Wie die Rechte die Wissenschaft untergräbt

Wissenschaft Die AfD ist ein Paradebeispiel dafür, wie rechte Parteien die Wissenschaften untergraben.
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Die AfD und der Klimawandel

Die AfD fällt immer wieder dadurch auf, dass sie den Klimawandel leugnet. Damit steht sie nicht allein: die Idee, dass es keinen antrhopogenen Klimawandel gibt, ist ein gemeinsamer Nenner der meisten rechtspopulistischen Parteien weltweit. Höhepunkt des Ganzen war der Auftritt von Guido "der Bergmann" Reil (AfD) bei Markus Lanz. Dieser betete das gesamte Reportoir der organisierten Leugnung des menschengemachten Klimawandels herunter. Von der Behauptung, dass es keine wissenschaftlichen Beweise für den Einfluss von Kohlendioxid auf die Erderwärmung gäbe, bis hin zur These, dass die Sonne an der Erderwärmung Schuld sei, war alles dabei.

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Reil leugnet Fakten, die offenkundig sind. So widerspricht er zum Beispiel Markus Lanz, wenn dieser behauptet, dass die letzten 10 Jahre die wärmsten seit der Wetteraufzeichnung seien. Die These, dass die Sonnenaktivität Schuld am Klimawandel sei, ist seit Jahren wissenschaftlich widerlegt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben sich Sonnenaktivität und Erderwärmung sogar entkoppelt. Das heißt, die Erderwärmung nimmt zu, während die Sonnenaktivität sinkt. Auch die These, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis für den Einfluss von Kohlendioxid auf den Treibhauseffekt gibt ist schlicht falsch. Während es jahrelang nur Laborstudien und Modelle gab, die den Einfluss von Kohlendioxid nachweisen sollten, wurde 2015 eine Studie veröffentlicht, die den Einfluss von Kohlendioxid auf den Treibhauseffekt in Alaska gemessen hat.

Breiter wissenschaftlicher Konsens

Immer wieder wird von Klimawandelleugnern behauptet, dass es gar keinen wissenschaftlichen Konsens zum Thema menschengemachte Erderwärmung gäbe. Dabei gibt es mehrere Metastudien (d.h. Studien, die andere Studien untersuchen und vergleichen), die alle zum gleichen Ergebnis kommen. Es gibt einen breiten Konsens unter Wissenschaftlerinnen darüber, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt.

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Naomi Oreskes ist Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Harvard University und eine der wichtigsten Stimmen im Kampf gegen Wissenschaftskepsis. Sie hat selbst eine Metastudie zum Thema Klimawandelkonsens veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kam, dass alle 928 wissenschaftlichen Artikel, die in der Studie untersucht wurden, vom Forschungskonsens ausgehen. In ihrem Buch "Merchants of Doubt", das sie 2010 zusammen mit Erik M. Conway herausgegeben hat, vergleicht sie die jetzige Situation mit der Debatte über die Schädlichkeit des Tabakrauchens. Dort wurden von der Tabaklobby Unmengen an Geld ausgegeben, um gezielt Zweifel an wissenschaftlichen Ergebnissen in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Diesselbe Strategie wird von Lobbygruppen und Think Tanks in der Klimadebatte verwendet.

Lobbyismus in der AfD

Auch die AfD ist eng mit Lobbygruppen und Think Tanks vernetzt. Obwohl die Partei in ihrem Programm dafür plädiert, dass die Parteienfinanzierung transparenter werden muss, ist es nicht so einfach den Geldfluss der AfD nachzuverfolgen. Zwar müssen Parteien Großspender offen legen, allerdings hat die AfD eine perfide Masche entwickelt, um dem zu entgehen. Seit März 2016 wurde die AfD bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Schleswig-Holstein, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen durch den intransparenten "Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten" im Wahlkampf unterstützt. Der Wert der Wahlkampfmaßnahmen liegt bei geschätzten 6 Millionen Euro. Woher das Geld kommt, weiß niemand, denn anders als die Partei selbst muss dieser Verein seine Finanzen nicht offen legen.

Doch auch abseits von diesen Machenschaften hat die AfD einige Großspender und Finanziers, die sicherlich Interesse daran hätten, dass es keine strengeren Klimagesetze gibt. Der Hamburger Reeder Folkard Edler hat der AfD zum Beispiel zwei Kredite über 500.000 Euro gewährt. Weiterhin bekommt die AfD regelmäsig Großspenden von Chemie, Kunststoff oder Bauunternehmen.

Außerdem sind die meisten Personen der AfD-Führungsriege Mitglieder von Lobbygruppen, die eine marktradikale Politik für Wohlhabende und Großunternehmen vertreten. Beatrix von Storch ist zum Beispiel Mitglied der "Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft". Dieser Think Tank fördert die Verbreitung von markradikalen und neoliberalen Ideen. Finanziert wird das Ganze von der "Friedrich August von Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft", die vom Papierindustriellen Edmund Radmacher mit drei Millionen Euro Kapital ausgestattet wurde.

Roland Vaubel war Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der AfD. Er war Mitglied des "Walter Eucken Instituts", ebenfalls ein neoliberales Forschungsinstitut. Finanzielle Unterstützung erhält das Institut vom "Aktionskreis Freiburger Schule e.V.". Spender ist dort unter anderem die Deutsche Bank.

Richtigstellung 24.05.2019: Roland Vaubel ist 2012 aus dem Walter Eucken Institut ausgetreten. Diese Verbindung besteht faktisch nicht. Das Walter Eucken Institut ist ein An-Institut der Universität Freiburg und unabhängig. Finanziell unterstützt wird es vom Land Baden-Württemberg und durch Spenden. Darüber hinaus führen wir Drittmittelprojekte für Ministerien etc. durch. 2015 ist Roland Vaubel ebenfalls aus der AfD ausgetreten und ist jetzt Mitglied der Partei "Liberal-konservative Reformer".

AfD ist die Speerspitze der Klimaleugner in Deutschland

Dann gibt es da noch das "Europäische Institut für Klima und Energie" (EIKE). Das ist die Speerspitze der organisierten Leugnung des Klimawandels. Mitwirkende sind unter anderem: Michael Limburg, Mitglied der AfD und Stellv. Vorsitzender des AfD-Bundesfachausschusses Energie und Vizepräsident von EIKE und gleichzeitig übrigens auch Mitglied der Friedrich A. von Hayek- Gesellschaft, genauso wie der Präsident von EIKE Holger Thuß. Horst-Joachim Lüdecke, Mitglied der AfD und Mitglied des AfD-Bundesfachausschusses Energie, ist Pressesprecher von EIKE.

Die Finanzen von EIKE werden klarerweise nicht offengelegt. Es besteht aber eine enge Zusammenarbeit mit dem "Institut für Unternehmerische Freiheit", was wiederum mit dem ameriaknischen "Atlas Network" zusammenarbeitet und dieses wird unter anderem von ExxonMobile und Philip Morris unterstützt. Da wird einem schnell schwindelig. (Mehr Informationen gibt es hier.)

Eines wird jedoch deutlich: Die Leugnung des Klimawandels der AfD ist nicht einfach nur schrulliges Gehabe oder Dummheit. Es ist vielmehr ein international organisiertes Verbreiten von Fehlinformationen und Untergraben von wissenschaftlichen Ergebnissen, um wirtschaftliche und politische Interessen zu rechtfertigen und durchzusetzen. Diese Strategie ist nicht neu und sie spiegelt sich bei fast allen rechten Parteien wieder. Gefährlich ist jeodch, dass zentrale Werte wissenschaftlicher Praxis untergraben werden und damit die Wissenschaft selbst. Damit stellt sich die AfD in eine lange Tradition des Irrationalismus rechter Parteien.

Empfehlung: Video von Naomi Oreskes darüber, worauf wissenschaftliche Autorität beruht.

Alle Quellen wurden an entsprechender Stelle verlinkt.

Informationen zum Thema Lobbyismus und AfD gibt es hier.

13:58 23.05.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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