Lieber Impfpflicht als 2G+

Schweiz Trotz Impfung wütet die Corona-Pandemie weiterhin. Massnahmen sind gefordert, doch nun droht man, das Wohlwollen der Geimpften zu verlieren, statt dass man die freiwillig Ungeimpften in die Mangel nimmt
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Weihnachtsmarkt in Bern
Weihnachtsmarkt in Bern

Foto: Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Auf Twitter oder auf Diskussionsplattformen existieren gefühlt nur zwei Meinungen: Diejenigen der Corona-Leugner und diejenigen, welche am liebsten das ganze Jahr in den Lockdown gehen möchten. Wo bleiben da die Meinungen dazwischen? Fakt ist, die werden von beiden Seiten niedergeschrieen. Bei den Corona-Leugnern und Impfgegnern gilt man als Impfling oder Coronajünger, bei den Lockdown-Befürwortern wird die eigene Intelligenz in Frage gestellt, wenn man den Sinn dieser Schliessungen und die Testungen von Geimpften hinterfragt. Mit beiden Parteien ist das Führen von konstruktiven Diskussionen unmöglich. Fühlt denn sich kein Geimpfter – vor allem diejenigen, welche bereits den Booser erhalten haben, verschaukelt, wenn er für den Einlass in ein Restaurant oder ein Fitness-Center einen negativen Test vorweisen muss? Oder getrauen sie sich nicht mehr, sich zu äussern, aus Angst, niedergebrüllt zu werden?

Sinnvolle Vorschläge, wie man die Pandemie nachhaltig eindämmen kann, ohne das Sozialleben des Menschen zu zerstören, sind übrigens auf beiden Seiten Mangelware. Aber Rumschreien ist halt einfacher.

In der Schweiz wird über 2G+ debattiert, aber eine Impfpflicht ginge zu weit.

Am Beispiel der Schweiz zeigt sich, inwiefern die Politik einen gefährlichen Weg einschlagen kann: Der Bundesrat legt den Kantonen diverse Massnahmenvarianten zur Vernehmlassung vor, die mildesten besagen, dass Restaurants und Sporteinrichtungen 2G+ – das heisst, auch Genesene und Geimpfte müssen einen negativen Test vorlegen – einführen können, um auf die Maskenpflicht in Innenräumen zu verzichten. Wer absolviert schon vor jedem Sporttreiben einen Coronatest? Niemand? Da kann man beispielsweise Fitness-Center gleich schliessen. Notabene steht das effizienteste Instrument zur Senkung eines Infektionsrisikos nicht mal zur Debatte: Die Homeofficepflicht.

Sprich, jene Menschen, welche mit einer Impfung ihren Teil zur Bekämpfung der Pandemie beigetragen haben, werden nun verschaukelt, in dem man ihnen einen Test auferlegt, aber die Einführung einer Impfpflicht gehe dann wieder zu weit, auch wenn es in Deutschland oder Österreich offenbar problemlos möglich ist. Die Rechte von Ungeimpften will man also in keinster Weise einschränken, aber diejenigen von Geimpften schon? So wird es nahezu unmöglich, die viel zu tiefe Impfquote in der Schweiz steigern zu können. Und genau in Anbetracht von Mutationen wie Omikron ist eine lückenlose Impfquote vonnöten, um medizinische Einrichtungen zu entlasten.

Lösung: Wenn ein Booster ebenfalls als '+' zählt

Rheinland-Pfalz macht es vor: Wer den Booster erhalten hat, hat einen höheren Antikörperspiegel als diejenigen, deren zweite und bislang letzte Impfung bereits Monate zurückliegen, und ist somit von der Testpflicht bei 2G+ befreit. Aber bei Twitter wird diese Massnahme kritisiert und solche, die sie verteidigen, ausgelacht... Fakt ist, die Leute haben die Schnauze voll von Lockdowns, also müssen andere Varianten her. Aber diese sind dann auch wieder nicht recht... Wenn eine Boosterimpfung einen testlosen Zugang zu 2G+-Einrichtungen ermöglicht, ist das weniger ein Gesundheitsrisiko als ein Anreiz, sich eine dritte Impfung verpassen zu lassen. Ein notwendiger Test ist dies hingegen nicht.

Zudem sendet 2G+ ein falsches Signal aus: Es suggeriert, dass Geimpfte hochgradige Virenschleudern seien und die Impfungen nichts nützen würden. Dieses Argument wird ja von Impfgegnern gebetsmühlenartig wiederholt - Geimpfte seien genauso ansteckend wie Ungeimpfte. Auch wenn dies nicht der Wahrheit entspricht. Abgesehen davon, wären alle geimpft, wäre das auch kein Problem, denn massgebend sind ja nicht Fallzahlen, sondern Hospitalisierungen und die Auslastung der Intensivstationen.

Virologen analysieren zur Zeit die Omikron-Mutation und teilen ihre Ergebnisse auf Twitter. Auch hier wird durch unglückliche Formulierung der Forschungsergebnisse suggeriert, dass die Impfungen nichts nützen würden, was dann wiederum Wasser auf die Mühlen der Impfgegner ist. Es macht fast den Anschein, als wünschen sich gewisse Leute einen ewigen Lockdown...

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Daniel Wachter

Daniel Wachter, geboren 1991, ist Lokomotivführer und abseits der Schienen Verfasser von selbst publizierten Romanen.
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