischen Wirtschaft kontrollieren und die unter anderem alle iranischen Flughäfen und die Ölfelder besitzen. Pahlevans Unternehmen besaß zum Beispiel die Hälfte aller Werbeflächen in iranischen Flughäfen und besaß an den staatlichen TV Sendern einen Anteil von 5.1 %.
In den iranischen staatlichen Medien wurde intensiv für die Anlagen von Pahlevan geworben und so ließen sich viele Iraner verleiten und investierten teils ihre gesamten Reserven in das Unternehmen, um später im Alter eine ordentliche Rente zu haben oder um Verdienstausfälle zu kompensieren, denn der Arbeitsmarkt im Iran ist katastrophal. Es herrscht nicht nur eine hohe Arbeitslosigkeit, sondern viele Menschen warten oft monatelang auf ihre Löhne, unter anderem in der Automobilindustrie.
Doch der Fall Pahlevan ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein der Korruption im iranischen Regime, jedoch könnte er ein Tropfen werden, der das Faß zum Überlaufen bringt, denn das Regime verschleudert seit vielen Jahren den Wohlstand des Volkes durch seinen Export von Terrorismus und Fundamentalismus, sein dubioses Atomprogramm und die massive Unterdrückung des Volkes durch Revolutionsgarden, Bassidsch Einheiten, Geheimdienste und der Überwachung des Internets und von Satellitenprogrammen. Diese allgegenwärtige Korruption hat mit dem Fall Pahlevan unter der Regierung Rohani noch einmal diese Korruption direkt an das Volk heran getragen und sie somit noch einmal direkt bewußt gemacht.
Auffällig ist daher bei den Protesten, dass es oft um Kritik gegen das gesamte Regime geht und nicht mehr um den konkreten Fall des Betruges einer Fondgesellschaft. Die Demonstranten rufen vermehrt zu dem Boykott der bevorstehenden Parlamentswahlen auf und die Bewegung nimmt zu, denn auch aus den Städten Esfahan, Shiraz, Kerman, Yazd, Rasht und Karaj werden größere Proteste gemeldet und es gab bereits massive Zusammenstöße mit iranischen Sicherheitskräften.
08:05 08.01.2016
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Geschrieben von

Javad Dabiran

NWRI-Deutschlandsprecher - Iran- und Nahost-Experte.
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