Opulenz im Wohnzimmerformat

Popmusik Spätestens seit dem ersten Album von Fismoll, "At Glade", steht fest, dass das Warschauer Label Nextpop wunderschöne Popmusik produziert.
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Seit "At Glade" ist Fismoll auch Musikliebhabern hierzulande ein Begriff, einzig ein größeres Debüt auf deutschen Bühnen steht noch aus. Arkadiusz Glensk & Band haben nun mit der kürzlich veröffentlichten "Box Of Feathers" nachgelegt. Qualitativ steht die LP in einer Reihe mit ihrer Vorgängerin. 40 Minuten sind zu wenig Spielzeit, um die Platte nicht anschließend direkt ein zweites, ein drittes Mal zu hören. Während bei "At Glade" insbesondere die beiden Video-Auskopplungen "Let's Play Birds" und "Trifle" den Gipfel der Songwriting-Kunst boten, besticht die neue LP durch den Gesamteindruck. Zwar sträubt man sich von einem Konzeptalbum zu sprechen. Das Motiv ist jedoch klar: Es geht darum, musikalische Landschaften zu malen, den Hörer auf einsame Berggipfel und nebelverhangene Pfade mitzunehmen.

Eine langer, tiefer Seufzer zu Beginn des Songs "Holy Ground", bevor Glensk singt: "I'm no angel, nor a thief. Words of wisdom have a hollow ring to me." "Box Of Feathers" steht knietief im Pathos und kramt in der Kitschkiste. Es ist aber nicht so, dass dies einen negativen Einfluss auf die Klasse des Albums hätte. Die warme, breitflächige Instrumentierung und die im Vergleich zu "At Glade" zurückhaltendere, noch behutsamere Gitarre kreiieren einen sanften Klangteppich, der pointiert durch Violine und Cello ergänzt wird. Für die signifikante Dramaturgie von "Box Of Feathers" sorgen neben den Streichern Guitalele und Coda-Gitarren beim epischen Finale "Matricaria", das an Bon Iver erinnert.

"To us" steht auf der ersten Seite des wunderschön gestalteten Booklets. Man mag gerne glauben, dass Fismoll und Band mehr sind als eine bloße Zusammensetzung von talentierten Einzelmusikern. Arkadiusz Glensk (Gesang, Gitarren, Piano), Robert Amirian (Bass), Kuba Szydlo (Drums), Johanna Glensk (Cello), Kristine Harutyunyan (Violine) und Kacper Budziszewski (Gitarren) sind ein eingeschworenes Familienorchester, das Opulenz im Wohnzimmerformat bietet. In Warschau wird polnische Popgeschichte geschrieben, so viel steht fest.

German bookers, can you hear me?


(Der Beitrag ist zuvor in leicht veränderter Form auf www.nillson.de erschienen.)

12:53 02.09.2015
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