Friedenspreisträger Navid Kermani

Krieg in Syrien beenden FAZ gestern: Der Westen muss den Krieg in Syrien beenden. Die Dankesrede von Kermani hat allerdings folgende Überschrift: Jacques Mourad und die Liebe in Syrien
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Friedenspreis für Kermani Der Westen muss den Krieg in Syrien beenden

Navid Kermani erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und kritisiert in seiner Dankesrede das unzureichende Eingreifen des Westens in Syrien.

So die FAZ gestern, den 18.10. in ihrem Artikel

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/friedenspreis-fuer-kermani-der-westen-muss-den-krieg-in-syrien-beenden-13862016.html

Kermani: Auch militärische Reaktionen müssten erwogen werden.

Was verbirgt sich hinter dieser Forderung? Gibt es denn nicht schon genug „militärische Interventionen“ in Syrien?

Doch dann heißt es unvermittelt in dem Artikel bei der FAZ:„Ich rufe nicht zum Krieg auf. Ich weise lediglich darauf hin, dass es einen Krieg gibt – und dass auch wir, als seine nächsten Nachbarn, uns dazu verhalten müssen, womöglich militärisch, ja, aber vor allem sehr viel entschlossener als bisher diplomatisch und ebenso zivilgesellschaftlich“, sagte Kermani bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche.

Und im FAZ-Artikel folgen estaunlicherweise ganz andere Töne aus der Rede von Kermani:

- Notwendig sei eine breite gesellschaftliche Debatte über die Ursachen des islamistischen Terrors und der Fluchtbewegung. Wörtlich: Wir fragen nicht, warum unser engster Partner im Nahen Osten ausgerechnet Saudi-Arabien ist“, kritisierte Kermani. Man ignoriere, dass die Schulbücher und Lehrpläne des „Islamischen Staats“ (IS) zu 95 Prozent identisch seien mit jenen Saudi-Arabiens. Der „religiöse Faschismus“ des IS stelle nur den Endpunkt eines langen Niedergangs „auch und gerade des religiösen Denkens“ dar. „Gesponsert mit Milliardenbeträgen aus dem Öl“ sei der Terror über Jahrzehnte „in Moscheen, in Büchern, im Fernsehen“ ideologisch vorbereitet worden.

Weiter:

- „Alle maßgeblichen theologischen Autoritäten der islamischen Welt haben den Anspruch des IS verworfen, für den Islam zu sprechen und im Detail herausgearbeitet, inwiefern dessen Praxis und Ideologie dem Koran und den Grundlehren der islamischen Theologie widerspricht“, sagte Kermani. „Und doch würden sich in den meisten Ländern der muslimischen Welt staatliche Autoritäten und theologische Schulen auf den Islam berufen, wenn sie das eigene Volk unterdrücken, Frauen benachteiligen, Andersdenkende, Andersgläubige, anders Lebende verfolgen, vertreiben, massakrieren“.

Wow! Wann und wo wird das mal in unsern „Qualitäts-Medien“ bzw. von unsern „Qualitäts-Politikern“ so geradeheraus ausgesprochen?

Gut, dass diesem Moslem dieser Friedenspreis zugesprochen wurde. Und es ist zu hoffen, dass seine Botschaft nicht verdreht wird von interessierter Seite - hüben und drüben.

Das ist übrigens kein „Kanonenfutter“ für Pegida und andere "besorgte" Nationalisten bei uns.

Nachtrag 1

Ich habe den obigen Text bis hierher schon gestern geschrieben.

Da die FAZ heute dankenswerterweise den ganzen Text der Rede veröffentlicht hat,

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kermanis-friedenspreis-rede-jacques-mourad-und-die-liebe-in-syrien-13863150-p13.html?printPagedArticle=true#pageIndex_13

habe ich den nun auch gelesen.

Ich muss bekennen: mir ist da wieder einmal deutlich geworden, wie armselig – ja eigentlich unzulässig verkürzt – es ist, sich nur auf eine journalistisch selektive Kurzfassung zu beziehen – wie ich es oben gemacht habe! Der ganze Text übersteigt bei weitem den hier andiskutierten Aspekt – so wichtig der allerdings ist.

Für mich beeindruckend ist bei der ganzen Rede die Empathie des Preisträgers bzw. sein humanistischer Impetus - jenseits religiöser Engführung.

Nachtrag 2

In dem Zusammenhang ist übrigens ganz interessant, was dem jetzigen Preisträger 2009 von den beiden christlichen Kirchen bei uns widerfuhr, als ihm der Hessische Kulturpreis verliehen werden sollte.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/hessischer-kulturpreis-navid-kermani-und-der-preis-den-er-nicht-bekam-1795313.html

19:29 19.10.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

namreH

Habe das Gefühl: glücklicherweise nehmen auf meiner Stirn die Zornesfalten ab und die Denkerfalten zu. Wenn meine Enkelin das merkt, stimmt es auch!
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