Die am meisten verfolgte Minderheit der Welt

Rohingya Völkermord zu Wasser und zu Lande in Südasien
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Die am meisten verfolgte Minderheit der Welt
Auf Holzbooten wie diesen werden teilweise über 500 Rohingya-Flüchtlinge zugleich transportiert

Bild: Ulet Ifansasti/Getty Images

Im Süden Thailands wurden in der vergangenen Woche Gräber mit den Überresten von auf Gummiplantagen zu Tode geschundenen Rohingya-Zwangsarbeitern gefunden, der Anlaß zu Polizei-Razzien gegen ein seit Jahren bekanntes und geduldetes Netzwerk aus Kidnappern, Erpressern, Menschenhändlern, Sklavenhaltern. Vermutlich floß das Schmiergeld an die Staatsgewalt nicht in der gewohnten Höhe.

°"We have testimony that places Thai officials in trafficking camps negotiating with traffickers while hundreds of people are held captive. Torture, killings, deprivations, and other abuses have all occurred with impunity. We’ve documented how Thai authorities have ‘rescued’ Rohingya asylum seekers and then sold or handed them to trafficking syndicates, who in turn tortured them.” ...

"Every single thing is under the control of the authorities,” he said. “The boat drivers, the brokers … always have to negotiate with authorities. Without bribing the security forces [military or police], it is not easy to leave. But people are handed over again to the traffickers in Thailand or [near the] Malaysia border. From there, they will be released by paying around 30 lakhs kyats [about £2,000]. People who cant afford to pay are sold out or killed.°

Die Konsequenz der Razzien in Thailand sind etwa 8000 Rohingya, die in der Straße von Malakka auf wenig seetüchtigen Booten bei knappem Wasser und Nahrung gefangen gehalten werden. Weil im Moment niemand in Thailand, Indonesien, Malaysia mit Sklavenhandel und -haltung in Zusammenhang gebracht werden will.

°"Boats seem to have stopped coming - but some are en route and some are waiting to off-load. Where they used to process people on land, for final payments, they are now doing this off-shore - so more people are being held off-shore. Now things have become so hot, there's nowhere for them to go"°

Vom indonesischen Militär wurden heute nacht vier Boote mit etwa 600 meist burmesischen Rohingya aufs Meer zurück geschleppt. Weil sie woandershin gewollt hätten, so ein Militärsprecher.

Die Rohingya sind eine Ethnie, die hauptsächlich in Myanmar, aber auch in Bangladesch, Thailand, Malaysia seit dem 15. Jhdt lebt, mutmaßlich sind sie niedergelassene Nachfahren arabischer Händler. Von den britischen Kolonialherren wurden ab Anfang des 19.Jhdts vermehrt Rohingya aus Bangladesch zur Ansiedlung in Rakhine und Kachin genötigt, um dort für die Briten auf Plantagen zu arbeiten. Ein weiterer Hintergrund burmesischer Ressentiments gegen Muslime entspringt dem Umstand, daß muslimische Inder im Auftrag und Schlepptau der Briten Handel und Bankwesen in Burma dominierten. Die Rohingya sind ebenfalls Muslime, haben eine eigene Sprache und Kultur, eine relativ dunkle Haut und werden in Myanmar seit den 1930er Jahren verfolgt, HRW und UN stuften sie schon vor x Jahren als die am meisten verfolgte Minderheit der Welt ein.

In einigen Medien thematisiert wurde ihre Verfolgung in den 1990er Jahren, als eine Volkszählung die runde Million Rohingya aus Myanmar ausbürgerte und zu Bengalis erklärte, sie wurden damit staaten- und vollkommen rechtlos. Seit dem Ende der Militärdiktatur wird ihre Verfolgung zusätzlich befeuert durch den selbsternannten 'Burmese Bin Laden', den buddhistischen Mönch Ashin Wirathu, dem Führer der muslimhassenden 969-Kampagne einer 'rassischen und religiösen Reinheit' und Initiator diverser Pogrome mit Hunderten von Toten und Vertreibungen von Hundertausenden Rohingya.

Aung San Suu Kyi, die Ikone der Gewaltlosigkeit, lächelt, winkt und schweigt, wenn sie nicht die Aktionen des Militärs ausdrücklich lobt, das den buddhistischen Mob ganz gern tagelang unbehelligt wüten läßt.

Und die Moral von der Geschicht?

Man achte bei Flucht und Menschenhandel unbedingt auf hinreichenden oder regelmäßigen Schmiergeldfluß. Weil Staaten nicht an ihren Bürgern und die Welt nicht an Staatenlosen interessiert ist.

Anschließender Blog, gleiches Thema: Schwimmende Särge

Ethnische Säuberung in Rakhine 2012

Human Rights Watch All you can do is pray Satellitenaufnahmen der Zerstörung von Rohingya-Häusern, beispielhaft Kyaukpyu

Al Jazeera The Hidden Genocide

Asean und der Rest der Welt

Guardian How to solve the Asian migrant boats crisis – expert views

The Malaysian Insider (Charles Santiago) Refugee crisis is Asean’s great moral paralysis

Deutsche Welle Opinion: A foreseeable crisis

Philippine Daily Inquirer Wandering Nations

The Malaysian Insider Asean’s Rohingya left to die – Charles Santiago

17:29 12.05.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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