Kirchenmacht und Staatsmacht

Kriegsmache. Jedes Kind lernt in der Schule: Demokratie beruht auf der Trennung von Staat und Religion.
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Was jedes Kind weiß, vergessen anscheinend Politik, Kirchen und Medien im Kriegsrausch.

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Es hat seinen guten Grund, weshalb Kirche vom Staat getrennt ist. Bittere und blutige Erfahrungen von Kriegen, Gewalt und Zwang, Macht und Repression durch die Verquickung von Staats- und Kirchenapparat und Justizapparat gingen dem voraus.

Und es war ein langer Weg der Befreiung, der zur Trennung von Staat und Kirche führte.

Reformation, Säkularisation, Französische Revolution und Aufstand gegen das Ancien Régime, gegen Adel und hohe Geistlichkeit – alles umsonst, dreht sich alles zurück? Es ist wie im Albtraum, man/frau hört Nachrichten und liest Zeitung und hört und liest von Bischöfen, die zu den Waffen rufen, einer EKD, die bellizistische Töne von sich gibt. Es ist zynisch, einfach nur zynisch, wenn religiöser Fundamentalismus mit religiösem Fundamentalismus bekämpft wird, Waffengewalt auf Waffengewalt tirfft. Der Westen beruft sich seit Jahren auf christlich-abendländische Werte und legitimiert mit diesen Werten Kriege.

Und keine der abrahamitischen Religionen kann sich auf die Gründer/innen ihrer Religionen berufen, um Fundamentalismus, Gewalt und Krieg zu legitimieren. Im Hohen Lied bedeutet Frieden Liebe. Jesus war radikaler Pazifist, sagte seinem Jünger, er solle das Schwert zurückstecken und verzieh selbst noch im Tod seinen Mörder/innen. Der frühe und späte Mohammed war Pazifist. Mohammed beruft sich in Sure 2, 136 auf Abraham, Jakob, Mose und Jesus. Mohammed war als Vermittler und Schlichter in Streitfällen bekannt. Von ihm stammt auch der Satz: Kein Zwang im Glauben. Ibn‘ Arabi, ein muslimischer Dichter, der 1165-1240 lebte, erklärt in seinen Gedichten allen drei abrahamitischen Religionen die Liebe und sieht Liebe als Weg:

„Mein Herz praktiziert die Religion der Liebe,
egal an welchen Ort,
wohin sich auch
seine Karawanen wenden.
Und die Liebe ist mein Gebot,
und die Liebe ist mein Glaube.“

Wir leben im 21. Jahrhundert und nicht die Liebe bestimmt das Verhältnis der abrahamtischen Religionen, sondern blutige Kriege. Wie kann es sein, dass die Religionen immer wieder von Machthabern und Machtinstitutionen missbraucht werden für Kriege? Wann überwinden die abrahamitschen Religionen endlich ihren Bruder- und Schwesternstreit und versöhnen sich? Wann finden sie Frieden?

Im Hohen Lied der Liebe sucht Sulamith ihren Geliebten. Wieso suchen und finden sich die Religionen nicht wie Liebende? Keine ist ohne die andere ganz, sie ergänzen sich und vervollständigen sich wie Liebende.

Wenn Hallaj im 9. Jahrhundert schreibt:

„Dein Bild ist in meinem Auge,
Deine Anrufung auf meinen Lippen,
Dein Aufenthalt in meinem Herzen,
wo könntest fern Du mir sein“,

meint er den einen Gott.

Könnten die abrahamitischen Religionen sich dann nicht im 21. Jahrhundert daran erinnern, dass sie einen Gott haben, und keine der Religionen für sich alleine schon ganz ist, sondern sie sich ergänzen wie Liebende? Keine Religion auf der Welt ist ganz ohne die andere.

Warum lernen Kulturen und Religionen nicht voneinander – gleichberechtigt und auf Augenhöhe? Wie kann es sein, dass im 21. Jahrhundert sich Kulturen und Religionen bekriegen?

Hat die Menschheit denn gar nichts dazu gelernt?

Und jedes Kind lernt hier in der Schule, dass Staat und Religion strikt zu trennen sind. Aber was jedes Kind weiß, wissen anscheinend viele Bischöfe und Staatmänner und Staatsfrauen nicht.

Und auch jedes muslimische Kind lernt die Sure, die Zwang im Glauben verbietet, und doch sehen Eltern zu, wie ihre Kinder sterben mit Sprengstoffgürtel.

Und das hohe Lied der Liebe kennt auch jedes Kind. Und dennoch suchen die Religionen sich nicht in Liebe, dennoch herrscht Krieg.

Wie verrückt ist eigentlich diese Welt?

Da haben die Menschen Religionen, die von der Liebe sprechen, von Verzeihen, einem allbarmherzigen Gott – und sie leben nicht die Liebe, sondern bekriegen sich.

Da haben die Menschen Philosophien und Weisheitslehren, in denen Staatsmacht und Kirchenmacht getrennt werden, und im 21. Jahrhundert rufen Bischöfe und EKD zu den Waffen.

Fällt die Welt zurück ins Mittelalter? Bestimmt denn der Wahnsinn auf allen Seiten? Und warum setzen sich auf allen Seiten die Hardliner/innen und Verrückten durch? Die Mehrheit der Menschen der abrahamitischen Religionen lehnt Gewalt ab, aber die Minderheit der Fanatiker/innen auf allen Seiten dominiert, dabei ist so viel von Demokratie die Rede! Demokratie ist kein Kriegsgrund, sondern etwas, das es zu leben gilt! So viel von Religion die Rede. Aber Religion bedeutet Liebe und nicht Hass. Religion bedeutet Liebe.

Liebe Grüße

Daniela Waldmann

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Dieser Beitrag gibt die Meinung der Autorin wieder. Die Autorin dieses Beitrags ist eine Frau, auch wenn in der Zeile darunter das Gegenteil behauptet wird. ;-)

02:28 29.09.2014
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