Koranverbrennung in Deutschland?

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Die Autoren der „Achse des Guten“, Dirk Maxeiner und Michael Miersch sinnierten in der WELT-online über den Heizwert von Koran-Exemplaren. Musste man anscheinend doch nicht „sagen dürfen“ – oder ist die Zeit noch nicht reif, öffentlichzum Koran-Verbrennen aufzurufen? Jedenfalls wude der Artikel zurückgezogen und hinter dem ursprünglichen Link steckt jetzt ein etwas entschärfter Artikel.

Was ist denn los? In Deutschland werden Korane verteilt, nein, genauer eigentlich „die ungefähre Bedeutung …“, also eine Übersetzung des Koran ins Deutsche. (Hat man eine Übersetzung, die sich „…die ungefähre Bedeutung“ nennt, stammt die von einem Muslim. Muslime nennen ihre Übersetzung niemals „Der Koran“. Verteilt wird die Übersetzung eines Kölner Verlags, die in der arabisch-islamischen Welt einen guten Ruf zu haben scheint. Auch die 1970 in Tripolis gegründete (Reuters spricht in einem Hintergrundbericht von „Schattennetzwerk geheimer Gaddafi-Missionare“) „World Islamic Call Society“ verteilt von dieser Übersetzung zwei Ausgaben mit jeweils 24 bzw. 25 Ausgaben.

Übersetzung und dazugehörige Auslegungen sind aus meiner Sicht weder ästhetisch, noch – in wesentlichen Teilen, meistens den strittigen Versen und Begriffen – mit meiner eigenen Auffassung von Islam identisch, aber darum geht es hier nicht. Aus meine Sicht geht es darum, ein Schlagwort zu implementieren, zu polarisieren und Fronten aufzubauen. Der Begriff „Salafist“ – den die „Salafisten“ selber niemals benutzen würden –ist mittlerweile zum Kampfbegriff verkommen und negativ konnotiert.Nach meiner Wahrnehmung hat er mittlerweile den Begriff „Islamist“ abgelöst. Ich werde das an anderer Stelle noch mal erörtern, es würde jetzt den Rahmen sprengen.

Polarisieren

Maxeiner und Miersch schreiben im letzten Absatz ihres Artikels: „Denn wer weiss, was die Beschenkten mit dem Koran so alles machen. Endet er als Bierdeckel? Dient er zum Fischeinwickeln? Oder gar als Heizmaterial für den Kaminofen? Auch das ist nach deutschem Recht nicht verboten. Und darum geht es.“

Echt jetzt? Schauen wir uns doch mal die Reaktion auf die Verbrennung eines anderen heiligen und die Kunstaktion über ein sehr unheiliges Buch an:

Als 2007 der – empfehlenswerte – Film der Dokumentation von Tilman Jens, „Hardliner des Herrn“ mit einer Sequenz eingeleitet wurde, in der eine Bibel verbrannt wurde, war die Aufregung groß. Die WELT für Arme, vulgo: BILD titelte alarmistisch: ARD verbrennt Bibeln, ein Artikel, der, nachdem eine Reihe von Leuten ihren Senf dazu gegeben hatten, mit einem Zitat von Wolfgang Bosbach schloss: „Was wäre wohl in Deutschland los, wenn die ARD einen brennenden Koran gezeigt hätte?“ Ja, was wäre los? Ausprobiert wurde das bislang, wie wir wissen, nur in Afghanistan, und, ja, da war echt was los. Aber seien Sie beruhigt: Deutschland ist nicht Afghanistan.

Eine vorgesehene Kunstaktion mit 60.000 Ausgaben von Thilo Sarrazins Top-Seller, Deutschland schafft sich ab, ließ die WELT gleich mit dem Titel „Verhasst, weil er Sarrazins Bücher vernichten will“ angemessen würdigen. Mit dem Künstler, Martin Zet wurde ein Interview geführt, und der Plan, der am 27. April auf der Biennale in die Tat umgesetzt werden soll, im Anreisser mittels Verlinkung gleich in die Nähe von – so jedenfalls empfundenen – Geschmacklosigkeiten mit Gaskammern. Die Aktion, so die WELT, löse eine Debatte aus.

Zur fast schon reflexartigen Verteidigung von Sarrazin tut man es nicht unter Nazi-Bücherverbrennung, und durch Mit-Hereinnahme von Julius Schoeps, dem Direktor des Moses-Mendelssohn-Zentrums in Potsdam, rückt man die Aktion fast schon in die Nähe von Antisemitismus. Aber im Artikel fand ich – natürlich pro-Sarrazin – ein sehr schönes Zitat: „Auch der Historiker und Mitarbeiter des Zentrums, Werner Treß, der in mehreren Veröffentlichungen die nationalsozialistischen Bücherverbrennungen vom 10. Mai 1933 erforscht hat, zeigte sich schockiert: Jedes Buch sei unabhängig von seinem Inhalt ein kultureller Wert an sich und dürfe nicht öffentlich zerstört werden. ‚So kommt es, dass ich ein Buch, dessen Inhalt ich zutiefst ablehne, doch in Schutz nehmen muss‘, sagte Treß“.

Meinungs- und Kunstfreiheit

Wir verstehen: wie das Verbrennen von Koranexemplaren, Verbrennen von Bibeln und das Recyclen von Sarrazin-Büchern – hier ist ja nicht mal geplant, sie zu verbrennen – gesetzlich nicht verboten, beides wird jedoch, im Gegensatz zu Ersterem, als eher unfein empfunden. Ich darf hier auch an die verteidigenden Reaktionen auf die Muhammad-Karikaturen und die Umtriebe von Geert Wilders erinnern.

Ach, ja, Geert Wilders hat die Sache bereits aufgegriffen, es sind allerdings nur die beiden letzten Fragen wirklich interessant: „Teilen Sie unsere Auffassung, daß die Verbreitung von Millionen Haßbüchern (Koranen) durch salafistische Organisationen eine Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellt? Wenn nicht, warum nicht? Auf welche Weise würden Sie das in den Niederlanden verhindern?“

Klärung durch den Presserat

WELT-online hat schon mal einen „Hinweis“ durch den Presserat kassiert. Damals, Anfang 2010, ging es um einen Artikel, in dem Islamophoben-Vordenker Daniel Pipes zum Angriffskrieg gegen den Iran aufrief, vorgeblich, damit Präsident Obama seine schlechten Umfragewerte verbessern könne, und den selbst die kommentierende Fankurve nicht goutierte. Die Bloggerin Friederike Beck hat sich damals an den Presserat gewandt und war erfolgreich. Jetzt habe ich es ihr gleichgetan und mich ebenfalls an den Presserat gewandt, wegen Verstoßes gegen Ziffer 10 des Pressekodex: „Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.“

Schaun‘ mer mal…

18:03 15.04.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

DagmarSchatz

Das ultimative Auskunftsblog über Gewichtsprobleme, Islamismus und die Welt im Allgemeinen.
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