Marx veraltet und Jungfrau Maria out

eine Frage der Mode? Links, wo wie, grün schwarz... All die Parteien, die nach Macht greifen, haben das Wichtigste verloren - noch ehe sie die repräsentativen „ScheinWahlen“ gewonnen haben.
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Macht ist nicht der Weg.

Was mit Macht erreicht wird – ist leer und sinnlos wie vergänglich, weil es erzwungen ist. Und weil Macht die Liebe verleugnet.

alles –mus(s) ?

„Der Westen“ hat im Laufe der Geschichte immer wieder sein trauriges Talent zu blinder Ideologieversessenheit unter Beweis gestellt. Ideologien - sie enden mit –mus und kennen nur das große Muss von Gewalt, Zwang und Krieg und blutiger Durchsetzung: Kolonialismus, religiöser und missionswütiger christlicher Fanatismus, Imperialismus, National(sozial)ismus, Kapitalismus, NeoLiberalismus und leider auch Sozialismus und Kommunismus - durchaus studiert mit Bedacht. Seit Jahrhunderten maßt es sich "der" in seinem Überlegenheitsdenken verfangene „Westen“ an, wieder und wieder die ganze Welt im Namen von Ideologien ins Unglück zu stürzen – durch die Verübung von wirtschaftlicher Macht, durch Krieg, durch (strukturelle und offene) Gewalt, durch Ausbeutung und Unterdrückung. Und es ist gleich, welche Ideologie sich in diesen grausamen Kriegen und Stellvertreterkriegen durchsetzen wird – Kommunismus oder Kapitalismus, weil verloren haben vorher schon jene, welchen das Land gehörte: die Menschen und ihre Kulturen, die dort zuvor waren – ehe die Imperialisten/innen kamen, ehe die Ideologen/innen mit ihrer Vorstellung von Recht und Gerechtigkeit zuschlugen und dadurch nichts als Unrecht, Krieg und Unterdrückung brachten.

über geschichtliche Durchlauferhitzer und fehlenden Mut zur Freiheit

Marx blieb Hegel verhaftet – Hegels Weltgeistfanatismus und seinem Ablaufmodell der Geschichte. Er hat (wie Hegel) ein geschlossenes Weltbild. Und Marx konnte sich zeitlebens nicht durchringen, sich zur Freiheit und Liebe als Weg zu bekennen, obwohl er sah, dass jede Revolution eine Konterrevolution hervorruft – und womöglich auch ahnte, dass Gewalt Freiheit nicht herstellt, sondern zur Gewalt nichts als weitere Gewalt gesellt und Gewalt Freiheit ganz grundsätzlich negiert, niemand seinen bzw. ihren Verstand und kein Herz zu erreichen vermag (Kugeln bringen keine Freiheit und es lässt sich schlecht denken mit Durchschusslöchern und ein durchbohrtes Herz ist zu keinem Gefühl mehr fähig), sondern einfach nur brutale und rohe Durchsetzungsmacht auffährt, Aufstand und Niederschlag und erneuten Aufstand und Niederschlag provoziert. Alles, was mit Gewalt und Macht erreicht wird, vergeht wie Sand in Händen. Wer Freiheit mit dem Schwert durchsetzt, hat sie in dem Augenblick, in dem er zum Schwert greift, schon verloren und er hat nicht verstanden, was Freiheit ist und bedeutet. Marx hatte auch nicht die Courage das, was seine Vision am Ende der blutigen Durchläufe (Revolutionen, Sozialismus…) ausmachte, an den Anfang zu setzen: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“. Dazu fehlte ihm der Mut zur Freiheit, er wollte Durchsetzung. Der Begriff „Fähigkeit“ ist der Marxschen Lesart nach zudem ein machtdurchsetzter und ideologischer, weil mit ihm vornehmlich Nutzen und Verwertbarkeit anvisiert wird – und weil er eingebettet ist in eine Ideologie, die Herrschaft keineswegs negiert: Marx hatte eine klare Linie der Beherrschbarmachung der Natur vor Augen und die Schaffung der idealen kommunistischen Produktionsverhältnisse steht in Verbindung mit einer diktatorisch konzipierten Herrschaftsergreifung und Herrschaftsverübung im Zuge der „welthistorischen Mission des Proletariats“. Der Marxismus liefert genau wie Kapitalismus und Imperialismus usw. ein ideologisches Patentrezept für die Welt, das absolut gesetzt wird und alle anderen Wege missachtet. Die Freundschaft zwischen den Völkern steht am Ende des Prozesses, sie müsste aber der Weg sein - ein Weg, der anerkennt, dass es nicht nur Kapitalismus und Sozialismus und Kommunismus und Ideologien westlicher Machart gibt, sondern die mannigfachen und pluralistischen Wege unzähliger Kulturen und Gesellschaftsformen, die es zu achten gilt. Sein Freundschaftsbund ist ein Kampfbund. Und Frieden ist bei Marx in der Folge ein wüstes Kampfprodukt. Freundschaft sollte aber der Weg sein und nicht in einem Kampfbund instrumentalisiert werden und nicht unter dem Diktat einer Ideologie stehen, denn wo Kampf herrscht - ist die Freundschaft schon verraten. Und Frieden ist nicht das Resultat blutiger Taten, sondern alles, einfach alles geht darum, gemeinsam friedliche Wege der Völkerverständigung zu gehen.

die einfachste und klarste Form von Demokratie und Ethik

Eigentlich müsste es heißen, jede/r in Freiheit und in Liebe. Was jemand nicht in Achtung der Freiheit und aus Liebe tun kann, soll er lassen. Die Arbeit, die eine/r nicht freiwillig und in Liebe tun kann, soll er bzw. sie besser nicht tun. Das ist die einfachste und klarste Form der Ethik und Demokratie.

Und es darf auch nicht darum gehen, dass ausschließlich Mehrheiten sich durchsetzen auf Kosten von Minderheiten. Macht und Durchsetzung ist nicht der Weg. Es geht um Freiheit und Verständigung. Eine Gesellschaft, in der Freiheit und Liebe bedeuten, schafft es - Interessen zu vermitteln, und ist eine Gesellschaft, in der Pluralismus und Toleranz gelebt wird.

verantwortungslos feige? oder eine Frage der Ästhetik.

Siddharta hätte die Möglichkeit gehabt auf dem Wege von Macht und Durchsetzung „viel“ für die Welt zu erreichen. Er verließ stattdessen die Macht- und Palastwelt. – Ist das nicht verantwortungslos feige? Er war weise, weil er wusste, dass alles, was man/frau mit Macht und Gewalt durchsetzt und erreicht – weder von Dauer noch von Qualität ist. Er war genauso wie Jesus ein Ästhet: Der Weg ist nicht gleichgültig. Von HerzGeist zu HerzGeist - das bedeutet, dass man die Schönheit von Freiheit und Liebe zum erblühen bringt, indem man genau das lebt, was sie sind: Freiheit und Liebe. Man/frau rennt nicht mit dem Schwert auf die anderen los, um Freiheit mit Unterdrückung, Durchsetzung, Mord und Totschlag zu „bringen“ und zu "liefern" im doppelten Sinne des Wortes.

Nur Freiheit vermag Freiheit zu geben und Liebe - - Liebe zu schenken.

Sie suchten nicht Kampfkumpanen/innen, sondern Freunde/innen und Geliebte.

Mit den Augen der Liebe

Ein ganzer Machtapparat und ein Palast mit Verbündeten, Beamten/innen, Parteibekannten und Interessensgenossen, Bildungseliten und ein ganzer Harem bestehend aus Eheverhältnissen, welche durch moralische und gesellschaftliche Verpflichtungen aufoktroyiert wurden und der „guten Sache“ dienten, kann nicht die Augen eines Freundes, einer Geliebten ersetzen.

Weder in der Jesusbewegung noch in der Buddhabewegung gab es Klassen und Hierarchien. Es waren Bewegungen, denen weder Geld noch Macht bedeuteten.

Die Ästhetik der Freiheit und Liebe

Sie wirkten durch die pure Ästhetik der Freiheit und Liebe. Sie mischten sich nicht unter die Schlägertrupps und Krieger/innen, Aufständischen und Märtyrer/innen, Soldaten/innen des Machtapparats und Rebellen/innen, um sich durchzusetzen und anderen ein verordnetes Patentrezept mit Gewalt aufzuzwingen. Sie schrien nicht für eine Freiheit mit Zusatz: die Freiheit der Märkte, die Freiheit der Kapitalisten/innen, die Freiheit des Proletariats, die Freiheit des Internets, die Freiheit der zwingenden Moral und die Freiheit der Ethik nach einer Fasson, die Freiheit der Theologien im Namen Gottes, die Freiheit der einschränkenden Zusätze.

Sie waren als Menschen frei und sie achteten die Freiheit der anderen und Freiheit war ihr Weg. Sie waren Liebende und Glückliche. Man/frau tut, was sie aus Liebe und in Freiheit tun kann, und das andere - lässt sie bzw. er. Nicht die Moral diktiert, nicht das große Ziel, dem alle und alles untergeordnet werden, schreibt alles vor, sondern man lebt, woran man glaubt: Freiheit und Liebe.

Gewalt ist abstoßend und schafft nichts, rein gar nichts für irgendeine „gute Sache“ und sei die Bevormundung und Besserwisserei noch so gut gemeint gemeint!

Jesus und Buddha wirkten nicht durch abstoßende Gewalt, sondern durch die Attraktivität von Freiheit und Liebe. Sie sprachen die Herzen in Freiheit an.

Geld und Macht abschaffen!

Und jede/r gibt, was sie bzw. er kann in Liebe und Freiheit und es findet zusammen und zueinander, was in Freiheit und Liebe zusammenfindet: Das Tuch, das uns wärmend und schützend umgibt, ist aus den Fäden der Liebe gewoben, das Brot in Liebe gebacken… Und ihr werdet sagen, das funktioniert nicht!

Sanftmut, welch Irrsinn!?

Aber keine wirkliche Mutter und kein wirklicher Vater wird sein Kind verhungern lassen, nur weil die Eltern kein Geschäft und keinen Profit machen können, wenn sie ihrem Kind zu essen geben. Keine wirkliche Schwester wird ihrem Bruder Trost verweigern, weil sie keine Therapiestunden abrechnen kann. Keine gute Freundin wird ihrem Freund eine Rechnung für ein Fest und ein Abendessen schicken. Keine Geliebte wird ihren Liebsten nach einem Tanz und Küssen und Berührungen zur Kasse bitten. Kinder werden nicht aufhören Fragen zu stellen und zu lernen, nur weil sie keine Noten dafür bekommen. Kein/e Musiker/in wird aufhören Musik zu lieben, nur weil er bzw. sie keine Platten verkauft. Kein/e Maler/in wird von den Farben lassen, nur weil sie bzw. er kein Bild verkauft. Kein/e Poet/in wird je von ihrer und seiner Liebe zur Sprache und Worten lassen, und wenn 1001 PayWalls alle Wege versperren – wird sie bzw. er Worte in Freiheit verströmen und nichts dafür verlangen, einfach geben.

Die Mauer, die PayWall muss weg!

Außerdem müssen die Kriege endlich aufhören, AntiTerror beendet und Terror auch beendet werden, Kapitalismus abgeschafft und die Umweltzerstörung eingestellt werden und die Geldwirtschaft aufgegeben werden, NSA und überhaupt alle Geheimdienste und alle Militäreinrichtungen geschlossen werden, die Schnüffler/innen, Soldaten/innen und Märtyrer/innen umgeschult werden

- und Frieden anfangen

Werdet einander Vater und Mutter, Schwester und Bruder, Freundin und Freund und Geliebte und Geliebter. Lacht nicht über die Liebe. Die Sanftmütigen wissen, in wessen Hände sie am Abend ihren Geist legen, wissen um das Woher und Wohin ihres Atems, um ihren Schöpfer, ihre Schöpferin. Der bzw. die Mächtige weiß nichts dergleichen, sie verüben strukturelle und offene Gewalt, greifen zur Waffe und schicken ihre Soldaten/innen und Freiheitskämpfer/innen und mit ihnen ihre Feinde/innen und zahllose Unschuldige in den Tod und am Abend türmen sich die Leichen. Tote überall - und die Blumen sind gebrochen. Und sie rühmen sich im Sieg als die Gerechten und schreien: „Wo ist denn Euer armseliger Gott, der all dem Unrecht zusieht, wir aber brachten Gerechtigkeit. Euer Gott, wenn er überhaupt existiert, sieht nur zu und kämpft nicht, wir aber kämpfen für die Freiheit.“ Liebe/r Soldat/in, Du kämpfst für die Freiheit und mordest für die Freiheit und er ist Freiheit, achtet die Freiheit und schenkt Freiheit - das ist der Unterschied. Dieser Gott - er gab das Leben, das Du geschlachtet hast. Dieser Gott, er trägt keine Waffen und mordet nicht. Dieser Gott, er ist Liebe und Freiheit und Vergebung und leidet mit den Geringsten. Dieser Gott, er ist Deine Schwester, Dein Bruder, Deine Geliebte. „Ha!“, wirst Du sagen, „mein Bruder, ist der Sohn meiner leiblichen Mutter und er trägt Waffen wie ich und kämpft an meiner Seite den Kampf für Gerechtigkeit und Freiheit, den Kampf gegen Terror oder den Kampf gegen Antiterror (wo liegt der Unteschied? Terror wie Antiterror sind gleichermaßen gewaltideologisch untermauert)!“ Und ich sage Dir: „Dein Bruder ist nicht Deiner leiblichen Mutter Sohn, und der Sohn trägt nicht die Gene des Vaters. Und die Geliebte, die Mutter Deiner Kinder, verblutet heute Nacht auf dem Schlachtfeld - den Auslöser - den Knopf, der das Drohnefeuer entfachte, den hast Du gedrückt, so weit weg und so fern, hast Du Deine Nächste gemordet, Deine Liebe – ohne dass Dein Auge sie je erblickt hätte. Am Abend wirst Du selbstgerecht sagen, Du hast im Kampf gegen den Terror eine große Tat vollbracht. Und auf der Straße liegt, während Du zuhause Dosenbier vor dem Fernseher zu Entspannung trinkst, kalt und leblos, die Mutter Deiner Kinder, die Du nie kennenlernen wirst.“

Wer sie war?

Sie ging nicht mehr zur Fabrik für Geld.

Alle hielten sie für verrückt.

Sie zeriss den EheVertrag, der sie fesselte.

Sie tanzte und die Leute hielten sie für eine Prostituierte, eine Ehebrecherin. Sie kannte keine Pflichten. Sie zerschnitt die Bänder, die nicht Freundschaft und nicht Liebe waren, löste alle Fesseln und stieß die Käfigtüren auf. Sie war frei wie ein Vogel und verletzlich und schön wie eine Blume, sie hat viel geliebt und viel geweint. Sie sang gegen die Tränen an. Sie war die Frau von Siddharta, für die er seinen Harem stehen ließ, und die Frau Jesus, mit der er Ehe brach – für eine Liebe, die es ihnen wert war ihr Leben (ihr Leben und nicht das der anderen) zu riskieren, sie war Aischa, die für Ihren Liebsten in der Wüste zurückblieb, und die Frau, für die Saulus umkehrte. Sie ist die Frau, die im Mittelmeer ertrank, sie ist die Frau, die nie bei Dir ankommt, weil die Wohlstandsburg sich abschottet und Pech und Schwefel spuckt. Sie ist die Frau, die der Drohnenhagel niedermähte, den Du mit Coladose und Chips vor dem Bildschirm lauernd aus dem sicheren Hinterhalt per Knopfdruck ausgelöst hast, die Frau mit der targetNummer, die Dein fanatisiertes abendländisches Christenherz wie ein wilder Bluthund verfolgte und jagte – bis es sie aufspürte in den Straßen Bagdads. Sie ist die Frau, die Du am Marktplatz in die Luft gejagt hast - umgürtet mit Deinem engen Sprengstoffgürtel – oder war es Dein enges Herz? Die Frau, die Allah, Jahwe und Gott Vater und Mutter, Dharma… als Deine zweite Hälfte geschaffen hat, die eine, die nicht durch alle Jungfrauen der Himmel ersetzt werden kann, weil sie einzig ist, ein Fleisch und ein Blut und ein HerzGeist mit Dir in der Liebe zu Gott.

Bitte, bitte umkehren und aufhören mit den Kriegen. Und bitte mit Frieden anfangen. Und Freiheit achten und Liebe.

Schöne Grüße auch Daniela Waldmann

ps eine Anmerkung zu den Passagen über Kapitalismus und Kommunismus:

Es symptomatisch und perfide genug, dass im kalten Krieg ganz selbstverständlich vom kommunistischen Ostblock und kapitalistischen Westblock die Rede war. Was dadurch verdeckt wurde ist, dass sich ein kleiner Teil der Menschheit, die Europäer/innen, fast die ganze Welt gewaltsam unter den Nagel gerissen hat. Was da als Blöcke in Erscheinung tritt, sind in weiten Teilen besetzte Gebiete, die vormals das Gesicht der Kulturen, jener Menschen trugen, die dort lebten, ehe sie grausam niedergemetzelt, gemordet oder verdrängt, unterdrückt und ausgebeutet wurden. Soweit ich weiß, war auch Marx kein Mensch des Ostens, sondern ein Mensch des Westens – und sein Patentrezept für die ganze Welt, einschließlich Gewalt- und Revolutionsanleitung ist eines, das klar und deutlich (wie der kranke Kapitalismus auch) bevormundende und paternalistische Überstülpung beinhaltet – und weder Herrschaft noch Gewalt negiert.

Das ist perfide allein schon in der Sprache, weil der eigentliche Skandal zugedeckt wird: Die Stellvertreterkriege sind ideologische Kriege, die der usurpatorische Westen mit dem usurpatorische Westen zu Lasten der Menschen führt, denen die Länder eigentlich gehörten und die ihre Kulturen weitgehend verloren.

02:01 02.08.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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