TankGehirn auf vier Beinen

kleiner Unterschied .... Neulich klingelte ein Gehirn im Tank an der Tür. Ein Freund(?) mit einer mir unbekannten elektronischen Stimme meinte:
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„Ich hab alles mitgebracht, was wesentlich ist – mich und mein Gehirn!“

…der kleine Unterschied.

Solange der kalte Wissenschaftsmensch

sich selbst für eine bessere Maschine hält,

bei der es oben denkt

in der Mitte pumpt

und unten brodelt

sich Stoffe wechselnd

und Flüssigkeiten austauschend

Denkmaschine

Pumpmaschine

Stoffwechselmaschine

SexMaschine

wird es für einen Teil der Menschheit schwer sein

sich selbst und andere mit den Augen der Liebe zu sehen

Du willst mir in die Augen schauen Kleines?

Setz mich in die Plastikpuppe,

aber vergiss den Gehirnnährlösungszusatz nicht nachzufüllen!

Glasaugen mit Funkeldioden. Aha.

Und wer sagt, denn, dass ich Dein Kleines bin?

Beinah hätte ich meinen alten Freund

mitsamt seinem brandneuen TechnikGraffel rausgeworfen.

Dann schleuderte er mir entgegen.

Ich bin nicht Dein alter Freund,

ich hab mich verjüngt,

ich hab nur eine sehr alte Geschichte.

Ich fragte mich,

ob wir je Freunde waren.

Er wirft stolz um sich.

Er hätte Geschichte geschrieben,

die der Welt, die der Kriege, die der Sicherheit,

die der Freiheit, die des Internets

– die gesamte Geschichte des Westens mit all ihren Revolutionen und Konterrevolutionen,

die der ganzen Welt aufgezwungen wird

– mit ihren konservativen, ihren liberalen und ihren freiheitlichen Zügen,

alles vereint in einem TeraHirn,

das gefüttert wurde, gespeist mit Daten und Fakten und Zahlen…

- früher lernte er brav in der Schule, heute schließt er sich nur noch ans Netz an und macht seine Hausaufgaben angepasst wie damals, schluckt…

er nennt sich der Repräsentant, das ist ungefähr so wie der Präsident,

und er repräsentiert in einer Person, alle, denen er die Stimme raubte und das Recht absprach für sich selbst sprechen zu können.

Und ich mochte diese Geschichte, die er geschrieben hat, noch nie. Sie quält mich, weil sie ist erstickend und voller Unterdrückung, sie lässt mich frösteln und erschaudern, weil sie ist eiskalt.

Er hält sich für einen wirklich sehr wichtigen Repräsentanten.

Dass keiner repräsentiert werden will,

interessiert ihn nicht,

ignorierte er gekonnt,

weil er hält sich selbst

tatsächlich für den Größten

- und wer in der Welt einen Pieps von lauten zu geben hat

bestimmt er und seine Systeme und sonst niemand.

Es begann wie ein Spiel

in Freiheit

und mehr und mehr wurde es zum Zwang.

Was das System nicht kennt

ist nicht existent.

Wer sich nicht einloggt,

bleibt ungehört.

Meine Freunde/innen,

die Geschichtenerzähler/innen,

die von HerzGeist zu HerzGeist

ihren gespannt lauschenden Kindern,

deren Köpfe sie streichelnd im Schoss in Händen hielten,

am wärmenden Feuer in langen Nächten alte Geschichten weitergaben

und am Himmel zogen die Tiere und Menschen

und die Kinder schauten mit großen leuchtenden Augen zu den Sternen,

meine Freunde/innen,

die Geschichtenerzähler/innen,

gingen vor langer Zeit.

Woanders saßen die Kinder

und drückten ihre Nasen an die Bildschirme.

Freiheit, das ist die Freiheit eines Netzes

Und es fängt gut.

Er nennt sich mein Freund,

der große Bruder,

und wir lernten in der Schule,

er hätte die Freiheit gebracht,

er stellt mir ständig nach

und hört mich ab,

das freie Internet,

ist für ihn Begegnung

und er sog es auf

in seinen Kopf

und nun ist es Intranet,

Bestandsache seines Maschinenkörpers.

Also, was ist jetzt,

wenn Du mich nicht in Deine Wohnung lässt,

und mir nicht zuhörst, was es mit der Freiheit

und Demokratie auf sich hat,

jag ich meinen Wuffi auf Dich.

Wuffi, das ist ein meterhohes Stahl- und Eisenvieh,

das zwar nicht bellt,

aber feuert.

Ah so - und fliegen kann er auch.

Ich bin gerade dabei,

die Tür zuzudrücken,

als er eine seiner Tankrollen zwischen den Spalt

schiebt und hallend schmettert:

„Hör mal, Wuffi - wird das gar nicht gefallen,

was Du jetzt tust, wenn er wütend ist,

dann schießt er nicht nur auf Dich,

sondern auf das ganze Haus,

die Straße und alle Fortschrittsverweigerer/innen.“

Jetzt wusste ich wieder,

weshalb ich als Kind Western

und Schießeisengeschichten nie mochte.

Also, lass ich ihn rein.

Es erübrigt sich zu fragen,

ob ich ihm eine Tasse Tee kochen soll,

weil just in dem Augenblick als sich die Tür hinter ihm schloss,

sich eine Injektionsstation

wie ein Satellitendach über ihm entfaltet

und er beginnt

an einer blauen Infusionslösung

mit den neuesten programmierten Informationsbubbles

zu schnorcheln und zu schlürfen.

Ich muss an das Märchen mit dem Frosch denken

und in der Küche

während ich meinen altmodischen Tee für mich selbst aufsetze

laufen mir die Tränen

der Frosch war ein verwandelter Mensch

mit einer womöglich abstoßenden Gestalt,

aber sein Herz war liebenswürdig,

der, der da in meinem Wohnzimmer auf meiner Couch sitzt,

dessen Herz kennt vor allem eines: fiese Durchsetzung und Zwang.

Ich nehme mir vor,

wenn ich der Situation schon nicht auskomme,

in seinem Herzen (oder was davon in seiner Gehirnexistenz über ist)

nach etwas zu suchen,

das ihn verwandeln kann.

Jessas, Maria und Josef – wie soll das gehen?

Die kleine Buddhafigur auf meinem Küchenregal grinst mich an und fragt:

Kann ein Gehirn im Tank Lotossitz?

Vui Schpaß grinst er weiter!

Jetzt hör ich schon Statuen sprechen.

Die Frage ist, was das da draußen auf meine Sofa ist?

Eine Statue mit Gehirnfunktionen,

ein Mensch?

Egal ich werde mir Mühe geben,

nach seiner verschütteten Seele zu suchen.

Ich unterbrach ihn

bei seinen Geschichtsausführungen

und Aufzählungen,

in denen er sich als den Macher der Geschichte setzt,

und bei der langweiligen Auflistung all der Erfolge,

die er seiner Truppe und Gesinnungsleuten zuschrieb.

„Hör mal, Du vernetztes SuperHirn auf Abruf,

das nur auf Knopfdruck geht, Daten abruft

und in Wahrheit leer und erinnerungslos ist.

Deine angeblichen Erfolge und sogenannten Erfolge,

interessieren mich nicht,

Deinen Ehevertrag und den Vertrag für die Firma CorpusEx,

dass ich mir so einen PlastikPuppenLeib

mit Schwimmhirn für Dich zaubern lassen kann

als Hochzeitsgeschenk,

den will ich weder geschenkt von Dir

noch gekauft!“

Mich interessiert nicht,

wo und wie Du Dich in der Geschichte durchgesetzt hast,

sei es als Revolutionär oder GegenRevolutionär,

als Konservativer oder als Rebell

– mit Macht und Blutvergießen,

mit Gewalt und Grauen

– und ob Du diese Geschichte des Streites und Krieges

erfolgreich der ganzen Welt aufoktroyiert hast

und mitgelaufen bist und mitgeschrieen hast - für die "Gute"-Sache

- als Soldat, als Märtyrer, als Terrorist oder AntiTerrorist.

Dein Herz ist leer.

Und Liebe bedeutet Dir Schwäche

und Freiheit ist das,

was dabei rauskommt,

wenn Du die anderen niedergemäht hast

– in Deinem Freiheitskampf,

in Deinen Drohnenkriegen,

in Deinem Terror und Antiterror.

Wo liegt der Unterschied?

Gewalt nichts als Gewalt

und die Liebe ist verraten.

Und wie alt und intelligent Dein Gehirn angeblich ist,

es interessiert mich nicht!

Wie viele Jahrtausende es umfasst!

Und welches Wissen Du angeblich hast

- und hier vorführst nach dem Motto: mein Haus, mein Auto, mein Gehirn, mein politisches Engagement, meine Jacht…

Ich schäme mich für die Geschichte meiner Kultur,

ich schäme mich,

dass ich einer Kultur entstamme,

die die halbe Welt zu grunde richtet.

Ich schäme mich für mein Land und seine Verbündeten,

die Kriege führen

und die achtungslos die Kulturen der Welt zerstören.

Die Geschichte, von der Du erzählst,

das ist die Geschichte von Imperialismus und Kolonialismus,

Ausbeutung und gnadenlosem Blutvergießen.

Das Tankhirn verschluckt sich an einer InfoBubble, ich höre wie Suchmaschinen über die implantierten Festplatten rattern und in der Zwischenzeit dieses „Denkprozesses“ spult ein Band einen Text ab: „Eine Erfolgs- und Fortschrittsgeschichte, bitte warten Sie, wir sind gleich wieder persönlich für Sie ansprechbar… Eine Erfolgs- und Fortschrittsgeschichte, bitte haben sie einen Augenblick Geduld unsere Konversation wird umgehend fortgesetzt…“

Ich warte nicht, sondern sage dem Ding im Kasten, das mich vermutlich nicht hört, sondern bestenfalls aufzeichnet, meine Meinung – soll es doch aufzeichnen!

Erfolgsgeschichte?!

und der homo oeconomicus

er legte

die Welt in Fesseln

und Karten an

hat in Gier und Herrschsucht

irgendwann

Grenzen gezogen

- willkürlich

festgelegt,

Kolonien

und Imperien gezeichnet

und in maßloser Überheblichkeit bestimmt,

welches Land für welche Interessen gut ist,

was aus kapitalistischer Sicht gut zu haben wäre

welche Rohstoffe es hergibt usw.

Und was ist schon Freundschaft?

Was bedeutet schon Liebe?

Wenn man bestimmen kann?!

Wie anders wäre die Welt

- wie viel schöner und friedlicher,

hätten nicht die kranken Machtmenschen das Sagen,

hätten Menschen sich in Freiheit begegnen können

und in Freundschaft!

Wie viel hätten die Menschen voneinander lernen können.

So vieles,

das ewig verloren ging,

weil es Profitsucht und Mission und falscher Religion

geopfert wurde.

Reich (was ist das?) und überzeugt

von der eigenen Vormachtstellung

und Überheblichkeit

verwüsten Wenige den ganzen Planeten.

Aber sind sie reich?

Sie haben Geld - und sind doch arm!

Sie sind mächtig, aber wissen weder was Freundschaft

noch was Vertrauen ist.

Erdöl kann man zu Geld machen. Das wissen sie.

Zu Geld, das weder Liebe noch Freundschaft geben kann.

Aber das, was sie zerstörten,

das Vertrauen der Menschen,

das Wissen von uralten Kulturen,

die der achtlose Westen zugrunde richtete,

kann man mit keinem Geld der Welt zurückkaufen.

Die Maschinenexistenz antwortet nicht, sondern spult noch immer ihren Text vom Band:

„Bitte haben sie einen Moment Geduld, das Erfolgs- und Fortschrittsprogramm wird gestartet, bitte gedulden Sie sich…“

Und ich habe keine Lust Geduld zu haben, und schreie kraft- und stimmlos verzweifelt gegen das Robotergehirn an. Tränen laufen mir über die Wangen, weil ich erinnere mich an den Schulfreund, der er einmal war – als er noch auf Bäume kletterte und in Bergseen sprang… Er studierte BWL, VWL und Jura, später Informatik, ich Ethnologie, er ließ sich bei einer namhaften internationalen Firma anstellen, ich feierte Feste, lernte wie ein Yogi zu sitzen und wie ein Vogel zu rufen, ich lauschte Geschichten von alten IndianerStämmen und den Märchen von tausend und einer Nacht… Als ich ihn auf eines der Feste einlud, verschwand er nach einer halben Stunde und ich sah ihn nie wieder. Bis zu dem Tag als er anrief, er sei in der Stadt, ob er mal vorbeischauen könnte. Ich ahnte nicht, in welchem Zustand er sich befindet – ist das ein Zustand? Ist er überhaupt noch?

„Die Erfolgs- und Fortschrittsgeschichte wird gleich gefunden, Sie hören in der Zwischenzeit Musik, bitte gedulden Sie sich!“, antwortet das Gehirn in der KonservenDose.

Ich will schreien, aber meine Stimme reißt wieder und wieder ab und Tränen erstickt stammle ich:

Und wie anders wäre die Geschichte verlaufen

- hätten nicht die kalten Repräsentanten/innen der Macht gewütet!

Wie anders wäre die Welt

- hätten die Sanftmütigen mit weitem und offenem Herzen

sich begegnen und voneinander lernen können!

Stattdessen klotzten die Großindustriellen,

die keine Achtung kennen

- nicht vor anderen Menschen, nicht vor Kulturen und nicht vor der Natur -

überall auf der Welt ihre Fabriken hin,

in denen unter Zwang

und Existenznot Menschen ausgepresst werden.

Diese Industriellen

- sie berufen sich auf Zahlen

und Wohlstand

und wissen nichts von

Freundschaft und wie es ist

in Freiheit und aus Freude

etwas gemeinsam zu schaffen

und voneinander zu lernen.

Sie wissen,

wie man Menschen unterdrückt und ausbeutet,

und kennen Profit.

Die Jeans sind billig

und bringen viel Geld.

Und die Kinder,

die sie fertigten,

trugen früher bunte wehende Kleider

und Blumen im Haar

und sitzen heute in künstlichem Licht

wie Gefangene

in riesigen Produktionshallen

in Abhängigkeit

und in Existenzangst.

Menschen sind Arbeitskräfte

bezahlbar nach Stunden

und hoffentlich möglichst billig.

Viel mehr weiß der Westen nicht

von anderen Menschen und Kulturen.

Und vielleicht noch das,

was Wissenschaftler/innen und Forscher/innen

in ihren Museen und Instituten zusammenrafften

- in ihrem herzlosen Wissensdurst nach Brauchbarkeitskriterien.

Existiert ein Markt für diesen und jenen Pflanzenwirkstoff?

Kann man diese und jene Weisheitslehre in ein Buch pressen,

Artikel rausschlagen und was bringt es für die Karriere?

Noch ein Titel, noch eine Medaille, noch ein Verdienstkreuz,

noch eine Würdigung.

Gemordete Kulturen

- wehrlos liegen sie da

und sie werden ausgeweidet.

Und die Menschen?

Es wird über sie gesprochen.

In Studien erscheinen sie als Objekte.

Menschen – sie werden abfotografiert, zitiert, verpackt auf Buchformat.

Menschen - sie könnten Freunde/innen sein!

Armer Westen.

Du weißt nicht,

was Freundschaft ist.

Armer Westen,

Du weißt nicht,

dass alles,

was bedeutet,

nicht für Geld zu haben ist

und auch nicht mit Erfolg zu umschreiben ist.

Und Du weißt nichts von Freiheit.

Denkst, das ist etwas,

das man/frau im Internet haben kann,

downloaden. down-loaden.

Das Internet man/frau kann es

sinnvoller und weniger sinnvoll nutzen

- mehr auch nicht.

Wirklich ist nur das Leben.

Ein Ort der Freiheit ist das Internet jedenfalls nicht.

Im Gegenteil es ist mindestens so sehr Ort der Unfreiheit.

Freiheit kommt vom Leben,

aber das lässt sich nicht downloaden.

Alles nicht so easy mit der wirklichen Freiheit.

Dann lieber doch die seichte ScheinFreiheit des Internets?

Und was ist schon Frieden

- der langweilige Frieden,

wenn sich am Krieg verdienen lässt?

Und wenn sich Streit entfacht

an den willkürlich gezogenen Grenzen,

was soll es?

Krieg bringt Geld

und Rüstung ist ein Geschäft?

Und wenn die Natur blutet,

na und?

Bäume sind Holz

und Boden ist Fläche

Tiere sind Fleisch

Meere sind Müllkippen

und Zulaufbecken

für Abwasser und Plastik.

Armer Wohlstandsmensch!

Deine Drohen trafen zielgenau

den künftigen Vater Deines Enkelkinds,

der das Herz Deiner Tochter

zum Lachen bringen hätte können

und einsam ist Dein Alter

und Tränen immer nur Tränen

im Gesicht Deiner Tochter.

Wo ist es hin - das unbeschwerte Kinderlachen?

Wohl-Stand beschwert das Alter

und mit Sicherheit werfen die Kriege Schatten,

mit Sicherheit zahlen die Versicherungskonzerne

Rente,

weil die Renten sind sicher,

doch der Rentenscheck,

an wen geht er

weil der Mann,

der vom Krieg als Held wiederkehrte

er ist tot,

obwohl er lebt,

Gefangener seiner Traumata

Gefangener seiner Schatten

und fragt sich und fragt sich,

ob nicht eine/r der vielen,

die er erschossen hat,

seine Tochter war

oder der Mann,

den sie liebt?

Der Mann,

von dem sie spricht

seitdem sie in der Irrenanstalt hockt

-

und wieder

und wieder

-

dieser Mann,

den sie nie sah

und von dem sie ein Kind wiegt

- die Luft

in ihren Armen,

den Wahn

- wieder und wieder

kehrt dieser Mann.

Armer Wohlstandsmensch

und Du schluckst Medikamente,

damit Du Deine Karriere machen kannst

und damit Du

die von Dir geschaffene Wirklichkeit nicht ertragen musst

- in Ihrer leeren Virtualität schiefer Werte und krummer Freiheit,

dafür führst Du Krieg

und mordest den Vater Deiner Enkelkinder.

Den aber, welchen Du triffst,

er ist aus Fleisch und Blut,

der, welchen Du erschossen hast,

er lebte

und das,

was Du seinen Leuten bringst,

ist tot und leer

- eine industrielle - eine elektronische - eine artifizielle Wirklichkeit.

Und die Natur? - Weder ist die Sonne Dein Bruder

noch der Mond Deine Schwester.

Du kennst nur einen, Dich und Du Deine Herrschaft.

Armer Wohlstandsmensch

und die Blumen und Bäume gingen laut- und klanglos

- still.

Und Du hältst all die Scheine in der Hand

aus Papier

- sie wärmen nicht einmal,

wenn man sie anzündet.

Und mit den Bäumen ging Dein Atem.

Dein Körper,

den Du beherrschst wie die Welt,

schüttelt sich unter Krämpfen.

Der menschliche Körper

- kartiert nach Funktionseinheiten -

gab mit den Funktionen den Geist auf.

Und irgendwann

ist sie weg

- all die Kontrolle -

irgendwann,

nach dem man/frau sich durchs Leben schleppte

zeigt sich,

dass diese Kontrolle eine Lüge war

- nie existent,

die Funktionseinheiten sich wehren.

Oben denkt es – und nun fragt es sich, wo blieb das Gefühl?

In der Mitte pumpt es – und nun fragt es sich, wo ist die Liebe?

Unten brodelt es und tauscht es Stoffe aus – und nun zerbricht die Illusion der Austauschbarkeit. Weil das Herz fehlte, die Liebe, die einzig macht.

Und was, das fragst Du nun,

wenn es diese funktionale

hierarchische Struktur,

in die der Wohlstandsmensch

Welt und Natur und sich selbst presst

- drückt,

und dabei unterjocht,

wer immer ihm in die Quere kommt,

in Wirklichkeit gar nicht gibt,

sondern sie ein Ausdruck ist

der Unwissenheit, der Gier und Lieblosigkeit

und ein totes Konstrukt ist,

das zur Fessel wird,

eine Ideologie,

die grausame Realitäten schafft?

Dein Kopf handelt im Wahn,

aber Dein Schwert trifft wirklich.

Dein Mund sabbert von Freiheitskampf und abendländischen Werten,

aber Deine Hand

schafft Unterdrückung.

Weder in der Welt!

Noch in unserem Körper existieren Hierarchien.

Die Menschen schaffen sie mit Gewalt.

Was,

wenn all die funktionalen Dinge

gar nicht so entscheidend sind

Denkmaschine

Pumpmaschine…

Aber

Wo

wo

in unserem Körper,

ist Mitgefühl?

Wo

wo Ethik?

Wo

wo das Schöne?

Wo

wo das Gute?

Wir würden blöd schaugen,

wenn sich ein lieber Freund zu Besuch ankündigte,

und dann klingelt ein sprechendes Gehirn im Tank

an der Tür

und erklärt uns

- ich hab mich vom Rest entledigt

weil alles, worauf es ankommt

ist mein Gehirn!

Wen wollen wir dann mit einer Umarmung empfangen?

Durch wessen Haare

in Wiedersehensfreude mit Lachen und Tränen wuscheln?

Wessen Hand halten?

In wessen Augen im Gespräch versinken?

In wessen Lächeln eintauchen?

In der Mitte des Menschen

- heißt es bei einem ZenMeister -

im hara

- ist die Mitte des Weltalls,

weil sich der Mensch nicht zersägen lässt

in Funktionseinheiten

und Organe mit Sitzen von rein funktionalem Wert,

weil der Mensch auch nie

ein solipsistisch einsamer Punkt ist,

sondern es gibt uns

- weil es das Universum gibt

und würde dem Universum

auch nur die unscheinbarste Blume fehlen

würde ihm alles fehlen.

Es heißt im NT,

sogar die Haare auf Eurem Kopf sind gezählt

und keine einzige Blume

ist vergessen in der Liebe Gottes.

Schöne Grüße auch

Daniela Waldmann

01:03 28.07.2013
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