Wo der Song Contest stattfindet, ist Wurst

Eurovision Egal ob Wien, Innsbruck oder Graz: perfekte TV-Bilder und Sicherheit für alle Beteiligten sind wichtiger als wohlklingende Städtenamen
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Der nächste Eurovision Song Contest findet am 23. Mai 2015 in Österreich statt. Das ist soweit sicher. Noch hat sich der ORF aber nicht entschieden, welche Stadt die größte Musikshow Europas austragen darf.

Drei Städte bewerben sich um den Eurovision Song Contest: Wien, Innsbruck und Graz. Die Städte erhoffen sich durch den Eurovision Song Contest eine Aufmerksamkeit und einen Prestigegewinn, wie er sonst nur durch sportliche Großereignisse erreichbar ist. Der Eurovision Song Contest 2011 brachte der Stadt Düsseldorf damals laut Expertenschätzungen Werbung in deutschen Medien im Wert von knapp 390 Millionen Euro ein. Diese Gelegenheit will man sich auf keinem Fall entgehen lassen. Die lokalen Stadtzeitungen bewiesen sich in ihrer Berichterstattung zur Vergabe als freiwillige Helfer ihrer Stadthalter, da Sie ihre Stadt bereits vollmundig als klaren Favoriten präsentierten.

Doch der ORF und die EBU haben klare Regeln aufgesetzt, unter denen die TV-Show veranstaltet werden soll: Die Stadt muss über eine große überdachte Halle verfügen, die für mindestens sechs Wochen lang freigehalten werden kann.

Ausgehend von Medienberichten sind die Wiener Stadthalle, die OlympiaWorld Innsbruck und die Stadthalle Graz als Veranstaltungsort im Gespräch. Allerdings ist die Wiener Stadthalle bereits für große Konzerte im April und Mai 2015 gebucht worden und in der OlympiaWorld in Innsbruck soll am 24. Mai 2015 ein österreichischer Comedian auftreten. Man müsste also den Veranstaltern absagen und eventuelle Kosten erstatten. Die Stadthalle Graz ist mit einer Kapazität von rund 5.000 Zuschauern eigentlich viel zu klein für den Eurovision Song Contest. Und der Neubau einer Halle kommt für den ORF nicht in Frage.

Alle wollen nach Wien

Der ORF will eigentlich in Wien sein, um nicht sein ganzes Personal und technisches Equipment durch halb Österreich zu transportieren. Auch die EBU bevorzugt Wien als Veranstaltungsort, da man in der Wiener Stadthalle den Künstlerbereich („Green Room") wieder direkt im Publikum haben könnte, was im Fernsehen bisweilen sehr gelungen aussieht.

Sollte es der Stadt Wien nicht gelingen, die Wiener Stadthalle für den Eurovision Song Contest günstig freizubekommen, dann könnte Innsbruck mit der OlympiaWorld den Trumpf in der Hand halten. Doch auch hier müssten die Hallenbetreiber mitspielen und sich gütig mit Veranstaltern einigen. Gelingt dies nicht, wäre die Stadthalle Graz ein Notnagel, für den sich die EBU nur schwerlich begeistern lassen könnte.

Das Eurovision-Gefühl zählt

Doch spielt es wirklich eine Rolle, in welcher Stadt der Eurovision Song Contest stattfindet? Der ORF und die EBU sind nicht dafür da, den Städten Tourismuswerbung für lau anzubieten. Sie müssen TV-Bilder produzieren, die über die ganze Welt ausgestrahlt werden. In Kopenhagen ist dies dem dänischen Rundfunksender DR und der EBU gelungen, obwohl der Eurovision Song Contest am Stadtrand und obendrein noch in einer Schiffswerft stattgefunden hat, die inmitten einer recht heruntergekommenden Landschaft stand. Das TV-Erlebnis hätte auch in der dänischen Provinz bestens funktioniert.

Das Eurovision-Gefühl kann überall entstehen, sofern die technischen Rahmenbedingungen eingehalten werden können und die Sicherheit für Fans, Künstler, Helfer und Mitarbeiter gewährleistet ist. Es braucht nur diese ausgelassene Atmosphäre, in denen sich Fans frei entfalten können, in der sie so sein dürfen, wie sie sich fühlen und ihren Künstlern zujubeln können. Die Künstler müssen sich auf der Bühne wohlfühlen und brauchen die Nähe zu den Fans.

Krisenländer wie die Ukraine oder Russland hätten im Moment einen schweren Stand bei der EBU. Man kann froh sein, dass die EBU sich im Moment nicht mit den Sorgenkindern Europas vorrangig beschäftigen muss.

Foto: VIPevent, flickr.com
19:16 30.07.2014
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Geschrieben von

Daniel Koch

Schreibt über den Eurovision Song Contest, die Teilnehmer, die Länder und die TV-Shows
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Daniel Koch

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