Günter Grass - wann hat der Irrsinn ein Ende?

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Wenn die Not am größten, ist die Hilfe am Nächsten“; im „Empörungswettbewerb“ scheint mit den gestrigen Verlautbarungen des israelischen Innenministers der Kamm der Welle erreicht zu sein. Mittlerweile scheinen mehr und mehr Menschen der Polarisierung überdrüssig.

Immer noch wird beiderseits der Barrikade mit hohen Verlusten an intellektueller und menschlicher Substanz beziehungsweise an Glaubwürdigkeit gekämpft. „Pro Grass“ war bislang das Dümmste, was ich bislang gelesen habe, die Presseverlautbarung des Verbandes Deutscher Schriftsteller: „Mit Goethe für Grass“, oh, mei ... (Nur für den, der's nicht kennt: das war in den linken Richtungskämpfen der siebziger Jahre ein beliebter Anfang: „Mit Mao Zedong nehme ich die Position ein: das ist gut und nicht schlecht!“; manche machen das noch heute so.) „Contra Grass“ - kann man sich aussuchen, alles im Angebot. Besonders beliebt – natürlich – Antisemitismus, SS und das längst schon richtiggestellte angebliche Ahmadinedjad-Zitat und ein Rückgriff auf die mittelalterlichen Ritualmordbeschuldigungen, die Grass angeblich wiederholt habe.

Die schwersten Verluste erlitt Israels Innenminister Eli Jishai. Eli – wer?

Eli Jishai ist Innenminister Israels und Vorsitzender der Schas-Partei, die - nach meinem Eindruck - bei israelischen Kabinettsbildungen eine Rolle spielt, wie hier die FDP: trotz maximal knapp zweistelliger Prozentzahlen als Koalititionspartner die jeweilige Koalition am Nasenring durch die politische Arena zu führen und somit die ihnen wichtigen Forderungen durchzudrücken.

Spirituelles Oberhaupt ist der ehemalige sephardische oberste Rabbiner, Ovadia Joseph. Ovadia Joseph fuhr 2000 einen Vergleich mit Jörg Haider ein, als er kundtat, die sechs Millionen jüdischen Opfer der Shoa seien für ihre Sünden in früheren Leben (sic!) bestraft worden. Desweiteren betet er schon mal die Pest auf die Feinde Israels herunter, oder konstatiert, dass der Lebenszweck der Nicht-Juden sei, den Juden zu dienen.

Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd und der Schüler nicht weit vom Meister, und so erregte Minister Jishai mit seinen Äusserungen das gleiche Aufsehen: Homosexuelle und Lesben seien „krank“, Palästinenser müssten „ausradiert“ werden und Ausländer generell eine Gefahr. Darüberhinaus schleppten sie Drogen und Seuchen wie Aids ins Land. Fairerweise muss man allerdings anmerken, dass der Mann in Israel selber seit langem schwer in der Kritik ist und öffentlich Nazi und Rassist genannt werden darf. Mit der Bewältigung von Alltagsaufgaben scheint er es nicht so zu haben: die schwere Waldbrandkatastrophe 2010 wurde ihm als persönliches Versagen vorgeworfen.

Gestern verkündete Minister Jishai zunächst ein Einreiseverbot für Grass, und warf später die Aberkennung des Nobelpreises in die Debatte.

Dem Irrsinn den Rücken drehen

Mittlerweile scheint der Wunsch groß zu sein, diesem Irrsinn den Rücken zu kehren und mittlerweile gibt es auch ein Bild, das, weil es diesen Irrsinn auf den Punkt bringt, jetzt – erstmal im Internet große Zustimmung findet: eine vom iranischen Cartoonisten Mana Neyestani gezeichnete Karikatur, die sich, viral, wie die Huffington-Post meint, seit dem 23. März weit verbreitet hat. Sie zeigt zwei Redner – einen Iraner und einen Israeli – sich am Rednerpult beharken. Beide Redner ähneln sich wie ein Ei dem anderen. An ihnen vorbei überreichen sich die Menschen der betroffenen Völker Rosen. Das Bild wurde bei Facebook bereits mehrere tausende Male geliked und geteilt.

Es ist hohe Zeit, die dahinterstehende Idee weiter zu linken und zu teilen und mit den Polarisierungen aufzuhören!

Wenn die Völker vorangehen, müssen die Regierenden folgen." (Dwight D. Eisenhower)

15:29 09.04.2012
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Geschrieben von

DagmarSchatz

Das ultimative Auskunftsblog über Gewichtsprobleme, Islamismus und die Welt im Allgemeinen.
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