GegenMoral gegen Moral?!

Macht-gegen-Macht!? Mit GegenMoral gegen Moral und Moral gegen GegenMoral – mit Macht gegen die Macht – und mit Gewalt zur Freiheit - ist es das?
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Schnüffeln und Schnüffeln beschnüffeln

Gegen den Bewachungsstaat – ja. Aber wie dagegen? Gegen Datenschnüffelei – durch Hacken und schnüffeln? Mit (strukturell verübter) Gewalt gegen die (sturkturell verübte) Gewalt? Und Helden/innen hoch jubeln auf allen Seiten – Kriegshelden/innen und Sicherheitsfanatiker/innen dort und autoritäre Demokratiehelden/innen da und Märtyrer/innen da und dort. Ist es das? Ideologiefreiheit, die keine ist. In den Sofas der Ideologen/innen und Macher/innen sitzt es sich bequem – in dem einen wie in dem anderen Lager. Doch alles, alles müsste darum gehen Lager zu überwinden, Brücken zu bauen. Weder Überwachung noch Gegenüberwachung! Weder Terror noch Antiterror! In den Wohnzimmern und Kinderzimmern und Büros einer Wohlstandswelt, in der alles auf Klick zu haben ist – ebenso wie in den Büros der Freiheitskämpfer/innen und der Terrorplaner/innen als auch in den klimatisierten Räumen der Antiterrorideologen/innen, spricht es sich leicht in nicht nur paternalistischen, sondern bevormundenden Sätzen für die ganze Welt. Und die jungen Leute fern der Glitzerwelt laufen nach, laufen in den Helden/innenTod – in den Märtyrer/innenTod, Soldaten/innenTod für die Freiheit – nur für welche Freiheit - die der ZwangsDemokratisierung, die Gottes, die des Internets oder die der offenen Märkte?! Überwachung wie Gegenüberwachung - Terror wie Antiterror - und alle reden von Befreiung und notfalls mit Zwang!? Wo liegt der Unterschied?

Es ist wie ein Déjà-vu - Welt der Moral versus Welt der Gegenmoral - und beide haben ihre Galionsfiguren, die an den Schlachtschiffen prangen und zum Kampf aufrufen und große Worte wie Befreiung von sich tönen.

Gegenmacht gegen Macht

Klar, ein Assange, ein Manning, ein Snowden – sie trugen dazu bei Unrecht aufzudecken, verdienen unsere Unterstützung und unseren Rückhalt - und doch bleibt die Frage – ist es der einzig mögliche Weg gewesen, denn dieser Weg (mit Gegenmacht gegen die Macht) kostete auch Opfer, kostete auch Blut. Gäbe es auch andere Wege? Sie wurden selbst zu Verfolgten und es traf Menschen, die nicht den Schutz der Öffentlichkeit haben und ebenfalls zu Verfolgten wurden, über die keine/r spricht, die keinen Rückhalt haben – und durch diese Aktionen mit ans Messer geliefert wurde. Es sind maximal spektakuläre Taten, die für mediale Aufmerksamkeit sorgten, Auflagen erzeugten, Wirbel machten, polarisierten, Wut auslösten. Legitimiert Gewalt Gegengewalt? Gewalt hat viele Gesichter – Terror, Antiterror, strukturelle Gewalt usw. – meist kommt es zu einer Okkupation des Freiheitsbegriffs durch die Konfliktparteien, der Verrat an der Freiheit wird gerechtfertigt durch den Kampf für die Freiheit…

…uncool wie ein Gedicht…

…ein friedliches und sanftes Herz. Was ist das schon? Das ist Freiheit, die Freiheit achtet. Der Verzicht auf Gegengewalt. Das ist unspektakulär, bringt keine Auflagen. Es ist ein wirklich cooler Trip es mit Weltmächten aufzunehmen, ein/e Held/in zu werden und die Medien brauchen diese Helden/innen schreiben sie hoch – jede Presse ihre eigenen Helden/innen, ob dabei Wut und Hass geschürt wird und amend irgendwo anders Tote auf den Straßen liegen, Menschen schutzlos ausgeliefert werden – so what – die Titelstory passt?! Und jeder Form von Presse ihre Helden/innen! – Dort die Gefallenen im Kampf gegen Terror – da die Märtyrer/innen. Tag für Tag leisten Menschen Verständigungsarbeit, setzen sich für interkulturellen und interreligiösen Dialog ein, helfen Opfern von Kriegsgewalt, Opfern von Terror und Opfern von Antiterror, pflanzen kleine Pflänzchen des Friedens. Die Medienwelt verhält sich gegenüber all diesen Projekten ungefähr so wie Schnecken in Relation zu Funkien. Da weben Menschen in mühevoller Kleinarbeit hauch zarte Bänder der Verständigung, der Versöhnung. Und die Medien klotzen mit Beton, mit Überschriften – alles zu, alles dicht. Klar – was ist ein Lächeln von ehemals verfeindeten Jugendlichen wert – in einem naiven pazifistischen Verständigungsprojekt, was bedeutet Musik, was Tanz? Wenn man gegen Weltmächte kann, wenn es Tränenmeere gibt, wenn es Blutseen gibt, über die man effektvoll schreiben kann – was bedeuten dann ein paar pazifistische Taten von naiven Spinner/innen in Flüchtlingslagern? Ist doch vollkommen egal, wenn ein Zeitungsbericht hier und eine Talkshow dort, wieder einmal mehr in die Kerbe von Wut und Feindbildern schlägt, wieder den Helden/innen- und Märtyrer/innenMythos wachruft – was ist die Botschaft an junge Menschen, die mit den Kriegen und dem Leid der Welt konfrontiert sind – und dort steht der Mann mit der Eintrittskarte für das Terroristen/innenCamp und da die Frau für die Antiterrorfraktion – geh zu den Überwachern oder zu den ÜberwacherÜberwachern oder erst da dann dort im Wechsel – Ihr seid unsere Helden/innen?! Es ist uncool ein Gedicht zu schreiben, uncool einen Song zu komponieren, uncool Feindschaft zu überwinden, sich die Hände zu reichen und zu tanzen ein Fest zu feiern und Anfänge zur Freundschaft setzen? Und die Welt besteht aus Feinden/innen, in die eine wie die andere Richtung - führ sie vor, hör sie aus, dämonisiere sie – ist es das!? Ein Gedicht zum Beispiel kann systemkritisch sein – es achtet dabei die Freiheit des anderen, dämonisiert ihn nicht, will vielmehr berühren – es ist aus der Freiheit des Verstandes und Herzens in Achtung der Freiheit des Herzens und Verstandes der Leser/innen und Zuhörenden geschrieben. Es lässt dem anderen den Raum – sich ohne Gesichtsverlust zu verändern, zu bewegen. Für mich sind nicht die Pazifisten/innen naiv, sondern die naiv, die Gleiches mit Gleichem beantworten, Freiheit negieren und so für Freiheit kämpfen wollen – gleich ob in Form von Terror oder Antiterror und/oder Bewachung und GegenBewachung durch wieder nur AndereBewachung.

Lackfragen

Und was ist Freiheit – die Freiheit der Märkte wie sie am Anfang in den Piratenkonzepten stand, Verwertungsfreiheit auf Klick, die totale Verfügbarmachung? – Das alles wurde abgemildert zwischenzeitlich – aber schwingt latent in vielen Sätzen noch mit. Nur nach und nach kamen moderatere Sätze dazu. Das ist keine Friedensbewegung, die auf Freiheit setzt, sondern clara und distincta eine Partei mit Machtanspruch. Die Anfangsmotivation war nicht etwa gegen Ausbeutung, Kapitalismus, Militarismus und Krieg gerichtet und die positive Message nicht die des Friedens, sondern waren ganz klar User/innenInteressen, die AllVerfügbarmachung von Patenten und geistigen wie künstlerischen Schaffenswerken in offenen Marktstrukturen und eine Verweigerungshaltung der Wahrnehmung vielem gegenüber, was jenseits der behüteten WohlstandsWelt Tag für Tag Realität für viele Menschen ist – reale Ausbeutungssituationen und greifende Benachteiligungsstrukturen z. B. werden nicht dadurch obsolet, dass man selbst das Glück hat nicht betroffen zu sein, und gegenüber dem Leid der anderen auf ignorant schaltet, indem man ein Post – z. B. ein Postgender… …darunter setzt. Aussagen zum wichtigsten Thema: Frieden blieb man Jahre lang schuldig – und die wenigen zwischenzeitlich vorgelegten Sätze sind so dehnbar – wie alles in der etablierten professionellen Politikschmiede auch – hochprofessionell offen gehalten und interpretierbar und vielschichtig auslegbar. Ein klares Bekenntnis zum Pazifismus sind sie jedenfalls nicht. Und was ist unter dem neuen Lack, der die Anfangsreden des kalten Menschenbildes – eines Menschen, der von der Technik her definiert wurde – in Analogie zu den durch die Leitungen des Netzes flitzenden Teilchen? – Ist dieses kalte Menschenbild ersetzt worden durch die neuen weniger technischen und menschlicheren Sätze oder nur überpinselt und schwingt es im Hintergrund noch mit? Ist es überholt oder nur überdeckt? Und sind im Untergrund noch immer die Konzepte der offenen Märkte unter Verwertungsrücksicht wirksam? Mir wären die Piraten als Bewegung, die auf Freiheit setzt und nicht auf Machtpolitik, eindeutig sympathischer. Sie sind interessant – aber wozu der Griff in den Giftschrank der Machtpolitik, wozu die ideologische Unterfütterung mit KapitalismusAnleihen – statt Systemkritik? Und Beglückungskonzepte für die ganze Welt, sind wiederum nichts anderes als nur wieder neuer Zwang, zudem, wenn nicht klar ist, ob die großartige Freiheit des Internets, zwar zwischenzeitlich weniger explizit, so doch implizit, mindestens aber der Systemdynamik einer praktischen Verwirklichung inhärent liegend, verschränkt ist mit der Ideologie der freien Märkte. Ich war am Anfang sehr offen und interessiert – zwischenzeitlich stimmt mich immer mehr nachdenklich – spätestens dann aber, wenn von Märtyrer/innen für das freie Internet die Rede ist, setzt es ganz aus. Es gibt genug Ideologien, welche gut Gemeintes über die Menschen und ihr Leben stellten. Freiheit des Internets ja – aber unter Achtung der Freiheit der Menschen, ihres Lebens und ihrer Kulturen. Und auf dem Weg der Gewaltlosigkeit und nicht durch den Zwang der Machtpolitik und strukturell verübter Gegengewalt neuer technischer Systemzwänge, die auch nur wieder Gewalt in Form neuer systemimmanenter (partiell technischer) Zwänge mit hervorrufen.

Journalismus im Dienst von Macht und Gegenmacht?

Es wird heißen, aber es geht nicht anders und man kann nicht anders als mit Macht gegen die Macht ankommen. Z. B. durch Schnüffeln gegen Schnüffeln und ÜberwachungGegenÜberwachung usf. Doch es geht anders, man hätte auch Menschen für sich sprechen lassen können. Man hätte Frauen, Männer, Väter, Mütter, Kinder, dort wo die AntiTerrorKriege wüten, für sich sprechen lassen können – und ihre Geschichten, ihre Wunden sprechen lassen können in Beiträgen, die nicht über die andere berichten, sondern Menschen zuhören - und zugleich Frauen, Männer, Väter, Mütter, Kinder, die Terror traf, für sich sprechen lassen können - und man hätte Brücken bauen können, die Gespräche ermöglichen, Verständigung und einen Beitrag zur Versöhnungsarbeit leisten. Man hätte die Wunden beider Seiten thematisieren können und der Hoffnung beider Seiten Flügel verleihen können, man hätte echte Friedensarbeit leisten können. Aber all das ist natürlich nicht so cool – für Medien und MachtParteien und Repräsentanten/innen der Herrschaftsapparates und GegenherrschaftsApparates wie die Helden/innnenGeschichten von Macht und GegenMacht – das sind Schlagzeilen, das sind Meldungen, das ist ParteiSendeZeit von Parteifunktionäer/innen in Talkshows wert, das bringt Wähler/innenStimmen.

Heute hat jede Firma, jede Partei, jeder Machtapparat eine Philosophie. Gemeint ist damit nicht Philosophie, sondern sind Leitlinien, Vorgaben und Beglückungskonzepte und neue Ideologien. Philosophie wandte sich gegen die Rhetorik der Sophistik heute bedient sie sich ihrer. Die Philosophie der Aufklärung wollte den Ausgang aus Unmündigkeit, heute setzt sie vor, wird selbst zur Setzungsmacht im Dienst von Macht und GegenMacht. Es ist so ein schlechter Witz, dass ausgerechnet die Aufklärung von autoritären Machteliten aller Couleur missbraucht wird – um sie in eine bevormundende Vorgabe- und Vorbildfunktion zu pressen. Die Losung des Mutes sich seines Verstandes zu bedienen, wird verkehrt in Vordenker/innen- und Gefolgschaftsmodelle mit klarem Herrschafts- und Führungsanspruch unter scheindemokratischen Reden, ersetzt durch Systemvorgaben der Verwertbarmachung, innerhalb derer sich Menschen fügen sollen, in ein wir denken für Euch und ihr liefert, wir geben die Systeme vor, wir sagen Euch was Befreiung ist und wie ihr Euch einzubringen habt! Ignorant gegenüber jede/r anderen Form, gegenüber anderen Kulturen und ignorant gegenüber Menschen und ihres Antlitzes, weil das System saugt Wissen auf und setzt es in repräsentativen Outputs verändert vor – kein Mensch garantiert, was aus der eingegeben Idee wird, weil am Schluss sprechen andere für sie werden sie in ein Stellvertreterkonzept übersetzt. Ihr dürft mit gestalten, aber in unseren vorgesetzten Systemen und notfalls müsst ihr mit Gewalt, das heißt dann Kampf für die Freiheit, dafür sterben Menschen. Hallo!?

Überwindung narzisstischer Macht- und GegenmachtAttitüden

Was tief schockierend ist, dass gleich welche Schauplätze vermeintlicher Befreiung man sich anschaut, Moral ebenso wie GegenMoral mit neuen Zwängen und Machtansprüchen daher kommt. Das Pendel der Macht und Gewalt wird aber nicht angehalten, sondern Gewalt wird von jede/r Seite aus mit je eigenen Werteideologien unterfüttert und legitimiert und in den Dienst von Recht und Gerechtigkeit und angeblicher Befreiung gestellt: z. B. im Konzept der Zwangsdemokratisierung ebenso wie im Konzept der Freiheitskämpfer/innen. Pazifismus mag naiv sein und bietet nichts Reißerisches. Aber beispielsweise gegen eine Weltmacht agieren, noch besser gegen die Personifikation einer Weltmacht in Obama - das klingt toll und macht alles einfach, weil es Sündenböcke und Schuldige gibt und man mit der Macht der Gegenmacht Macht hat, das ist noch viel toller – und es gibt etwas her, um richtiges GegenMachtMachtHelden/innentum hoch zu jubeln. Was ist eine einfache Bitte dagegen? Und mehr kann Pazifismus nicht. Also, wozu – werden manche sagen? Pazifismus will Freiheit nicht mit Gewalt und Zwang. Pazifismus setzt auf Freiheit und ihre Achtung – glaubt an die Vernunft und an die Fähigkeit des Menschen zur Empathie und Liebe. Man kann Systeme auch anders kritisieren – ohne neue Feindbilder zu schaffen, ohne die Menschen zu dämonisieren und ohne wieder nur Hass und Wut zu schüren und Gewalt provozieren. Es gilt Terror und Antiterror zu kritisieren, Überwachung und Drohneneinsätze zu kritisieren und Fundamentalismus in jede Richtung zu kritisieren (sowohl die TerrorIdeologie als auch die Antiterrorideologie sind zutiefst fundamentalistisch). Aber es ergibt keinen Sinn, wirklich keinen Sinn Menschen zu dämonisieren. Man kann Fehler kritisieren, nicht aber Personen. Obama zeigt doch vor allem eines, wie machtlos selbst mächtige Menschen sind - angesichts der verqueren Dynamik kranker Machtsysteme – und wie tragisch Figuren sind, die nicht von der Macht lassen können, weil ihnen Mut zur Freiheit fehlt. Er ist kein freier Mensch, sondern Gefangener eines Systems und er ist mit großen Zielen angetreten (vorgefasste Ziele sind ein echtes Problem, sie verhindern Diskurs und erschweren Verständigungsarbeit) und er ist gescheitert an einem gnadenlosen Machtapparat. Das sinnvollste - was er tun könnte, wäre seine Ohnmacht einzugestehen und anzufangen, die Machtsysteme selbst offen zu kritisieren. Ich glaube, dieser Schritt ist unsagbar schwer für Menschen in den Fängen der Macht (ja, in den Fängen, weil ich glaube nicht, dass man Macht haben kann, sondern höchstens einen die Macht haben kann), weil die Illusion fesselt, besser wenigsten Winzigkeiten beeinflussen zu können – als im Verzicht auf Macht und Gewalt scheinbar gar nichts. Aber dieses Garnichts im Machtverzicht ist kein Garnichts, sondern bedeutet Freiheit und Freiheit zu achten und auf Freiheit zu setzen. Die abgefundene, realpolitische Bonsaipolitik wiegt an Positivem nicht auf, was sie an Schäden aufreißt. Die große Hoffnung – zu Beginn, sie weiter zu enttäuschen ist der fatalste aller Fehler, weil Vertrauen zerstört wird, das dringend gebraucht werden würde, um Verständigungs- und Friedensarbeit zu leisten. Es wäre ein Zeichen von Größe, das die Welt noch nicht kannte, würden Politiker/innen aussteigen aus der Machtpolitik – und anfangen als einfache Menschen mit Haut und Haaren für das zu stehen, was ihnen bedeutet: würden sie der Macht absagen und auf die Freiheit setzen, von der sie in großen Worten sprechen. Macht negiert Freiheit. Man kann der Freiheit nicht anders als durch Freiheit dienen, indem man vertraut auf sie, man in Freiheit und durch Freiheit wirkt. Es braucht einen klaren Verzicht auf jede Form von Macht und Gewalt, den Mut zur Freiheit.

Freiheit ein unpolitisches Wort?

Man steht dann scheinbar mit leeren Händen da – und hat kein Mittel mehr in der Hand sich für die Seinen und ihre Interessen einzusetzen und durchzusetzen. Man ist nackt vor dem anderen und vertraut auf die Liebe. Man zeigt nicht länger auf die Fehler der anderen, sondern fängt bei sich an und bittet um Verzeihung für die Fehler, die man selbst machte und vertraut darauf, hofft, dass der andere das ebenso tut, hofft auf Verzeihen auf Verständigung auf Versöhnung. Das ist naiv? Und Drohnen und Kriege und Terror und Antiterror sind es nicht? Ist es irgendwo logisch verbrieft, dass aus Gewalt Freiheit entsteht? Gewalt bedeutet Zwang und Unterdrückung, z. B. die Unterdrückung von Konflikten. Ist es nicht vielmehr naiv, daran zu glauben, dass man Konflikte löst, indem man sie mit Gewalt niederdrückt, satt sie zu lösen? Wie naiv ist es, um eine Umkehr zu bitten? Die Welt der Schnüffler/innen und Gegenschnüffler/innen, der Terroristen/innen und Antiterroristen/innen, das hat richtig Hand und Fuß – dagegen nicht wahr? Klingt irgendwie nach Nummer sicher. Schmeckt nach Heldentum. Dort die Weltmacht – da die Gegenweltmacht – das hat ein ganz anderes Format – als das einer Umkehr, als das des Eingeständnisses von Fehlern – auf beiden Seiten, nur Weltmacht wie selbsternannte Gegenmacht – lösen keine Konflikte sondern verschärfen sie, weil wir bräuchten dringend alle Hände, die zusammen helfen die wirklichen Probleme gemeinsam zu lösen - die Natur zu schützen und Armut und Hunger zu beenden.

Nur ein Traum?

Weder Macht noch Gegenmacht bringen Freiheit. Das Ja sollte der Freiheit gelten. Martin Luther King sprach von einem Traum, er polarisierte nicht, riss keine Gräben auf, sondern hatte den Traum Rassismus und Feindschaft zu überwinden, den Traum, dass Schwarze und Weiße in Frieden miteinander leben. Das hat eine andere Qualität. Er stigmatisierte nicht, schuf keine Feindbilder, schürte keine Wut, sondern leistete Verständigungs- und Versöhnungsarbeit, reichte den Feinden/innen die Hände zur Versöhnung. Er gab sein Leben für diesen Traum, aber nicht etwa, weil er eine Märtyrer/innenideologie kreierte und verherrlichte und Ziele und ihre Erreichung über das Leben von Menschen stellte, sondern er wurde umgebracht. Er wurde beim Brückenbauen ermordet - und nicht im Kampf. Er ist ein Mordopfer. Weder der Heiligenkultideologien der Kirche noch Märtyrerideologien anderer einseitig interessensgeleiteter Gruppierungen ist etwas abzugewinnen, weil sie einen Kult mit missionarischen Attitüden aufbauen und ein Weltbild des Kampfes transportieren, das Menschen in Lager trennt, während all diese hochstilisierten „Heiligen und Märtyrer“ selbst keine Ideologien wollten, weder polarisierten noch separierten, sondern Lager überwinden und Menschen verbinden wollten. Menschen wie Martin Luther King wollten Freiheit und ihnen bedeutet es dabei Freiheit zu achten. Frieden bedeutet Frieden zu leben.

Tränen und ein Lächeln

Tag für Tag machen wir als Menschen Fehler – es gibt nicht einen Menschen, der frei von Schuld ist oder fehlerfrei wäre – besser wir verzeihen einander als über einander zu urteilen und zu richten, besser wir versöhnen uns. Das klingt natürlich albern in Ohren von Menschen, die gewohnt sind Macht, Medien und wahlweise Militär oder Freiheitskämpfertruppen auf ihrer Seite zu haben. Nur der Clown mit der großen roten Nase neulich – schoss ziemlich oft am Tor vorbei und brachte Kinderherzen zum Lachen. Die Drohnen treffen Vater und Sohn, zielgenau, die Frau in der Blutlache für die große Freiheit des Internets und die freien Märkte – ihre Tochter wurde nie geboren. Der Clown sieht die leeren Plätze, hat sich selbst gefesselt und liegt in Tränen. Nein, er schießt nicht zurück, um auch die Mütter und Väter, der anderen Kinder zu morden, er schießt nicht für die Freiheit. Er hängt gefesselt da, tot wie die Kinder, träumt den Traum von der Geburt einer friedlichen Welt und verfasst Korrespondenz. Und wer glaubt ich spenn a weng und in meinem Wahn korrespondiert irgendetwas nicht mehr ganz richtig, und überhaupt - was das alles in einem Beitrag über Politik zu suchen hat – sehr viel: Menschen, die es in dieser kalten Welt noch vermögen Herzen zu berühren, ein Lachen ins Gesicht der Kinder zu zaubern und Tränen in die Augen der Kleinen wie der Großen – bedeuten unendlich viel mehr als eine ganze Liga an Machtmenschen, die Parteibücher fraßen und Sprüche anderer abspulen, Armeen von selbsternannten Freiheitskämpfer/innen auf der einen und Nato-Militärs auf der anderen Seite im Namen der Demokratie, der Freiheit, im Namen von Gott und Aufklärung und anderen Fundamentalismen usf.

Warum? Weil er die Freiheit achtet, er prügelt nichts ein und er zwingt nicht – er spricht das freie Herz an und lässt es in Freiheit – sich zu entscheiden – für die Freiheit für die Liebe.

Freiheit bedeutet Freiheit und nicht irgendwie der verquere Griff zur Gewalt im Namen der Freiheit.

Über die trügerische und instrumentalisierte Angst vor dem anarchistischen Chaos

Und die größte aller Illusion ist, dass MachtPolitik in die Freiheit führt. Woher die Angst vor Freiheit, warum trauen Menschen Zwang und Gewalt mehr zu als Freiheit und ihrer Achtung? Es ist ein Irrglaube zu meinen Macht schützt vor Gewalt, sondern wo man hinsieht wird das größte Unrecht im Namen des Rechts verübt. Rechtsstaaten sind immer auch Unrechtsstaaten, sie missbrauchen das Recht für Kriegshandlungen, offenen Militarismus, zur Protektion der Militärindustrien und Geschäftemacherei im Namen von offenen Märkten, mit der sie sich von Wirtschaftsinteressen in Geißel nehmen lassen. Und ihre Gerichte sprechen nicht Recht, sondern oft genug Unrecht. Wie kommt überhaupt ein Mensch dazu sich zum bzw. zur Richter/in über einen anderen Menschen zu erheben? Ist es Aufgabe der Menschen zu richten? Es geht alles, einfach alles um Verständigung, Verzeihen, Versöhnung. Ich weiß, es wird heißen, all die armen Opfer und die bösen Täter/innen – dafür braucht es Gerichte. Nur die schlimmsten Massenmörder/innen wissen das Recht auf ihrer Seite und stürzen im Namen des Rechts ganze Nationen in Kriege, die schlimmsten Unterdrücker/innen und Mörder/innen, die mit der Arbeit von Kindern Geld verdienen, sitzen in Anzügen und Kostümen als geachtete Menschen in TalkShows und erzählen von Wirtschaft und überhaupt. Sprechen von Militärs und wahlweise von Freiheitskampf, Helden/innen und Märtyrer/innen und während sie selbst und ihre Kinder aus den guten Stuben der Universitäten in die guten Stuben der MachtPolitik wechselten, ist es ihnen gleichgültig, ob die Kinder der anderen auf ihre absurden Reden hereinfallen und sich beim Militär melden oder im AusbildungsCamp – alles im Namen von Recht oder Gerechtigkeit und alles ist Kampf! Und sie reden den Leuten ein, dass sie die Gesellschaft von dem verschuldeten arbeitslosen Vater schützen müssen, der seine Kinder in einem Verzweiflungsakt im Affekt töte, die Ausbeutungsverhältnisse, die dazu führten - mögen sie lieber nicht hinterfragen, weil es ihnen um die eigene Bequemlichkeit geht, sie wollen nicht gestört werden in ihren Konsumabläufen, aber die größten Massenmorde geschehen im Namen des Rechts – und diese rechtfertigen sie mit Helden/innenMythen, es ist leicht andere in den Tod zu schicken – in den Kampf für Freiheit und Demokratie – nur was sie da mit Propaganda untermauern - hat weder mit Freiheit noch mit Demokratie zu tun, sondern bedeutet nackte Gewalt, Kampf und Krieg. Rechtsstaaten sind Unrechtsstaaten! Die frühen Pazifisten/innen der Friedensbewegung und Menschen, die an Freiheit und Verzeihen und die Kraft der Liebe glaubten, mögen Träumer/innen sein. Aber Menschen wie der gspinnerte Jesus, Martin Luther King etc. suchten weder ihren eigenen Tod, noch provozierten sie den der anderen mit Helden/innen- und MärthyrerMythen, sondern verzichteten auf Macht, vertrauten der Freiheit und Liebe und nichts mehr als der Freiheit und Liebe und gaben im Zweifelsfall ihr Leben ohne auf Gegengewalt zu setzen. Siddharta überlebte einen Mordanschlag seines Vetters, er rief weder zum Kampf noch zum Freiheitskampf auf, sondern übte verzeihen und lebte Versöhnung mit seinem Feind.

Freiheit kommt nicht im Gewand der Gewalt, der Macht und der Macht der GegenMacht. Nur Freiheit vermag Freiheit zu geben. Schöne Grüße auch Daniela Waldmann

19:27 03.07.2013
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