Die Krise in der Ostukraine bleibt draußen

Eurovision Die Ukraine ist beim Eurovision Song Contest dabei - trotz der politischen Krise im Osten des Landes.
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http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0c/Mariya_Yaremchuk%2C_ESC2014_Meet_%26_Greet.jpg_01_%28crop%29.jpgWährend in der Ostukraine noch OSZE-Beobachter als Geiseln festgehalten werden und Zivilisten in Gefechte zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Soldaten verwickelt werden, wartet Maria Yaremtschuk auf ihre erste Probe. Sie wird am Dienstag, den 6. Mai 2014 für die Ukraine beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen auftreten. Es ist eine schwere Bürde, die die junge Sängerin mit sich trägt. Maria Yaremtschuk wurde im Dezember 2013 zur Repräsentantin für die Ukraine gewählt – noch bevor die Krise in der Ostukraine begann.

Für 3 Minuten die Krise vergessen

Maria Yaremtschuk studierte an der Gesangsakademie in Kiew und an der Fakultät für Politik und Geschichte der Universität in Tscherniwzi. Sie verfolgt die Entwicklung in Ihrer Heimat aufmerksam. Es hieß, dass Maria Yaremtschuk den von ihr geschriebenen Song „Tick-Tock" nicht mehr singen wollte, da sie ihn angesichts der Krise in der Ostukraine als zu fröhlich empfand. Doch das ukrainische Fernsehen beharrte auf dem Song. Nach ihrer ersten Probe beschwichtigte Maria Yaremtschuk die anwesenden Journalisten: Sie habe nie daran gedacht ihre Teilnahme abzusagen. Die Vehemenz ihrer Antwort zeigt auch: Die Krise in der russischgeprägten Ostukraine kann nur schwer beim Eurovision Song Contest ausgeblendet werden, da der Musikwettbewerb oft von politischen Entwicklungen überschattet wird.

Die Ukraine gehört zu den Ländern, die besonders gut beim Eurovision Song Contest abschneiden. Zu der bekanntesten ukrainischen Teilnehmerin für den Eurovision Song Contest gehört die Pop-Ikone Ruslana. Sie errang 2004 mit „Wild Dance“ den ersten Sieg für die Ukraine. Im November gleichen Jahres begann die Orange Revolution, in der sich Ruslana politisch engagierte.

Der Australier Stephen Oliver beschreibt in seiner 2011 produzierten TV-Dokumentation „The Secret History Of Eurovision", dass der Eurovision Song Contest 2005 in Kiew nach Ruslanas Sieg eine Plattform für die neue Regierung um Timoschenko und Jutschschenko war, um sich Europa anzunähern. Doch konnte der Filmemacher zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, dass die Querelen innerhalb der Regierung und die Inhaftierung Timoschenkos das hoffnungsvolle Projekt Europa zum Stoppen brachten.

Ein Popsong zum falschen Zeitpunkt

Das Abschneiden der Ukraine beim Eurovision Song Contest selbst wird nichts an der politischen Lage in der Ostukraine ändern. Allerdings tut sich die ukrainische Delegation auch keinen Gefallen damit, wenn sie die Straßenschlachten in der Ostukraine durch einen Popsong zu verschleiert, der eigentlich nicht die Stimmung der Ukrainer widerspiegelt.

10:02 02.05.2014
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Geschrieben von

Daniel Koch

Schreibt über den Eurovision Song Contest, die Teilnehmer, die Länder und die TV-Shows
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Daniel Koch

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