Die Affäre Guttenberg

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Die Affäre Guttenberg ist eigentlich ein Skandal der beteiligten Gutachter!

Natürlich verführt jede Promotion dazu, mehr Kompetenz vorzutäuschen als man eigentlich besitzt. Deshalb listet man im Anhang 500 Titel auf, obwohl man vielleicht nur achtzig Bücher gewissenhaft durchgearbeitet hat. Je nach Sympathie der Gutachter kommt man leicht oder weniger leicht durch das Promotionsverfahren.

Dass der Freiherr zu Guttenberg wahrscheinlich nie ein großer Bücherwurm gewesen ist, finde ich nicht tragisch. Dass er sich mit einem Doktortitel schmücken und sich dabei kein Bein ausreißen wollte, kann ich auch noch verstehen. Er ist ein fränkischer Lausbub und das trägt zu seinem Charme bei

Viel kritischer sind die Gutachter zu beurteilen, die diese offensichtlich hingeschluderte Arbeit mit dem höchsten Prädikat "summa cum laude" (0) ausgezeichnet haben. An deren Fachkompetenz muss man viel mehr zweifeln als an der intellektuellen Redlichkeit des Freiherrn. Er wurde, ähnlich wie Joschka Fischer, aufgrund seiner Ausstrahlung sehr schnell beliebt und hat sich auf der politischen Bühne bisher nicht schlecht behauptet.

Freilich sind die Politik und die Medienwelt immer gnadenloser geworden und deshalb wird es für ihn wahrscheinlich kein politisches Überleben geben.

Ich finde das schade. Damit ist die CSU wieder um ein Talent ärmer und Horst Seehofer ist einen gefährlichen Rivalen losgeworden.

Was aber hat die Gutachter veranlasst, auf jede gewissenhafte Prüfung der Arbeit zu verzichten und den Freiherrn mit dieser außergewöhnlichen Note noch zusätzlich zu adeln?

Da scheint mir der eigentliche Skandal zu liegen.

16:07 18.02.2011
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Geschrieben von

Daniel Schneider

Dr. Daniel Schneider ( Jahrgang 1944 ), konservativer Anarchist, Studium der Pädagogik, Soziologie und Psychologie.
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Daniel Schneider

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