Ich fühle mich verarscht

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Der ARD-Brennpunkt als die „Sendung mit der Maus“

Am 12. März 2011 um 15:36 Ortszeit fand im Reaktorblock 1 des japanischen Kernkraftwerks Fukushima nach einem Erdbeben und dem darauffolgenden Tsunami eine Explosion statt, bei dem die äußere Hülle des Kraftwerks weggesprengt wurde.

Es bestand und besteht die Gefahr einer Kernschmelze und einer nuklearen Katastrophe, die die Ereignisse von Tschernobyl vor 25 Jahren im schlimmsten Falle möglicherweise sogar noch übertreffen könnte.

Die ARD sendete am Abend des 12. März einen „Brennpunkt“, über die Ereignisse zu informieren, und in dieser Sendung wurde in einer computeranimierten 3D-Graphik das Geschehen im Reaktor vereinfacht, aber anschaulich dargestellt. Ein Wissenschaftler, Michael Sailer vom Ökoinstitut und Mitglied der Reaktorsicherheitskommission, erklärte: „Dadurch, daß die Kühlung seit vielen Stunden nicht mehr gewährleistet ist, heizt sich der Reaktorkern immer mehr auf. Man weiß nicht genau, ob er jetzt voll geschmolzen ist, oder ob er nur sehr stark überhitzt ist, […] er setzt ja weiter Wärme frei und wird immer heißer. […] Das zeigt, daß der Kern in einem sehr ungekühlten Zustand ist und sich unkontrolliert weiter erhitzt.“

Auf die Frage, welche Notfallmaßnahmen in einer solchen Situation überhaupt noch möglich seien, antwortet er: „Streng nach Lehrbuch eigentlich gar nichts mehr. Man sitzt vor der Situation, wie die Japaner jetzt, daß man sich überlegt, was hilft vielleicht noch, und die Aktion […], daß man versucht hat, Meerwasser da rein zu bekommen, das ist so eine Maßnahme, bei der man will, daß der stark erhitzte Stahl des Reaktors […] wenigstens eine Zeit lang so kühl gehalten wird, daß sich kein weiterer Druck aufbaut. […] Aber das sind Maßnahmen, die helfen vielleicht, sie helfen vielleicht auch nicht. […]“

Auf die Frage, ob denn seiner Meinung nach ein solches Ereignis auch in Deutschland vorstellbar wäre, antwortet er: „Die Reaktoren sind vom Prinzip her in Deutschland und Japan ähnlich konstruiert, die stammen ja beide von amerikanischen Lizenzen ab. […] Wenn bei uns alle Kühlsysteme […] ausfallen, dann passiert genau das Gleiche.“

Am 13. März bestätigt die Betreiberfirma der Kraftwerke, daß auch am Reaktorblock 3 in Fukushima die Drucksicherheitsventile geöffnet werden mußten, und aus zwei weiteren Kernkraftwerken werden – die Informationen sind noch immer widersprüchlich – Probleme gemeldet.

Die ARD sendet am Abend des 13. März um 20.15 Uhr einen erneuten Brennpunkt. Diesmal ist Rangar Yogeshwar zugeschaltet und wird als ARD-Wissenschaftsexperte vorgestellt. Eine 3D-Graphik gibt es nicht mehr, aber der Mann hat einen Filzstift in der Hand und hält ihn in ein Wasserglas. Der Filzstift stellt die Brennstäbe dar, das Wasserglas den Stahlmantel um den Reaktor, und ein Sektkühler die zweite Hülle.

„[…] Die gute Nachricht ist zuerst einmal, daß viele dieser Kernreaktoren gehalten haben […] Der Reaktorkern gleicht ein bißchen einem Tauchsieder, und wenn Wasser im Glas ist, ist es kein Problem, aber das große Problem, das wir jetzt erleben, ist; sie sind leergelaufen, das heißt, der Tauchsieder […] produziert immer noch sehr viel Energie. […] Und was man nun gemacht hat; man hat Wasser eingefüllt, […] und zwar außenrum […], das zweite Behältnis wurde geflutet […], und die Zielsetzung ist dabei, den Kern zu kühlen. Entscheidend, und das ist der große Unterschied zu Tschernobyl, ist, daß es nicht zur Freisetzung von großen Mengen an Radioaktivität bisher gekommen ist. Bisher ist das Ganze noch gekapselt. […]“

Auf die Frage, wie lange denn dieser innere Behälter hielte, und was denn schlimmstenfalls in den nächsten Stunden oder Tagen passieren könnte, antwortet er: „Zuerst einmal muß man sagen: Die Zeit arbeitet für die Techniker, denn der Kern wird im Laufe der Zeit immer weniger Energie von sich geben. […] Wenn es nicht hält, könnte es dazu führen, daß das Ganze aufbricht […], der innere Behälter, aber entscheidend ist, die Radioaktivität müßte noch geschlossen bleiben, also die dürfte nicht nach außen kommen.“

Verarschen, liebe Freunde des Zeitgeschehens, verarschen kann ich mich auch alleine…

00:43 14.03.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

DanielW

-
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare 1