RE: Soll man dürfen, was man kann? | 21.04.2015 | 15:08

Danke für den Dachschaden. Eigentlich wollte ich nur ein bißchen advocata diaboli spielen. Die Aggression, die eine Parteinahme für die Frau auslöst, deutet aber daraufhin, daß hier grundlegende Tabus angerührt werden, was als eine ungeheure Provokation empfunden werden muß. Siehe auch den Kommentar von Herrn Spottiswoode weiter oben, der von drei ganz außerordentlichen Grenzüberschreitungen spricht. Wieso die Geschichte als so empörend empfunden und die Protagonistin in der Diskussion zum absoluten Monster aufgeblasen wird, ist daher eine Frage, die eine tiefergehende Analyse verdient.

RE: Soll man dürfen, was man kann? | 19.04.2015 | 22:00

"Wäre sie ein Mann, würde dieses authentische Verhalten niemanden Kümmern." Sic!

RE: Soll man dürfen, was man kann? | 19.04.2015 | 21:55

Die Reproduktionsmedizin ist ohnehin soweit fortgeschritten, daß sich das Rad der Geschichte hier nicht mehr zurückdrehen läßt. Das wird der Fall Annegret R. auch nicht ändern. Problematisch finde ich aber in der Tat, dass durch den Kauf von Eizellen von Frauen in ärmeren Ländern deren Ausbeutung Tür und Tor geöffnet wird. Daher finde ich die Idee der Medizinethikerin Claudia Wiesemann gut, die für eine mögliche altruistische Eizellspende von Frauen, denen im Rahmen einer künstlichen Befruchtung ohnehin Eizellen entnommen werden müssen, plädiert.

RE: Soll man dürfen, was man kann? | 19.04.2015 | 21:42

Ich habe nur auf Ihre Charakterisierung von Frau R. als "narzißstische 65 jährige mit egomanen Machtgelüsten" reagiert.

Wo ich utilitaristischen Werthaltungen das Wort gesprochen haben soll, erschließt sich mir aber nicht. Es ging mir vor allem um das zweierlei Maß, mit dem in dieser Frage zwischen Männern und Frauen gemessen wird und um die Tatsache, welche Bedeutung die Kontroll- und Definitionsmacht über die biologische Reproduktion für die Aufrechterhaltung patriarchaler Hegemonien hat.

RE: Soll man dürfen, was man kann? | 19.04.2015 | 13:20

Ich will Frau R. hier nicht zur Heiligen stilisieren. Daß sie selbst das Licht der Öffentlichkeit gesucht hat, spricht zumindest für ein erhöhtes Bedürfnis nach öffentlicher Aufmerksamkeit. Doch auch wenn sie damit den Diskurs selbst eröffnet hat, ist sie für die Inhalte und den Verlauf des Diskurses nicht verantwortlich.

RE: Soll man dürfen, was man kann? | 19.04.2015 | 13:02

Die Frau hat sich noch einmal zu einer künstliche Befruchtung entschlossen, weil ihre inzwischen 9 jährige jüngste Tochter ein jüngeres Geschwister wollte.

Der Wunsch, Kinder zu bekommen, hat übrigesn bei den meisten Menschen etwas mit narzisstischer Befriedigung zu tun (nicht unbedingt zum Nachteil für das Kind).

RE: Soll man dürfen, was man kann? | 19.04.2015 | 12:02

Schon seit Jahrtausenden von Jahren versucht die Menschheit die "natürlichen Beschränkungen" des Körpers zu überwinden. Das hat ihr unter anderem Mobilität, eine höhere Lebenserwartung, technischen Fortschritt und Kontrazeptiva eingebracht. Viele "natürliche Beschränkungen" sind allerdings nicht natürlich, sondern kulturell überformt. Das gilt for allem für diejenigen, die Frauen zugeschrieben werden. Vor nicht allzulanger Zeit galt z. B. auch in unsren Breitengraden eine Berufstätigkeit der Frau nicht mit ihren körperlichen Konstitution vereinbar. Unter Fundamentalisten verschiedener religiöser Couleur sind noch heute alle selbstbestimmten Handlungen von Frauen wider die Natur". Besonders das weibliche Reproduktionsverhalten unterlag schon immer schärfster patriarchaler Kontrolle. Ob es um außerehelichen Geschlechtsverkehr oder Abtreibungen geht, nicht selten bezahlten und bezahlen Frauen hier eigene Entscheidungen mit dem Tod. Die moderne Form der Kontrolle weiblicher Reproduktion vollzieht sich - und hierfür ist der Fall Annegret R. exemplarisch- durch Sanktionierung im Diskurs. „Wie muss man mit 65 sein? Man muss ja offensichtlich immer irgendwelchen Klischees entsprechen. " hat die Lehrerin, die offensichtlich bisher ein sehr unkonventionelles Leben gelebt hat, neulich im Interview gefragt. Daß sie solche Stereotype für Frauen durch ihr Verhalten in Frage stellt und verschiebt, finde ich gut.

RE: Soll man dürfen, was man kann? | 18.04.2015 | 13:43

@ Magda: "Ich glaube nicht, daß sowas mit "Feminismus" zu tun hat", ist eine persönliche Einschätzung, aber keine Argument. Und um solche sollte es doch in einer Debatte gehen. Und so sehr ich Ulrike Baureithels Beiträge schätze, kann man in dieser Frage durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Auch unter denjenigen, die "feministisch orientiert" sind, was ich mir von Ihnen im übrigen nicht absprechen lasse.

RE: Soll man dürfen, was man kann? | 18.04.2015 | 10:55

@Kami. Sie haben völlig recht, es geht nicht nur um das Selbstbestimmungsrecht der Frau, sondern auch um die Situation der Kinder. Woher wissen wir aber, daß es diesen Kindern in jedem Fall schlechter als anderen Kindern geht? Wie ich schon gestern geschrieben habe: Die meisten Fälle von Kindesmißhandlung und Vernachlässigung tauchen in Familien mit jungen bis sehr jungen Eltern auf. Die Kinder der Spätgebärenden wären dagegen in einer ganzen Gruppe von Geschwistern unterschiedlichen Alters aller Wahrscheinlichkeit nach sowohl physisch wie psychisch gut versorgt.