Daniel Martienssen
16.07.2014 | 00:15 96

Jogis Jungs als trojanisches Pferd

#Gauchogate Die DFB-Auswahl hat unverkrampft Fußball-Deutschland in Brasilien repräsentiert – weltoffen und modern. Die Gaucho-Nummer zeigt indes: Es war alles nur schöner Schein

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Daniel Martienssen

Jogis Jungs als trojanisches Pferd

Überflüssiger Hohn: Der "Gaucho-Dance" wird von der Presse fast einhellig als "Schnappsidee" bezeichnet

Foto: Alex Grimm/ AFP/ Getty Images

"Wer die Gaucho-Nummer kritisiert, war noch nie im Fußballstadion", so die häufigste Kritik von echten, hartgesottenen Fußballfans. Ja, klar möchte man gutmütig antworten. Spieler wie André Schürrle, der Torschütze im Finale, Mario Götze, und der liebvoll genannte Opa der DFB-Auswahl, Miroslav Klose, führen ein gängigen Schmähgesang in deutschen Stadien auf, bei dem sie in gebückter Haltung den Verlierer des Finales, die Argentinier, verhöhnen und sich selbst umso begeisterter feiern.

Ein Spaß. Nach diesem anstrengenden Finale einfach mal mit hunderttausenden Fans die Sau rauslassen, sich mit den Fans verbrüdern, mit ihnen auf dieselbe Ebene kommen – mehr ist es doch wirklich nicht gewesen. Jetzt kann man mal Fünfe gerade sein lassen.

Jogis Jungs, Lahm, Schweinsteiger, Neuer, Kramer, Götze, Boateng und all die anderen haben alles in allem ein glänzendes Turnier gespielt, haben beigetragen, dass sich Deutschland in den Reigen der Fußballnationen wie selbstverständlich eingefunden hat. Dass man, nun ja, für die DFB-Auswahl mitfiebert. Für Deutschland zu sein klingt auch im Jahr 2014 irgendwie schräg – zu viel nationaler Pathos.

Da ist aber dieses unverkrampfte Deutschland in Brasilien gewesen, eine Mannschaft eigentlich, die bisher nicht über die Maßen die deutsche Nation hat raushängen lassen: Ein Mario Götze, der Kopfhörer eines afroamerikanischen Rappers trägt, Schweinsteiger und Podolski, die gemeinsam mit Rihanna den Siegesrausch feiern: Weltoffene Mannschaft - weltoffenes Land. Schland halt.

Aber nun entpuppt sich ausgerechnet die DFB-Auswahl, die Jungs, die im Halbfinale und im Finale so sehr begeistert haben, als trojanisches Pferd: Auf einmal stürmt es heraus: die deutsche nationale Überlegenheit, "die Deutschen die geh'n so".

Die Fußballspieler, die eben noch in Brasilien so wunderbar unaufgeregt Fußball gespielt haben, auf die man stolz ob des Fußballspielens gewesen ist, ausgerechnet sie haben dieses moderne Nationenmarginalisierende abgestreift und sich den einfachen, tumben Deutschland-Fans an den Hals geworfen.

Die Spieler führen die Fans nicht in die Moderne – sondern der tumbe Deutschland-Fan die Spieler am Nasenring durch die Manege zurück ins 20. Jahrhundert.

Wer 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges die deutsche Nation durch vermeintliche Überlegenheit – und sei es auch nur spielerisch – wiederbeleben will, sollte lieber einen Blick in die darauffolgende Geschichte werfen, statt den Schmähgesang in deutschen Fußballstadien zu internationalisieren.

Das moderne Deutschland war also nur ein trojanisches Pferd – schade Jungs!

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (96)

seriousguy47 16.07.2014 | 00:58

Es war nicht die Mannschaft, sondern eine Gruppe. Und die sind kein trojanisches Pferd für irgendwas, sondern Produkte deutscher Fußballkultur, die vermutlich gar nicht so anders ist wie anderswo.

Das Auftreten der Mannschaft in Brasilien hat den Fußball vermutlich für viele attraktiver gemacht, die die übliche Fußballkultur weder kennen noch schätzen würden.

Insofern ist da jetzt wohl ein Missverstädnis aufgeklärt worden. Man kann das jetzt so sehen wie im Beitrag. Man kann aber auch umso mehr schätzen, dass das öffentliche Verhalten in Brasilien so viel anders war als vermutlich in so mancher Kabine und alkoholseliger Runde.

Mir wurde die Meisterfeier übrigens schon vorher peinlich, so dass ich da gerade abgeschaltet habe. Aber dass die Fußballer immer noch Fußballer sind und keine politisch korrekten Heiligen, ist doch normal. Wir sollten uns einfach dieser ganzen medialen Überhöhungen wieder entledigen und auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Und die Fußballer nicht auf Basis dieser Überhöhungen verurteilen.

Am Ende war es eine Fußball-WM, kein Schönheitswettbewerb für Gentlemen. Und die Trainer können ja auch noch ein bisschen Erziehungsarbeit leisten......;)

JR's China Blog 16.07.2014 | 05:39

Klar sind die FIFA- und DFB-Veranstaltungen (auch) trojanische Pferde. Sie sollen vom Wesentlichen ablenken (was elf bis 23 Mann auf einem internationalen Turnier ausrichten ist nicht wesentlich), und sie sollen andererseits das "Wir-Gefühl" zu Lasten der Gerechtigkeit stärken.

Wer jetzt enttäuscht ist, macht sich - m. E. - ein bisschen lächerlich. Ein paar ehrliche Minuten - und um die handelte es sich auf der "Meisterfeier" ja wohl - sind weder "Ausrutscher" noch Grund zur Klage. Man kriegt, was man gekauft hat. Nächstes Mal weiß man vor dem Turnier Bescheid - es sei denn, man will die Illusion.

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Ehemaliger Nutzer 16.07.2014 | 08:46

Ich halte ja Fußball auch für einen ausgemachten Blödsinn und eine WM für eigentlich paranoid.

Aber ein Gutes hat sie, die WM, auch für Linke. Gibt sie doch eine gute Vorlage, die eigene Erhabenheit zu zelebrieren.

Ich hätte sicher, gäbe es die DDR noch und hätte sie den Titel geholt, meine patriotische Sau herausgelassen und ein schwerz-rot-goldenes-Hammer-und-Zirkel-Fähnchen geschwungen im begeisterten Überschwang. Gejubelt hätte ich vermutlich auch.

Magda 16.07.2014 | 09:28

Das war einfach eine geschmacklose Idee. Passt das überhaupt zu der Mannschaft, die sich beim Sieg gegen die Brasilianer doch fair und kameradschaftlich gezeigt hat?

Wer kennt das "Originallied" überhaupt?

Das ist ein Rundgesang. Gibts in vielen Varianten.

Hier die Variante für den Kindergarten. Vielleicht hat ein PR-Spaßvogel da seine frühkindlichen Traumata abgearbeitet.

Ich frage mich, ob so ein Quatsch auf deren Mist gewachsen ist.

Saul Rednow 16.07.2014 | 10:11

@Daniel Martienssen

Ich stimme der Aussage Ihres Blogs zu, bis auf die Formulierung „trojanisches Pferd“, dazu unten im Text mehr.

Ich mochte ja meinen Ohren und Augen kaum trauen und war regelrecht erstarrt vor Scham und Ärger, als ich den Schmähgesang gegen die unterlegenen Argentinier hörte und die „tänzerische Umsetzung“ sah.

Da war sie wieder, die überhebliche, dümmliche Arroganz gegenüber anderen Völkern, die ich so hasse. Wie viel mehr Klasse und Selbstbewusstsein hätte es dagegen gespiegelt, anstatt andere zu schmähen, mit ein bis zwei Sätzen kurz die Leistung der zweit platzierten Mannschaft zu würdigen?

Bin ich ein humorloser Spaßverderber? Möglicherweise ja, vielleicht aber auch nur etwas sensibilisiert nach unserer „ruhmvollen“ jüngeren Vergangenheit. Dass die FIFA homophobe Schmähgesänge mexikanischer Fans während der WM nicht ahndete, obwohl sie sich den Kampf gegen Rassismus und Homophobie jüngst auf die Fahnen geschrieben hatte, überraschte mich nicht wirklich, sondern fügte sich in mein „Bild“, dass ich von diesen Funktionären (und den grotesk überbezahlten Kickern) habe.

Noch kurz zu Ihrer Formulierung „trojanisches Pferd“: Nein, wenn man genau hingesehen hat, haben diese Fußballer bereits vorher immer dann gezeigt, dass sie es „eher in den Beinen, als im Kopf“ haben, wenn sie bei Interviews den Mund aufmachten. Insofern stimmt es was ein anderer Kommentator hier bereits, wenn auch anders formuliert, schrieb: „Wie gesehen, so geliefert“.

berlino1010 16.07.2014 | 10:54

Der Gauchotanz war saudämlich und unterstes Ballermann ... viel mehr aber auch nicht ...

das hat was mit falscher Häme und Auslachen zu tun ...

ein falsches Vorbild für die Fußball-Jugend, denen die Trainer und Betreuer immer wieder versuchen, Fairness und das Weglassen von Häme beizubringen ....

aber Nationalismus war das nicht ... aber unfair, arrogant und ja geschmacklos

Richard Zietz 16.07.2014 | 11:03

Ehrlich gestanden – etwas Shocking. Erster Gedanke: Haben die sowas tatsächlich nötig? Nach den richtig tollen Bildern nach einem richtig tollen Spiel?

Okay – man sollte, meine Meinung, einzelne Sachen, Gesten nicht überbewerten. Andererseits fand ich den Kontrast zwischen dem »Gag« am Rand der Fanmeile und der Fußballkultur, die man in Brasilien zelebriert hat, ziemlich schreiend. Dort: locker-zwangloses Familienstelldichein auf dem Rasen nach dem Spiel, Küsschen-Pose von Schweini + Poldi, ein Bundespräsident, der einmal nicht unangenehm auffiel, insgesamt ein recht ansprechendes, zeitgemäßes Bild von Fußball, dort der Rückfall (Ausrutscher?) in eine Schmäh-Kultur, die leider kurze, ziemlich offene Flanken hat zu Rassismus, Großmachtchauvinismus und anderen negativen Erscheinungen.

Soll man’s überbewerten? Nee. Kritisch zur Sprache bringen allerdings durchaus. Nicht alles muß gefallen. Und damit braucht man auch nicht hinterm Berg zu halten.

alalue 16.07.2014 | 12:24

Aber ich bitte Dich !

Dein Jubel wäre voll gerechtfertigt gewesen: der Arbeiter- und Bauernstaat, der für internationale Verständigung eintritt, in dem es keine Ausbeutung gibt und der solche Spiele selbstverständlich unter dem Gesichtspunkt der internationalen Arbeitersolidarität stellt.

Da hätte ich auch gejubelt, und statt des Gaucho- hätten sie den Ausbeutertanz gemacht. Das wäre was gewesen !

Donnawetta 16.07.2014 | 12:24

Eine üble Geschichte. Aber noch schlimmer fand ich die Kommentare im Netz auf diejenigen, die sich gestern kritisch zu diesem Auftritt geäußert haben. Das Wort Shitstorm trifft es da ganz gut. "Lasst uns feiern und haltet die Klappe", "Hau ab!" "Das war harmlos!", "Das haben sie nicht so gemeint" waren da noch die harmlosesten Sätze. Ein überaus netter Mob, der sich da breit macht.

Heinz Faber 16.07.2014 | 12:24

"Der hässliche Deutsche" - da ist er wieder. Allerdings nicht, wie von Ihnen, Herr Martienssen, kolportiert. Es darf in Deutschland einfach nichts einfach nur "schön", "gelungen" sein. Wir, die Deutschen, haben das zwanghafte Bedürfnis, uns fremdzuschämen. Da führen sich ein paar Erwachsene auf wie Kindergartenkinder, machen dem unterlegenen Gegner eine lange Nase und strecken die Zunge raus. Wie böse! Man steht machtlos davor und es bleibt nichts, als den Finger zu heben und zu blöken "Mein Gott, seid ihr kindisch! Werdet mal erwachsen!"

In Deutschland muss immer alles klar definiert sein, über alle Zweifel erhaben, nichts und niemand darf in der Lage sein, daran rumzukritteln. Und wenn es diese schon nicht gibt, nehmen wir das selbst in die Hand.

Nein, "der hässliche Deutsche" findet sich nicht im tumben Singsang einiger sieges-, möglicherweise alkoholtrunkenen Nationalspieler mit zu wenig Schlaf. Er findet sich in genau IHREM Artikel wieder, Herr Martienssen.

Schade!

Ernstchen 16.07.2014 | 12:58

Ich habe das Gefühl dass manche Intellektuelle und Journalisten den Eindruck bekommen haben, bei der Fußball-WM handelt es sich um eine Feuilletonveranstaltung und jetzt gäbe es das böse Erwachen - oh Schreck, Fußball(er) ist/sind doch eher der Stoff aus der die BILD ist! Fußballschauen ist ein "guilty pleasure", eine Gelegenheit für den instinktiven, ja animalischen Herdentrieb der im vermeintlichen Individualisten-Jahrhundert immernoch in uns steckt. Ein gutes Ventil, solange es nicht zu krassen Anfeindungen und Gewalt kommt. Der moderne Fußball ist sehr viel mehr "zwangszivilisiert" mit strengem professionellem Regiment für die Spieler, die gerade noch beim Torjubel mal kurz die Sau raus lassen dürfen. Dass durch diese Professionalisierung die Spieler, die ja Körper- und weniger Geistarbeiter sind, sich der "primale" Teil ihrer Persönlichkeit und auch des Phänomens Fußball an sich anstaut und dann vielleicht mal etwas übers Ziel hinausschießt, gerade auch im Vergleich der sonstigen Aktivitäten, inkl. rhetorisch einstudierten Interviews, ist folgerichtig und das müssen wir aushalten können. Denn "die Deutschen", die dort angeblich rassistische Schmähungen der untersten Schublade von sich gegeben haben, heißen Boateng, Podolski, Özil, Khedira und Mustafi, und liegen einander in den Armen. Was daran ein Anzeichen von nationalistischem Rassismus sein soll, kann mir wohl nur jemand aus einem Paralleluniversum erklären.

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JR's China Blog 16.07.2014 | 13:30

Jeder darf so doof sein wie er will. In ganz weiten Grenzen darf er auch sagen oder singen was er will. Er darf es aber seinen Mitmenschen ebenfalls nicht verbieten, aus dem Gesagten oder Gesungenen auf ihren Charakter zu schließen.

Ein anständiger Mensch tritt bei einer ernsten Angelegenheit nicht nach, oder er denkt hinterher nochmal nach und entschuldigt sich dafür. Und die WM war für alle Beteiligten ernst, egal welcher Staatsangehörigkeit.

Fans müssen das nicht kapieren - wer von denen glaubt, es habe sich um "Spiele" gehandelt, mag jenseits von Gut und Böse sein. Profis aber, die derart achtlos mit ihren internationalen Kollegen umgehen, werden zu Recht kritisiert.

chens 16.07.2014 | 14:26

Die ganze Aufmerksamkeit, die dieser Aktion zuteil wird, lässt tief blicken und zeigt auf, wie unter dem Dogma des tolanten, multikulturellen Ansatzes einmal mehr von wichtigeren Problemen abgelenkt wird.

Fußball ist ein Spiel. Wer da mitspielt, muss damit rechnen, dass er verliert und dass der Gewinner danach zeigen möchte, wer denn hier gewonnen und wer verloren hat. Dass dieses Spiel einen nationalstaalichen Anstrich hat, liegt schon in der Natur eines Wettbewerbes zwischen "Nationalteams". Die Perversion der Bestürzung über den Gaucho-Tanz gipfelt in dem - natürlich, wie hätte es anderes kommen sollen - historischen Vergleich mit dem Machtstreben des faschistischen Deutschlands.

Wettbewerb zwischen Nationen findet täglich in unserem Wirtschaftssystem statt. Wenn die Folge dessen lediglich wäre, dass sich danach die Gewinner über die Verlierer lustig machen, wie gerne würde ich diesen Zustand gegen den jetzigen, in dem die Verlierer unterdrückt und ausgebeutet werden, eintauschen!

PS. Heute habe ich gegen meine sechsjährige Schwester beim Uno-Spielen gewonnen. Ihre Freundin Paula und ich fanden es danach sehr witzig, sich über sie lustig zu machen, weil sie gar zu griesgrämig guckte. Musste und konnte sie aushalten und auch ein Messi wird das schaffen.

Magda 16.07.2014 | 14:46

Dass durch diese Professionalisierung die Spieler, die ja Körper- und weniger Geistarbeiter sind, sich der "primale" Teil ihrer Persönlichkeit und auch des Phänomens Fußball an sich anstaut und dann vielleicht mal etwas übers Ziel hinausschießt, gerade auch im Vergleich der sonstigen Aktivitäten, inkl. rhetorisch einstudierten Interviews, ist folgerichtig und das müssen wir aushalten können.

Quatsch, das diskriminiert nun wieder die Fußballer. Komisch, Sie schreiben nun selbst wie ein Feuilletonist, der sich zum Verteidiger der armen, geistig nicht so bestückten Fußballer macht. Das ist doch Unsinn.

Ernstchen 16.07.2014 | 15:02

Da hast du mich missverstanden und des weiteren den Geist als etwas "besseres" als den Körper angedeutet, so war es nicht gemeint. Jeder Mensch besteht aus Körper und Geist, der Feuilletonist ist mehr mit seinem Geist beschäftigt und der Fußballer mehr mit dem Körper. Im Berufsalltag. Das ist doch keine qualitative Wertung. Es ist nur eben vermutlich eine veranlagte Gewichtung, Priorität, was dazu führt dass der eine für sein Leben gern rumhirnt und der andere für sein Leben gern rumrennt. Ich beneide die Fußballer, ich bin ein völlig unkörperlicher Mensch, vergleichsweise. Mein Punkt in meinem Kommentar ist ein anderer, er steckt in den letzten Sätzen.

Koni 16.07.2014 | 15:05

Ich war bereits in Gedanken bei einem Text über das neue deutsche Wir- Gefühl. Darüber, warum der WM Titel 25 Jahre nach dem Mauerfall wichtig ist und unseren gesunden Patriotismus stärken oder überhaupt erst wachsen lassen könnte. Doch dann kam der Gauchotanz und ich war enttäuscht. Aber nicht etwa von Schweini & Co. - klar hätte ich es auch schöner gefunden, wenn die Jungs zu Jazz oder guten Elektro getanzt hätten als stolze Selfies mit Helene Fischer zu machen, aber mein Gott: jeder wie er will. Wir sind doch tolerant und weltoffen. Konnten sie sich auch nicht aussuchen und wie ich gelesen habe, mag Mertesacker auf jeden Fall auch Paul Kalkbrenner und nicht nur Schlager. Und bestimmt hat der ein oder andere in seiner Kindheit mal ein Instrument gespielt oder einen guten Roman gelesen. Bestimmt!

Ich bin aber vor allem enttäuscht von Ihrem Artikel und nicht nur von Ihrem, sondern auch von vielen dieser Art, die gleich wieder mit dem moralischen Finger winken und erinnern, wer wir vor der WM noch waren: die Deutschen. Die ohne Rückrat. Die verkopften Spießer. Die Griesgrämer. Die Ernsten. Die, die immer zu sehr in die Vergangenheit schauen, als im Jetzt zu leben. Die, die sich vorgenommen haben, in 100 Jahren noch zu sagen: "Du darfst nicht stolz auf Dein Land sein." Denn Stolz steht für Rassismus.

Als die Nationalmannschaft gestern vor dem Brandenburger Tor tanzte, war die WM schon längst vorbei. Da standen nun junge Männer außerhalb des Umfeldes, in dem wir sie alle in den letzten Wochen erlebt haben. Mal nicht in Trikot, mal nicht so ernst und verschwitzt, hart arbeitend gegen den Gegner und trotzdem allzeit politisch korrekt. Da standen gestern nun Jungs, die sich einen Scherz gemacht haben, weil sie dachten, dass das ihre Party sei und dass sie sich freuen dürfen, weil alle sich doch alle über ihre Leistung freuen. Und anstatt dass gestern zusammenkam, was zusammen gehört spaltete sich erneut eine Nation. Der eine Teil, der sich freute und nun als stumpfsinniges, dummes Pöbelproletenpack abgestempelt wird und der andere Teil, der enttäuscht feststellen musste: "Ach so, die zitieren ja doch nicht Goethe. Na dann will ich mit denen nichts zu tun haben. Da schäme ich mich fremd. Na da muss man was doch dagegen tun. Was sollen die denn die anderen denken???"

Und das ist ja bekanntlich immer am wichtigsten. Was die anderen über uns denken. Für mich kann ich sagen, dass ich dann doch nicht mehr so stolz bin ein Deutscher zu sein. Weil sich nämlich nichts verändert hat. Rein gar nichts. Schade!

Ernstchen 16.07.2014 | 15:32

Nun ja, Fußballer aus den weltbesten Vereinen, die in ihren Ligen stets um Pokale gekämpft haben, regional, national, international, nun bei dem größten Wettbewerb die allergrößten geworden, das sind Weltmeister. Wenn es ihnen nicht um (körperliche, taktische, spielerische) Überlegenheit ginge, was wäre dann ihre Motivation überhaupt professionell Fußball zu spielen? Sich über den Gewinn einfach nur freuen kann man beim Lotto. Die wollen die allergeilsten sein, das treibt sie an. Dass sie sich dann feiern und dabei mal für einen kleinen Moment denen die Zunge rausstrecken die sie überflügelt haben ist 1. menschlich und 2. ja, infantil. Aber wer sich ausschließlich erwachsen verhält, der hat irgendwann keinen Spaß mehr. Und dann macht es auch keinen Spaß mehr ihnen zuzuschauen.

frustbeule 16.07.2014 | 15:34

Ein kleiner Exkurs ins argentinische Song-Repertoire: "Brasilien, sag mir, wie es sich anfühlt, wenn dein schlimmster Feind in deinem zu Hause feiert.
Und auch wenn’s lange her ist, werden wir es niemals vergessen, das schwöre ich dir:
Wie du von Diego ausgedribbelt wurdest und Cani dich abgeschossen hat. Seit Italien heulst du nun schon.
Und jetzt wirst du erleben, wie uns Messi den Pokal bringt. Maradona ist viel größer als Pelé."
Was schließen wir daraus? Wer austeilen kann, muss auch einstecken können.
Und jetzt lassen wir das Nörglertum und widmen uns wieder der NSA und Nahost. Die WM war eine schöne und Jogi's Jungs eine der sympathischsten Mannschaften auf dem Platz.

joszko 16.07.2014 | 15:37

Es musste nicht sein, aber...

Hat der Name Morales etwas mit der (doppelten) Moral zu tun? Dann soll der vorschnelle Sportkommentator lieber die Geschichte seines eigenen Landes (1976-1983) aufarbeiten, bevor er wieder von den Nazis spricht... Wie war das, als Deutschland gegen Brasilien gewann? Deutsche Panzer überrollten Brasilien? Das ist OK? Oder die Merkel in der SS-Uniform? Wäre sie eine Griechin und hätte so die Interessen Griechenlands vertreten, würde sie als Athene glorifiziert.
Und ich bin gespannt, was die Argentinier schreiben, singen und tanzen falls im September Argentinien gewinnen soll...
Es ist traurig, dass auch einige hiesigen Journalisten (und auch Menschen) auf diese Spielchen reinfallen. Es sind wahrscheinlich dieselben, die nächste Woche auf Mallorca sind. Mit Badelatschen oder Sandalen, weißen Socken und Shorts sitzen sie vorm Ballermann und saufen eimerweise Sangria. Natürlich rein beruflich. Denn nach dem Urlaub schreiben sie einen Artikel über das schlechte Benehmen der Deutschen im Urlaub und zum 35. Mal über die Sandalen und Socken.
Wenn man halt nichts zu schreiben hat, schreibt man Schei....
Fast 70 Jahre nach dem Krieg, in einem Deutschland, wo jeder 10.? 8.? irgendeinen "Migrationshintergrund" hat (auch Klose und Mustafi) ist eine pauschale "Nazifizierung" weder zeitgemäß noch nachvollziehbar. Es zeigt nur, dass die Schreier und Schreiber von dem Thema nicht allzu verstehen... Ich kannte Jemanden, der Auschwitz überlebte... Ein solcher Vergleich kann nur von jemanden kommen, der sich nicht im Klaren ist, was eine Diktatur bedeutet...

Sie, Herr Morales, müssten wissen, was eine Diktatur ist.
Der Krieg um die Falklands, Herr Morales, musste auch nicht sein.
Aber den habt Ihr Argentinier in Namen eines gekränkten Nationalstolzes geführt. Auch die Briten. Zur Ablenkung von den Problemen im eigenen Land.
Ja, ich weiß, bei Euch nennt man das Patriotismus...
Doppelte Moral halt, Herr Morales... Und Co.
Es ist krank, Herr Victor Hugo Morales...
Es bleibt einem wirklich nichts anderes übrig als sich zu erheben und trotz Merkel und Gaucho Dance verdammt stolz auf dieses Land, diese Gesellschaft und unsere Jungs zu sein.

Ernstchen 16.07.2014 | 15:43

Ich habe keine Ahnung was es bedeuten soll, "stolz zu sein ein Deutscher zu sein". Stolz in einem bestimmten geographisch festgelegten Gebiet zu leben, was soll das bringen? Stolz kann man sein, etwas geschafft, geschaffen, erreicht zu haben, man selbst als Einzelner oder als Gruppe/Team. Aber ansonsten verstehe ich die Fuktion des Begriffes Stolz nicht. Auch nicht die Funktion des Begriffes "deutsch". Was bedeutet das für mich, dass ich "Deutscher" bin? Nichts außer dass es auf meinem Perso bei Staatsangehörigkeit dort steht. Und dass für mich das Grundgesetz gilt. Ich bin so ein bisschen Nationalmannschaftsfan, vielleicht weil das erste große Fußballereignis das ich verfolgt habe, die WM '90 was, vielleicht auch weil die Ligaclubs mit den Spielern spielen die sie sich finanziell leisten und von überall dazukaufen können und die Nationalmannschaft mit den Spielern spielt die am besten sind, in einem zwar halbwegs willkürlich festgelegten geographischen Raum, aber immerhin. Ich finde den Furor über die Gaucho-Nummer total bescheuert. Aber mit Nationalstolz kann ich auch einfach nix anfangen. Ich verstehe ihn schlicht nicht. Ich glaube auch nicht dass er notwendig ist, für irgendwas.

berlino1010 16.07.2014 | 15:54

Solche Siegeshäme und Schmähgesänge mögen ja peinlich und ärgerlich sein, auch kritikwürdig.

Aber sie sind Teil des Fußballs und kommt bei allen Rivalitäten vor, ob BVB-FCB / BVB - S04 / VFB-KSC / ... in den Jugend-Mannschaften versuchen wir das auszutreiben ... aber es ist weder neu (siehe EM 2008) noch Deutscher Nationalismus ... siehe ARG-BRA ... es ist eher wie der Daily Mirror schreibt "übergeschnappt".

Sünnerklaas 16.07.2014 | 16:02

Ich habe mir nur eine Zusammenfassung antun können. Und selbst die Zusammenfassung hat mir gereicht. Zu sehen gab's eine von Eventmanagern zusammen geschusterte pompöse Show zum Fremdschämen: Gröhlen mit Helene Fischer, dazu einen Haufen Spätpubertierender garniert mit einer peinlichen Moderation á la Kasperletheater.

Kasperle: "Seid Ihr alle Da?!"

Publikum: "Jaa!"

Kasperle: "Ich höre nichts!"

Publikum: "Jaaaaa".

...wie schön war's doch, als Meisterkicker nur auf einem Rathaus-Balkon den Pokal präsentiert haben.

seriousguy47 16.07.2014 | 16:29

Nun, dass die hochbezahlten Jungs den Fans mehr Zugabe als Balkon bieten wollen, finde ich schon sympathisch. Ich selbst brauch es nicht. Und genervt haben mich vor allem die Moderatoren, die die Geschichte erkennbar dehnen wollten, schwätzen wollten, wo es nix zu schwätzen gab und einfach nicht auf den Punkt kamen, mit aller Gewalt ein "Event" produzieren wollten.

Auch bin ich niemand, der auf Kommando erwünschte "Emotionen" absondert. Der Verweis aufs "Kasperle" trifft es, glaube ich, ganz gut. Ist vielleicht auch eine Generationenfrage....

Abgeschaltet habe ich also wegen der Moderatoren. Dadurch blieb mir dann auch die Fischerin erspart. Ansonsten habe ich nichts dagegen, dass es anderen gefallen hat. Die Geschmäcker sind verschieden und wenn es für alle was gibt und die Fernbedienung noch eine Funktion hat, ists mir schon recht.

Mir hat das öffentliche Erscheinungsbild der Mannschaft in Brasilien sehr gut gefallen. Und mein Bedarf an Fußball ist ohnehin schnell gedeckt. Dass andere es bis zum letzten Tropfen auskosten möchten ist für mich schon auch ok. Haben schließlich 24 (?) Jahre darauf warten müssen -jedenfalls die, die beim letzten Titel schon auf der Welt und bereits bei Sinnen waren....

Und dass die Jungs sich dafür auch noch was Eigenes einfallen ließen, finde ich nochmals sehr sympathisch. Auch wenns für ein paar von uns an einer Stelle etwas daneben war.

karamasoff 16.07.2014 | 17:29

Im "Kampf, Sieg und Blut"-Rausch kann man schonmal Flagge zeigen auf dem Holocaustmahnmal.

Ist ja alles harmlos. Der will ja auch "nur feiern" und "Party" machen und überhaupt, das bischen lustig machen "über den Gegner". Wo kämen wir denn hin, wenn man sich "nichtmal mehr lustig machen" darf "im eigenen Land"

Das ist auch garantiert eine "Fotomontage" der "Linken" oder "gar kein Deutscher", ist ganz bestimmt ein FalseFlagGaucho.

gweberbv 16.07.2014 | 17:40

Endlich hat es mal einer gemerkt! Das "So gehen die ..."-Schmählied ist spätestens seit der EM 2008 Allgemeingut. Und das Abledern über den Gegner, das gehört beim Fußball einfach dazu. Schon mein Vater sang im G-Block der Eintracht Frankfurt jedes Mal, wenn der FC Bayern gastierte, "Der Hoeneß, der Hoeneß, der hat am Sack was Schönes ...". Hintergrund: In den 70ern kursierte wohl mal ein Gerücht über eine Geschlechtskrankheit des Herrn H.

SO

IST

FUSSBALL

gweberbv 16.07.2014 | 17:56

Ich mochte ja meinen Ohren und Augen kaum trauen und war regelrecht erstarrt vor Scham und Ärger, als ich den Schmähgesang gegen die unterlegenen Argentinier hörte und die „tänzerische Umsetzung“ sah.

Augen und Ohren würden dir übergehen, wenn du mal ein paar Wochen lang Fußballstadien besuchen würdest.

Hier mal eine Übersetzung des bei jedem Spiel omnipräsenten Fangesangs der Argentinier (gerichtet an den "Erbfeind"):

Brasilien, sag mir, wie es sich anfühlt, wenn dein schlimmster Feind wild in deiner Hütte feiert.

Und auch wenn’s lange her ist, werden wir es niemals vergessen, das schwöre ich dir:

Wie du 1990 von Diego schwindelig gespielt wurdest und Caniggia dich abgeschossen hat. Seitdem heulst du nun schon.

Und jetzt wirst du erleben, wie uns Messi den Pokal bringt. Maradona ist viel größer als Pelé.

Das Äquivalent dazu aus dem Ruhrpott: Schalke 04 - das ist die Scheiße vom Revier! (aus vollem Halse gebrüllt vom schwarz-gelb beflaggten Dortmundern)

poor on ruhr 16.07.2014 | 18:32

Lieber Daniel Martinessen,

ich kann Ihnen eigentlich nur zustimmen.

(In einem Kommentar, bei Magda hatte ich es gestern zwar als "Schwachsinn (zu dem Zeitpunkt gab es hier aber noch keine Postionen zu diesem Vorgang) " bezeichnet wenn man aus dem Gaucho-Tanz ein neues nationalistisches Deutschland ableiten will, aber ich hatte auch geschrieben, dass es "trotzdem nicht mein Geschmack" ist. )

Ich finde Ihre Kritik an dieser "Schnapsidee" noch sehr sanft , jedoch absolut angemessen.

Ich habe gestern noch die österreichischen Nachrichten in DVB-T auf 3sat gesehen.

Der Gaucho-Tanz wurde natürlich mit der Kommentierung , "dass es bei dem Fest auch ein Lied über den Fußball-WM Zweiten Argentinien gab", gezeigt.

Nach der Wiedergabe des Spots mit dem Gaucho-Tanz machte die österreichische Nachrichtensprecherin ohne weitere Kommentierung ohne Gesicht wie Tausend Jahre Regenwetter.

Ich weiss natürlich nicht, was sie darüber gedacht hat und welche Inhalte mit dieser Art der Präsentation an das österreichische Fernsehpublikum weiter transportiert werden sollten, aber man braucht wirklich nicht besonders helle zu sein, um hierzu zu einigermassen belastungsfähigen Vermutungen zu gelangen, nämlich :

"Guck mal, da sind sie wieder da , die hässlichen Deutschen !"

Es ist schade und traurig , nicht weil jetzt das ansehen deutschlands im Ausland dadurch Schaden nehmen könnte, sondern weil man so seinen Gegner des Finales nicht verhöhnt.

Das macht man nicht. Es war eine Anbiederei bei den Fans und bei Bild.

Sicher gibt es da im Fußball bei den Fanliedern auf Vereinsebene viel derbere Beispiele , aber es war eben nicht auf Vereinebene sondern auf internationaler Ebene.

Das die deutsche Natinalmannschaft AUCH VIEL ZU BESSEREN UND MENSCHLUICHEREN

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poor on ruhr 16.07.2014 | 18:43

(Fortsetzung, Sorry. Ich bin abgerutscht.):

...Dingen in der Lage ist hat sie nach dem Spiel gegen Brasilien gezeigt. Der handschlag zwischen Löw und dem brasilianischen Trainer und die vielen Trikotstäusche waren doch toll, aber solche Dinge wie der gaucho-Tanz machen dann alles wieder kaputt. Schade.

Welche Berater hat der DFB denn in den Vorbereitungen solcher Fan-Feste?

Die gute sportliche Vorbereitung ist eben doch nicht alles und was soll man denn von diesen jungen doch eher noch lebensunerfahrenen Spielern erwarten?

So ein Lied hätte zu irgend einer Feld-Wald und Wiesen -Provinzmannschaft gepasst aber für die deutsche Nationalmannschaft vor den Augen der internationalen Presse und sonstigen Medien ist es einfach nur entsetzlich peinlich.

Jetzt schäme ich mich wieder , obwohl ich während der Fußball- WM " es wahrlich nicht als ein Ruhmesblatt" angesehen habe ein Deutscher zu sein, aber es mit dem "Schwamm drüber " wegwischen wollte.

Viele Grüße

poor on ruhr

alalue 16.07.2014 | 19:22

"Jetzt schäme ich mich wieder , obwohl ich während der Fußball- WM " es wahrlich nicht als ein Ruhmesblatt" angesehen habe ein Deutscher zu sein, aber es mit dem "Schwamm drüber " wegwischen wollte."

Du bist ein armer Kerl. Auf so einer Veranstaltung sind lauter Menschen, die einer Nation oder einem Staat angehören und die sich wünschen,daß ihre Nationalmannschaft gewinnt. In den Heimatländertn ist es ähnlich: manchen ist es ega. die spielen lieber Schach, sehr viele wünschen sich, daß "ihre" Mannschaft gewinnt.

Es gibt kein Land auf der Welt, in dem so viele Menschen dem Gedanken, irgendwie irgendwas an ihrem Staat gut zu finden, solche Probleme haben wie hier. Das hitler-Erbe, sozusagen, da hilft auch die späte Geburt nichts.

Allen, wirklich allen Fans aller anderen Länder haben Null Probleme mit so einer national gefärbten Begeisterung. Die sind auch sonst viel nationaler.

Und wenn die Argentinier gewonnen hätten, und hätten es umgekehrt gemacht, es wäre mit so was von egal gewesen. Ich wäre ein Weilchen traurig gewesen, hätten wir das Endspiel verloren, und das wärs wieder vorbei gewesen. Und so etwas ist so kindisch, nebensächlich und geschenkt: von mir aus können sie einen Wettbewerb machen, wer verarscht die Deutschen am besten: was geht mich das an ?

Wir leben in einem Rechts- und nicht in einem Gesinnungsstaat: jeder darf denken und fühlen was er will, er wird nach seinen Taten beurteilt.

Du bist ein guter Kerl, und es reicht, daß du gut handelst und sprichst, es ist nicht nötig, daß du dich auch noch dauernd schmämst für das was andere machen.

Saul Rednow 16.07.2014 | 22:04

Das soll ein Argument sein? Man begründet oder entschuldigt eigenes idiotisches Verhalten damit, dass andere sich ebenfalls idiotisch oder sogar noch idiotischer verhalten? Wie erbärmlich!

Mit anderen Worten soll Ihr „Argument“, dann wohl bedeuten: „Orientiert euch nach unten“, also an denjenigen, die „noch bekloppter“ agieren, als ihr selbst, „entschuldigt eure eigene Doofheit mit der noch größeren Doofheit anderer“ und „orientiert euch NICHT nach oben“, also NICHT an denen, die NICHT rassistisch, NICHT homophob und NICHT frauenfeindlich (nur als Beispiele genannt) agieren“? Habe ich Sie da richtig verstanden?

Meine Meinung dazu: Menschenverachtendes, rassistisches, homophobes oder frauenverachtendes Verhalten anderer rechtfertigt oder entschuldigt nichts, aber auch gar nichts vom eigenen kritikwürdigen Verhalten, dafür ist immer man selbst verantwortlich.

DiegoGarcia 16.07.2014 | 22:14

Weder der Verfasser noch die Gutmenschen-Kommentatoren haben wohl das Spiel gesehen.

Für die nochmal zusammengefasst!

Argentinien, von Anfang an spielerisch klar unterlegen, versucht dies durch brutalste, ja allerbrutalste Gewalt auszubügeln.

Zuerst wird einer unserer Spieler mit einer Attake, die auch mal schlimmer ausgehen kann (siehe Joachim Deckarm) ins Gedankliche aus geschickt. Zum Glück war es "nur" eine Gehirnerschütterung! Weiterhin haben wir bei Twitter die Frage während des Spiels gelesen: "Muss Schweini erst sterben, bevor der eine Karte zeigt?" Trotz dieser Härte, sind wir im Spiel fair geblieben! Sich hernach über die Dilletanten lustig zu machen, war überfällig und höchst angemessen!

Also von mir Zustimmung!

miauxx 16.07.2014 | 23:55

Jeder, der schon einmal ein Fussballspiel gesehen hat, weiß, dass Foulspielen dazu gehört und auch erwartet wird. Nur kennt man das von den konstruierten positiven Images, der durchprofessionalisierten Medienfähigkeit der Spieler samt ganzem Stab außerhalb der Spiele heute eben nicht mehr.

"Die DFB-Auswahl hat unverkrampft Fußball-Deutschland in Brasilien repräsentiert – weltoffen und modern."

Hüstel. So ein Käse! Das ist Marketing, mensch!

Und wenn dann ein derartiger Sieg gefeiert wird, ist das in Deutschland neben der ganzen Premium-Sponsoren-Show eben am Ende doch nur Ballermann.

mymind 17.07.2014 | 01:23

Die dusselige Showeinlage live on stage, hinter historischer Kulisse vor zighundert Kameras & einer halben Million Claquere & tausendfacher Schreie wie: ´Ich will ein Kind von Dir & heirate mich´ ist das eine. Brain & Kultur & Respekt ist was anderes, aber war an dem Tag nicht anders zu erwarten, zur Krönung gab es noch Helene Fischer in goldenen StilettoHighheels, aber immerhin oben rum im WM-Trikot, selbst Wowi hatte eines an!

Die realen Fussball-Weltmeister samt Entourage tragen aber Werbung & wie es sich gehört werden sie mit Daimler Benz durch die Stadt kutschiert. Schließlich fahren Weltmeister DB! Dabei dürfen sie aber offensichtlich nicht anziehen was sie wollen _ na ja alles hat seinen Preis irgendwie. Der Uni-Shirt-Look, sponsort by DB, Adidas & BRD & CO, zeigte nicht nur wo der Hammer hängt sondern suggerierte auch die einheitliche wie einfache Klamotte zu Jubelveranstaltungen in kommunistischen Ländern der vergangener Ära , die wir belächelt oder gar verspottet haben.

Die Zeiten ändern sich oder nicht mehr, je nachdem welche Veranstaltung gerade inszeniert & wie sie verkauft. wird..

Sünnerklaas 17.07.2014 | 09:34

Nun, dass die hochbezahlten Jungs den Fans mehr Zugabe als Balkon bieten wollen, finde ich schon sympathisch.

Die Jungs werden sich noch wundern... "Mario, erzähl mich dat Tor!" - das wird Mario Götze von jetzt an ab sein Leben lang zu hören bekommen.

Hoffen wir, dass er da stark bleibt und nicht irgendwann - wie Gerd Müller oder Helmut Rahn und viele andere aus den WM-Heldenmannschaften - später Probleme mit dem Alkohol u.ä. bekommt. Wenn ein nicht zu überbietender Erfolg zu früh im Leben kommt, dann ist die Gefahr, irgendwann in die Depression abzurutschen eben groß.

"Und genervt haben mich vor allem die Moderatoren, die die Geschichte erkennbar dehnen wollten, schwätzen wollten, wo es nix zu schwätzen gab und einfach nicht auf den Punkt kamen, mit aller Gewalt ein "Event" produzieren wollten."

Eventmanagement produziert nach Lehrbuch: einer hat's vorgemacht, alle anderen machen es nach. Selbst der Goucho-Tanz stammte - wie wir es jetzt wissen - aus der Konserve. Einen Aufreger produzieren, der Goucho-Tanz als "Pippas Hintern" - der war ja auch eine mediale Verlängerung eines Einzelereignisses. Der Hintern von Frau Middleton wurde "Big Business" und bekam sogar eine eigene Website und eine eigene Facebook-Seite.

salvo 17.07.2014 | 10:09

ja, so ist halt Fußball, es ist so wie es ist, da wird eben der Niedergerungen, Unterlegene, Besiegte usw spätestens bei der abschließenden Siegesfeier rituell gedemütigt, und diese erbauliche kolletkive Selbsterweckung des Volkskörpers im Spiegel eines verhöhnten Anderen hat selbstredend nichts zu tun mit der wiedergefundenen Geltung einer Nation, die sich jetzt endlich wieder gemäß ihrer auf Grund eines historischen Betriebsunfalls zeitweilig zu verbergenden natürlichen Größe geben kann, nein, sogar muss. Exportweltmeister in Europa wird nun deutsch gesprochen Fußballweltmeister dieser unbedingte Verharmlosungsbedürfnis ist beängstigend

Lethe 17.07.2014 | 14:02

Die Gaucho-Nummer zeigt indes: Es war alles nur schöner Schein

Das ist definitiv falsch. Es ist jedem, der über diese Dinge auch nur andeutungsweise mit eigenständigem Kopf nachdenkt, dass zentrales Motiv jeder internationalen Großveranstaltung der schöne Schein ist.

Problematisch an der Gauchonummer ist nur, dass die tatsächliche tiefe Gleichgültigkeit gegenüber dem pseudopädagogischen Scheiß hinter dem schönen Schein einen Augenlick lang aufblitzte. Das ist so unverzeihlich wie die Äußerungen, die Köhler das Amt kosteten. Zum Gelingen des Double Binding ist es eben unanbdingbar, dass es keine Lücke gibt in der Oberfläche, die dadurch erzeugt wird, dass alle so tun müssen, als wüssten sie nicht, was sie nur zu genau wissen.

Die Fußballer werden aber nicht so ohne weiteres ersetzt werden können. Durchaus eine Aussage über wirklichen Stellenwert.

seriousguy47 17.07.2014 | 15:31

Doppelt gnäht hält besser. Deshalb mein letzter Kommentar hier nochmal:

"...die konservativ-liberale Tageszeitung «La Nación» zeigte zwar eine Foto vom Gaucho-Tanz auf ihrer Titelseite, bewertete den Auftritt der deutschen Spieler jedoch als «gesunde Ironie». Sie lobt die Deutschen dafür, ihr in Brasilien eigens errichtetes Wohn- und Trainingszentrum Campo Bahia der lokalen Gemeinde für soziale Zwecke überlassen zu haben.

Mesut Özil kündigte unterdessen auf seiner Facebook-Seite an, 23 brasilianischen Kindern Operationen zu finanzieren. Er wolle sich damit «persönlich für die Gastfreundschaft in Brasilien bedanken»

http://www.nzz.ch/sport/fussball/ein-tanz-und-seine-folgen-1.18345388

Mal sehen, wie die Kritiker des Teams das toppen werden.

Und noch was zu "typisch deutsch":

"Der Gaucho-Tanz von sechs Nationalspielern bei den WM-Feierlichkeiten in Berlin hat für Aufregung und Irritation gesorgt. Allerdings vor allem bei einem Teil der deutschen Presse"

Eben. Und ebenda. [Hervorhebungen von mir]"

seriousguy47 17.07.2014 | 15:27@alalue

Peter Bachmann 17.07.2014 | 18:11

"Ich war bereits in Gedanken bei einem Text über das neue deutsche Wir- Gefühl. Darüber, warum der WM Titel 25 Jahre nach dem Mauerfall wichtig ist und unseren gesunden Patriotismus stärken oder überhaupt erst wachsen lassen könnte."

Also: Ich habe mich für die Deutsche Fußballmannschaft gefreut, nicht für Deutschland, warum auch? Das hat ja wohl nur bedingt etwas miteinander zu tun. Viele der Spieler spielen in der übrigen Saison ja auch nicht für Deutschland, sondern für Teams in anderen Ländern.

Auch zu DDR-Zeiten habe ich mich über die Erfolge des Schwimmers Roland Matthes und des Läufers Waldemar Cierpinski gefreut. Jetzt beim Schach über den Sieg des für mich überragenden Norwegers Magnus Carlsen. Das hat für mich weniger etwas mit dem zugehörigem Land, als der persönlichen bzw. kollektiven Leistung zu tun. Insofern trägt, der WM-Tiel beim Fussball und die Diskussion darüber bei mir weder zur Steigerung meines Nationalgefühls noch zur Spaltung bei. Da gibt es weiss Gott andere Sachen!

Die Siegesfeiern habe ich mir nicht angesehen, das mag jeder machen wie er will, auch die Bewertung dessen, wie so was abläuft. Ich freue mich darüber, dass ich beim Spiel gewinne, nicht, dass mein Partner verliert. Aber auch das ist Charakterfrage und ich kann das beim Verlieren aushalten, wenn auch missvergnügt.

Leider den Beitrag erst jetzt gelesen.

gweberbv 17.07.2014 | 21:24

Man begründet oder entschuldigt eigenes idiotisches Verhalten damit, dass andere sich ebenfalls idiotisch oder sogar noch idiotischer verhalten? Wie erbärmlich!

Irrtum. Ich führe lediglich vor, dass im Fußball-Kosmos das in dem Himmel heben der eigenen Mannschaft und ebenso das Herabwürdigen der gegnerischen Mannschaft konstituiv ist für das Funktionieren als Massenereignis.

Nehmen wir mal an, es würden sich (National-)Mannschaften im Geiste reiner Sportlichkeit und sich selbst genügend zum Wettkampf treffen, um sich gemeinsam zu erfreuen und schließlich einträchtig den Sieger auf ihren Schultern vom Platz zu tragen. Also sowas wie das Ideal tennisspielender britischer Aristokraten um 1900. Wer zum Teufel würde sich das anschauen wollen? Wer könnte damit Geld verdienen? Wer — außer den Sportlern selbst und ein paar Aficionados — könnte daraus Honig saugen?

Es gäbe dann gar keine Fußball-WM in heutiger Form, also auch keine Siegesfeier vor 500.000 Menschen in Berlin, etc.

Menschenverachtendes, rassistisches, homophobes oder frauenverachtendes Verhalten ....

... kam bei der Siegesfeier nicht vor. Thema verfehlt, setzen. Es wurde lediglich der Gegner ein wenig lächerlich gemacht a la "Zieht den Spaniern die Badehosen aus, die Badehosen aus". Und - siehe oben - ohne das Triumpfgefühl über die Besiegten funktioniert Fußball halt nicht als Massenereignis.

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Ehemaliger Nutzer 17.07.2014 | 23:26

Endlich, jetzt ist man endlich endlich endlich doch noch auf seine Kosten gekommen.

Da haben sich die Jungs bei ihrem Sieg gegen Brasilien wirklich vorbildlich gegenüber den Verlierern gezeigt: keine Hackentricks und keine sonstigen Mätzchen während des Spiels und nach dem Abpfiff sogar Umarmungen mit dem Gegner...

Wann hat man das schon einmal gesehen? Es gibt eine ganze Menge Mannschaften, die da ganz anders reagiert hätten...

Aber, wie glücklich sind wir jetzt: Wir haben etwas an der Mannschaft gefunden, was wir kritisieren können!

Oh Himmel sei Dank!

Was haben sie getan?

Sie sangen: "So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so" und gingen dabei mit gesenktem Haupt. Dann sangen sie "So gehen die Deutschen" und daraufhin hüpften sie. Was in etwa heißen soll:

Die Verlierer (die Argentinier) gehen traurig vom Platz und die Sieger (die deutsche Mannschaft) fröhlich.

Sowas darf man doch nicht! Eine solche Aussage ist unverschämt, furchtabar, schlimmt, ja geradezu menschenverachtend!

Sie hätten singen müssen (zu Musik von Dessau, vielleicht):

"Ja, wir haben gewonnen, doch wir fühlen uns dabei nicht wohl. Denn gewinnen, das ist so furchtbar ungerecht gegenüber dem Verlierer und wir schämen uns ganz doll dafür."

Himmel noch mal, dass die aber nicht wissen, was sich gehört!

Aber zum Glück gibt es solche Leute wie hier im Forum: Unfehlbare Menschen, allesamt und absolutvorbildlich in jedem Moment ihres Lebens, die den bösen Buben sagen können, wie man sich benimmt.

Was täten wir ohne all diese Foren- und Blogger-Weltmeister?

Nicht auszudenken das!

Ob Sie, lieber Saul Rednow, ein "humorloser Spielverderber" sind?

Nein, ich bitte Sie, Sie sind bloß ein völlig unbedeutender Spießer und weiter nichts. Trösen Sie sich, von Ihrer Sorte gibt es viele hierzulande. Sie brauchen sich nur umzusehen!

rioges 18.07.2014 | 00:47

Wie sagte einmal ein deutscher Kabaretist: Irgendeiner sitzt immer auf dem Sofa und ist beleidigt!

Ja, diese wunderbaren Fußballjungs werden mit einigem überschüttet, das sie gar nicht zu vertreten haben. Gerade linke Menschen meinen nun, hier "deutschtümelei" zu erkennen. Welch ein Irrtum.

Leute, macht euch locker. Es war ein Spiel. Und wir haben gewonnen. Klasse! Und was noch? Nichts mehr und nichts weniger.

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Ehemaliger Nutzer 18.07.2014 | 07:04

Hallo Herr Martienssen, Ihren Text habe ich leider nicht sehr gerne gelesen. Ich halte ihn für unterbelichtet - und glaube, dass dies sogar beabsichtigt ist.

Lieber Klotz, ich bin ganz Ihrer Meinung, allerdings glaube ich nicht, dass die Unterbelichtung Absicht ist. Da hat sich einer einfach so darüber gefreut, den Spielern eins auszuwichen, dass sein Denken völlig ausgesetzt hat.

Die interessanteste Frage bei all dem wäre: Welches Problem hat der Mann mit den fußballspielenden Twens? Ich tippe auf ein psychologisches:

Da hat einer Schwierigkeiten damit anderen etwas zu gönnen. (Ein klassisches Spießerproblem. Ich weiß, wovon ich spreche, vor 2 Jahren war ich in der Nachbarschaft noch umringt von solchen Leuten.)

Saul Rednow 18.07.2014 | 09:29

@Hunter, danke für diesen wunderbaren Kommentar, bestätigt er doch auf geradezu klassische Weise, wie sich „rechte Dumpfbacken“ immer dann aufplustern und auf die Hinterbeine stellen, wenn man ihre vorgeblich „harmlose und nach eigener Meinung doch so gar nicht rassistische“ Sichtweise demaskiert („Biedermann geh’ du voran, du hast die weiße Weste an“).

Etwas besseres hätte ich mir als Reaktion (Reaktion hier auch durchaus im politischen Sinne gemeint - siehe unter „reaktionär“-) wirklich nicht wünschen können. Thanks und beste Grüße nach Deutschland.

P.S. Mit Ihren Fähigkeiten Ferndiagnosen, über einige tausend Kilometer Entfernung zu erstellen (Zitat: „…Sie sind bloß ein völlig unbedeutender Spießer und weiter nichts. Trös(t)en Sie sich …“) sollten Sie im Zirkus auftreten, vielleicht wurden Ihre Talente bisher völlig unterschätzt.

Saul Rednow 18.07.2014 | 09:32

@Gweberby, möglicherweise haben Sie es bei aller künstlichen Empörung über meine(n) Kommentar(e) einfach nur übersehen, aber Ihr Hinweis „(…) Menschenverachtendes, rassistisches, homophobes oder frauenverachtendes Verhalten ... kam bei der Siegesfeier nicht vor. Thema verfehlt, setzen“ ist völlig deplatziert,

Mein in Klammern gesetzter Hinweis: „… an denen, die NICHT rassistisch, NICHT homophob und NICHT frauenfeindlich (nur als Beispiele genannt) …“ besagt was? Richtig, das dieses nur Beispiele waren.

P.S. Oberlehrerhaftes Gebaren, wie „Thema verfehlt, setzen“ sparen Sie sich doch bitte für „Ihre Spießer-Kreise“ auf (möglicherweise ist das der Kommentarbereich der Blöd-Zeitung), denn hier in der FC sind wir überwiegend aus dem Alter von Schulkindern, die sich Vorschriften machen lassen, heraus :-)

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Ehemaliger Nutzer 18.07.2014 | 10:41

Lieber Saul Rednow,

ich weiß ja nicht, wo Sie sich befinden ("einige tausend Kilometer"), doch vielleicht ist es Ihnen ja entgangen: Es spielt beim Internet keine Rolle, ob Sie Ihre "Messages" gerade aus Tibet, Deutschland oder Ecuador senden.

Aber schimpfen Sie ruhig weiter:

Und Sie haben ja auch zweifellos Recht, jeder, der nicht Ihrer Meinung ist, der muss einfach eine "rechte Dumpfbacke" sein! (Sie müssen sich ja geradezu umstellt fühlen von rechten Dumpfbacken, Sie Ärmster!)

Übrigens hätten Sie mit dieser Einstellung Anno 33 einen guten Nazi abgegeben. Das waren ja letzten Endes auch nur wutschnaubende Spießer, der alles verteufelten, was nicht in ihren Horizont passte. Oder wie wäre es mit einem Tempel zerstörenden Roten Khmer, wenn Ihnen das mehr liegt.

Saul Rednow 18.07.2014 | 14:23

@Hunter schrieb am 18.07.2014 um 10.41 Uhr u.a.

„(…) doch vielleicht ist es Ihnen ja entgangen: Es spielt beim Internet keine Rolle, ob Sie Ihre "Messages" gerade aus Tibet, Deutschland oder Ecuador senden …“

Sie scheinen ja wirklich ganz besonders „schwer von Begriff“ zu sein :-).

Dass mein Hinweis sich nicht auf die Entfernung in Sachen Posting bezog, sondern auf Ihre „Ferndiagnose“, @Hunter, war doch gar nicht so schwer zu verstehen (zur Erinnerung: @Hunter schrieb über einen Kommentatoren, von dem er nichts weiß und den er nicht kennt, aus der Ferne: „…Sie sind bloß ein völlig unbedeutender Spießer und weiter nichts.“).

Und ausgerechnet Sie, der Sie andere aus der Ferne beleidigen, mokieren sich nun darüber, wenn man es mit Ihnen genauso macht? Sinn für (unfreiwilligen) Humor scheinen Sie ja wenigstens zu haben :-)

Ansonsten dürfte dieser Songtext wohl auf Sie zutreffen „The Hunter Gets Captured By The Game“ (oder auch, „was Sie hier abgelassen haben, war offenkundig ein Rohrkrepierer“ @Hunter)

Mei Nung 21.07.2014 | 19:12

Von Tucholsky stammt die Frage: "Kann man hier noch Urlaub machen-oder waren andere Deutsche schon vor mir da?"

An diesen Satz musste ich unwillkürlich denken, als ich, mich fremdschämend, den Gaucho-Tanz im Fernsehen betrachten durfte bzw musste. Immer noch an das "Gute" im ansonsten tadellosen WM-Auftritt der Jungs glaubend, hoffe ich, dass dies nur ein Ausrutscher war, fürchte aber, im nachhinein Herrn Martienssen recht geben zu müssen: Wohl alles nur schöner Schein.

Im übrigen: Was in anderen Ländern alle singen und gröhlen, kann nicht der Maßstab sein, sich berechtigt zu fühlen, es ihnen gleichzutun. Auch nicht der Hinweis darauf, was an Fangesängen in deutschen Stadien so üblich ist. Das ist typische Waffenhändler-Rhetorik ( "Wenn ich nicht liefere, tut´s halt jemand anderes.") Ich habe jahrelang in einem Fußballstadion gearbeitet. Wenn das, was ich dort an rassistischen und sonst wie üblen Sprüchen unter aller Sau gehört habe, nur deshalb erhaben über jegliche Kritik sein sollte, weil es halt dort Alltag und en vogue ist, warum dann nicht gleich weitergehen und bei WM-Siegesfeiern vor aller Welt den Hitlergruß wieder einführen und die Reichskriegsflagge???!!

Anbei übrigens eine Hymne, mit derem Absingen ich keinerlei Probleme hätte :

Anmut sparet nicht noch Mühe

Leidenschaft nicht noch Verstand

Dass ein gutes Deutschland blühe

Wie ein andres gutes Land.

2. Dass die Völker nicht erbleichen

Wie vor einer Räuberin

Sondern ihre Hände reichen

Uns wie andern Völkern hin.

3. Und nicht über und nicht unter

Andern Völkern wolln wir sein

Von der See bis zu den Alpen

Von der Oder bis zum Rhein.

4. Und weil wir dies Land verbessern,

Lieben und beschirmen wir`s

Und das Liebste mag`s uns scheinen

So wie andern Völkern ihrs.

( Bertolt Brecht: "Kinderhymne")

Mei Nung 21.07.2014 | 19:12

Von Tucholsky stammt die Frage: "Kann man hier noch Urlaub machen-oder waren andere Deutsche schon vor mir da?"

An diesen Satz musste ich unwillkürlich denken, als ich, mich fremdschämend, den Gaucho-Tanz im Fernsehen betrachten durfte bzw musste. Immer noch an das "Gute" im ansonsten tadellosen WM-Auftritt der Jungs glaubend, hoffe ich, dass dies nur ein Ausrutscher war, fürchte aber, im nachhinein Herrn Martienssen recht geben zu müssen: Wohl alles nur schöner Schein.

Im übrigen: Was in anderen Ländern alle singen und gröhlen, kann nicht der Maßstab sein, sich berechtigt zu fühlen, es ihnen gleichzutun. Auch nicht der Hinweis darauf, was an Fangesängen in deutschen Stadien so üblich ist. Das ist typische Waffenhändler-Rhetorik ( "Wenn ich nicht liefere, tut´s halt jemand anderes.") Ich habe jahrelang in einem Fußballstadion gearbeitet. Wenn das, was ich dort an rassistischen und sonst wie üblen Sprüchen unter aller Sau gehört habe, nur deshalb erhaben über jegliche Kritik sein sollte, weil es halt dort Alltag und en vogue ist, warum dann nicht gleich weitergehen und bei WM-Siegesfeiern vor aller Welt den Hitlergruß wieder einführen und die Reichskriegsflagge???!!

Anbei übrigens eine Hymne, mit derem Absingen ich keinerlei Probleme hätte :

Anmut sparet nicht noch Mühe

Leidenschaft nicht noch Verstand

Dass ein gutes Deutschland blühe

Wie ein andres gutes Land.

2. Dass die Völker nicht erbleichen

Wie vor einer Räuberin

Sondern ihre Hände reichen

Uns wie andern Völkern hin.

3. Und nicht über und nicht unter

Andern Völkern wolln wir sein

Von der See bis zu den Alpen

Von der Oder bis zum Rhein.

4. Und weil wir dies Land verbessern,

Lieben und beschirmen wir`s

Und das Liebste mag`s uns scheinen

So wie andern Völkern ihrs.

( Bertolt Brecht: "Kinderhymne")

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Ehemaliger Nutzer 06.04.2016 | 20:23

Versteckter Rassismus ist auch dann versteckter Rassismus wenn du ihn als nicht versteckten Rassismus verteidigst.


Fussball ist nicht der heilige Gral, im Gegenteil, er ist einer der sadistischsten Vereiningungen derzeit. Das huldigen und gar anbeten mit Aufklebern der Vereine auf Autos und Wohnungstüren ist ein sakraler Kult, nix weiter und hat in einer aufgeklärten Gesellschaft nichts zu suchen. Wenn es dann irgendwann so eine Gesellschaft gibt, wirst du sehen, wie schön es ist, ohne Ideologie leben zu dürfen. Halt die Ohren steif.

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Ehemaliger Nutzer 06.04.2016 | 20:23

Versteckter Rassismus ist auch dann versteckter Rassismus wenn du ihn als nicht versteckten Rassismus verteidigst.


Fussball ist nicht der heilige Gral, im Gegenteil, er ist einer der sadistischsten Vereiningungen derzeit. Das huldigen und gar anbeten mit Aufklebern der Vereine auf Autos und Wohnungstüren ist ein sakraler Kult, nix weiter und hat in einer aufgeklärten Gesellschaft nichts zu suchen. Wenn es dann irgendwann so eine Gesellschaft gibt, wirst du sehen, wie schön es ist, ohne Ideologie leben zu dürfen. Halt die Ohren steif.