Jetzt mit Humor

Feminismus Anders sexy: Die Musikjournalistin Caitlin Moran und die Komikerin Tina Fey, womöglich die lustigste Frau der USA, feiern mit ihren Büchern das Frausein

"Erforschen Sie mit der Hand das Innere Ihrer Unterhose, und beantworten Sie die folgenden Fragen:

a) Haben Sie eine Vagina?

b) Möchten Sie selber über sie bestimmen?

Sie haben beide Fragen mit 'ja' beantwortet? Herzlichen Glückwunsch, Sie sind eine Feministin."

Ein griffiger Schnelltest von bestechender Logik. Die Essenz des Feminismus, so wie die Britin Caitlin Moran ihn versteht. Ihr Buch How to be a woman, nun auch auf Deutsch erschienen, ist ein Manifest, das sich wie eine überlang geratene Kolumne liest. Wütend, witzig, wundervoll. In Großbritannien war es das bestverkaufte Sachbuch, die Kritiker bejubelten überrascht die Rückkehr des Feminismus, den sie offenbar für tot hielten. Es ist ein Feminismus mit anderen Mitteln. Mit den Waffen der Gegner. In diesem Fall: der Frauenzeitschriften und ihren Themen.

Caitlin Moran, 37, ist erfolgreiche Musikjournalistin, sie schreibt seit Jahren für die Times. In ihrem Buch verdammt sie die Spice Girls, feiert Lady Gaga und erzählt aus ihrem Leben. Aufgewachsen ist sie mit sieben Geschwistern, fett und arm, wie sie sagt, und alleingelassen mit all den Fragen rund ums Frausein. Denen widmet sie sich nun umso ausführlicher. „Niemand setzt sich mal ernsthaft mit Klatschmagazinen wie OK! auseinander. Oder mit 600-Euro-Handtaschen, Stringtangas, Intimzonen-Waxing und idiotischen Jungesellinnen-Abschieden. Oder mit Katie Price“, schreibt Moran in ihrem Buch. Feminismus sei zu wichtig, als dass man ihn den Akademikerinnen überlassen dürfe. Es geht um Pornos, Abtreibung, Muttersein, aber eben vor allem auch um das gerade Genannte.

Der Biber im Sprungtuch

Moran taucht ein in die Popkultur, um das Wort und die Deutungshohheit über Frauenbilder zurückzuerobern, die Magazine, TV-Serien und Musikvideos beherrschen. Und das mit Humor. Es ist keine intellektuelle Abhandlung, eher gefühlte Analyse, subjektiv, aber der Leserin sehr vertraut. Etwa, wenn Moran über Sliporexie, die überall herrsche, wettert, diese verflixt knappen Unterhosen, in denen man zum Stillhalten verdammt ist: „Militante Feministinnen BRAUCHEN große Unterhosen“, schreibt sie, ihre könne „bei jedem x-beliebigen Großbrand problemlos als Sprungtuch eingesetzt werden“. Wofür diese Tangas, fürs Allzeitbereitsein, falls es mal zum Entblättern kommt? Nach der Logik, schreibt Moran, müssten Männer „dauernd zwei Tickets für einen Kurztrip nach Venedig in ihren Boxershorts deponieren, nur für den Fall, dass sie einer Frau begegnen, die JETZT GANZ DRINGEND romantisch sein will“.

Tun Männer das? Für Caitlin Moran ist das eine wichtige Schnellcheckfrage. Lautet die Antwort nein, ist häufig was faul am Frauenbild. Zum Beispiel beim Thema Intimrasur. „Ich hasse euch, euch Porno-Standards, die ihr es bis in meine private Unterhose geschafft habt“, schreibt sie. Sie lässt wachsen und schwärmt: „In der Hängematte zu liegen, den Sternenhimmel anzuschauen und sich dabei mit den Fingern seinen Biber zu kämmen, gehört zu den größten Freuden des Frauseins“ Die Meinung muss man nicht teilen, aber worum es Caitlin Moran geht, ist: Jede Frau hat die Wahl. Alles ist normal. Feminismus als Lebenshilfe in drastischer, ironischer, befreiender Sprache.

Das Problem ist nicht der Mann, sondern das Frauenbild. Ausgerechnet die britische Ausgabe der Cosmopolitan schwärmt, das Buch zeige Frauen „wie sie wirklich sind“, Grazia, auch ein Frauenmagazin, lobpreist: „Das Buch, das jede Frau lesen sollte“. Die Lektüre der Zeitschriften wird sich bald erübrigen. Denn Caitlin Moran ist nicht die Einzige, die knallharte feministische Forderungen in heitere Lektüre packt.

Die Frau, die Sarah Palin war

Fragt man in der gutsortierten Buchhandlung nach Tina Feys Bossypants, kommt eher abfällig die Antwort: „Im zweiten Stock, bei ,Humor‘.“ Dort liegt sie neben Mario Barth. Das hat sie nicht verdient. Tina Fey, 42, ist mutmaßlich die lustigste Frau Amerikas, sie war prägende Autorin bei Saturday Night Live, hat ihre eigene TV-Serie geschrieben, 30 Rock, und als Doppelgängerin von Vorzeigerepublikanermami Sarah Palin hat sie Comedy-Geschichte geschrieben. Haben Frauen Humor? Das Leben dieser Frau ist die Antwort darauf – und der Untertitel zu ihrem gerade auch hier erschienenen, autobiografischen Buch: Haben Männer Humor? ist ein Seitenhieb auf all die dummen Vorurteile. Auf dem Cover von Bossypants sitzt Feys Kopf auf einem fülligen, behaarten Oberkörper im weißen Hemd. Sie ist der Chef. 200 Leute arbeiten für sie bei 30 Rock.

Ihr Buch ist eine witzige Mischung aus Anekdoten, Listen und Sketchen: schlimme Jobs, schlimme Flirtversuche, schlimme Schönheitsfehler – eine Auswahl: Schambeinfett, keinen Schwung in den Augenbrauen, hässliche Nagelbetten. Um Körperbilder geht es auch bei Fey, um dünn sein oder dick, um Mode, Schönheits-OPs und Photoshop, wie Moran ist sie nah dran an der Leserin, weil sie das alles erlebt, probiert, durchlitten hat. Beide schreiben mit Selbstironie statt Selbstmitleid, voller innerer Stärke, und am Ende lautet die wichtigste Schönheitsregel: „Ist doch egal.“

Gerade Tina Fey macht durch ihre Karriere vor, wie es doch gehen kann, sich als Frau durchzusetzen. Mit Humor. Und ganz nebenbei bekommt der Zuschauer Feminismus ab, etwa im legendären Sketch, in dem sie Sarah Palin im Disput mit Hillary Clinton spielt. „In Wirklichkeit ging es darum, dass sich zwei Frauen gegen Sexismus in der Politik aussprechen“, schreibt Fey. Sie empört sich über Sexismus am Arbeitsplatz wie bei Kinderkrieg- und bei Stillfragen (Fey spricht von „Nippel-Nazis“) und dass Frauen ab einem gewissen Alter als „verrückt“ gelten. Aber ihr Leben ist der Beweis: Man kommt dagegen an.

Natürlich, das machen beide Autorinnen klar, gibt es Schlimmeres, als zum Waxing gezwungen zu werden. Aber sie wollen die Frauen bei den Themen packen, die sie tagtäglich von den Medien vorgehalten bekommen. Wenn man alle kriegen will – auch die, die bisher dachten, ist schon alles okay, dann so: mit Humor und zwei Frauen, die anders sind und doch genauso.

Na, schon die Hand in der Hose?

13:28 02.07.2012
Geschrieben von

Daniela Zinser

Redakteurin Alltag
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